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Literaturkurs des Leibniz-Gymnasiums macht Theater

Der Literaturkurs des Leibniz-Gymnasiums präsentiert die Komödie der Eitelkeit, ein Drama in drei Teilen von Elias Canetti, am Dienstag, 2., und Mittwoch, 3. Juni, jeweils um 19 Uhr, in der Aula des Schulzentrums Klausen. "Die Komödie der Eitelkeit" ist keine Komödie im Wortsinne, vielmehr ein sehr ernstes Theaterstück über das Verhalten der Masse unter dem Druck eines autoritären Regimes, das grundlegende Freiheiten beschneidet und eine totalitäre Herrschaft ausübt. Elias Canetti (1905-1994) verfasste dieses Werk unter dem Eindruck der nationalsozialistischen Machtergreifung in Deutschland in den Jahren 1933/34 in Wien, wo er seit 1924 lebte, bis er sich wegen seiner jüdischen Herkunft 1938 nach England retten konnte.

 

„Und wir, meine Herrschaften, und wir, und wir, wir haben etwas vor", ruft der Ausrufer Wenzel Wondrak am Beginn des ersten Teiles. Und dieses Vorhaben ist bei Todesstrafe das Verbot und die Vernichtung jeglicher Bilder, Kameras, Kinos und Spiegel, moralisch kaschiert als Kampf gegen die menschliche Eitelkeit. Und in einer Massenhysterie machen die Menschen aller Schichten dabei mit, ohne zu begreifen, dass sie mit der Bildervernichtung auch sich selbst, ihr Wesen, ihre Eigenart, ihre Persönlichkeit zerstören.

Der zweite Teil zeigt, was daraus zehn Jahre später geworden ist: Die Menschen entwickeln Ersatzlösungen, um doch die verbotene Selbstbestätigung zu bekommen: Junge Frauen versuchen sich in den Augen der Freundin zu spiegeln, professionelle Schmeichler loben gegen Bezahlung, Hausierer vermieten Spiegelscherben wie Drogen zum Selbstgenuss und und und ... und staatliche Kontrolleure überwachen das Verbot und bestrafen Zuwiderhandlungen drakonisch.

Der dritte Teil schließlich spielt in einem (vielleicht staatlich überwachten) Spiegelbordell, in dem jeder gegen Bezahlung heimlich dem Verlangen nach einem Bild seiner selbst nachkommen kann. "Niemand spricht. Niemand atmet. Alle sind hier in gehöriger Ordnung zusammen", heißt es in einer Regieanweisung. Nur durch einen Zufall wird diese Ordnung gestört: Alle schreien wild durcheinander "Ich! Ich! Ich!", ohne dass man ihnen glauben kann, dass sie ihr Selbstbewusstsein zurückgewonnen hätten; sie trampeln in einem chaotischen Ausbruch Menschen zu Tode, und an der Rückwand der Bühne erscheint das Bild der Person aus dem Stück als Denkmal, welche diesen Prozess ausgelöst hat – so jedenfalls bei Canetti.

Doch Canetti konnte 1933 nicht wissen, was in unserem Land zwischen 1933 und 1945 noch geschehen sollte. Und er konnte damals auch nicht wissen, wo und wie nach 1945 und bis heute auf unserem Planeten Menschen von Menschen und Systemen beherrscht oder unterdrückt werden, brutal oder unmerklich verdeckt. Weil wir es aber wissen, hat der Literaturkurs den Schluss verändert.

Darsteller: David Abramczyk, Tim Adamek, Malte Brandt, Mia Burgdorf, Hannah Busch, Katharina de Groote, Alina Dicke, Lea Eschweiler, Leon Funccius, Annika Herbst, Melda Kandemir, Benedikt Kuhstoß, Cihan Koyuncu, Joshua Lamberti, Gianluca Lerose, Florian Leyendecker, Michelle Reinholdt, Leonard Sewald, Jannis Strauch, Timon Terliesner, Patricia Zumbruch. Regie: Raimund Geuter.

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