Skip to content

Verlässliche e.V. und Kompazz/Kraftstation machten das Rennen

Ratsmehrheit steht zur Schulsozialarbeit und zur OGS“ titelte der Waterbölles am 26. November 2014. Damals hatten Fraktionen und Gruppen von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und W.i.R. den Antrag angekündigt, die Schulsozialarbeit zur Umsetzung des allgemein als „sperrig“ angesehenen Bildungs- und Teilhabepakets bis Ende 2017 fortzusetzen. Entsprechend beschloss später der Rat der Stadt. Die Stadt hatte die Schulsozialarbeit seit dem 1. Januar 2014 (nach Ausstieg des Bundes) mit Zustimmung der Kommunalaufsicht als so genannte „freiwillige Leistung“ alleine finanziert. Zugleich forderte der Rat der Stadt im November 2014 Land und Bund auf, für eine dauerhafte Finanzierung dieser unverzichtbaren sozialpolitischen Maßnahmen Sorge zu tragen, ohne die Kommunen damit weiterhin zu belasten. Reaktion der Bundes damals: Null! Für ihn sprang ab 1. Januar 1015 in NRW die Landesregierung in die Bresche. Sehr zur Erleichterung der Stadt Remscheid. Denn das bedeutete für sie einen Festbetrag des Landes für 2015, 2016 und 2017 in Höhe von jeweils rund 365.000 Euro. Von den jährlich 535.000 Euro, die der Rat der Stadt beschlossen hatte, um eine leistungsfähige und zielorientierte Schulsozialarbeit für bedürftige Schülerinnen und Schüler sicherzustellen, sind somit in diesen drei Jahren jeweils nur noch knapp 170.000 Euro aus der Stadtkasse zu zahlen.

Aus dem jährlichen Fördervolumen von 525.000 bis 560.000 Euro in den Jahren 2015, 2016 und 2017 ergab sich für die elf Schulsozialarbeiter/innen der freien Trägern Kompass e.V. und Verlässliche e.V. (auf 9,5 Vollzeitstellen) allerdings eine Hängepartie: Zum 1. August mussten die Leistungen entsprechend der Förderrichtlinien des Landes öffentlich neu ausgeschrieben werden. Das Ausschreibungsverfahren ist mittlerweile abgeschlossen. Den Zuschlag erhielten - die Die Verlässliche e.V. (Primarbereich) und Kompazz/Kraftstation (Sekundarbereich), so dass die wichtige Arbeit mit bewährten und erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fortgesetzt werden kann. Beide Träger hatten sich gegenüber einem Mitbewerber durchgesetzt. Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz und Sozialdezernent Thomas Neuhaus machten auf ihrer gestrigen Pressekonferenz in der Gelben Villa kein Hehl daraus, dass sie über das Ergebnis dieses „Vergabeverfahrens nach allen Regeln der Kunst“ erfreut und erleichtert zugleich sind. Dass das für Schulsozialarbeiter/innen ebenfalls gilt, muss nicht weiter betont werden. Drei von ihnen – Christine Oberhuber, Alicia Pellicer Martinez und Niko Berkljacic – nahmen zusammen mit Wolfgang Zöller, Geschäftsführer der Kraftstation, sowie Gerda Spahn und ihr Sohn Matthias, ebenfalls für den Verlässliche e.V. aktiv, an der Pressekonferenz teil. Oberbürgermeister und Sozialdezernent bescheinigten ihnen, die rund 11.000 Menschen (mit mehr als 6.500 Kindern und Jugendlichen), die in der Stadt finanzielle Hilfen nach den SGB II erhalten, über die Beihilfemöglichkeiten des Bildungs- und Teilhabegesetzes so gut zu informieren zu haben bzw. ihnen bei der Antragsstellung behilflich gewesen zu sein, dass die Bundesmittel zum Jahresende ausgeschöpft werden.

In Zahlen: Während 2013 von Berechtigten nach dem Bundeskindergeldgesetz (BKGG) noch 2.289 Anträge zum Bildungs- und Teilhabegesetz gestellt wurden (Fördersumme: 300.741 Euro) und nach SGBII 1.289 Anträge (Fördersumme: 608.102 Euro), waren es 2014 nach dem BKGG 1.686 (248.375 Euro) und nach SGB II 2.214 (761.221 Euro). Finanzschwachen Familien bzw. deren Kindern konnte somit 2013 mit insgesamt 908.844 Euro geholfen werden bzw. 1.009.596 Euro in 2014. Von letztgenannter Summe entfielen auf Schulausflüge/Klassenfahrten 146.682 Euro, Schulbedarfspakete 261.612 Euro, die Schülerbeförderung 630 Euro, die Lernförderung 138.323 Euro, die Mittagsverpflegung 416. 799 Euro sowie die soziale & kulturelle Teilhabe 45.540 Euro.

Es gibt Grundschulen in Remscheid, die haben die Unterstützung von Schulsozialarbeitern dringender nötig als andere. Das hat etwas mit sozialen Brennpunkten zutun. Und genau deshalb wollte gestern Gerda Spahn keine Namen nennen, um die betreffenden Schulen nicht in irgendeiner Weise an den Pranger zu stellen. Nur so viel: Von den 26 Schulstandorten im Primärbereich bekommen 16 regelmäßig Besuch von Schulsozialarbeitern, vier Standorte zweimal pro Woche und drei sogar dreimal pro Woche.

Zum 31. Dezember 2014 hatten „Kompazz 2.0“ und der Freie Jugendarbeit Remscheid-Mitte e.V. (Kraftstation) einen „Zwischenbericht“ vorgelegt, der Zielgruppen und Tätigkeitsfelder der Remscheider Schulsozialarbeiter anschaulich und ausführlich beschreibt.
Der Waterbölles hat wesentliche Punkte daraus zusammengefasst:

Die Zielgruppen sind hauptsächlich benachteiligte Jugendliche, die aus individuellen oder sozialen Gründen in ihren gesellschaftlichen Teilhabemöglichkeiten eingeschränkt sind. Die benachteiligten Kinder und Jugendlichen, die aus individuellen oder sozialen Gründen in ihren gesellschaftlichen Teilhabemöglichkeiten eingeschränkt sind und das Beratungs- und Unterstützungsangebot in Anspruch nehmen, kommen auf verschiedenen Wegen (z. B. durch Lehrerinnen, Schulsozialarbeiterinnen, Eltern, Jugendamt, andere Beratungsstellen oder durch die Berufsberatung) zu den Schulsozialarbeitern. Diese filtern die Kriterien der besonderen Benachteiligung und damit der geminderten Chancen beim künftigen Übergang von der Schule in den Beruf heraus, gestützt auf Expertisen der jeweiligen Lehrkräfte, die zumeist frühzeitig eine Prognose abgeben können, welche Schüler/innen beispielsweise Schwierigkeiten haben werden, den Hauptschulabschluss zu erlangen und / oder aktuell Nachhilfe benötigen, um versetzt zu werden. Gleichfalls gilt es Kinder und Jugendliche zu unterstützen, die z. B. soziale und / oder emotionale Probleme haben.

Vielen Kindern und Jugendlichen, aber auch Eltern, Erziehungsberechtigten und Lehrerinnen kann häufig schon durch ein kurzes Gespräch geholfen werden. Dabei geht es meist um eng umrissene Anfragen nach Beratungseinrichtungen oder Ähnlichem. Schüler/innen, bei denen sich Auffälligkeiten zeigen, wird in Absprache mit den beteiligten Eltern / Erziehungsberechtigten und / oder Lehrerinnen, Unterstützung, Beratung und Begleitung angeboten. Dabei geht es insbesondere darum, Brüchen in der Schul- und Berufslaufbahn vorzubeugen und einen passgenau geplanten und mit konkreten Zuständigkeiten versehenen (Förder-) Plan für den Weg ins Berufsleben nach der Schulzeit zu gestalten.

Dazu zählen natürlich vor allem die Angebote des Bildungs- und Teilhabepaketes. Diese werden vorgestellt und bei Bedarf und Bezugsberechtigung mit Unterstützung der Schulsozialarbeiter beantragt. Ihre Hauptaufgaben:

  • aufsuchend Kontakt herstellen
  • Kompetenzen ermitteln
  • Hemmnisse beseitigen helfen
  • ressourcenorientiert, passgenau und erfolgreich bei den aktuellen Problemen und Fragen zu persönlichen Anliegen unterstützen
  • an Schlüsselstellen kontrollieren und - sofern nötig - langfristig begleiten.

Mehrere Schulen nutzten die Möglichkeit, mit ihren Schülerinnen Konzentration und Verantwortung an den Kletterbäumen im Garten der Gelben Villa zu stärken. Gleichfalls dient dieses Training auch dem Aufbau von Selbstbewusstsein und Vertrauen in der Gruppe. Durch die verschiedenen Gruppenangebote in der Gelben Villa haben die Kinder und Jugendlichen die Chance, die Schulsozialarbeiterinnen außerhalb einer Beratungssituation kennenzulernen und so Vertrauen aufzubauen. Der Schritt in die Beratung fällt vielen danach sehr viel leichter.

Ist eine Vertrauensbasis hergestellt, werden die zugrundeliegenden Probleme wie z. B. Lern- und Leistungsprobleme, Mobbing, soziale Ausgrenzung, aktueller Drogenkonsum, Straffälligkeiten, schwierige familiäre Verhältnisse, körperliche und / oder psychische Beeinträchtigungen oder Erkrankungen analysiert und thematisiert,. Erst danach können Lösungen (z. B. ein gemeinsames Gespräch mit den Eltern / Erziehungsberechtigten und / oder Lehrerinnen oder der psychologischen Beratungsstelle, dem psychologischen oder medizinischen Dienst der Agentur für Arbeit) individuell mit den Kindern und Jugendlichen besprochen und angegangen werden, etwa bei Besuchen in den Familien (aus dem Einblick in die Lebensverhältnisse ergeben sich u. U. weitere Hilfsangebote).

Seit Mai 2014 bietet Kompazz 2.0 einmal in der Woche ein offenes Übermittagsangebot im Röntgen-Gymnasium und im Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium an. Beide Schulen signalisierten eine erhöhte Nachfrage an Schulsozialarbeit, denn bis dahin gab es dort keine Schulsozialarbeit. Im Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium wurde extra für diesen Zweck ein Schulsozialarbeiter-Büro mit zwei Räumen eingerichtet, so dass die Schülerinnen in der Mittagspause zwanglos mit den Schulsozialarbeiterinnen in Kontakt kommen können. Am Röntgen-Gymnasium wird in der Mittagspause in der Mensa ein Spiele-Tisch aufgebaut. Durch gemeinsames Kickern, spielen, basteln und miteinander reden ist die Schwelle für ein privates Gespräch deutlich gesunken und wird in Anspruch genommen. (gekürzte Version)

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Lothar Kaiser am :

Was denn aus dem Konzept für die Schulsozialarbeit in Remscheid geworden sei, das Sozialdezernent Thomas Neuhaus vor geraumer Zeit angekündigt habe, wollte in der heutigen Sitzung des Schulausschusses Alexander Schmidt (CDU) wissen, „ohne Herrn Neuhaus an den Pranger zu stellen“. Der hätte dabei aber auch gar nicht mitgespielt. Seine kurze Nachhilfe in lokaler Schulpolitik: Bekanntlich habe die Stadt die Träger der Schulsozialarbeit durch öffentliche Ausschreibung ermitteln müssen. Deshalb habe aus dem vorgesehenen Konzept eine Leistungsbeschreibung werden müssen. Und diese habe die Stadt dann noch um Kriterien des Landes ergänzen müssen, das die Kosten der Schulsozialarbeit damals überraschend bis Ende 2017 übernommen habe. Dann laufe auch der Vertrag mit den Trägern aus. Den Termin griff Erden Ankay-Nachtwein (SPD) auf, und regte an, von den Trägern einen Zwischenbericht ihrer Arbeit anzufordern. So soll es nun geschehen.

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!