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Lieber Ausbildung als Warteschleife oder Studienabbruch

„Die Landesinitiative ‚Kein Abschluss ohne Anschluss‘ strebt in allen Schulen der Sekundarstufe I ein präventives Vorgehen in der Berufsorientierung an, um sowohl der Orientierungslosigkeit mancher Schüler als auch dem drohenden Fachkräftemangel der Wirtschaft zu begegnen,“ schrieb der Waterbölles am 3. März 2014 über die neuen Koordinierungsstelle für ‚Kein Abschluss ohne Anschluss‘ (KAoA), die in allen kreisfreien Städten und Kreisen in NRW die Arbeit aufnehmen wird, sofern noch nicht geschehen. In Remscheid kümmert sich darum ein Lenkungskreis unter Vorsitz des Oberbürgermeisters, dem die Agentur für Arbeit, der Arbeitgeberverband von Remscheid und Umgebung e.V. , der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Industrie- und Handelskammer, das Jobcenter Remscheid und die Kreishandwerkerschaft angehören. Leiterin der städtischen Koordinierungsstelle ist Frauke Türk. Gemeinsam wollen die Akteure künftig bei Schüler/innen und Eltern das duale System mit seinen Chancen für sehr unterschiedliche Talente stärker herausstellen.

Dass viele Jugendliche nur deshalb lange Zeit in weiterführenden Schulen verweilen, weil ihnen kein geeigneter Beruf eingefallen ist und sie deshalb erst später ins Berufsleben eintreten, hilft weder ihnen noch den Ausbildungsbetrieben. Das betonten gestern in einer Pressekonferenz im Rathaus Sozialdezernent Thomas Neuhaus, Frauke Türk (kommunale Koordinierungsstelle), Susanne Cortinovis (Schulamt für die Stadt Remscheid), Carmen Bartl-Zorn (bergische Industrie- und Handelskammer), Franz Heuel (Agentur für Arbeit Solingen – Wuppertal), Markus von Dreusche (Arbeitgeberverband von Remscheid und Umgebung e.V.) und Fred Schulz (Kreishandwerkerschaft Remscheid). Ihre Erkenntnis: „Viele entscheidungsfähigen Schüler/innen, die nach der 10 Klasse auf einer Schule bleiben, bekommen dort später schlechtere Noten (etwa im Abitur) und verschlechtern dadurch ihre Berufschancen. Und für ein anschließendes Studium wäre das auch kein guter Start. Da ist der spätere Studienabbruch dann vorprogrammiert!“ (Etwa die Hälfte der Remscheider Jugendlichen hat nach der 10. Klasse den mittleren Bildungsabschluss, die Fachoberschulreife. Allerdings bewerben sich nur wenige damit um eine klassische Ausbildungsstelle nach dem dualen Modell, sondern versuchen, nachträglich die Qualifikation für die Oberstufe zu erwerben.) Lieber wäre den Vertretern von IHK, Arbeitgeberverband und Kreishandwerkerschaft eine Berufsausbildung gleich nach der 10. Klasse, die nach erfolgreichem Abschluss auch noch zu einem Studium führen könnte, dann aber auf einer fundierten Wissensgrundlage.

Derzeit entscheiden sich in Remscheid von rund 1.000 Schülerinnen und Schülern von 10. Klassen (Haupt-, Real- und Gesamtschule bzw. Gymnasien) 600 für den Besuch eines Berufskollegs oder für weiteres Lernen mit dem Ziel „Abitur“. 400 Abgangsschüler/innen reichen Industrie und Handwerk in Remscheid aber nicht, um alle angebotenen Ausbildungsplätze zu besetzen. Das Problem, das sich heraus beispielsweise für das Handwerk ergibt, schilderte gestern Fred Schulz: „In zehn Jahren werden in Remscheid 100 bis 120 Meister fehlen, die Handwerksbetriebe ohne Nachfolger übernehmen könnten. Mit jedem Betrieb, der dann geschlossen werden müsste, gingen drei bis fünf Arbeitsplätze verloren!“ Von 210 Ausbildungsplätzen konnte das Handwerk in diesem Jahr nur 179 besetzen.

In der Industrie sind es die Facharbeiter, die heute schon vielfach fehlen und auch bei der Agentur für Arbeit nicht zu finden sind. Deshalb besteht auch dort großes Interesse daran, schon in den 8. Klassen das breite Spektrum an Ausbildungsberufen nebst späteren Weiterbildungsmöglichkeiten vorzustellen und zugleich das Problembewusstsein der Eltern für den wichtigen Prozess der Berufsfindung ihrer Kinder zu schärfen. Thomas Neuhaus: „Eine frühzeitige Berufsorientierung ist alternativlos. Zumal reine Warteschleifen in weiterführenden Schulen und spätere Studienabbrüche auch wirtschaftlich nicht vertretbar sind!“ Auch vergrößere das die Gefahr, dass die duale Ausbildung in mehr als 300 Berufen an Bedeutung verliere.

Deshalb soll „Kein Abschluss ohne Anschluss‘ Schüler/innen wie Eltern für eine duale Ausbildung in Handwerk und Industrie begeistern. Das begann schon in den ersten Elternabenden der 8. Klassen zu Beginn dieses Schuljahres mit der Information, dass 528 Schülerinnen und Schüler aus 8. Klassen bis Weihnachten an einer Potenzialanalyse teilnehmen müssen. Hierbei sollen ihre Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen in einem handlungsorientierten Verfahren beobachtet werden. Ziel ist das Erkennen (nicht das Bewerten) von Potenzialen, die im Schulalltag gemeinhin nicht erfasst werden. Die Ergebnisse der berufsbezogenen Potenzialanalyse werden dann mit den Jugendlichen und ihren Eltern besprochen, um deren den Blick auch auf berufliche Bereiche zu lenken, die für sie bislang nicht im Focus standen. In Remscheid führen zwei örtlich gut verankerte Träger die KAoA-Potenzialanalysen durch: Die Arbeit Remscheid gGmbH und das Bergische Institut für Weiterbildung (BIW). Sie bekamen nach einem Ausschreibungsverfahren den Zuschlag für die landesfinanzierten Maßnahmen.

Auf die Potenzialanalyse werden vom 25. bis 29. April des nächsten Jahres drei Praxistage in verschiedenen Berufsfeldern folgen. Diese Berufsfelderkundung soll den 8-Klässler/innen das echte Arbeitsleben in Betrieben nahebringen, indem sie typische Arbeitsabläufe kennenlernen und so ihre Vorstellungen aus dem Berufsorientierungsunterricht überprüfen können. Franz Heuel: „Das ist eine gute Vorbereitung für die Entscheidung, wenn in der 9. Klasse bzw. 10. Klasse in Gymnasien ein zwei- bis dreiwöchiges Praktikum ansteht. Betriebe aller Branchen haben hierbei  die Gelegenheit, sich den Fachkräften von morgen vorzustellen und zu öffnen.“ Die Wirtschaftsakteure werden bei ihren Mitgliedsbetrieben dafür werben, Mädchen und Jungen aus 8. Klassen genügend Plätze für das Schnupperpraktikum zur Verfügung zu stellen; es ist schließlich auch in deren Sinn.

Und wie werden Betriebe und Jugendliche zueinander finden?  Die Anmeldungen für die Woche der Berufsfelderkundung vom 25. bis 29. April sind mit Hilfe eines Online-Portals vorgesehen das die Stadt Remscheid einrichten wird (Adresse folgt dann). Spezielle Software wird es den teilnehmenden Betrieben ermöglichen, ihr Angebot dort selbst einzustellen und kurz zu beschreiben. Die Jugendlichen können diese Praktikumsplatze dann eigenständig buchen, müssen allerdings von den jeweiligen Lehrkräften vorab eine Freischaltung erhalten.

Jugendliche mit Förderbedarf absolvieren die Berufsfelderkundung im Berufsbildungszentrum der Remscheider Metall- und Elektroindustrie (BZI). Insgesamt 366 Jugendliche werden dort in den drei Berufsfeldern Metall, Elektro und Fahrzeugbau von erfahrenen Ausbildern und Pädagogen betreut.

In einer Anschlussvereinbarung, die Schülerinnen und Schüler in der 10. Klasse formulieren, sollen sie ihren bisherigen Berufsorientierungsprozess bilanzieren, d. h. die Schritte festhalten, die sie zur Erreichung ihrer individuellen beruflichen Vorstellungen konkret gehen müssen bzw. welche Unterstützung sie dafür brauchen.

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Frauke Türk am :

Am 17.November in der Zeit von 8.30 bis 13 Uhr stellen sich im Berufskolleg Technik vier Berufskollegs den Schülerinnen und Schülern der Abgangsklassen mit ihrem vielfältigen Angebot vor. Sie präsentieren sich als mögliche Anschluss-Partner für Jugendliche nach dem Abschluss der Sekundarstufe I und wollen mit ihrer Vorstellung sowohl die Möglichkeiten aufzeigen, die der Besuch eines Berufskollegs bietet als auch die Ansprüche verdeutlichen, die in der neuen Schulform gestellt werden. Die Veranstaltung greift das Vorgehen der Jugendkonferenz vom November 2014 auf, als die Berufskollegs erstmals gemeinsam über ihre Bildungsgänge informierten. Diese Veranstaltung stieß auf so viel Resonanz, dass sie als Informationsmodul verstetigt werden soll.

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