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Altenhilfe und Migranten gehen (noch?) getrennte Wege

Wie es um Betreutes Wohnen und Pflegeheimen für ältere Migranten stehe und ganz allgemein um eine „kultursensiblen Pflege in Remscheid" hatten CDU und SPD im Frühjahr von der Verwaltung wissen wollen. Auf fünf Seiten hat die Stadt darauf nun geantwortet - mit ausführlichem Verweis auf die Gesetzeslage. Am 22. Oktober wird sich der Integrationsrat mit der Vorlage befassen, am 29. Oktober der Seniorenbeirat. Darin nimmt die Stadt Bezug auf das Gesetz zur Förderung der gesellschaftlichen Teilhabe und Integration in Nordrhein-Westfalen (Teilhabe- und Integrationsgesetz), wonach sie im Juli 2013 ein Kommunales Integrationszentrum (KI) eingerichtet habe. Bei seiner Querschnittsaufgabe „Integration“ habe das KI die Belange und Bedürfnisse der Migranten in allen Lebensbereichen zu berücksichtigen, schreibt die Verwaltung in ihrer Antwort auf die beiden Anfragen der Fraktionen. Und entsprechend einem Auftrag des Integrationsrates, ein Konzeption zu entwickeln für eine interkulturelle Seniorenarbeit werde das KI – mit Unterstützung des Fachdienstes Jugend, Soziales und Wohnen - im Laufe des nächsten Jahres „die örtlichen Senioren- und Pflegeeinrichtungen in Remscheid kontaktieren und die Umsetzung entsprechender kultursensibler Konzepte erörtern und hierfür sensibilisieren. (...) Das KI verschafft sich auf diese Weise eine umfassende und aktuelle Übersicht über bereits vorhandene kultursensible Angebote der örtlichen Senioreneinrichtungen und regt die Entwicklung weiterer Angebote an.“

„Aufgabe der Altenpflege ist es, die älteren und pflegebedürftigen Menschen in unserer Gesellschaft, die schon lange nicht mehr mono- sondern multikulturell ist, zu betreuen. Auch Migranten werden alt und haben Anspruch auf eine Versorgung, die ihre kulturellen Wünsche und Bedürfnissen respektiert. Es wird höchste Zeit, dass sich die Altenpflege dieser Herausforderung annimmt“, ist in der Diplomarbeit „Auf dem Weg zu einer interkulturellen Altenpflege“ (Juni 2004) von  Melanie Jana nachzulesen (siehe http://www.die-bonn.de/esprid/dokumente/doc-2004/jana04_01.pdf). Interkulturelle Altenpflege bedeute, Menschen verschiedener Kulturen auf ihrem Weg zu begleiten, ihnen zu helfen und sie zu beraten, dabei aber ihre eigene Kultur und Weltanschauung zu akzeptieren und diese nicht zu verfälschen. Zitat: „Auch Migranten werden alt und haben Anspruch auf eine Versorgung, die ihre kulturellen Wünsche und Bedürfnissen respektiert. Es wird höchste Zeit, dass sich die Altenpflege dieser Herausforderung annimmt.“

In ihrer Mitteilungsvorlage schränkt die Stadt Remscheid allerdings ein, dass – „vor dem Hintergrund des Grundsatzes, dass alle pflegerischen Angebote allen hilfebedürftigen Menschen offenstehen sollen“ – segregative (aussondernde) pflegerische Angebote ausschließlich für Migranten nicht das Ziel sein könnten. „Vielmehr müssen sich bestehende und neue Angebote schrittweise älter werdender Migranten und ihren Bedürfnissen öffnen, so dass sie von ihnen auch in Anspruch genommen werden (können).“ Zur Umsetzung dieses integrativen Ansatzes würden örtliche und auswärtige Betreiber / Träger / Investoren unter Hinweis auf die steigende Zahl älterer Migranten in Remscheid schon seit langem in Beratungsgesprächen auf die sich hieraus ergebenden Bedarfe hingewiesen. Eine Umsetzung obliege nach den Grundsätzen des APG aber allein den Einrichtungsträgern und könne von der Stadt Remscheid nicht aktiv beeinflusst werden. Auch liege der Stadt „eine umfassende und aktuelle Übersicht aller Remscheider Pflegeeinrichtungen hinsichtlich dessen, welche Träger welche kultursensiblen Pflegekonzepte umgesetzt haben, ... nicht vor“.  Zur Verfügung stehe einzig und allein die alle zwei Jahre vom Land erhobene Pflegestatistik (aktuell zum Stichtag 31. Dezember 2013). Diese enthalte keine Angaben über kultursensible Angebote und deren Nutzung durch Migranten.

Zitat aus der Diplomarbeit von Melanie Jana: „Nach wie vor beschäftigt sich ein Großteil der älteren Zuwanderer mit einem Rentnerdasein in ihrer Heimat. Aus diesem Grund vermeiden viele Einwanderer Verbindlichkeiten gegenüber der deutschen Altenhilfe. Den Gedanken an eine Versorgung im deutschen Pflegeheim verdrängen sie mit Hilfe ihrer Rückkehrillusion, da diese ihnen die Option des Zurückkehrens offen hält und somit psychologisch stabilisierend wirkt. Weiterhin vertrauen viele ehemaligen Gastarbeiter auf die spätere Pflege durch ihre Kinder. Die nachfolgenden Generationen haben sich jedoch dem deutschen Wertesystem dahingehend angepasst, dass Frauen ebenfalls eine Ausbildung absolvieren, einen Beruf ergreifen und somit als potentielle Pflegenden mehr und mehr ausscheiden.“

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