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Stadt geht mit ehrgeizigem Projekt in Förderrennen

Neue Dreifachturnhalle in der City auf Kosten des Bundes?“, fragte am  30. Oktober der Waterbölles, nachdem Sportdezernent Thomas Neuhaus auf ein Bundesprogramm zur Sanierung der sozialen Infrastruktur in Städten und Gemeinden aufmerksam gemacht hatte, durch das sich womöglich die in der Innenstadt geplante Dreifachturnhalle preiswert, da durch den Bund gefördert, realisieren ließe. Vorgestern ist der Rat der Stadt der Anregung der Verwaltung gefolgt und hat die Bewerbung der Stadt zum Bundesprogramm „Sanierung von kommunalen Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ bestätigt.

Nach Informationen der Fraktion der Linken kann auf dem Gelände der Albert-Einstein-Gesamtschule an der Brüderstraße aber gar keine Dreifachturnhalle entstehen, sondern Platz ist dort nur für zwei normale Turnhallen. Die bestehende, mehr als 30 Jahre alte Turnhalle würde dafür abgerissen. An ihrer Stelle könnten zwei Turnhallen treten – übereinander gebaut. „Und das soll reichen?“, fragen die Linken. Doch diese Darstellung hat Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz gestern Abend auf Nachfrage des Waterbölles dementiert. Dort sei sehr wohl eine Dreifachturnhalle möglich, wenn sie teilweise in den Hang hinein gebaut werde.

Und nicht nur das: In dem jetzt beschlossenen Förderantrag ist von  einem 3.600 Quadratmeter großen Sporthallenkomplexes die Rede, bestehend aus einer Dreifachsporthalle, einer Einfachsporthalle und zwei Gymnastikhallen als Ersatz für die stark sanierungsbedürftigen Sportbauten. Durch den Neubau sollen „Möglichkeiten zur multifunktionalen Nutzung die über den reinen Schul/Sportbetrieb hinaus“ erschlossen werden. Die Sanierung der vorhandenen Sporthalle sei sowohl aus wirtschaftlichen Gründen als auch unter Zugrundelegung der heutigen Erfordernisse an eine moderne Sporthalle im Kontext von Schul- und Vereinssport nicht vertretbar.

Und damit zu den Grundlagen und Zielen dieses modellhaften, quartiersbezogenen Integrations- und Inklusionsprojekt in den Feldern Schule, Sport, Jugend- und Bildungsarbeit und Arbeitsmarktintegration.

Die Grundlagen:

  • Die Stadt Remscheid als Stadt im lang anhaltenden Strukturwandel mit überdurchschnittlich hohen Arbeitslosigkeits- und Armutsquoten verfolgt seit Jahren im Rahmen eines integrierten Stadtentwicklungskonzeptes die Verbesserung der sozialen Infrastruktur im innerstädtischen Bereich. Dies geschieht insbesondere vor dem Hintergrund eines Anteils von mehr als 334 Prozent von Einwohnern mit Zuwanderungsgeschichte. Remscheid stellt sich zudem aktiv und mit großer Unterstützung der Bevölkerung den Herausforderungen der aktuellen Flüchtlingsproblematik und bindet diese Thematik in ihr Integrations- und Inklusionskonzept ein.
  • Am 18. Juni beschloss der Rat der Stadt Remscheid die förmliche Festlegung des Bereichs „Innenstadt" - zwischen Hauptbahnhof und Rathaus, nördlich Blumenstraße / Brüderstraße, südlich Wansbeckstraße / Elberfelder Straße" - gemäß § 171 b Absatz 1 Baugesetzbuch (BauGB) als Stadtumbaugebiet beschlossen. Daran grenzt die Albert-Einstein-Schule (AES) südliche an. Sie wird derzeit von Schülerinnen und Schüler aus 27 Nationen besucht. Mehr als 70 Prozent der Schülerschaft besitzen einen Migrationshintergrund. Schon seit Jahren kooperiert die Schule in Sachen Migration mit den örtlichen Jugendhilfeeinrichtungen, vorneweg der „Kraftstation“ an der nahen Honsberger Straße. Das Jugendzentrum unterstützt die Schule in ihrem Bildungsauftrag durch Workshops, Arbeitsgemeinschaften und Projekte.
  • Das zweite Stadtumbaugebiet umfasst Honsberg, Kremenholl, Stachelhausen und Blumental („Stadtumbau West“). Beide Stadtumbaugebiete sollen in Abstimmung mit den Landesbehörden baulich wie auch unter Berücksichtigung sozialer Aspekte mit einander verknüpft werden. Dafür bieten sich „Kraftstation“ und AES an. Aber: Die 1986 in den in bestehenden Gebäuden gegründete Gesamtschule genüge inzwischen genügen baulich nicht mehr den „künftigen quantitativen und qualitativen Anforderungen einer Bildungsinstitution mit einer besonderen Bedeutung für das Quartier“, so die Verwaltung.
  • In unmittelbarer Nähe ist in Kooperation mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewag eine Wohnanlage für Flüchtlinge konzipiert worden, in der bis zu 250 Menschen eine neue Heimat finden. Viele Kinder aus der Wohnanlage besuchen die AES.
  • Die alte Sporthalle der AES wird von diversen Sportgruppen genutzt. Neben Sportgruppen, die eine normierte Sporthalle benötigen, treffen sich dort auch zahlreiche Gymnastik- und Kleingruppen, u.a. auch von Migrantenselbstorganisationen.

Die Ziele:

  • In den genannten Stadtbezirken liegt der Anteil an Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zwischen 37,7 und 59 Prozent. Bei vernetzter Nutzung der sozialen Infrastruktur von „Kraftstation“ und AES sollen nach barrierefreien Umbauten in diesen Einrichtungen für die genannten Stadtentwicklungsgebiete die beiden arbeitsmarktpolitischen Kooperationsprojekte „Jugendberufsagentur" für arbeitslose Jugendliche und ein „IntegrationPoint" zur Integration von Flüchtlingen in den ersten Arbeitsmarkt realisiert werden.
  • In diesem Zusammenhang ist an der AES ein neues Sportzentrum geplant sowie die Öffnung und Erweiterung des Schulhofs zum lebendigen, kommunikativen Stadtteilplatz und der Ausbau der vorhandenen Aula zur Beratungs- und Begegnungsstätte. Insbesondere der neue Sporthallenkomplex bietet sich als Integrationspunkt an, weit über die Nutzung durch diverser Sportgruppen hinaus. Die Verwaltung: „Viele Vereine haben Integrationsarbeit als künftigen Arbeitsschwerpunkt erkannt. Dem soll mit der geplanten Sporthalle Rechnung getragen werden.“  Hintergrund: Insbesondere Kinder haben Spaß daran, aktiv ihrem Spieltrieb nachzugehen und dabei dazuzulernen, ihren Wortschatz in einer Fremdsprache zu erweitern und den praktischen Bezug zu einem neuen Wort herzustellen. Speziell bei Gruppen, in denen Flüchtlinge integriert werden, ist dies ein probates Mittel und wird von den Vereinen gezielt angewandt.

Maßnahmen in der AES:

  • Reduzierung des Primärenergieeinsatzes aller Objekte um ca. 40 Prozent und der CO2-Emissionen um ca. 200 t/a.
  • Neubau der Sportstätten. Umwandlung und städtebauliche Einbindung des sanierungsbedürftigen Schulhofbereiches in das Wohnumfeld als Quartiersplatz mit hoher Aufenthaltsqualität. Teilüberdachung des Schulhofs zur Nutzung als Stadtteilplatz. Öffnung des Platzes zum Wohnumfeld. Integration einer Parkpalette für die Schule und multifunktionale Nutzung von Sporthalle und Aula.
  • Funktionserweiterung der Aula als Begegnungsstätte /Beratungszentrum zur sozialen Integration. Energetische Sanierung der nicht mehr betriebssicheren Fassade/Einbeziehung regenerative Energien.
  • Herstellung der Barrierefreiheit aller Bereiche durch Einbau von Aufzügen, Rampen und WC-Anlagen.
  • Innovative Optimierung der Wärmeerzeugung des Gesamtkomplexes mittels Wärmepumpe in Verbindung mit als PCM-Latentwärmespeicher reaktiviertem Öltanklager, Solar-Luftkollektoren und Fotovoltaik zur energetischen Optimierung der Heizung.

Maßnahmen in der „Kraftstation“:

  • Ausbau von Räumen zur multifunktionalen Nutzung für die stadtteilbezogene Jugend/Sozialarbeit. Verbesserung von Attraktivität und Nutzungsvielfalt des neuen Quartiersplatzes Honsberg durch Erschließung aus den neu geschaffenen Räumlichkeiten
  • Energetische Ertüchtigung und Verbesserung der Nutzungsqualität des stark sanierungsbedürftigen Gebäudes.
  • Schaffung von baulichen Strukturen mit Bündelung sozialer Dienstleistungen, Sport- und Bildungsangeboten für eine nachhaltige Verbesserung der Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürgern im Quartier.

Mit einer Förderentscheidung rechnet die Verwaltung für Januar/Februar 2016.

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Kommentare

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Lothar Kaiser am :

Kommentar zur Überschrift „Leider vergeblich“. Dabei hatte ich mir mit der Verwaltungsvorlage im Waterbölles wirklich Mühe gegeben. Aber den hat in Berlin natürlich niemand gelesen. Scherz! ;-) In der heutigen Sitzung des Haupt-. Und Finanzausschusses berichtete Sozialdezernent Thomas Neuhaus, er habe aus dem Ministerium zwar noch nichts gehört, den Namen „Remscheid“ auf dessen Homepage unter den erfolgreichen Antragstellern aber nicht entdecken können. Das ganze Programm sei 200fach überzeichnet gewesen – und die von Remscheid beantragte Fördersumme im Vergleich zu der anderer Kommunen offenbar etwas zu hoch. Neuhaus: „Ich gehe davon aus, dass wir keinen Zuschlag bekommen werden!“ Wie Kämmerer Sven Wiertz ergänzte, ist davon der geplante barrierefreie Umbau der Schulaula nicht betroffen. Für den fließen andere Fördergelder.

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