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Flüchtlinge: "Chaos verwalten" gilt auch im Kleinen

Die Zahl der Flüchtlinge in Remscheid wächst von Tag zu Tag. Es seien iinzwischen 1.220, die in der Stadt für längere Zeit bleiben werden, berichtete vergangene Woche im Saal des alevitischen Kulturverein am Zentralpunkt Daniela Krein, die Geschäftsführerin des im Auftrag der Stadt für die Betreuung von Flüchtlingen und Asylbewerbern zuständigen Vereins BAF e.V. (Begegnen, Annehmen, Fördern). Zu den Aleviten hatten die Remscheider Linken Akteure aus Flüchtlingsorganisationen und Ehrenamtliche eingeladen, um mehr von deren Arbeit zu hören. Erörtert werden sollten auch Möglichkeiten, wie die Kommunalpolitik die notwendige Flüchtlingshilfe weiter befördern könnte.

Derzeit betreibt die Stadt Remscheid in kommunaler Amtshilfe für das Land NRW drei Notunterkünfte - in der früheren Pestalozzi-Schule an der Leverkuser Straße in Lennep, in der früheren Hauptschule an der  Tersteegenstraße (Kremenholl) und der früheren Grundschule an der Unterhölterfelder Straße auf Hasten. Insgesamt können dort bis zu 740 Flüchtlinge aufgenommen werden. Derzeit sind die Notunterkünfte nicht mehr ausgelastet. Doch das kann sich von einem Tag auf den anderen wieder ändert.

Etwa anderthalb bis zwei Wochen bleiben die Flüchtlinge in den Notunterkünften. Zeit genug, um sie medizinisch zu untersuchen, Röntgenaufnahmen eingeschlossen. Dann werden die Menschen mit Bussen nach Herford gefahren zur Registrierung, die Voraussetzung für ihr späteres Asylverfahren. Wie viele Flüchtlinge dann wieder nach Remscheid zurückkehren, bleibt jedes Mal bis zuletzt ein Rätsel, wie Daniela Krein berichtete. Kürzlich seien drei Busse vorgefahren. Der Fahrer des einen wusste zu berichten, er werde am Abend Flüchtlinge zurückbringen (wie viele, wusste er nicht), der zweite Fahrer hatte vor einer Rückfahrt noch nichts erfahren, und der dritte Fahrer wusste gar nicht, wohin er die Flüchtlinge bringen wollte. Krein: „Dem haben dann die beiden anderen gesagt: ‚Fahr einfach hinter uns her nach Herford!‘“. Die BAF-Geschäftsführerin nicht ohne Ironie: „Das nenne ich Management by surprise!“ (Überraschung).

Je länger die Menschen in den Notunterkünften bleiben, ohne zu wissen, wo sie letztlich unterkommen werden, desto mehr Kontakte knüpfen sie mit haupt-. Und ehrenamtlichen Helfer/&innen, mit Nachbarn der Notunterkünfte, mit anderen Asylbewerbern auf örtlichen Flüchtlingsheimen oder solchen, denen Privatwohnungen zugewiesen worden sind. Und natürlich nehmen sie auch gerne Hilfe an, auch und gerade in Form von Textilien. Zumal die Spendenbereitschaft der Bevölkerung ungebrochen ist. Winterkleidung ist stark gefragt. Das Problem dabei: Die Menschen, die nach Herford gefahren werden zur Registrierung,. Dürfen in den Bus nur jeweils ein Gepäckstück mitnehmen. Alles andere muss zurückbleiben. Daniela Krein: „Am Anfang haben wir einmal versucht, den übrigen Besitz nachzubringen. Doch wenn die Menschen abends von Herford aus auf diverse Kommunen verteilt worden sind, kann das nicht mehr gelingen. Der Busfahrer ist unverrichteter Dinge zurückgekommen!“

Ideal wäre es, könnten alle Flüchtlinge, die in Remscheid bleiben sollen, zunächst in den städtischen Flüchtlingsheimen auf die deutsche Gesellschaft vorbereitet werden. Doch die sind komplett belegt. Also muss so mancher Familie, gerade in Deutschland angekommen, eine Wohnung zugewiesen werden – mit deutlich geringerem Kontakt zu einer der Sozialarbeiterinnen der BAF als in einem der Heime.

Die Freien Wohlfahrtsverbände in Remscheid, die für die Flüchtlingshilfe eine Trägergemeinschaft gebildet haben (darin: AWO, Stadtteil e.V., BAF, Diakonie, Caritas, Schlawiner) wären nahezu hilflos, gäbe es die vielen ehrenamtlichen Helfer/innen nicht. Es sind etwa 155. Sie arbeiten in der Essensausgabe oder helfen beim Beziehen der Betten. Viele sind schon seit Juli dabei – und machen langsam schlapp“, wie Daniela Krein berichtete. In der Tat sind professionelle Strukturen, wie sie zu den Notunterkünften (im Auftrag des Landes) gehören müssten, in mancherlei Hinsicht noch immer nicht in Sicht. Zum Glück melden sich auch jetzt noch immer wieder weitere Freiwillige. Sie tun dies bei Ansprechpartnern der Stadtverwaltung, in der Telefon-Hotline des Deutschen Roten Kreuzes oder bei den Wohlfahrtverbänden. Die „Neulinge“ an den richtigen Stellen einzusetzen – gar nicht so einfach! Gibt es eine Gesamtliste all derer, die sich zur Mitarbeit gemeldet haben? Unklar! Manche warten schon seit Wochen auf eine erste Rückmeldung. Daniela Krein: „Wir haben einfach zu wenige Hauptamtliche. Alle Ehrenamtliche gleichzeitig tätig werden zu lassen, das ließe sich gar nicht handhaben!“ (Vor kurzem war in einer Lokalzeitung zu lesen, alle 155 Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe der Trägergemeinschaft hätten inzwischen die schon im Februar geforderten (und beschlossenen)  - Ehrenamtsausweise der Stadt Remscheid erhalten. Das aber sei eine Falschmeldung gewesen, verlautet aus dem Kreis jener, die es wissen sollten.)

„Irgendwann brennt man als Ehrenamtlicher auch mal aus“, weiß Barbara Zirbes, die Vorsitzende des Vereins Bildung statt Ausgrenzung e.V., selbst eine Ehrenamtliche. Gewiss, es gibt einen Stammtisch für Ehrenamtliche. Aber wer kurz vor einem "Burnout“ steht, würde sich wünschen, auch mal qualifizierte Ansprechpartner zu haben, hin und wieder mal „aufgefangen“ zu werden, sich Rat holen zu können (Supervision). Doch solche Ratgeber stehen ebenso wenig zur Verfügung wie psychologisch geschulte Kräfte (mit Fremdsprachenkenntnissen) für die Flüchtlinge. Die nächsten Trauma-Zentren für Flüchtlinge gibt es in Köln und Düsseldorf – mit Wartezeiten zwischen einem halben und einem dreiviertel Jahr.

Im Rathaus und bei der Trägergemeinschaft scheint derzeit niemand genau zu wissen, welche Sprachkursen für Flüchtlinge wer wo wann anbietet. Einer tabellarische Übersicht, schon vor neun Monaten als notwendig angesehen, existiere bislang leider noch nicht, beklagt Barbara Zirbes. Ein Problem, das Rainer Schmeltzer, Minister für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, auch aus anderen Kommunen kennt, wie er am 25. November bei seinem Besuch des Kommunalen Integrationszentrum (KI) der Stadt Remscheid berichtete.

Auch so manches Raumproblem in den Flüchtlingsheimen ist noch nicht gelöst. Dort, wo kleinere Kinder gerne spielen möchten, wollen ältere (mit ihren Müttern) die deutsche Sprache erlernen. Kommentar eines Betreuers: „Zu viele, zu wechselhaft, zu laut, zu unruhig!“ Gute Nachricht aus der Flüchtlingsunterkunft am Talsperrenweg: Dort wird sich die Situation entspannen. Die evangelische Kirche hat im gegenüberliegenden „Haus der Kirche“ zwei Räume für Sprachkurse und Hausaufgabenhilfe zur Verfügung gestellt. Beispiel für andere Kirchengemeinden?

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Kommentare

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Michael Mahlke am :

Sehr informative Beschreibung! In Schweden gelingt die Integration, weil es eine Betreuung 1:1 gibt mit klarem Ziel. In Remscheid gibt es eine Betreuung 1:200 beim BAF und offenkundig hoher Selbstausbeutung. Integration ist Präsenzarbeit, also intensiv. Wer mit Integration zu tun hat weiß, dass diese Personal intensiv ist. Meiner Erfahrung nach werden aber Angebote von Freiberuflern, die bereit sind, ihre Erfahrungen einzubringen, abgelehnt mit dem Hinweis, das würden ja Ehrenamtliche machen oder dies sei zu teuer. Wer bei Deutschkursen auf Pensionäre und Schullehrer setzt und erfahrene Kräfte aus der Erwachsenenbildung nicht will, weil sie es zwar können, aber nicht den neusten Schein haben, der wird ebenso scheitern wie der, der Praktiker im Umgang mit Behörden und Krisensituationen nicht nimmt. Man muss aber auch sagen, dass ein Freiberufler so rechnen muss wie ein Handwerker und brutto mind. 50 € die Stunde abrechnen muss, weil er ja alles das selbst bezahlen muss, was von Staats wegen an Beiträgen und Umlagen abgezogen wird. Da bleiben dann ca. zwölf Euro netto pro Stunde für qualifiziertes Fachwissen, rechtssicheren Umgang mit Behörden und interkulturelle Kompetenz. Übrigens handelt es sich dabei meistens um Menschen, die schon etwas älter sind, weil man Erfahrung nicht mit Followern gleichsetzen kann. Solange dies so nicht möglich ist, wird auch eine echte Integration nicht gelingen, dafür werden aber in einiger Zeit die Folgen dieser Situation uns noch viel mehr kosten. Integration hat aber keine Chance mehr, wenn man sich erst einmal in einen Subraum zurückgezogen hat. Insofern ist das, was in diesem Artikel aufgeschrieben wurde, ein wichtiges Dokument, das in einiger Zeit die Frage beantworten wird, wie es so weit kommen konnte...

Lothar Kaiser am :

Was in diesem Bericht fehlt, sind Alltagsberichte der Sozialarbeiterinnen der BAF. Die Mitarbeiterinnen nahmen an der Gesprächsrunde bei den Aleviten nicht teil oder meldeten sich nicht zu Wort. Sie hätten sicherlich viel zu erzählen.

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