Skip to content

Anzeige

Bau-Innung Remscheid Innung für elektrotechnische Handwerke Remscheid Fachinnung für Metall- und Graviertechnik Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Remscheid
Dachdecker-Innung Remscheid Friseur-Innung Remscheid Maler- und Lackierer-Innung Remscheid Kraftfahrzeughandwerk Remscheid

Vertellkes in Remscheider Platt vom "Klärchen"


Ich will mech ensk füürstellen, ich bin dat Klärchen. Ich bin enn echtes Remschedder We’it. (Remscheider Mädchen), später mehr zu mir. Man hätt mich ahnjehaulen (gebeten), datt ich önk mal son bitschken wat opp Remschedder Platt vertellen soll. Nu weet ich jaar nit wat ich nu so vertellen soll. Ich will ens versüürken, datt ich ünk enn bitschken dat Platt näherbringe. Ick hann mie gedeiht, datt ich nitt alles in Remschedder Platt schriiewen doo, damit Ihr och noch wat verstonn (verstehen) künnt, unn och teilweise die Wöater in Hochdeutsch dohinger schrieef. Die Sproke (Sprache) könnent ja nit mehr völl kallen. Wann hürt man die ens, doch nur bie ollen Remscheddern, oder eenmol im Johr ob der Lüttringhauser Heimatbühne.

Wenn man dat Weeder so ankieckt, doo suöl märr gi’enen Hongk vörr de Düor jagen, (da soll man keinen Hund vor die Tür jagen), evver manchmol is der Hemmel su kloar, wie demm Pitter sein Dröppel an derr Nas (manchmal ist der Himmel so klar, wie vom Peter der Tropfen an der Nase). Ovens schonmal, da hätt das Chreßkengken jebacken (da hat das Christkind gebacken). Dann wenn der Himmel so richtig schön roat iss. Ever wir hann et ja noch nich wirklich kault (kalt).

Em Wengkter es et döckes kault (im Winter ist es oft kalt). Manchmal es et su kault, datt denn Huöhnern da Aasch tuofrüüst (dass den Hühnern der Hintern zufriert). Doo gowwet öwerall ne Iiiesbahn, nich nur oben obben fürem Rothus.

Übrigens Aasch. Ein „Erkennungswort“ der ollen Remschedder is dat  „Driethüsken“. Wer dat Woort kannte, der wohr ut Remschedd. Dat ist dat Hüsken, dat an der Düör (Tür) fröher ens en Hatte (Herz) hatte. Fröher wohr es führ der Düör, dann zoog es üm ob der halven Treppe, nu iss es in der Bude drin und hätt kehn Hatte ob der Dühr mier.

Dann jüttet och noch enn paar nette Wöörter drümherüm, wie Dri’etaasch (Verrichter seiner leiblichen Bedürfnisse, unentschlossener Mensch, Feigling, Angsthase), Dri’tboxe (Angsthase, Feigling), Driete (Schlamm, Dreck, Modder), Drietekuhl (Jauchegrube, Abtritt), Drietepecker (Kleinigkeitskrämer) Drietereg (missgestimmt, trübsinnig) Drietfott (furchtsamer ängstlicher Mensch) Drietholl (Windel) Driethuopen (Kothaufen), Drietkearl (dummer, schmutziger Kerl), Drietkemelte (Mistkäfer), Drietköttel (kleiner Kerl, kleines Kind), Drietsack (elender Mensch), drietvoll (besoffen), Drietlepel (geringschätziges Schimpfwort für einen Menschen). Driet hat in Remschedd nicht immer was mit Stuhlgang zu tun. Es hat jedoch immer eine „verächtliche Bedeutung“. 

bis Strackes
önker Klärchen

 

 

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Lothar Kaiser am :

Muss das Remscheider Platt, eine bergische Mundart, wirklich aussterben? Nein! Noch gibt es unter uns Mitmenschen, die das Platt nicht nur verstehen, sondern auch selbst sprechen, ja sogar schreiben können. Für sie hat der Waterbölles dank Cornelia Schmidt "et Klärchen" erfunden. Ich würde mich freuen, wenn diese neue Rubrik viele Fans fände. Was meinen Sie?

Udo Potthoff am :

Ech wi'et nit, wie et kömmt, äwwer wenn et jet in Platt to lesen gött, dann studier ich et och! Un ech glüef, dat donnt noch e ganze Reih van Lütt. Nett, wenn ma vam Klärchen noch völl hüören där.

Erika Neumann am :

Guten Morgen Herr Kaiser, auch wenn ich "ausgewandert" bin, ich bin dabei. Ich selbst kann es nicht sprechen, aber lesen. Mein verstorbener Vater konnte es aber perfekt. Zuhause wollte meine Mutter es aber nicht hören. Sie war nicht von Remscheid. Mein Vater war über 40 Jahre an der Paketannahme an der Hauptstelle in der Elberfelder Straße. Dort hatte er die beste Möglichkeit platt zu kallen. Viele Remscheider werden sich noch an meinen Vater, Hermann Berghaus, erinnern. Am Schalter wurde nur platt gekallt.

Cornelia Schmidt am :

Ich will mech ensk füürstellen, ich bin dat Cornelia. Ich bin enn echtes Remschedder We’it unn dat Klärchen iss in Wirklichkeit meine Uroma Klara Hindrichs. Die lebt zwar schon lange nicht mehr, aber sie ist mir noch gut in Erinnerung, da sie weit über 90 Jahre alt geworden ist. Ich hatte relativ alte Eltern, meine Mutter ist ebenfalls schon über 90 Jahre. Von daher verwundert es nicht, wenn zuhause doch öfters Remscheider Platt gesprochen wurde. Das ging sogar soweit, dass ich als Kind einige Begriffe überhaupt nicht in Hochdeutsch konnte. Natürlich brachte mir das in der Schule später häufig Ärger, denn damals hielt man nichts vom Platt sprechen und heute ist es ja fast schon eine Fremdsprache in Remscheid. Doch wenn man Kontakt zu älteren Remscheidern hat, kommt immer wieder der alte Dialekt hervor. Manchmal sind es nur einzelne Wörter, die aber ein vorher ernstes Gespräch in einer Art und Weise auflockern, daß es richtig Spass macht wieder so zu sprechen. Ich mag nunmal die „Alte Zeit“ und die Geschichtchen da drümherüm. Als ich von Herrn Kaiser in Ermangelung anderer freiwilliger Schreiber angesprochen wurde, sah ich die einmalige Chance, diese fast versunkene Sprache wieder zu aktivieren. Die bisherige Resonanz war sehr positiv, worüber ich mich sehr freue. Voll motiviert werde ich „Et Klärchen“ am vertellen haulen. Et jüt völl tu bekallen in Remschedd, denn hier is watt loss.

Klaus R. Schmidt am :

Liebe Cornelia Schmidt, lieber Lothar Kaiser, ich freue mich über diese Plattkaller-Initiative. Doch aufhalten kann man den Untergang dieser Bergischen Mundart nicht. Die Gruppe derer, die Remscheder Platt pflegen, wird von Generation zu Generation kleiner. Außerdem offenbart sich schon im ersten Beitrag das ganze Dilemma zwischen sprechen und schreiben. Eine Reihe von Sprachforschern, allen voran Dr. Erich Mengel, hat sich in früheren Jahrzehnten mit diesem Thema auseinandergesetzt. Soll (kann) man die phonetischen Ausdrücke so aufschreiben, wie sie klingen, also nach dem Motto "wie einem der Schnabel gewachsen ist"? Oder sollte man wenigstens halbwegs "mundartgerecht" schreiben? Meine Version für den ersten Satz des Artikels lautet beispielsweise: " Ech will mech i'emol vüörstellen, ech senn dat Klärchen" etc. etc. Ich bin gespannt, wie es mit dem "Klärchen" weitergeht und zitiere eine Widmung von Gustav Hermann Halbach an seine Vaterstadt: Hi'emetsproke, Remscheder Platt, Hann en döm Buoke ech tröülech bewatt. Landslütt, haulent et uoch reit en Huot: Et es doch hi'eleg Urahnenguot, Op dat us Nohfahrn noa dusend Joahrn Kalln noch äs vir gekallt on geschwoarn!

Cornelia Schmidt am :

Vielen Dank, Herr Schmidt, für die positive Kritik. Es war auch meine Absicht so "gemischt" zu schreiben, im regen Wechsel zwischen Hochdeutsch und Platt. Der Grund hierfür ist, dass der Text auch für nicht ständig Plattkaller noch verständlich und lesbar bleiben soll. Die Leute freuen sich, so mein Eindruck, dass sie den Text auch noch fließend lesen und verstehen können. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass Texte aus "echtem" Platt fast gar nicht mehr ohne Mühe zu verstehen sind. Ich habe auch nicht den Anspruch, alles richtig zu schreiben, es wird sogar Wörter geben, die ich ganz neu erfinden muss. Es macht Spass, und das ist doch die Hauptsache. Für weitere Anregungen (Dönekes) wäre ich dankbar, sie haben ja meine Kontaktdaten.

Torsten Kelsch am :

Ech bin zwar en oulen Remscheder, hier geboren, aber meine Eltern sind »Herjelopene«. Ich verstehe das Remscheider Platt so einigermaßen, aber beim Sprechen hapert es gewaltig. Ich denke gerade über die Frage nach, ob ich es schade fände, wenn das Remscheider Platt oder überhaupt Mundarten ausstürben. Ja, irgendwie schon, denn sie sind halt jeweils ein Stück Heimat, und natürlich machen sie, eben über die Sprache, ja auch die regionalen Unterschiede deutlich. Und die Vielfalt in unserem Land ist ja was sehr Interessantes und Schönes, finde ich. Andererseits leben wir halt in einer sich rasant verändernden Welt (und sie hat sich immer schon verändert und die Menschen mussten sich darauf einstellen), und vielleicht ist es in unserer globalisierten Welt einfach wichtiger, Englisch zu sprechen als Mundart. Doch wie schon gesagt: Ich bin ein Freund der Vielfalt (Vielfalt = Reichtum), und insofern begrüße ich es, wenn sich Menschen dieser Sache widmen und Spaß daran haben.

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!