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Ein ganzer Strauß von Fragen zum neuen DOC

Die „Einwohnerfragestunde“ ist in den  Sitzungen des Rates der Stadt und der Bezirksvertretungen fester Bestandteil der Tagesordnung. In den meisten Sitzungen kann dieser Punkt jedoch „mangels Masse“ übersprungen werden. Ob das den Kommunalpolitikern und den zuständigen Fachleuten im Rathaus gelegen kommt, weil jede Frage mit Arbeit verbunden ist, sei mal dahingestellt. Tatsache ist jedenfalls, dass es für politisch interessierte Bürgerinnen und Bürger keine bessere Möglichkeit gibt, ein (brisantes) Thema (wie das Designer Outlet Center in Lennep) zu vertiefen, sprich: Sachinformationen aus erster Quelle einzuholen. Brigitte Kieslich, ausweislich diverser Kommentare im Waterbölles eine erklärte Gegnerin des DOC-Projektes, nutzte in der gestrigen Ratssitzung die „Einwohnerfragestunde“ zu einem ganzen Strauß von Fragen, die ihren Standpunkt deutlich machten, aber auch ihre intensive inhaltlich-fachliche Beschäftigung mit dem Projekt. .

Der Waterbölles dokumentiert die Fragen von Brigitte Kieslich Hackenberger Straße und die dezidierten Antworten der Fraktionsvorsitzenden von CDU, SPD, FDP und Grünen:

Frage 1: Wie wollen Stadt und Investor sicherstellen, dass in Remscheid nicht, wie in Ochtrup erwartet, vier Millionen Besucher pro Jahr kommen anstelle der im Worst-case-Szenario des Verkehrsgutachtens erwarteten maximal 2,5 Millionen Besucher? Wie soll eine gleichmäßige Verteilung der Besucher über das Jahr zwischen den Haupteinkaufszeiten wie z.B. vor Weihnachten und eher einkaufsschwächeren Zeiten wie in den Sommerferien gewährleistet werden? Kann das aktuelle Verkehrskonzept vier Millionen Besucher überhaupt verkraften? Was macht den Standort Lennep um so viel schwächer als den Standort Ochtrup oder auch Zweibrücken mit 3,5 Millionen Besuchern pro Jahr auf 21.000 qm FOC Verkaufsfläche? Ist es nicht fahrlässig, sich weiterhin auf ältere Zahlen zu verlassen, während mittlerweile viel höhere aktuelle Besucherzahlen vorliegen?

Antwort (Sven Wolf): Die prognostizierte Anzahl von 2,5 Millionen Besuchern pro Jahr wurde in der Kundenherkunftsprognose von Stadt + Handel fachlich fundiert ermittelt. Dabei wurden aus dem erwarteten Gesamtumsatz über einen durchschnittlichen Einkaufswert die Anzahl der Käufer ermittelt. Darüber hinaus wurde eine zusätzliche Besucherzahl von 40 Prozent angenommen, die das DOC besuchen, ohne dort einzukaufen. Dabei wurden jeweils die oberen Spannbreiten der jeweiligen Zahlen angesetzt, es handelt sich also um ein realitätsnahes Worst-case-Szenario. Bei einer Gegenüberstellung deckte sich diese Prognose mit den Besucherzahlen bestehender DOC, die überwiegend zwischen 1,5 und 3,0 Millionen Besucher pro Jahr variieren.
In der Verkehrsuntersuchung zum DOC wurden die Besucherzahlen auch über einen anderen Ansatz ermittelt, bei dem Kundenzahlen pro Quadratmeter Verkaufsfläche und Tag ermittelt wurden. Die so ermittelten Besucherzahlen für einen Normalwerktag wurden für den Samstag und für verkaufsoffene Sonntage mit dem Faktor drei multipliziert. Auch über diesen Weg wurde insgesamt 2,5 Millionen Besucher ermittelt. Die Besucherzahl von 2,5 Millionen Besuchern pro Jahr wurde also auf zwei verschiedenen Wegen ermittelt und stellt damit eine valide Grundlage für die Planung der verkehrstechnischen Maßnahmen dar.
Antwort von Fritz Beinersdorf: Ich schicke voraus, dass DIE LINKE alle Bedenken die Sie in Ihren Fragen formulieren, teilt. Das sogenannte „Verkehrsgutachten“ trickst schon beim Pkw-Besetzungsgrad. Es ist also von einer wesentlich höherem Verkehrsaufkommen auszugehen. Auch mit nur 2,5 Mio. Besuchern wird es an den Wochenenden zu schlimmen Zuständen in Lennep kommen. Es ist fahrlässig sich auf ein DOC in Lennep einzulassen.

Frage 2: Aus welchen Gründen wird die geplante Brücke (zwischen DOC und Parkhaus) gebraucht, die die aus Gründen des Denkmalschutzes und des Stadtbildes bedeutsame Sichtachse von der Rader Straße zur Stadtkirche zerschneidet? Warum können Shopping-Touristen nicht wie Remscheider Bürger auch die Straße an einer Ampelanlage queren?

Antwort (Wolf Lüttinger): Die geplante Fußgängerbrücke über die Rader Straße mit direkte Verbindung zwischen dem Parkhaus und dem DOC ein Beitrag zur Besucherfreundlichkeit des Vorhabens. Darüber hinaus verbindet sie die beiden Elemente Parkhaus und DOC und leistet somit einen Beitrag zum städtebaulichen Gesamtbild. Gleichzeitig stellt die Erhaltung der traditionellen Sichtverbindung von der Rader Straße über die Mühlenstraße hin zur evangelischen Stadtkirche von Lennep einen wichtigen Belang für die Einbindung der neuen Bebauung in das Ortsbild dar. Mit der jetzigen Lösung, die Fußgängerbrücke möglichst unauffällig zu gestalten, ist ein städtebaulich sinnvoller Kompromiss gefunden worden. Aus verkehrlicher Sicht stellt die Führung der Fußgänger über die Brücke einen Beitrag zur Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs dar, weil durch die zweite Ebene eine Trennung der Verkehrsarten erreicht wird.
Antwort von Fritz Beinersdorf: Die Fußgängerbrücke zerschneidet den Blick in Richtung Kirche. Bei einer Durchfahrtshöhe von 4,50 Metern ist das Gebäude links in der Präsentation um die 15 Meter hoch. In der Präsentation wird besonders an dieser Stelle mit optischen Tricksereien gearbeitet.

Frage 3: Wollen Sie Ihre Entscheidung wirklich auf der Basis von „mit künstlerischer Freiheit" gestalteten Bildern treffen? Welche Konsequenzen ziehen Sie aus den von Herrn Eschweiler in der Bezirksvertretung Lennep nachgewiesenen Manipulationen? Wie stehen Sie zu der vom Sachverständigen Dr. Schulz angesprochenen Idee, die Pflanzung der auf den Bildern zu sehenden mindestens 40 Jahre alten Bäume direkt zur Eröffnung des Centers im städtebaulichen Vertrag festzuschreiben?

Antwort (Beatrice Schlieper): Die Visualisierungen in der Präsentation sind sehr hilfreich, um sich ein Bild vom zukünftigen Vorhaben machen zu können. Neben den Visualisierungen sind ebenfalls Pläne und Ansichten beigefügt. Das Architekturbüro hat darüber hinaus das angesprochene Luftbild korrigiert. Diese Ungenauigkeit als Manipulation zu bezeichnen, ist objektiv nicht richtig. Die vorliegende Präsentation ist zur besseren Nachvollziehbarkeit zur Verfügung gestellt worden. Sie ist aber nicht Gegenstand eines Beschlusses. Die genauen Pläne werden im Rahmen des städtebaulichen Vertrags auf der Grundlage abschließender Unterlagen festgelegt.
Der Ersatz für die entfallenden Bäume wird entsprechend der Baumschutzsatzung auf der Grundlage des landschaftspflegerischen Begleitplans geleistet. Für die im Plangebiet neu zu pflanzenden Bäume wurde dabei eine sehr gute Pflanzqualität im Bebauungsplan festgeschrieben (Hochstamm, 4x verpflanzt, Stammumfang 20-25 cm). Diese Größe bietet einerseits schon eine gute gestalterische und ökologische Wirkung, andererseits würde bei noch größeren Bäumen der Aufwand zur Anpflanzung deutlich ansteigen. Außerdem würde auch die Gefahr zunehmen, dass die Bäume gerade in einer städtischen Umgebung nicht anwachsen. Deshalb wurde die genannte Pflanzqualität festgesetzt.
Antwort von Fritz Beinersdorf: Herr Dr. Schulz hat Recht, die Bäume in der Präsentation müssten um die 40 Jahre alt sein. Diese Präsentation halte ich für ein Meisterwerk der Illusionen, mit einer möglichen Realität hat sie überhaupt nichts zu tun. Man müsste überhaupt einmal darüber diskutieren wie viel Bäume für das DOC der Kettensäge geopfert werden, und welche Auswirkungen das auf das Kleinklima in Lennep  haben wird.

Frage 4: Wie wollen Sie den Einmündungsbereich der zwei geplanten Linksabbiegerspuren in der hoch lärmbelasteten Kölner Straße lärmtechnisch entlasten, der auch im Lärmaktionsplan als Straße 1. Priorität genannt ist?

Antwort (Sven Wolf): Die Neuplanung des Knotenpunkts Trecknase dient dazu, die bereits heute bestehenden Verkehrsprobleme in diesem Bereich zu bewältigen. Der geplante doppelte Linksabbiegerstreifen aus Richtung Remscheid in die Kölner Straße dient dazu, die bestehenden Verkehrsmengen in dieser Richtung flüssiger abzuwickeln. Auch durch das geplante DOC wird für diese Abbiegebeziehung nicht mit höheren Verkehrsmengen gerechnet, deshalb besteht hier kein Konflikt zu den im Entwurf des Lärmaktionsplans darlegten Überlegungen zur Kölner Straße.
Antwort von Fritz Beinersdorf: Die verkehrliche Situation an der Trecknase lässt sich auch nicht mit dem geplanten Ausbau beherrschen. Es wird zu chaotischen Situationen kommen  wenn der zusätzliche DOC Verkehr auf den Verkehr zu Spitzenbelastungszeiten trifft.

Frage 5: Wie vereinbaren Sie Ihren Anspruch auf weitsichtige Stadtplanung mit den Tatsachen, dass a) die im Schadstoffgutachten genannten Werte ... zwar aktuell unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte liegen, ab 2020 aber sicherlich nicht mehr, und diese Werte aktuellen Studien zufolge ohnehin nicht zu verantworten sind und b) bereits jetzt in Lennep hohe Fallzahlen von asthmakranken Kindern zu verzeichnen sind? Ist das angekündigte Monitoring der Luftschadstoffwerte weiterhin vorgesehen? Welche Maßnahmen wollen Sie bei zu hohen Belastungswerten nachträglich ergreifen? Wie stehen Sie zu der Idee, in den städtebaulichen Vertrag einen Passus aufzunehmen, dass das Center geschlossen wird, sobald das Monitoring Überschreitungen der Lärm- oder Schadstoffgrenzwerte belegt?

Antwort (Jens Peter Nettekoven): Zu den Bauleitplänen zum DOC wurde eine luftschadstofftechnische Untersuchung durchgeführt. Es wurden grundsätzlich ungünstige Annahmen getroffen, so dass eine Überschätzung der zu erwartenden Auswirkungen erwartet werden kann. Die Ermittlung der Beurteilungspegel und Immissionswerte erfolgt stets durch ein Berechnungsmodell. Dabei können alle relevanten Eingangsdaten und die jeweils ungünstigsten Zustände berücksichtigt werden. Dies wird auch durch die Gerichte und Rechtsprechung vorgegeben. Basierend auf den verkehrsbedingten Schadstoffemissionen wurde die Gesamtschadstoffbelastung im Untersuchungsgebiet berechnet und mit den Grenzwerten der 39. Verordnung zum Bundesimmissionsschutzgesetz verglichen. Überschreitungen der Grenzwerte werden, wenn überhaupt, in der Fahrbahnmitte auftreten. Zu den Fahrbahnrändern hin fällt die Konzentration deutlich ab. Folglich kommt das Gutachten zu dem Ergebnis, dass es im Bereich der Wohnbebauung zu keiner Überschreitung der Immissionsgrenzwerte der 39. BlmSchV kommen wird.
Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass die errechneten Immissionen aufgrund der vorgenommenen Worst-Case-Betrachtung eine Überschätzung der realistisch zu erwartenden Verhältnisse darstellen. Die Überprüfung der prognostizierten Auswirkungen im Bereich Verkehr sowie Lärm- und Luftschadstoffimmissionen, soll im Rahmen eines Monitorings im Sinne des § 4 c BauGB stattfinden. Der Umweltbericht zum Bebauungsplan stellt das Monitoring sowie die Vermeidungs- und Verringerungsmaßnahmen ausführlich dar. Die Überwachung und die Umsetzung des Maßnahmenkataloges erfolgen im Rahmen eines städtebaulichen Vertrages.
Antwort von Fritz Beinersdorf: Die Feinstaubbelastung ist sowieso schon zu hoch, durch den zusätzlichen Verkehr und die fortfallende Feinstaubbindung durch die gefällten Bäume wird die Gesundheitsgefährdung weiter zunehmen. In der BV Lennep hat eine Frau die überdurchschnittliche Höhe von Asthma – Erkrankungen bei Kindern dargestellt. Diese Schilderung hat mich tief beeindruckt. Das DOC mit seinem zusätzlichen Autoverkehr (Schadstoffaufkommen) muss verhindert werden, es stellt eine strafbare Gesundheitsgefährdung dar.

Frage 6: Wie sollen die in der Hintergrundinformation der Grünen Oberhausen zum Thema „lärmmindernde Fahrbahnbeläge" nachzulesenden Pflegearbeiten an den Strecken mit lärmminderndem Asphalt technisch und finanziell sichergestellt und die aufgrund der Belastung mit zunehmendem Schwerlastverkehr häufiger erforderliche Erneuerung dieses Straßenbelags finanziert werden? Ich beziehe diese Frage ausdrücklich nicht auf Zunahme des Schwerlastverkehrs durch Anlieferfahrzeuge für das Center - da wird uns ja ständig versichert, es handele sich überwiegend um kleine Fahrzeuge.

Antwort (Jens Peter Nettekoven): Es kann davon ausgegangen werden, dass die lärmtechnisch optimierten Asphaltsorten, die für einen Einsatz im Zuge der Ringstraße in Betracht kommen, eine annähernd identische Belastbarkeit bzw. Haltbarkeit aufweisen wie die herkömmlichen, nicht lärmtechnisch optimierten Asphaltsorten. Die genannten Besonderheiten beim Straßendienst werden entsprechend berücksichtigt.
Antwort von Fritz Beinersdorf: Ja, ich denke das der neuartige Lärm mindernde Asphalt aufgrund des höheren Verkehrsaufkommens öfter für viel Geld erneuert werden muss. Im Übrigen wird sich die fehlende Beschattung durch die gefällten Straßenbäume negativ auf die Lebensdauer des Asphalts auswirken.

 Frage 7: Wie soll der Schwerlastverkehr geführt werden, der bisher aus Richtung Wuppertal/Schwelm oder Radevormwald kommend die Wupperstraße genutzt hat, um z.B. den Kaufpark zu beliefern, und die Straße am Stadion wegen fehlender Rechtsabbiegemöglichkeit nicht nutzen kann? Mühlenstraße - Spielberggasse? Kölner Straße? Lüttringhauser Straße? Welche Streckenführung ist für den zukünftigen Lieferverkehr für Edeka/Aldi im ehemaligen Hertie-Gebäude vorgesehen? Wie ist der aktuelle Sachstand zur Fragestellung, ob die durch die Entwidmung der Wupperstraße vorgesehenen Ausweichstrecken für die Aufnahme des bisher über die Wupperstraße rollenden Schwerlastverkehrs überhaupt geeignet sind - auch im Hinblick auf die Zunahme von Lärm und Luftschadstoffen?

Antwort (David Schichel): Auf der Grundlage des vorliegenden Verkehrsgutachtens wird der Individualverkehr aus dem wegfallenden Teil der Wupperstraße über die Straße am Stadion geführt. Da im Einmündungsbereich an der Ringstraße wegen der Funsporthalle nur eingeschränkt Platz zur Verfügung steht, ist für die Rechtsabbieger in die Straße am Stadion voraussichtlich eine Beschränkung auf ein zulässiges Gesamtgewicht von 3,5 t erforderlich. Aus der genannten Einschränkung kann sich eine zusätzliche Belastung anderer Straßen ergeben. Sollten damit nennenswerte Beeinträchtigungen für die Anwohner verbunden sein, sind flankierende Maßnahmen verkehrsrechtlicher Art in Erwägung zu ziehen. Allerdings sind von dieser Verlagerung nur relativ wenige Fahrten betroffen, so befahren gemäß der Analyse im Verkehrsgutachten in der Zeit zwischen 15 und 19 Uhr einem normalen Werktag 38 Schwerlastfahrzeuge die Wupperstraße von der Einmündung Mühlenstraße in Richtung Westen. In dieser Zahl sind auch die Linienbusse enthalten, laut Fahrplan sind dies 32 Fahrten in Richtung Westen.
Antwort von Fritz Beinersdorf: Wegen der fehlenden Wupperstraße wird sich der Schwerlastverkehr, aber auch große Teile des nicht DOC – Verkehrs, seinen Weg durch Lennep suchen und für verstopfte Straßen und gefährliche innerörtliche Situationen in Lennep sorgen.

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Waterbölles am : Jung und engagiert, der neue Vorstand der IGBB

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Quasi in letzter Sekunde hat die „Interessengemeinschaft Bergisch Borner Bürger“ (IGBB) im Herbst vergangenen Jahres doch noch „die Kurve gekriegt“. Als der bisherige Vorstand nicht mehr weitermachen wollte und die IGBB einzuschlafen drohte, fand sich

Kommentare

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Ursula Wilms am :

Dieser ganze Strauß von Fragen und ernstzunehmenden Begründungen stellt ganz bestimmt nicht die Suche nach einem Haar in der Suppe dar. Unbefriedigend bleiben die Antworten der Politiker, die gebetsmühlenartig Passagen aus investorfinanzierten Gutachten zitieren. Aber was will man erwarten bei der bekannten Ausgangslage: Da hätten wir also einen britischen Investor mit Briefkastenfirma in Luxemburg, der Steuern im Niemandsland bezahlt, einen geschassten Architekten aus Österreich, einen amtierenden Architekten aus den USA, - fehlt nur noch die Rolle des mephistophelischen Deutschen, der auch immer gerne in Stücken mit internationaler Besetzung auftaucht – aber vielleicht ist diese Rolle ja auch schon besetzt. Und da wollen unsere Politiker uns glauben machen, diese Crew würde ihre ungemachten Hausaufgaben erledigen und zum Wohle Remscheids agieren? Eine solche Ausgangslage muss am Ende auf Klageverfahren hinauslaufen, denn eine andere Möglichkeit gibt es im Rechtsstaat nicht mehr, wenn man die Bürger so wenig ernst nimmt.

Brigitte Kieslich am :

Hallo, Herr Kaiser, prima, dass Sie Ihrer Chronistenpflicht so ausführlich nachkommen. Danke! Interessant aber auch, dass die von mir mitgeschriebenen Zitate aus den Antworten zum Teil deutlich von den von Ihnen veröffentlichten abweichen. Beispiel: Antwort von Herrn Wolf zu Frage 4: Hier habe ich mir u.a. notiert: dass "die Ertüchtigung der Trecknasekreuzung zum jetzigen Zeitpunkt für die Bewältigung des DOC-Verkehrs unumgänglich ist". Selektive Wahrnehmung - oder lagen Ihnen schriftlich sorgfältig formulierte Antworten vor, die dann doch z.T. während der Ratssitzung etwas abgewandelt oder ergänzt formuliert wurden? Schade finde ich auch, dass die Geschäftsordnung des Rates keine Nachfrage zu den erhaltenen Antworten zulässt. Zum o.g. Punkt hätte ich z.B. gern nachgefragt, wieso einerseits ständig verkündet wird, der Investor trage alle Kosten, die durch das DOC verursacht werden, andererseits aber keinerlei Kostenbeteiligung für Trecknase- und Ringstraßenausbau vorgesehen ist, obwohl die zeitliche Vorziehung definitiv im Zusammenhang mit dem DOC steht und andere dringendere Straßenbauprojekte in Remscheid dadurch auf den "St.-Nimmerleins-Tag" verschoben werden. Ebenso hätte ich gern bei Herrn Schichel nachgefragt, welche "verkehrsrechtlich flankierenden Maßnahmen" 38 Schwerlastfahrzeuge in vier Stunden, also eines alle sechs Minuten, in bisher reinen Wohnstraßen kompensieren sollen. Da nützt auch die Aussage nichts:"Die Entwidmung der Wupperstraße ist einer der größeren Preise, die Lennep für die Errichtung des DOC zu zahlen hat." Das fällt für mich unter "politische Floskeln" - passt also auch zu einem Ihrer anderen Artikel. Ebenso sinnfrei ist die Anmerkung "Der Karstadt-Lieferverkehr wurde ja auch über die Kölner Straße abgewickelt" . Gab es zu diesem Zeitpunkt schon so etwas wie den Lärmaktionsplan? Ist die Kölner Straße nun hochbelastet unter Priorität 1 oder nicht? Will man hier Abhilfe schaffen oder nicht? Mit dem Vorschlag im Lärmaktionsplan, eine Verlagerung des Schwerlastverkehrs über die Robert-Schumacher-Straße zu prüfen (die gleichzeitig als Ersatz für die Brauchtumsfläche für die Kirmes genutzt werden soll), ist den Anwohnern im Einfädelbereich der 2 zukünftigen Linksabbiegerspuren garantiert nicht geholfen!

Peter Lange am :

Die Bürgerinitiative Lennep hat mittlerweile beim FOC in Zweibrücken (21.000m² Verkaufsfläche) die Besucherzahlen von 2014 angefragt. Mehr als 3,8 Millionen Menschen besuchten 2014 das Outlet. Im in Remscheid geht der Gutachter von gerade mal höchstens 2,5 Millionen Besuchern aus. Auch die Besucherzahlen des FOC Ochtrup sprechen eine klare Sprache, dort empfängt der Betreiber auf ca. 11.600 m² mehr als zwei Millionen Besucher pro Jahr nach der geplanten Erweiterung auf 20.000 m² rechnet man dort mit vier Millionen Besuchern. Die Zahlen der Remscheider Gutachter nehmen sich vor diesem Hintergrund merkwürdig bescheiden aus.

Klaus Runge am :

Merke: Es gibt auf Fragen ehrliche Antworten. Es gibt aber auch nur Entgegnungen, die vom Inhalt einer Frage ablenken sollen. Es ist zweckmäßig, vor dem Weiterlesen noch einmal den oben dankenswerter Weise abgedruckten Waterbölles-Bericht zu lesen. - - - Zu Frage 1: Von der DOC-Befürwortungskoalition unter Fraktionszwang nicht beantwortet. Es gab nur eine Entgegnung. Das Verhältnis 2,5 Mill. DOC-Besucher auf 20.000 m2 DOC-Verkaufsfläche in Lennep weicht von Zahlen anderer Center (u. a. Ochtrup, Zweibrücken, Roermond) weit nach unten ab. Es wurde nach den Plänen gefragt, die realisiert werden, wenn sich auch in Lennep die höhere Besucherzahl der anderen Center mit entsprechend erhöhter Verkehrsbelastung herausstellen sollte. Es wurde dieses Mal nicht danach gefragt, was in 10 – 20 Jahren passiert, wenn der Reiz des Neuen verflogen ist. - - - Zu Frage 2: Nicht beantwortet. Es gab nur eine Entgegnung. Die angesprochene Ungleichbehandlung von kundenfreundlich behandelten DOC-Besuchern und einheimischen Bürgern wurde vergessen. Dabei geht es nicht nur um die stadtseitige Rader Str., sondern vor allem um die Ringstr. Richtung Trecknase mit den sechs Fahrspuren, der höchsten Verkehrsbelastung und größten Fußgängerzahl, die diesen Arm der Kreuzung queren muss. Hier dürfen einheimische Fußgänger auf dem Weg von und zum Hasenberg auf das Grün der Ampel warten, während Shoppingtouristen auf sie (u. a. Schüler, Alte, mit Einkäufen Beladene, Kinderwagenschieber (Wer will denn einen Schieber schon gleich behandeln?) und Kleinkindbetreuer) herabsehen dürfen. - - - Zu Frage 3: Keine Antwort, nur eine Entgegnung. Es ist ein Rätsel wie man sich mittels verfälschter Bilder ein „Bild vom zukünftigen Vorhaben“ verschaffen kann. Beim Betrachter der Bilder soll ein Trugschluss entstehen, der nicht der später sichtbar werdenden Wirklichkeit entspricht. - - - Der Teil zur Baumzerstörung unterschlägt die hochgradig negative Grünflächen- und Baumbilanz im Plangebiet. Statt mehr als 120 eigentlich geschützter Bäume im Plangebiet gibt es bestenfalls für acht davon 16 Ersatzpflanzungen, wobei alle Zahlen unter dem Vorbehalt der angeblich „verbindlichen Bauleitplanung“ stehen - - - Zu Frage 4: Keine Antwort, nur Ablenkung. Die zweite Linksabbiegerspur aus Remscheid in die Kölner Str. ermöglicht eine Verlängerung der Ampelwechselzeiten für den Geradeausverkehr mit den DOC-Kunden von Ring- und Lenneper Str. über die Trecknasenkreuzung. Für die Linksabbieger aus Remscheid hört die „Verflüssigung“ am Ende der Einfädelungsspur in der Kölner Str. 35 Meter hinter der Kreuzung auf. Der Beweis dafür, dass nicht auch ein Teil der Fahrer im Mehrverkehr mit DOC sich auf dem Weg über die Kölner statt über die Ringstr. aus dem Feinstaube machen wird, fehlt bisher. - - - Zur Verdrängung der Kölner Str. aus ihrer Lärmschutz-Priorität zu Gunsten der Ringstr. und damit des DOC-Verkehrs: Kein Wort - - - Zu Frage 5: Keine Antwort. Die „weitsichtige Stadtplanung“ kommt in der Entgegnung nicht vor. Zur Gesundheitsgefährdung durch mehr Lärm und Feinstaub kein Wort. Es gab keine Erläuterung dazu, was nach 2020 geschehen kann, wenn die Schadstoffbelastungen über den dann gültigen EU-Grenzwerten liegen. Es gab auch keine Antwort darauf, was passiert, wenn schon vorher beim Monitoring (- nachdem das Kind in den Brunnen fiel -) Grenzwertüberschreitungen gefunden werden, die nicht mittels Simulation ausgeschlossen werden können. Der in der Mitte der Straße verbleibende Feinstaub bleibt ein unlösbares Rätsel. Möglicher Weise wird er durch Wind und Verwirbelung in Folge sehr vieler vorbeifahrender Fahrzeuge verängstigt und ruht sich auf dem neuen Asphalt aus. Und wenn nicht, wer saugt ihn ein? - - - Zu Frage 6: Trotz vieler Koautoren nicht beantwortet. Die durch den Flüsterasphalt verursachten höheren Kosten, dessen kürzere („annähernd identische“) Haltbarkeit und zweifelhafte Wirkung bei niedrigeren Geschwindigkeiten kommen in der Entgegnung nicht vor. Wie man Lärm optimieren kann, ist ein weiteres Rätsel. - - - Zu Frage 7: Auch nicht beantwortet. Es wurde nicht nach der Zahl der Schwerlastfahrzeuge gefragt, die in Folge der Wupperstraßenentwidmung auf Umwegen auch durch Wohngebiete fahren müssen. Es wurde gefragt, in welchen Straßen sich die Anwohner auf diese DOC-Beigabe und Verschlechterung der Wohnqualität einstellen sollten und ob der Unterbau dieser Straßen die Mehrbelastung aushält. Im Eifer der Bemühungen, dem Bürger Staub in die Augen zu blasen, wurde der SV-Gegenverkehr mit 33 Fahrzeugen vergessen. Sie kommen den 38 entgegen. Das ist wieder nur ein feines blondes Haar in der Suppe, über das ein Gentleman mit vornehmem Schweigen wegsieht. Aber das ist nicht des gemeinen DOC-Nichtliebhabers Art.

Klaus Runge am :

Antwort: Schweigen. --- Ich bin enttäuscht. Vergeblich hoffte ich auf überzeugende Entgegnungen der DOC-Befürwortergroßkoalition zu meinem Haarspalterkommentar vor einer Woche. Es handelte sich wohl um Nebensächlichkeiten, die man möglichst bald vergessen sollte. Mit Schweigen wurde ich gestraft. Ein starkes Argument, das häufig im Verlauf der schon über zwei Jahre dauernden Anti-DOC-Stänkerei eingesetzt wird. --- Mich beschäftigte in der Zwischenzeit ein weiteres Thema: Die „Verträglichkeitsanalyse“, die zunächst als Auswirkungsanalyse bezeichnet wurde. Darin steht, dass alle durch das DOC verursachten „Umsatzumverteilungen“ aus Remscheid (Es sind die Umsatzverluste in Remscheid.) und der Nahzone nur „unwesentliche städtebauliche Auswirkungen“ erzeugen. All das sehr viele Geld, das aus dem Umland ins DOC fließen wird, ist für die Verlierer verkraftbar. Die Summen werden exakt ermittelt und in Zahlen angegeben. Und Remscheid kann „erwarten“, dass es durch „Synergieeffekte“ etwas von diesem Segen abbekommt. (Das ist der erwartete Lottogewinn.) Aber, --- und jetzt kommt wieder ein fast nicht mehr auszuhaltendes Aber: --- Über die als DOC-Wirkung erhofften Geldflüsse nach Remscheid oder auch ins ebenfalls touristisch aufrüstende Umland, dazu gibt es in der Verträglichkeitsanalyse überhaupt keine Zahlen. Nur die Erwähnung möglicher Nebenwirkungen. Hier exakt bezifferter Umsatz, dort Erwartungen. Das scheint mir doch ein sehr bedenkliches Zeichen einer unfairen Chancenverteilung zu sein. Ich hoffe (wirklich!), dass man mich eines Besseren belehrt. Vielleicht geht ja die DOC-Befürwortergroßkoalition mit guten Vorsätzen ins neue Jahr. Wie ist dieses große Versäumnis in der auch so bezeichneten Auswirkungsanalyse zu erklären?

Brigitte Kieslich am :

Aus den Antworten auf meine Einwände: Eine Sensitivitätsanalyse zum Besetzungsgrad wird abgelehnt, "weil für jedes deutlich andere Prognoseergebnis erst eine neue Planung zum Ausbau des Straßennetzes einschließlich der Lichtsignalanlagen erarbeitet werden müsste" (S. 548). Das heißt ja wohl im Umkehrschluss, dass jeder weiß, dass ein nur minimal niedrigerer Besetzungsgrad bereits zum Zusammenbruch der "ausreichenden" Verkehrsqualität führt. Zum Thema Feinstaubbelastung "wird darauf hingewiesen, dass die für 2020 vorgesehenen Grenzwerte noch kein geltendes Recht sind und daher in den vorliegenden bauleitplanverfahren keine weitere Berücksichtigung finden." (S. 600) Ein wirklich beeindruckender Beleg für die Weitsicht unserer Stadtverantwortlichen! 2020 ist ja erst in vier Jahren! Wenn heute ein Projekt beschlossen wird, das in 4 Jahren garantiert gegen geltendes Recht verstößt (sofern es bis dahin fertiggestellt ist) - das ist völlig in Ordnung? Das "Haar in der Suppe" entpuppt sich hier als dicker Balken in den Augen unserer "Volksvertreter".

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