Skip to content

Anzeige

Bau-Innung Remscheid Innung für elektrotechnische Handwerke Remscheid Fachinnung für Metall- und Graviertechnik Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Remscheid
Dachdecker-Innung Remscheid Friseur-Innung Remscheid Maler- und Lackierer-Innung Remscheid Kraftfahrzeughandwerk Remscheid

Voraussetzungen für Eingruppierung nicht immer erfüllt

Die Stadt Remscheid verfügt zur Erfüllung ihrer Aufgaben über ca. 1550 Stellen, die von ca. 1823 Mitarbeitern besetzt sind. Seit 2004 sind 75 Beschäftigte bzw. vier Prozent der Mitarbeiter abgebaut worden, 42 Azubis wurden ausgebildet, darunter 21 über Bedarf, und 45 Mitarbeiter eingestellt, 13 mehr als 2005. Die Personalkosten (ohne Arbeitgeberanteil) sind mit 59 Mio. € nahezu konstant geblieben und machen ca. 16 Prozent der Gesamtausgaben in Höhe von ca. 388 Mio. € aus. In keiner der untersuchten Organisationseinheiten konnte eine im interkommunalen Vergleich signifikante Überbesetzung festgestellt werden. In einigen Bereichen ist die personalwirtschaftliche Situation sehr gut. So ist die Fehlzeitenquote mit 4,76 Prozent vergleichsweise niedrig, und es gibt ein sehr ausdifferenziertes Konzept der Personalentwicklung. Trotzdem gibt es eine Reihe von Indizien, die auf ein weiteres Optimierungspotential hinweisen:

Die Verwaltung der Stadt Remscheid ist sehr dezentral organisiert und verfügt über wenig zentrale Steuerung und Kontrolle im Personalbereich. Für 70 Produkte gab es in den vergangenen Jahren keine zentrale Personalbedarfsbemessung, Organisations- und Prozessuntersuchungen. 54 Produkte werden erbracht, ohne dass regelmäßig die Leistungen der Mitarbeiter gemessen werden. Bei 33 Produkten gibt es keine Management- und Steuerungsinstrumente. Es fehlt gänzlich an einem übergeordneten Anreizsystem, und es werden auch lokal bei 63 Produkten keine Leistungsanreize gewährt. Letztlich fehlt es auch an einer zentralen Stelle, die die geeigneten Maßnahmen auch tatsächlich zentral durchsetzen und überwachen könnte. Daten zur Leistungsbemessung werden im überwiegenden Teil Verwaltung nicht regelmäßig und umfassend erhoben. Darüber hinaus existiert auch keine Institution, bei der diese Daten zentral zusammengeführt werden und die diese regelmäßig auswertet. Aus diesem Grund ist eine Überprüfung und ein Reagieren auf Leistungsgefälle innerhalb der Belegschaft, sowie im Vergleich zu anderen Verwaltungen, nicht möglich.

Ebenso wird eine Bestimmung des angemessenen Personalbedarfes erschwert. Wichtige personalwirtschaftliche Maßnahmen von gezielter Fortbildung bis hin zu einer notwendigen Kündigung sind von dem Vorliegen dieser Daten abhängig. Es wurde im Rahmen der Interviews mehrmals darauf hingewiesen, dass es Leistungsgefälle gibt und diese aufgrund eines fehlenden Controllings nicht transparent werden. Die Einführung eines Controlling-Systems verspricht somit ein Effizienzsteigerungspotential. Da im Zuge der Einführung der leistungsorientierten Bezahlung ohnehin auch ein Controlling-System einzurichten sein wird, bedeutet die Implementierung auch keinen zusätzlichen Aufwand.

Eine Reihe von arbeitsrechtlichen Möglichkeiten können zur kurz- und mittelfristigen Senkung der Personalkosten beitragen und sollten deshalb konsequent genutzt werden. Bei internen wie externen Einstellungen sollte darauf geachtet werden, dass Befristungspotenziale so weit wie möglich ausgeschöpft werden. Dies erhöht das Fluktuationspotenzial und schafft zusätzlich einen Leistungsanreiz bei den betroffenen Mitarbeitern. Im Jahr 2006 wurden von 45 eingestellten Mitarbeitern nur 18 befristet eingestellt. Insbesondere die durch den TVöD eingeführten Instrumente der Führung auf Probe und Führung auf Zeit versprechen eine Verbesserung, da der Arbeitsgeber sich bei der Besetzung von strategisch wichtigen Positionen Flexibilität erhält. Es sollte ein konsequentes Regime gegenüber leistungsschwachen Mitarbeitern eingeführt werden, das von unterstützenden Maßnahmen wie Fortbildungen und Umschulungen bis hin zu disziplinarischen Maßnahmen wie Umsetzungen und ggf. Kündigungen reicht.

Ebenso konsequent sollte mit verhaltens- und personenbedingten Kündigungen verfahren werden, soweit die Voraussetzungen hierzu vorliegen. Dies trägt nicht nur zur Senkung der Personalkosten, sondern auch zur Disziplinierung und damit wiederum der Effizienzsteigerung bei. Der bisher, nach Aussagen der Verwaltung, sehr restriktive Umgang mit diesen Instrumenten scheint weder vor dem Hintergrund der Haushaltskonsolidierung noch vor der Verpflichtung als „sozialer Arbeitgeber“ angebracht.

Die Auswertung der Aufgabenkritik ergab, dass es in den letzten Jahren keine umfassende Personalbedarfsbemessung bei der Stadt Remscheid gab. Hierbei handelt es sich wiederum um eine Konsequenz der starken Dezentralisierung. Es werden nur situative Stellenbemessungen im Rahmen von Einstellungen durchgeführt, die aber kein Gesamtbild hinsichtlich des notwendigen Personalbedarfes innerhalb einer Organisationseinheit (OE) zulassen. Bei jeder internen oder externen Stellenbesetzung sollte geprüft werden, ob die Stelle nicht, ggf. auch nach einer Umstrukturierung der Arbeitsabläufe, durch einen Mitarbeiter mit einer niedrigeren Eingruppierung erfolgen kann. In den Interviews wurde vereinzelt darauf hingewiesen, dass es Fälle gibt, welche in Gehaltsgruppen eingruppiert wurden, deren Voraussetzungen sie gar nicht erfüllten. Dies sollte noch einmal überprüft werden und es sollte sicher gestellt werden, dass diese Praxis in Zukunft nicht mehr angewandt wird.

Der Arbeitsanfall in den verschiedenen Bereichen der Verwaltung unterliegt diversen Schwankungen. So kann sich der Arbeitsanfall, z.B. während des Tages, ändern oder im Laufe einer Woche oder saisonal schwanken. Aufgrund dieser Schwankungen können sich unterschiedliche Personalbedarfe im Rahmen der Schwankungsdauer ergeben. Durch eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten können diese optimal an den konkreten Arbeitsanfall angepasst werden. Eine Analyse der Abläufe kann noch ein signifikantes Effizienzsteigerungspotential identifizieren.

Zieht man vom Gesamtpotential der im Zeitraum 2007 bis 2011 altersbedingt ausscheidenden Mitarbeiter diejenigen ab, die auf den ersten Blick aufgrund der besonderen Stellung als wiederzubesetzen erscheinen (was den Wahlbeamten und Mitarbeitern der Feuerwehr, des ADV, des Sozial- und Erziehungsdienstes, der Technik sowie der besonderen Fachdienste entspräche), blieben 67 Mitarbeiter übrig, die vor allem als Arbeiter, Hausmeister oder in der allgemeinen Verwaltung tätig sind. Nach einer vom Personalamt erstellten Liste arbeiten davon 50 in Bereichen, die eine Wiederbesetzung allenfalls aus fachlicher Sicht notwendig erscheinen lassen. Es wird vorgeschlagen, dass allein fachliche Gründe nicht mehr ausreichen, um eine Stelle wiederzubesetzen. Vielmehr muss das Absinken des Niveaus unter den gesetzlich festgeschriebenen Standard bzw. der Ausfall von zentralen Aufgaben, die den Ablauf nachhaltig stören würden, nachgewiesen werden. Wenn man bei Ansetzen dieses Standards davon ausgeht, dass nur bei einem geringen Teil der Mitarbeiter aus den allgemeinen Verwaltungsbereichen eine Wiederbesetzung aus juristischen oder anderen Gründen zwingend notwendig ist und auch ein Teil der auf den ersten Blick wiederzubesetzenden Stellen aufgrund von z.B. Standardabsenkungen eingespart werden kann, erscheint ein Potenzial von 50 bis 75 Prozent der altersbedingten Fluktuation realisierbar. Die Einschätzung der Stadt Remscheid, dass nur etwa 30 bis 50 Prozent des Potentials realistischer Weise genutzt werden kann, erscheint somit zu niedrig. Legt man durchschnittliche Kosten pro Planstelle von 50.000 € zugrunde, ergibt dies ein Einsparungspotential von 2,13 Mio. € bis 3,2 Mio. €.

Ein zentraler Motor zur Steigerung der Fluktuation sind sog. Outplacement Center. Solche Einrichtungen versuchen, Mitarbeiter aktiv bei der Suche nach anderen Beschäftigungsmöglichkeiten zu unterstützen. Auch in der Stadt Remscheid eignen sich diverse Berufsgruppen für eine Vermittlung, da diese normale Marktleistungen darstellen. Beispielhaft zu nennen sind hier Sekretäre und Sekretärinnen, EDV Spezialisten und Spezialistinnen, Mitarbeiter/innen im Erziehungsbereich, Hausmeister/- innen sowie Juristen und Juristinnen.

Lebensarbeitszeitkonten dienen dazu, dass Mitarbeiter Lohnbestandteile oder Teile der geleisteten Arbeitszeit, wie Überstunden oder nicht genommenen Urlaub, auf diesen Konten steuer- und abgabenfrei ansparen und sich dadurch in erster Linie einen vorgezogenen Ruhestand finanzieren können. Diese Lösung schafft für den Mitarbeiter ein höheres Maß an individueller Lebensplanung und für den Arbeitgeber Flexibilität und geringere Kosten, da ältere Mitarbeiter, und somit aufgrund der höheren Entgeltstufen und des statistisch höheren Krankenstandes teurere Mitarbeiter, früher in den Ruhestand treten. Dies trägt nicht zuletzt auch zu einer Reduzierung des Durchschnittsalters innerhalb der Stadtverwaltung bei, weil hierdurch wieder Raum für die Einstellung jüngeren Personals geschaffen wird. Die Einführung dieses Instrumentes verspricht ein erhebliches mittel- und langfristiges Potential zur Fluktuationssteigerung und Senkung der spezifischen Personalkosten.

Ende der neunziger Jahre gab es in der Stadt Remscheid einen zentralen Personalpool. Ein solcher Pool sollte wieder eingeführt werden. Durch die Bündelung von Überkapazitäten werden nicht nur Prozesse verschlankt und Transparenz geschaffen, es ist erst dann eine gezielte Steuerung dieser Mitarbeiter möglich. So kann man z.B. dem Fluktuationsplan entnehmen, welche Positionen in den nächsten Jahren wegfallen und daraufhin Mitarbeiter aus dem Pool gezielt weiter- und fortbilden, soweit Spezialkenntnisse für eine Stelle benötigt werden. Zudem können die sich in dem Pool befindende Mitarbeiter auch wesentlich besser auf ein Outplacement vorbereitet werden, indem ein Weiterbildungspaket zusammengestellt wird, das den Mitarbeiter auf die Tätigkeit außerhalb der Verwaltung vorbereiten soll. (Aus dem Konsolidierungsgutachten der Wirtschaftsprüfer von Rödl & Partner, gekürzt wiedergegeben, komplett als pdf-Datei hier).

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!