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Gottesdienst mitten auf dem See Genesareth

Mit vielen unvergesslichen Eindrücken ist die von Pfarrer Hans Jürgen Roth geleitete Reisegruppe aus Israel nach Remscheid zurückgekehrt. „ Just in der Zeit, in der wir in Tel Aviv fast zweistündige Flughafenkontrollen über uns ergehen lassen mussten, passierte in Tel Aviv und der Region von Jerusalem, wo wir noch zur Mittagszeit gewesen waren und die Busse hatten fahren sehen, die Bombenattentate. Welch ein Kontrast zu unserer Reise, die wir so friedlich erleben durften. Gottseidank erfuhren wir erst bei der Landung von diesem Unglück“, so Roth. Im Namen von Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz hatten die Remscheider im „Jüdisch-Arabischen Kulturzentrum“ in Haifa dem Remscheider Juden Peter Ron ein Geschenk der Stadt überreicht. Mit elf Jahren hatte er im Elternhaus an der Martin-Luther-Straße 1938 die Reichpogromnacht erlebt. Als dort für seine Angehörigen vor einigen Jahren Stolpersteine gelegten wurden, war er dabei gewesen.

Ein besonderes Erlebnis auf der Reise war auch der Besuch der berühmten nabatäischen Felsenstadt Petra in Jordanien. Die Reisegruppe erlebte sie am frühen Morgen, bevor die Touristen zu strömen begannen. Für andere Teilnehmer sei  die  Abendmahlfeier auf einem kleinen Boot mitten auf dem See Genesareth das tiefgreifendste Erlebnis dieser Reise gewesen, berichtete Roth. In zwei bis drei Monaten will er zu der Reise ein Buch fertig haben, das mehr werden soll als ein reiner Reisebericht.
Nachfolgend die persönlichen Eindrücke eines Teilnehmers:

von Dr. Hans Ritzenhoff

Wir stehen auf einem Berg! Auf demselben Berg, auf dem Jesus stand und das Volk lehrte und ihm die Seligpreisungen verkündete.

“Selig, die reinen Herzens sind, sie werden Gott anschauen“...

Nun stehen wir hier, eine Gruppe von etwa 30 vorwiegend Remscheider Christen, die sich auf die Spuren Jesu und seiner Jünger aufgemacht haben. Zusammen mit ihrem geistlichen Leiter, Pfarrer Hans Jürgen Roth. Er hält an diesem Ort eine Lesung aus dem Evangelium von Matthäus. Wir stehen dort, wir blicken auf den See Gennesaret und hören ergriffen die Worte des Evangelisten, fühlen die Weihe des Ortes. So sind wir mitten im Geschehen der Hl. Schrift, können das, was wir von Kind an immer wieder bei der Lesung der Bibel und in Gottesdiensten gehört haben, vor Ort miterleben, so als wenn Jesus leibhaftig mit uns wäre!

Dann wandern wir hinunter zum Ufer. Hier erschien Jesus den Jüngern als Auferstandener. Er stand am Ufer und veranlasste sie, ein zweites Mal auszufahren auf den See. Und sie kamen wieder mit 153 großen Fischen im Netz. Hier wir können Rast halten und im „Petrus-Restaurant“ Fisch essen – natürlich den gleichen Fisch, den St. Petrus im See fangen konnte.

Diese Gegend hier ist geschichtsträchtig und Bibellesern wohlbekannt. Da gibt es die Stadt Kafarnaum, wo Jesus gelebt hat. Dort erwählte er Simon Petrus und seinen Bruder Andreas, ferner Jakobus und Johannes sowie den Zöllner Levi zu seinen Jüngern. Dort fand die wunderbare Brotvermehrung statt, wie „üblich“ auch hier eine Kirche zur Erinnerung und das bekannte Tabgha-Mosaik, ein Kelch mit vier (!) Broten und zwei Fischen. Und schließlich nehmen wir die Stelle zur Kenntnis, wo Jesus den Jünger Petrus mit der Leitung seiner Gemeinde beauftragte, ja, auch wieder eine Kirche hier. Alle diese Ereignisse bringt uns Pfarrer Roth mit biblischen Lesungen noch einmal nahe.

Noch viele andere Begebenheiten um Jesus fanden hier in der Gegend von Kafarnaum statt. Wir fragen uns; ist das wirklich alles genau hier gewesen, wer gibt die Garantie dafür? Wir modernen Menschen denken da anders, sozusagen GPS-genau. Wir müssen lernen, mehr mit den Augen des Glaubens zu empfinden, müssen aus der Tradition heraus unser gläubiges Herz sprechen lassen – zumindest aber haben wir die Gewissheit, hier hat Jesus gelebt. Wobei das „Hier“ oft großzügig interpretiert werden muss.

Der Höhepunkt des heutigen Tages – ja der ganzen Reise – kommt noch. Die Reiseleitung hat für uns ein Boot gemietet, ein Boot auf dem See Genesareth. So fahren wir hinaus auf den See, wie die Jünger damals mit Jesus. (Nur der Sturm von damals fehlt, darauf verzichten wir aber gern.) Unterwegs feiern wir mit Pfarrer Roth die Eucharistie. Auf einigen derben Schiffsmatten bereiten wir unseren Altar, gedeckt mit weißen Tüchern, mit einer Kerze, mit einem Weinglas als Kelch, mit gekauften Brotfladen. Während der Liturgie kommt Jesus leibhaftig zu uns, wir überbrücken 2000 Jahre Christentum und fühlen uns wie die Jünger damals auf dem See mit Jesus. Hierbei haben wir auch das „fünfte“ Brot auf dem Altartisch liegen, welches wir auf dem Mosaik in Tabgha „vermisst“ haben. 

In den nächsten Tagen steht uns noch so viel bevor! Von der Reiseleiterin erfahren wir, dass unser Spruch „Über den Jordan gehen“ eigentlich gar nicht negativ gemeint ist. Schließlich sind die Israeliten von Osten her über den Jordan ins Gelobte Land gegangen. Mose stand hier auf der östlichen Seite des Jordan, und Gott verkündete ihm: „Steig auf den Berg Nebo, und schau auf das Land Kanaan, das ich den Israeliten als Grundbesitz geben werde.“ Er selbst, heißt es im Buch Deuteronomium im 32. Kapitel, werde das Land nicht mehr erleben und dort auf dem Berg sterben.

So begeben wir uns weiter nach Jordanien hinein, hoch zum Berg Nebo und schauen hinüber ins Gelobte Land, versuchen uns einzufinden in die Gefühlswelt von Mose. Pfarrer Roth hält wieder eine biblische Lesung bereit.

Nun sind wir also für zwei Tage in Jordanien. Während Israel ein westliches Land ist, überfällt uns gleich hinter der Grenze in Jordanien der Orient: viele baufällige „ungeordnete“ Häuser, quirlige Menschenmengen, Chaos auf den rumpligen Straßen, die Empfindung, wir sind auf einer Fernreise.

Aber hier gibt es ein erstklassiges, bekanntes Reiseziel: Petra, die alte, vor langer Zeit  untergegangene Nabatäersiedlung. Die Nabatäer waren ein Volksstamm, der, aus Arabien kommend, lange Zeit die Handelswege von Ost nach West beherrschte und sehr reich war. Die Siedlung wurde durch ein Erdbeben zerstört und erst 1812 wiederentdeckt. Gewaltige rötliche Felsen bilden eine enge Schlucht und  geben den Blick frei auf eines der größten von Menschenhand aus einem Fels geschlagenen Bauwerke, das sogenannte Schatzhaus. In der Nähe, im Wadi Musa, im Tal Moses', ist die Quelle, an der Moses auf den Felsen schlug, aus dem dann Wasser sprudelte (4. Buch Mose, Kap. 20).

In Petra haben wir großes Glück. Nach schweren Regenfällen wurde die Schlucht kurz nach unserem Besuch gesperrt, sind doch vor Jahren Reisegruppen im reißenden Wasser umgekommen! Was wäre gewesen, wir hätten uns auf den langen Weg gemacht, um festzustellen, dass wir die Schlucht nicht hätten besuchen können! Nach einem Abstecher auf die fast uneinnehmbare, abenteuerlich hoch gelegene Herodes-Burg Masada dann Jerusalem, die vielbesungene Heilige Stadt, im biblischen Sinne Synonym für das Himmelreich. Heute berühren sich dort die drei Buchreligionen Judentum, Christentum und Islam mit ihren zentralen Heiligtümern, nicht immer ganz spannungsfrei.

Die Juden beweinen immer noch die endgültige Zerstörung des letzten Tempels im Jahre 70 n. Chr. Nur die sogenannte Westmauer blieb stehen und bietet den Gebetsort für gläubige Juden. Darüber eins der zentralen Heiligtümer des Islam, der Felsendom mit der weithin sichtbaren großen Kuppel aus Gold.

Wir Christen haben dort die Orte von Jesu triumphalem Einzug in die Stadt und können sein Leiden und Sterben nachempfinden. So gehen wir die Via Dolorosa entlang. Durch die engen Gassen strömen unentwegt die Menschenmengen und machen es dem Gläubigen schwer, sich mit „innerem Sinn“ in den Leidensweg unseres dornengekrönten Herrn einzustimmen. Da ist es gut, dass Pfarrer Roth immer wieder Lesungen vorbereitet hat, die uns auf unserem spirituellen Weg begleiten.

Nicht weit hiervon der Ölberg außerhalb der Stadtmauern mit dem Garten Getsemani, wo Jesus in seiner Todesangst zum Vater betete, „mein Vater, wenn es möglich ist, gehe der Kelch an mir vorüber“. Wir stehen am Zaun des kleinen Grundstücks mit den alten Ölbäumen und werden still. Dann die Grabeskirche, ein unübersichtliches Konglomerat von jahrhundertealten Bauwerken und Bauteilen. Lange Schlangen machen eine innere Sammlung schwer. Überall jahrhundertealte Dekorationen, viele Leuchter, Heiligenbilder, dunkle, verschachtelte Gänge und Treppen. Wir versuchen immerhin, uns der Weihe des besonderen Ortes bewusst zu werden. Die Stelle, wo das Kreuzesholz  in eine Vertiefung des Felsens eingelassen wurde, ist durch eine lange Menschenschlange verstopft – unerreichbar!

An einem weiteren Tage begeben wir uns in die palästinensischen Autonomiegebiete, nach Bethlehem. Wir müssen über eine Grenze mit Kontrollen, wir sehen auch ein Stück der vieldiskutierten jüdischen Beton-Schutzmauer. Für unsere jüdische Reiseführerin ist das eine klare Sache: Alles, was die Israelis in den Jahren seit der Staatsgründung im Jahre 1948 gemacht haben, war notwendig, ist gut und richtig. Über die andere Seite, die palästinensische, hören wir nichts Positives. So können wir den ganzen Konflikt hier nicht richtig einordnen; unsere Lebenserfahrung sagt uns, dass das so einseitig nicht gesehen werden darf. In Bethlehem in der Geburtskirche das Gleiche wie in Jerusalem: wartende Menschenmengen, schließlich erreichen wir den silbernen Stern, der die Stelle von Christi Geburt bezeichnet und können einige Sekunden im Gebet verweilen...

In einer Grotte in den Hirtenfeldern haben wir eine schöne Stunde, wir hören die Hl. Schrift, wir zünden Kerzen an und singen, wie an so vielen Stellen, aus dem von Pfarrer Roth verfassten Liederheft. Wir stimmen auf Wunsch des palästinensischen Führers, eines jungen Mannes, der lange am Niederrhein gelebt hat, „Stille Nacht, heilige Nacht“ an. Und empfinden das als so gar nicht unzeitgemäß.

Neben den vielen biblischen Stätten erleben wir nebenbei auch das moderne Israel, die Küstenstädte Tel-Aviv, Jaffa, wir besuchen Yad-Vashem, die beklemmende Holocaust- Gedenkstätte, sehen die Knesseth, den israelischen Regierungssitz,  und vieles mehr. Dann, nach zehn Tagen, bringt uns das Flugzeug wieder zurück nach Frankfurt. Dort erst erfahren wir, dass es, während wir auf dem Flugplatz in Tel-Aviv warteten, einen Bombenanschlag in einer Jerusalemer Straße gegeben hat, durch die wir auch gefahren sind. Dennoch haben wir uns in Israel nie unsicher gefühlt. Wir sind dankbar, dass wir diese Reise erleben durften.

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