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Straßenfeste: Breite Mehrheit auch im Hauptausschuss

Dem Vorschlag der Stadt zu dem künftigen Ort in Lennep für Vereinsfeste, im Waterbölles am 3. Mai veröffentlicht, hatte die Bezirksvertretung (BV) Lennep 4. Mai bei nur einer Nein-Stimme (von Roland Kirchner, W.i.R.) zugestimmt. Mit Ja hatte sogar Luigi Vallitutto gestimmt, Mitglied der Linken, die im Rat der Stadt das geplante DOC vehement ablehnen und folglich auch keine Veranlassung sehen, am gegenwärtigen (Schützen-)Platz für Brauchtumsfeste etwas zu ändern. Gestern Abend nun schloss sich der Haupt-, Finanz- und Beteiligungsausschuss dem Votum der BV ebenso eindeutig an: Es gab nur eine Enthaltung (Pro Deutschland) und zwei Gegenstimmen. Die eine kam von Waltraud Bodenstedt (W.i.R.), die mit der Antwort der Verwaltung auf von ihrer Ratsgruppen am Freitag gestellte Fragen zu den möglichen Festplätzen unzufrieden war, obwohl in Kurzform bereits in der BV-Sitzung von Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke mündlichen beantwortet.
Die andere Nein-Stimme kam von Fritz Beinersdorf, dem Fraktionsvorsitzende der Linken (siehe oben). Er und Waltraud Bodenstedt waren zu Beginn der Sitzung die einzigen, die den gesamten Tagesordnungspunkt gerne mit Hinweisen auf „weiteren Beratungsbedarf“ vertagt gesehen hätten. Von Bodenstedt kam der Vorwurf, die Verwaltung habe mit der Robert-Schumacher-Straße als künftigem Festplatz lediglich eine „Notlösung gefunden und nicht die beste Lösung“. Und Fritz Beinersdorf sah es ebenso: „Den Vereinen wurde adäquater Ersatz versprochen und nicht nur ‚ein Stück Straße‘!“
Beiden Kritikern widersprachen der Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz und die Dezernentin einhellig und energisch. Reul Nocke: „Die Platzverhältnisse und die Infrastruktur auf und an der Straße sind wesentlich besser als auf dem (unbefestigten) Schützenplatz!“ Der OB: „Der gesamte Verwaltungsvorstand ist von der Robert-Schumacher-Straße als Festplatz überzeugt! Auch Hückeswagen und Wermelskirchen feiert mitten in der Stadt!“ Der Oberbürgermeister wiederholte gestern seinen eindringlichen Appell um Zustimmung zum Vorschlag der Verwaltung, der schon in der BV-Sitzung Wirkung gezeigt hatte. Der Waterbölles dokumentiert die Rede nachfolgend:

„Nach der BV beraten Sie heute ein für unsere Stadt so wichtiges Projekt. Sie als Mitglieder des Rates sind diejenigen, die sich intensiv mit dem Thema und den Menschen auseinandersetzen, auch denen, die dem Projekt kritisch oder sogar ablehnend gegenüberstehen. Das DOC ist wichtig für Remscheid, für die Region und für die Zukunft der Lenneper Altstadt; die ist in die Jahre gekommen und braucht frischen Wind und eine Perspektive. Wir haben in den letzten Jahren dort zunehmenden Leerstand. Zwölf Geschäfte stehen leer, 13 weitere werden anderweitig genutzt.

Das DOC ist wichtig für den Arbeitsmarkt; wir brauchen neben den Arbeitsplätzen in Industrie und Handwerk eine Verstärkung im Bereich Dienstleistungen: 5.205 Menschen in Remscheid sind ohne Arbeit. Und es ist wichtig für den Tourismus und unsere Hotels; zurzeit sind diese durchschnittlich unter 40 Prozent ausgelastet. Wir sprechen von 150 Millionen € Invest in unsere Stadt Remscheid. Auch die IHK bewertet die künftige Wirkung auf die örtliche Wirtschaft positiv. Wir sprechen von 600 neuen Arbeitsplätzen. Ich rechne mit neuen Ausbildungsplätzen. Wir sprechen von zwei Millionen Gästen, von denen sicherlich viele nicht nur das DOC besuchen, sondern auch die Altstadt und die ganze Region. Wir reden von Aufträgen für das Handwerk u.a. Daher: Gutes soll erhalten bleiben, deshalb müssen wir vieles verändern

Mit Interesse habe ich die Aussage von Jens Nettekoven in der vergangenen Woche und den aktuellen Antrag der CDU-Fraktion gelesen, wonach sie die Notwendigkeit eines externen Projektmanagements für das DOC sieht. Herr Nettekoven,“ ( Anm.: ließ sich in der heutigen Sitzung vertreten) „auch wenn ich einige Formulierungen Ihrer Erklärung aus der vergangenen Woche ausdrücklich zurückweise, so möchte ich Sie daran erinnern, dass auch die Verwaltung die Notwendigkeit sieht, ab dem Zeitpunkt der Umsetzung ein Projektmanagement einzusetzen. Das habe ich bereits mehrfach gesagt und das haben auch andere wiederholt betont, zuletzt im Stadtentwicklungsausschuss. Dies ist keine neue Idee der CDU-Fraktion. Ich habe Ihnen mehrfach berichtet und heute erneut die derzeitige Projektorganisation mit allen Verantwortlichen vorgelegt. Sie kommen mit einem Antrag, zu dessen Inhalt ich Ihnen bereits mehrfach gesagt habe, dass im Rahmen der baulichen Umsetzung auf eine Projektsteuerung zurückgegriffen wird. Sie beantragen somit etwas, was ich Ihnen schon längst vorgestellt habe.

Ich weiß, dass die Aufgabe von Kirmesplatz, Schule und Stadion zumindest auf den ersten Blick für manche eine schwere Entscheidung ist. Die Frage nach dem adäquaten Ersatz wurde und wird immer wieder diskutiert. Ich habe mit Interesse die heutige Zeitung gelesen. Lassen Sie mich dazu etwas sagen: Die Verwaltung wird die Frage von Herrn Kreutzer bzgl. eines Bürgerbegehrens ausführlich beantworten. Die dahinter stehende Idee, den Verkauf des Kirmesplatzes auf diesem Weg zu verhindern, gefährdet das Gesamtprojekt. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir Sie“ (Anm.: Klaus Kreutzer auf der Zuhörertribüne) „von dem guten Gesamtkonzept für die Brauchtumsfeste und alle weiteren Verlagerungen überzeugen könnten. Wir haben für alle Teilprojekte gute Lösungen vorgelegt, die auch die BV überzeugt haben. Denn ansonsten wären diese Lösungen nicht mit nur einer Gegenstimme beschlossen worden.

Rat, BV und Verwaltung haben immer zugesichert dass es für alle wegfallenden Flächen einen guten und funktionierenden Ersatz gibt. Am Hackenberg entsteht eine moderne Sportanlage, die ersetzt eine doch sehr in die Jahre gekommene Anlage. Die Schule zieht in das Gebäude an der Pestalozzistraße. Mittlerweile wohnen doch viel mehr Kinder in der Neustadt Lenneps. Die freiwillige Feuerwehr Lennep zieht an die Karlstraße. Sie findet am neuen Standort eine Feuerwache vor, die dem neusten Stand der Technik entsprechen wird.

Und die Brauchtumsveranstaltungen? Auch die sind uns viel wert, weil sie ein Stück unserer Tradition sind. Wir wollen, dass Kirmessen, Karneval und Oktoberfest weiterhin in Lennep stattfinden. Wir wollen, dass Martins- und Osterfeuer weiterhin nach Lennep einladen. Wir haben viele Varianten geprüft und natürlich das Verfahren“ (Anm.: gerichtlicher Vergleich mit einem Anlieger am 19. April) „zur Nutzung der Robert-Schumacher-Straße abgewartet. Mit dem Vergleich haben wir eine klare Sicherheit für die Robert-Schumacher-Straße. Das ist uns wichtig: Vier Vereine brauchen Sicherheit: Das wollen wir auch.

Wir haben uns viele Gedanken gemacht. Und auch über den Tellerrand geschaut. Kennen Sie die Haaner Kirmes? Kennen Sie das Stadtfest in Wermelskirchen oder das Altstadtfest in Hückeswagen? Oder waren Sie schon einmal in Oberhausen auf der Sterkrader Kirmes? Wissen Sie, wo diese stattfinden? Nicht auf einem Festplatz, sondern mitten in der Stadt, auf dafür gesperrten Straßen. Wo sehen wir die Lenneper Brauchtumsveranstaltungen künftig? Das Osterfeuerwird im Lenneper Bachtal stattfinden: das ist Konsens mit dem Verkehrs- und Förderverein. Wir verlegen Leitungen und bereiten die Fläche vor. Das Martinsfeuer wird entweder im Hardtpark oder in der Lenneper Altstadt abbrennen: auch das ist Konsens - mit Feuerkörben, so wie vom Verkehrs- und Förderverein vorgeschlagen.

Die Kirmes vom Schützenverein Eintracht findet auf der Robert-Schumacher-Straße statt: Premiere war am vergangenen Wochenende: Verein wie Schausteller waren sehr zufrieden, außer mit dem Wetter, aber das liegt nicht in unserer Verantwortung. Was aber auch betont wurde: Dank der nun asphaltierten Fläche konnten die Besucher auch bei Regen die Veranstaltungsfläche betreten! Die Kirmes vom Schützenverein 1805 findet gleichfalls ihren Platz auf der Robert Schumacher-Straße. Und auch der Karneval kann auf der Robert Schumacher-Straße gefeiert werden: Ich kann Ihnen versichern, dass mit der LKG und dem Zeltwirt in dieser Woche ein positives Gespräch stattgefunden hat. Der Vergleich vom 19. April sichert allen genannten Vereinen die Nutzung für die nächsten 15 Jahre zu.

Wir werden diese Fläche mit Strom und Wasser so ertüchtigen, dass dies den Vereinen hilft. Der Aufwand dafür liegt bei gut 100.000 €. Wir haben uns am längsten mit dem Oktoberfest befasst. Weil auch dieses Fest uns nicht gleichgültig ist. Einige Fakten:

Es gibt Aussagen von Mitgliedern des Verkehrsvereines aus den zurückliegenden Jahren, dass sie mit diesem Fest unbedingt auf die Robert-Schumacher-Straße wollten und es dort auch stattgefunden hat. Bis 2014 fasste das Zelt maximal 1.500 Personen. Ein Zelt dieser Größe – also für 1.500 Personen – passt bestens auf die Robert-Schumacher-Straße. Erstmalig im Jahr 2015 fasste das Festzelt zum Oktoberfest 2.000 Plätze. Wir haben alle Varianten geprüft, nicht kaputt geprüft, und auch mehrfach in unterschiedlicher Konstellation mit Vereinen gesprochen.

Die Karlstraße: Diese Fläche brauchen wir dringend für Gewerbe. Ich kenne das Argument, sie sei ja in den vergangenen Jahren noch nicht veräußert worden. Ich bleibe dabei, es ist unsere letzte kommunale Gewerbefläche größer 10.000 Quadratmeter. Wenn heute ein externes Unternehmen kommt oder ein Remscheider Alternativflächen braucht, müssen wir etwas anbieten können. Es geht um Arbeitsplätze und die Zukunft unseres Wirtschaftsstandortes. Unabhängig davon hätte eine Entscheidung zur Nutzung der Karlstraße für Brauchtumsfeste erhebliche bilanzielle und finanzielle Auswirkungen für die Stadt, ganz zu schweigen von den nach wie vor bestehenden massiven Sicherheitsbedenken bei einer Nutzung als Veranstaltungsfläche.

Der Talsperrenweg: Es gibt die Idee, dort das Parkhaus für das DOC zu bauen. Das wäre ein Turm mit zehn Geschossen und 30 Metern Höhe. Unabhängig davon, dass dieser Standort viel zu weit weg ist vom DOC, wäre die gesamte Verkehrsplanung obsolet. Man müsste auch den B-Plan komplett neu ausrichten, was uns um Jahre zurückwerfen würde. Das würde zurück auf Start bedeuten. Ich bin mir sicher, dass McArthurGlen bei einer solchen Vorgabe „aussteigen“ würde.

Mal war die Fläche Talsperrenweg eine Alternative für das Oktoberfest, dann nicht, jetzt hörte ich, dass doch. Zur Klarheit: Auf diese Fläche würden nur ein Zelt für das Oktoberfest bzw. den Karneval passen, nicht aber für die Kirmessen der Schützenvereine. Somit wäre der Talsperrenweg kein gemeinsamer Veranstaltungsplatz. Wir bräuchten dann immer noch die Robert-Schumacher-Straße.

Und wir müssen uns mit Zahlen befassen. Die Herrichtung des Talsperrenwegs als Fläche für das Oktoberfest würde 400.000 € kosten. Das bedeutet, dass wir 400.000 € für den Talsperrenweg ausgeben müssten, zusätzlich zu den 100.000 €, die wir für die Herrichtung der Robert Schumacher-Straße bereitstellen müssen, da diese Fläche definitiv für die Kirmessen gebraucht wird. Zur Erinnerung: auf der Robert Schumacher-Straße ist auch Platz für 1.500 Oktoberfest-Gäste, ohne eine zusätzliche Investition von 400.000 €. Das heißt, wir müssten diese Summe am Talsperrenweg investieren, um den Aufbau eines Zeltes zu ermöglichen, das Platz für 500 weitere Gäste bietet.

Darf ich Sie alle an dieser Stelle an unsere Haushaltssituation erinnern? Darf ich an die letzte Haushaltsdiskussion erinnern, als es darum ging, die Kita- und OGGS-Beiträge um 4,5 Prozent zu erhöhen? Ja, der gesamte Verwaltungsvorstand steht hinter dem Oktoberfest wie hinter allen Brauchtumsfesten hier in Lennep. Er ist aber für die ganze Stadt verantwortlich und kann Ihnen nicht vorschlagen, 400.000 € für eine Fläche auszugeben, die an fünf Tagen genutzt wird und nur 500 Personen mehr Raum bietet.

Ich weiß, dass unser Angebot, bei einer weiteren Expansion des Oktoberfestes auf einen Platz zu gehen, der acht Kilometer von Lennep entfernt ist und für genau diese Zwecke bestens geeignet ist, nicht bei jedem auf Begeisterung stößt. Und das, obwohl mittlerweile ein großer Teil der Gäste längst nicht nur aus Lennep kommt.

Unter Einbindung all dieser Argumente liegt Ihnen heute die Vorlage zur Verlagerung der Brauchtumsplätze zur Beratung vor, für die ich werbe. Die BV Lennep hat sich mit überragender Mehrheit für diesen Vorschlag ausgesprochen. Ich denke, es ist jetzt an der Zeit, die Stadt Remscheid als Ganzes im Blick zu haben. Arbeiten wir zusammen an unserer gemeinsamen Zukunft!“

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Kommentare

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Chronist am :

Unterstützung fand der OB bei Sven Wolf (SPD), Tanja Kreimendahl (CDU), Beatrice Schlieper (Grüne) und Wolf Lüttinger (FDP), die in ihren Wortmeldungen stellvertretend für alle ihre Ausschussmitglieder sprachen („Sinnvolle Lösung!“).

Peter Lange am :

Auch wenn am Ende alle Beteiligten gute Miene zum bösen Spiel machten, wer die Pfingstkirmes besucht hat, dem konnte nicht entgehen, welches Trauerspiel sich dort ereignet hat. Es war nicht mehr und nicht weniger als der Abgesang auf ein einst fröhliches, gut besuchtes Volksfest. Daran konnte auch der allgemein hochgelobte Asphaltbelag nichts ändern. Zu Anfang der Outlet-Planungen war den Veranstaltern von Seiten der Verwaltung noch ein Volksfest auf der Wupperstraße, vergleichbar mit Wermelskirchen, in Aussicht gestellt worden. Übrig geblieben ist von diesem Versprechen rein gar nichts. Auch der alt ehrwürdige Verkehrs- und Förderverein hat sich lange von den Versprechungen der Verwaltung blenden lassen. Nun sind auch dort die Verantwortlichen auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Der Vorschlag der Verwaltung, das Oktoberfest zukünftig in Remscheid auf dem Schützenplatz auszurichten, beweist vor allem eines, nämlich über wie wenig Fingerspitzengefühl und Kenntnis der Lenneper Befindlichkeiten weite Teile der Politik und der Verwaltung verfügen. Der Vorschlag einiger Vereine, das Outlet-Parkhaus am Talsperrenweg zu errichten und den Kirmesplatz zu erhalten, kann laut Aussage des Oberbürgermeisters vom 04.05.2016 in der Bezirksvertretung Lennep im Hinblick auf die Wuppertaler Outlet-Pläne nicht mehr geprüft werden, da eine Ansiedlung des Parkhauses am Talsperrenweg eine weitreichende Änderung des Verkehrsgutachtens zur erfordern würde. Die dafür erforderliche Zeit, so der OB, habe man schlicht nicht, da sonst die Gefahr bestünde, dass der Investor abspringt. Diese Aussage des OB ist von einer geradezu erschreckenden Klarheit gekennzeichnet. Es geht ihm und den Pro- Outlet-Fraktionen nicht mehr um die besten Lösungen für Remscheid, Lennep und die betroffenen Bürger, sondern einzig und alleine um das schnelle „Durchziehen“ des Projektes um den Investor nicht zu verschrecken. Als Bürger stellt man sich da die Frage, wie diese Verwaltung und die Pro-Outlet-Fraktionen, die weder Willens noch in der Lage zu sein scheinen, in einem vertretbaren Zeitrahmen gleichwertigen Ersatz für Sport und Brauchtum zu schaffen, es bewerkstelligen wollen, die ungleich schwierigeren Probleme des überbordenden Verkehrs zu lösen. Es bleibt allerdings die Hoffnung, dass die Gerichte die Outlet-Fanatiker doch noch stoppen werden.

Lothar Kaiser am :

Fanatismus ist kein guter Ratgeber. Mit dem Vorwurf „Fanatiker“ sollte man sorgsam umgehen, sonst könnte er auf einen selbst zurückfallen. Und noch eins, lieber Herr Lange: Wie war eigentlich das Wetter während der Kirmestage in Lennep?

Brigitte Kieslich am :

"Fanatismus im engeren Sinn ist durch das unbedingte Fürwahrhalten der betreffenden Vorstellung und meistens durch Intoleranz gegenüber jeder abweichenden Meinung gekennzeichnet." (Wikipedia) Diese Definition trifft meines Erachtens auf die Remscheider Pro-DOC-Koaltion vollständig zu. Man hätte kritische Bürger mit einem konkreten Businessplan für die erwarteten positiven Effekte des DOC und mit Sensitivitätsuntersuchungen zu den Eckdaten der Verkehrs- und Umweltbelastungen durchaus überzeugen können - die Verweigerung dieser Angaben bewirkt allerdings das Gegenteil. Herrn Lange fordert lediglich eine ergebnisoffene Untersuchung von Alternativen ein wie auch Herr Runge "eine objektive, umfassende und ehrliche Kosten-Nutzen-Analyse der DOC-Planung" - meines Erachtens das Mindeste, was Bürger von ihren gewählten Volksvertretern bei einem solch großen Projekt, das die Lebensbedingungen in einem ganzen Stadtteil massiv verändert, erwarten dürfen. Oder gilt es heutzutage als Fanatismus, Bürgerrechte einzufordern?

Peter Lange am :

Es stimmt, mit den Begriffen Fanatiker und Fanatismus sollte man sorgsam umgehen. Hier die Definition der Begriffe auf Wikipedia:„Als Fanatismus bezeichnet man im weiteren Sinn eine besonders hohe emotionale Wertschätzung bestimmter Tätigkeiten, Interessengebiete, Objekte oder Personen (fanatischer „Motorrad-Freak“, „Harry Potter-Fan“ oder „Fußball-Fan“). Der Fanatiker will häufig andere von seinen Ansichten überzeugen („missionarischer Eifer“), lässt jedoch seinerseits keinerlei Zweifel an der Richtigkeit und dem besonderen Wert seiner Überzeugungen zu. Vielmehr verteidigt er sie gegen jede Infragestellung und ist dabei einer vernünftigen Argumentation nicht zugänglich. Die betreffende Vorstellung ist seinem kritischen Denken bzw. Reflexionsvermögen entzogen. Damit verbundene negative Konsequenzen für sich selbst oder andere werden als solche nicht erkannt bzw. anerkannt.“ Ich bin der Ansicht, dass diese Definition für viele der handelnden Personen aus der Remscheider Politik und Verwaltung im Umgang mit dem Outlet-Projekt exakt zutrifft. Was das Pfingstwetter angeht, ist festzustellen, dass der parallel auf der Hindenburgstraße stattfindende Trödelmarkt, bei gleichem Wetter, sehr gut besucht war.

Michael Heimlich am :

Die Wortwahl "Sinnvolle Lösung" ( s. Anfangs-Kommentar) stellt die Frage nach „dem Sinn wofür?“ "Sinnvoll" sicherlich im Sinne einer schnellen u. kostengünstigen Lösung für die Durchdrückung des DOC-Projektes in Lenneps. Frei nach dem Motto: Jetzt haben wir wenigstens diese „DOC-Baustelle“ schon mal vom Tisch! Keinesfalls "Sinnvoll" im Sinne der Bürger-/innen, denen die verantwortlichen Politiker einen "Ersatzfestplatz " versprochen hatten. Ein "Platz" im eigentlichen Wortverständnis ist jedenfalls hier an der Robert Schumacher-Straße nicht zu sehen, allenfalls eine gesperrte Straße zur Kirmes-Zeit. Dies hatte zur Zeit der Pfingstkirmes zur Folge, dass die Einkaufssituation an der Robert Schumacher-Straße nicht nur „Spaß-befreit“ , sondern für die dortigen Einzelhändler wahrscheinlich aufgrund von Umsatzeinbußen auch "Sinn -befreit" war. Die Straßenführung Richtung Kölner Str. gab zudem schon einmal einen kleinen Vorgeschmack, auf was sich die einkaufende Bevölkerung demnächst im „DOC-Zeitalter“ einstellen muss /sollte. Dann doch lieber zu Veranstaltungszeiten woanders einkaufen. Hinzu kam das Wegfallen zahlreicher Park&Ride –Parkplätze für Berufspendler und einkaufende Bürger/-innen zu dieser Zeit am Bahnhof Lennep, auch durch die Straßensperre bedingt. Fazit: „Eine sinnvolle Lösung“ – ganz im Sinne ökologischer Politik – Made in Remscheid !

Manfred Zenk am :

Zum Thema "Einzelhandel" bei Veranstaltungen auf der Robert Schumacher-Straße kann ich einen Erfahrungsbericht beisteuern: Weil am Schützenfest-Wochenende der Parkplatz REWE Wupperstraße total überfüllt war, bin ich mit meinem Einkaufszettel zum REWE an besagter "Feststraße" ausgewichen. Noch nie vorher standen mir in der Parkpalette so viele Plätze zu Verfügung. Man darf gespannt sein, wie lange die REWE-Gruppe sich das gefallen läßt.

Manfred Zenk am :

OB Mast-Weisz ist ein Meister des Verdrehens bzw. Mißverstehens. Aus einem Bürgervotum für den DOC-Standort Blume macht er eines für Lennep, und aus der Zustimmung für den Veranstaltungsplatz Robert Schumann-Straße eine Ablehnung des Kirmesplatzes. Hatte denn die Bezirksvertretung eine Alternative bei der Abstimmung? Wenn ein Kind ein angebotenes Bonbon nimmt, lehnt es doch damit den Eisbecher nicht ab! Insofern kann er aus dem Votum der Bezirksvertretung nicht den (Zitat) „eindeutigen politischen Willen ablesen“. Ich habe den bauzaundekorierten „Festplatz“ der Schützenveranstaltung besucht und ihn enttäuscht schnell wieder verlassen. Von Feststimmung konnte keine Rede sein, und die Unzufriedenheit der Schausteller wegen des spärlichen Besuchs gibt mir recht. Diese „Ersatzfläche“ wird zum Hospiz für sterbende Brauchtumskultur. Herr Kreutzer will die richtige Frage an die Remscheider stellen und kann daraus dann wirklich einen eindeutigen Willen ablesen. Die Antwort der Lenneper ist heute schon eindeutig: Ohne adäquaten Ersatz darf der Kirmesplatz nicht verkauft werden!

Ursula Wilms am :

Herr Runge, Sie erwarten eine Antwort der Stadt auf den Vortrag von Prof. Schneidewind. Nun, dazu müsste man zuerst einmal dabei gewesen sein - gesehen hat man aber niemand von der Stadt. Es scheint also so zu sein, dass der Planungsfehlschluss nicht mehr reflektiert werden soll. Einen OB, der in Vohwinkel wohnt, werden auch die Auswirkungen nicht unbedingt interessieren.

Klaus Runge am :

Auf den Vorwurf von Prof. Schneidewind - dem Leiter des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie - die Remscheider Pro-DOC-Akteure seien mit ihrer DOC-Planung in der falschen Richtung unterwegs [auf dem Holzweg], erfolgt keine Antwort. Es gibt in der oben beschriebenen Schilderung der Erwartungen des Oberbürgermeisters bei der DOC-Planung zwar nur noch 600 statt der früher erwähnten 800 Arbeitsplätze im DOC, aber sonst ist alles wie gehabt. Daher ein neuer Stimulationsversuch: Der Nobelpreisträger für Wirtschaft und Psychologe Daniel Kahneman beschreibt in “Schnelles Denken, langsames Denken“ treffend wesentliche Kennzeichen der Remscheider DOC-Planung. „Bei der Prognose von Ergebnissen risikoreicher Projekte fallen Führungskräfte“ …„allzu leicht dem Planungsfehlschluss zum Opfer“. „Unter seinem Einfluss treffen sie Entscheidungen, die auf irrationalem Optimismus statt auf einer rationalen Abwägung von Gewinnen, Verlusten und Wahrscheinlichkeiten basieren. Sie überschätzen den Nutzen und unterschätzen die Kosten. Sie denken sich Erfolgsszenarien aus, während sie das Potenzial für Fehler und Fehlberechnungen übersehen. Aus diesem Grund verfolgen sie Projekte, bei denen es eher unwahrscheinlich ist, dass diese sich innerhalb des Kosten- oder Zeitrahmens bewegen oder die erwarteten Erträge abwerfen werden - oder auch nur zur Vollendung kommen.“ Der „Planungsfehlschluss“ beschreibt Pläne und Prognosen, „die optimalen Szenarien unrealistisch nahe kommen“ und „die verbessert werden könnten, wenn man die statistischen Daten über ähnlich gelagerte Fälle konsultierte.“ Schon allein wegen der kostspieligen Vorleistungen, die Remscheid mit der DOC-Planung akzeptieren will (soll, muss), ist klar, dass es sich bei dieser Planung nicht um ein „optimales Szenario“ handelt. Da kann der Oberbürgermeister noch so eindringlich seine Zukunftsträume und die Bedeutungslosigkeit der DOC-Vorleistungen beschreiben. Stattdessen ist eine objektive, umfassende und ehrliche Kosten-Nutzen-Analyse der DOC-Planung dringend notwendig.

Klaus Konkel am :

Der zwingende Weg von Pro DOC kommt bei mir in Lennep nicht gut an. Das Gute, das wir in Lennep haben, sollten wir besser nutzen dürfen, statt dass es gefährdet wird. Die gewachsene Struktur für bestens organisierte Veranstaltungsreihen der Vereine muß m. E. zwingend erhalten bleiben und mit maßvollem Um- und Ausbau für DOC-Kundschaft erweitert werden. Das Karstadt/Hertie Gebäude böte ausreichend Raum für eine FOC-Angebotspalette. Mit einem Umbau gäbe man dem denkmalgeschützten Gebäude Leucht-Turm-Charakter und würde in sinnvoller Art sämtliche Leerstände der Altstadt in Rekordzeit beseitigen. So würde aus einem FOC ein DOC. Warum Verkehrseinengung und Platzmangel erzeugen? Soll das dann wirklich rechtlich haltbar sein? Warum neben einem Dorf noch ein Dorf? Investoren wie Geschäftsleute sollten sich in Lennep für fußballerische Entwicklungen interessieren und andere gemeinützige Aktivitäten in Remscheid begleiten.

Lothar Kaiser am :

"Das Karstadt/Hertie Gebäude böte ausreichend Raum für eine FOC-Angebotspalette." Herr Konkel, Sie wissen doch als Lenneper sehr genau, was mit dem Gebäude passieren soll. Das Thema war häufig genug in der Bezirksvertretung Lennep. Da "mal so eben" in einem schon seit langem laufenden Verfahren eine neue Idee in den virtuellen Raum zu stellen, ist sinn- und zwecklos.

Michael Heimlich am :

Diese Idee ist nicht grundsätzlich neu. Den Karren in die Sackgasse gefahren von wg. Nutzung des Karstadt-Gebäudes durch den 4. oder 5. Lebensmittel-Discounter hier in Lennep haben unsere "Volksvertreter" durch ihre Beschlüsse in der BV Lennep. Mangelnde Rückkopplung zur Bürgermeinung ist auch hier Programm. Demokratie hört eben nicht bei den Wahlen auf. Das ist das grundsätzlich große Missverständnis oder auch eine Form von Selbstüberschätzung von handelnden Politikern in der Remscheider und speziell in der Lenneper Lokalpolitik. Daran ändert auch eine "DOC-Ideen-Werkstatt" grundsätzlich nichts.

Klaus Konkel am :

Das ist keine neue Idee, Lieber Herr Kaiser, sie findet sich dokumentiert im Waterboelles am 3. Nov. 2012, als zweiter Beitrag in der ersten ernsthaften Verkündigung des Doc nach einem Aprilscherz. http://www.waterboelles.de/archives/13165-Kein-Aprilscherz-DOC-gleich-neben-der-Lenneper-Altstadt!.html#c24419 Diese frühzeitg eingebrachte und ignorierte Altenative, hinsichtlich der Möglichkeiten und Auswirkungen (Verkehr, Umwelt, Gemeinwohl), sollte rechtlich relevant sein?

Chronist am :

"Die Anträge der Lenneper Karnevalsgesellschaft e.V. und des Fördervereins Freiwillige Feuerwehr Lennep 1867 e.V. auf Durchführung der jährlichen Veranstaltungen auf dem Lenneper Jahnplatz hat die Stadt Remscheid genehmigt, beide Vereine sind darüber informiert worden. Die Durchführung der Karnevals-Zeltveranstaltung im Februar 2017 sowie des traditionellen Feuerwehrfestes anlässlich des 150jährigen Jubiläums der Freiwilligen Feuerwehr Lennep im April 2017 auf dem Jahnplatz sind mit den Planungen des DOC abgestimmt. Die Stadt Remscheid freut sich, die Platzfläche für die beiden Feste nochmal zur Verfügung stellen zu können." (Pressemitteilung der Stadt Remscheid von heute)

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