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Zentraler Eingang für Werkzeugmuseum und Haus Cleff

„Das Haus Cleff ist das bedeutendste Patrizierhaus des Bergischen Landes. Es ist Zeugnis des Wohlstandes, der durch den Handel mit Kleineisen erwirtschaftet wurde. Die Söhne des erfolgreichen Johann Peter Hilger der Ältere (1720-1788) erbauten 1778/79 dieses besondere Doppelhaus. Es waren Peter Caspar (1747-1803) und Johann Peter Hilger (1752-1816), die sich dort niederließen und Handel besonders mit Russland (links) und Holland (rechts) trieben. Hiervon zeugen die beiden Wappen über den Eingangstüren. Leider hielt der Erfolg nicht an, und 1802 wurde das Haus zur Versteigerung angeboten. 1809 übernahm Georg Hinrich Sonntag das Gebäude, der von 1811 bis 14 Bürgermeister von Remscheid war, und behielt es bis 1829. Während der Bürgermeisterzeit wurde es wohl auch als ‚Rathaus‘ genutzt. Ab 1847 bewohnten wieder Brüder das Haus, durch die der Name manifestiert wurde. Es waren Fritz und Carl Cleff, die ebenfalls im Exportgeschäft tätig und erfolgreich waren. Sie ergänzten das repräsentative Haus nach und nach mit dem Kontor, dem Haus Berger mit Halle sowie der Shedhalle, so dass dort neben dem Handel auch produziert werden konnte.

Statik in Mitleidenschaft gezogen

Frühere Bewohner des Hauses Cleff haben mal da eine Innenwand eingerissen und dort eine neue gezogen.  Das hat dazu geführt, dass tragende Deckenbalken sich verzogen haben. Das haben eingehende Untersuchungen bestätigt, wie Dr. Wallbrecht am Dienstag im Kulturausschuss berichtete. Beispielsweise haben sich die Treppenhäuser der beiden Doppelhaushälften zueinander geneigt,  nachdem stützende Teile entfernt worden waren. Da sind also Verstärkungen durch (neben die Balken eingezogene) Stahlträger erforderlich. Zumal die ursprüngliche Traglast von 200 Kilogramm pro Quadratmeter wegen der Museumsbesucher auf 500 Kilogramm erhöht werden soll.

Nur drei Jahre nach dem Bau der Shedhalle übernahm Richard Lindenberg 1900 das Doppelhaus. Er hatte nicht weit entfernt eine Fabrik für Tiegelstahl errichtet und realisierte ab 1904 erstmalig die industrielle Elektrostahlherstellung. Lindenberg verstarb 1925 bei einem Flugzeugabsturz, und sein Unternehmen wurde 1927 mit den Vereinigten Stahlwerken zu den Deutschen Edelstahlwerken verschmolzen, die das Gebäude im gleichen Jahr an die Stadt Remscheid veräußerten. Somit konnte dort das Heimatmuseum eingerichtet werden.

Aufgrund der besonderen Bedeutung des Gebäudes für die Geschichte der Werkzeugentwicklung, für Remscheid, für das Bergische Land sowie für Deutschland muss Das Gebäude vollständig und dauerhaft für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Somit stehen keine Räume als Bürofläche zur Verfügung. Das Deutsche Werkzeugmuseum sowie das ehemalige Heimatmuseum sind im Hasten stark verwurzelt und genießen eine hohe Akzeptanz. Diese Situation soll durch Schaffung eines kulturellen Zentrums in Symbiose mit dem Historischen Zentrum erheblich ausgebaut werden. Hierfür ist es zwingend notwendig, einen passenden Veranstaltungsort sowie einen gastronomischen Treffpunkt zu schaffen.

Das Deutsche Werkzeugmuseum ist im Bereich der technischen Erläuterungen bestens aufgestellt. Ein Manko ist die sozialhistorische Komponente. Hierfür bietet sich das Haus Cleff perfekt an. In direkter räumlicher Nähe soll das Haus Cleff wie eine Abteilung des Werkzeugmuseums fungieren. Die beiden Häuser stehen dabei nicht in Konkurrenz, sondern bilden vielmehr eine Einheit, die durch die Schaffung einer neuen gemeinsamen Eingangssituation auch architektonisch klar dargestellt wird.

Neben allen musealen Präsentationen und der Nutzung für Veranstaltungen stehen das historische Gebäude „Haus Cleff“ und das Denkmal im Vordergrund. Daraus leiten sich einige Grundsätze ab, die für die Konzeption von Bedeutung sind:

  • Alle nachweisbaren historischen Strukturen werden wieder hergestellt (z.B. vermauerte Türen oder Fenster werden geöffnet, Leichtbauwände und aufgedoppelte Wände oder Decken werden entfernt, Verbindungswege werden wieder hergestellt etc.).
  • Rezente Veränderungen wie Türerweiterungen, Abriss von Wänden etc. werden nicht rekonstruiert.
  • Bauhistorische Befunde werden, wenn möglich, erhalten und präsentiert.
  • Liegen umfangreiche bauhistorische Befunde z.B. zur Farbfassung der Türen vor, wird diese umgesetzt. Falls dies nicht der Fall ist, steht die museale und innenarchitektonische Gesamtkonzeption im Vordergrund.
  • Das Erscheinungsbild des Gebäudes soll so wenig wie möglich beeinträchtigt werden.
  • Hinzufügungen, um moderne Standards zu erfüllen oder zu erreichen, dürfen nur sehr zurückhaltend umgesetzt werden.

Es soll in Zukunft zwei Museumsebenen geben, die aufgrund ihrer Erreichbarkeit eine leichte Gewichtung erfahren. Die Hauptebene ist im Erdgeschoss. Dort sollen die Bewohner und damit wichtige Personen der Werkzeuggeschichte im wahrsten Sinne des Wortes im Mittelpunkt stehen und ihre Geschichte und Geschichten erzählen. Die jeweilige Person wird in den verschiedenen Räumen durch wechselnde Stilmittel in den Fokus des Besuchers gerückt. Dies könnte in Form einer Pappsilhouette, einer Plexiglasdarstellung, Projektion oder einer Lichtinstallation geschehen. Der zeitliche Kontext wird durch Originalexponate, durch die Gestaltung des Raumes oder eine entsprechende Geräuschkulisse geschaffen. Die zentralen Figuren sollen aus ihrem Leben, über ihre Tätigkeit, über ihre Erfindungen, ihre Handelsreisen oder über besondere Gegebenheiten erzählen. Dieses soll aber nicht in einer Richtung möglich sein, sondern der Besucher soll mit den Protagonisten in Dialog treten können und eigene Fragen beantwortet bekommen. Auch in diesen Ausstellungseinheiten steht die Interaktion des Besuchers klar im Vordergrund. Durch die unterschiedlichen Präsentationsformen ist jeder Raum anders, der Besucher wird gespannt sein, wie die nächste Ausstellungseinheit aussieht.

Der Ablauf des Rundgangs bietet drei Besonderheiten: In den bauzeitlichen Küchen mit den Kochstellen aus dem Jahr 1779, den originalen ‚Einbauschränken‘ sowie dem Spülstein aus Sandstein mit unterschiedlicher Wasserzufuhr wird auf die Thematik ‚Essen und Trinken in bürgerlichen Häusern‘ eingegangen. In diesem Zusammenhang gibt es bei Führungen und museumspädagogischen Angeboten die Möglichkeit, durch kleine Türen in die ‚versteckten‘ Vorratsräume zu gelangen und von dort von dem einen Haus in das andere Haus zu wechseln. Der Individualbesucher kann diese Thematik genau aus der anderen Perspektive betrachten. Er kann von dem einzigen gemeinsamen Raum im Erdgeschoß, dem Kontor, durch eine Wandtür in den Vorratsraum gelangen, um dann zu erfahren, dass durch die angesprochenen kleinen Türen die beiden Küchen zu erreichen waren.

Im 2. Obergeschoss setzt sich die Ausstellung fort. Dort stehen das Gebäude, die Baugeschichte, Themen zur sozialen Gliederung - Fabrikant, Händler, Arbeiter -, zur Sozialtopographie - oben und unten -, oder die Lage und die Verteilung der verschiedenen Patrizierhäuser in der Stadt im Mittelpunkt. Auch dort zeichnet sich jeder Raum durch eine eigene Darstellungslinie aus. Das Thema ‚oben und unten‘ kann beispielsweise durch die Nutzung eines Fernrohrs mit Blick hinunter ins Tal zu den Werkstätten der Arbeiter dargestellt werden. Die Geschichte des Gebäudes und seine Baugeschichte lassen sich hervorragend durch einen 55“ großen MultiTouchTisch zusammenfassen und erläutern. Selbstverständlich können daran mehrere Besucher gleichzeitig und im Dialog ‚arbeiten‘.  Eine weitere Besonderheit dieser Etage ist die Präsentation eines originalen Ausstellungsraumes des alten Heimatmuseums. In den damals speziell eingepassten Holzvitrinen des kleinen Eckraumes werden die ehemals dort auch ausgestellten Exponate wie Dröppelminna, Gewehre oder Porzellan inszeniert.

Baugeschichtliche Erläuterungen ziehen sich als zweite Ausstellungsebene durch das ganze Haus, und entsprechende Besonderheiten werden jeweils vor Ort grafisch deutlich abgesetzt erläutert. Das Kellergeschoß ist leider nicht für einen regulären Publikumsverkehr geeignet. Die Treppenanlagen sind nicht so zu ertüchtigen, dass sie für Besucher generell benutzbar sind oder gar als Fluchtweg fungieren könnten. Unabhängig davon sollten die Gewölbekeller auch wieder so original wie möglich hergerichtet werden. In Ausnahmefällen und mit Begleitung z.B. bei museumspädagogischen Angeboten wäre eine Nutzung sinnvoll.

Im 1. OG steht der einzige große Raum des Hauses mit knapp 60 m² zur Verfügung. Aufgrund der bauhistorischen Untersuchungen zeichnet sich ab, dass dieser Raum bauzeitlich durch eine Wand getrennt war. In späterer Zeit wurde diese Wand entfernt und wurde somit zum Versammlungsraum der Familie und der Repräsentationsraum des Handelsunternehmens war. Dies verwundert nicht, denn er ist zentral oberhalb der Portale nach Westen ausgerichtet gelegen und bietet einen herausragenden Blick über das Tal und hinunter zu den ehemaligen Werkstätten. Somit liegt es nahe, auch künftig dort besondere Veranstaltungen durchzuführen. Der Raum kann mit einer Bühne und ca. 65 Stühlen ausgestattet werden und bietet damit ein perfektes Ambiente für Kleinkunst unterschiedlicher Ausprägung (Lesungen, Kabarett, kleine Konzerte). Ganz besonders eignet sich der Raum natürlich für Trauungen – als Hochzeitssaal. Daneben können dort auch die dazugehörigen Feierlichkeiten stattfinden, indem der Raum mit Tischen und Stühlen möbliert wird und ca. 44 Personen Platz bietet.

Neben den Veranstaltungen soll im Tagesbetrieb ein Café in drei Räumen entstehen. Hierdurch wird ein regelmäßiges gastronomisches Angebot für die Besucher des Museums und die Bewohner des Hastens geschaffen. Gleichzeitig ist die Bewirtung der Veranstaltungen sichergestellt. Die Fläche des Cafés kann natürlich durch die Nutzung des Hochzeitssaals jederzeit erweitert werden. Die Küche wird für kleine Gerichte und Kuchenservice ausgestattet. Somit muss die Bewirtung von Hochzeitsfeiern durch einen externen Caterer realisiert werden, dem allerdings die Küche zur Verfügung steht. Zu der Veranstaltungsebene gehört zwingend eine Lagerfläche und ein ‚Backstage-Bereich‘ sowie Sanitäranlagen. Es soll versucht werden, auch eine Außengastronomie vor dem Gebäude und/oder im Park zu realisieren. Zur Bewirtung könnte hierfür evtl. ein Kotten auf der Südseite des Gebäudes genutzt werden.

Die künftige Erschließung des Deutschen Werkzeugmuseums und des musealen Bereichs von Haus Cleff soll über einen zentralen Eingang realisiert werden, wodurch eine ausgesprochen große Ausstellungsfläche erreicht wird. Diese elegante Lösung wird einerseits die inhaltliche Klammer deutlich betonen, andererseits kann die Infrastruktur der beiden Häuser gemeinsam genutzt werden: Es wird nur ein Empfang benötigt; das gesamte Museum kann kostengünstig mit nur zwei Aufsichtskräften betreut werden; es werden keine neue stationäre Garderobe und Schließfächer benötigt; Toiletten beider Häuser stehen zur Verfügung; im ‚alten‘ DWM wird keine Cafeteria mehr benötigt, da die Besucher das Café im Haus Cleff nutzen können; der vorhandene Shop wird ausgebaut; es entsteht ein Empfangsbereich zur Begrüßung der Individualbesucher, von Gruppen oder Klassen.

Weiterhin können sich hier die Besucher kurz ausruhen, bevor sie im Haus Cleff weitermachen. Gleichzeitig mit der Schaffung des neuen zentralen Eingangs wird auch die Barrierefreiheit für das Haus Cleff sichergestellt. Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile ist diese Lösung fachlich untermauert, konsequent und wird durch die Denkmalpflege unterstützt. Durch den ebenerdigen Zugang kann das gesamte DWM-Gebäude erreicht werden. Um in das Erdgeschoss des Hauses Cleff zu gelangen, benutzen alle Besucher eine Brücke. Der eingeschränkte Besucher kehrt nach dem Rundgang über die Brücke in den Eingangsbereich zurück, um dann mit dem Fahrstuhl in das 1. OG zu fahren und dort das Café aufzusuchen. Alle anderen Besucher können fußläufig über die Treppen in das 2. Obergeschoss gelangen, die weitere Ausstellung betrachten, um abschließend auch in das Café zu gehen.  Das 2. OG ist leider nicht barrierefrei zu erschließen, da eine Anbindung des Aufzugs technisch nicht möglich ist und fast alle Türen zu schmal für eine Nutzung mit einem Rollstuhl sind. Nicht zuletzt erfährt das Entree des Deutschen Werkzeugmuseums eine erhebliche architektonische Aufwertung. Bei der Schaffung der neuen Eingangssituation in Kombination mit dem Aufzug ist es eventuell möglich, historische Gebäudestrukturen des frühen 19. Jahrhunderts aufzunehmen oder anzudeuten.

Die befestigten Flächen im Außenbereich zwischen dem Haus Cleff, dem Deutschen Werkzeugmuseum, dem Kontor sowie dem Haus Berger müssen viele Anforderungen erfüllen: Das Erscheinungsbild muss dem besonderen historischen Gebäude angemessen sein. Es müssen klare Strukturen mit einheitlichen Materialien entstehen, die nicht in Konkurrenz zu dem Gebäude treten. Die Begehbarkeit muss gut und sicher sein. Eine zurückhaltende Möblierung mit Bänken, Fahrradständern, einer Infostation, Mülleimern und wenigen Blumenkübeln sollte das Bild abrunden. Die Flächen müssen von großen und schweren Fahrzeugen (Feuerwehr, Liefer-Lkw) befahren werden können und für Veranstaltungen geeignet sein. - Für Veranstaltungen muss eine adäquate Infrastruktur (Strom- und Wasserversorgung an verschiedenen Punkten, Befestigungspunkte für Pavillons, Vorrichtungen für Hinweisschilder etc.) geschaffen werden. Die Pflege muss unkompliziert sein. Vor dem Haus Cleff ist eine Außengastronomie einzuplanen.

Weiterhin ist es wichtig, das Gebäude und die Freiflächen zu illuminieren und die Möglichkeit zu schaffen, damit unterschiedliche Stimmungen zu erzeugen. Hier sind einerseits eine Grundbeleuchtung sowie eine steuerbare Effektbeleuchtung für Veranstaltungen sinnvoll. Die Grundbeleuchtung kann durch eine Kombination von Bodeneinbaustrahlern auf der Frontseite des Hauses sowie von Wandleuchten und Stand- oder Pollerleuchten auf der Rückseite bzw. am Kontorgebäude des DWM realisiert werden. Eine Effektbeleuchtung könnte die weißen architektonischen Zierelemente in variable Farben tauchen, um angepasste Atmosphären je nach Veranstaltung zu schaffen.“ (aus dem neuen Gesamtkonzept für das Historische Zentrum der Stadt Remscheid)

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