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Alte Stadtgärtnerei, ein entwicklungsfähiges Kleinod

Lange Jahre stand die ehemalige städtische Stadtgärtnerei, im Stadtpark gleich neben dem Seniorentreff (der Pöhlsches' Schieter) zu finden, gänzlich leer und wucherte langsam zu. Dann kümmerte sich die Solinger GARBE gGmbh dort um arbeitslose Jugendliche und bildeten sie zu Floristen und Gärtnern aus – bis sie Insolvenz anmelden musste. Danach eroberte „Mutter Natur“ das Gelände zurück. Auf Initiative von Ralf Barsties, Geschäftsführer der Arbeit Remscheid gGmbh, einer städtischen Tochtergesellschaft, besichtigte der Verwaltungsvorstand der Stadt Remscheid Anfang vergangenen Jahres das alte Gärtnereigelände. Barsties war darauf gestoßen bei der Suche nach einem Schrebergarten für eine „Aktivierungsmaßnahme für psychisch beeinträchtigte Menschen“, mit der das Remscheider Jobcenter die gGmbh beauftragt hatte. Was er zwischen Stadtpark und Königstraße entdeckte, begeisterte ihn (er kann die Anlage bis dahin gar nicht) – und überzeugte Oberbürgermeister und seine Beigeordneten gleich mit: Dieses Kleinod dürfe nicht länger in einem Dornröschenschlaf dahindämmern. Gesagt, getan. Für die „Aktivierungsmaßnahme“ wurde ein Teil des Geländes angemietet. Eine Initiative, die Sozialdezernent Thomas Neuhaus gestern ausdrücklich lobte: „Das hat hier wieder Leben reingebracht! Der ideale Ort für weitere Arbeitsmarktprojekte, aber auch mit viel Potenzial für Begegnungen!“ Barsties sieht das genauso und hofft, „hier noch mehr Drive hineinzubekommen“. Am liebsten würde er die gesamte Anlage pachten, samt aller Gewächshäuser. Doch erst einmal will die Stadt untersuchen lassen, ob tatsächlich alle noch standfest sind (an ein paar zerbrochenen Scheiben sollte es nicht scheitern). Steht der Pachtvertrag, ließen sich schon im nächsten Jahr die Bürger zu bestimmten Anlässen in die „Stadtgärtnerei“ einladen. Neuhaus fasste es so zusammen: „Qualifizieren. Arbeiten. Begegnen“.

Das erste Projekt mit seinen 14 Teilnehmern ist noch nicht abgeschlossen. Ein zweites kam hinzu, Teil der Bundesförderung „Soziale Teilhabe“. Viermal in der Woche richten nun  auch diese vier Teilnehmer, angeleitet von einem Mitarbeiter Arbeit Remscheid gGmbH, die verwilderte Anlage in 20 bis 30 Wochenstunden wieder her. Davon, dass sie inzwischen wieder vorzeigbar ist, konnten sich gestern einige Bürger/innen und Pressevertreter überzeugen, die der Einladung von Bezirksbürgermeister Otto Mähler zu einer „Bezirksvertretung vor Ort“ auf dem Grundstück am Carl-Hessenbruch-Weg gefolgt waren. Thomas Neuhaus wagte bei der Gelegenheit einen weiten Blick in die Zukunft: „Ich könnte mir hier im Sommer auch gut ein kleines Café vorstellen!“ Und aktuell? „Vielleicht schon in diesem Jahre Jazzmusik bei Kaffee und Kuchen!“ “ Auf jeden Fall müsse die Anlage weiterentwickelt werden. Vielleicht für Künstler, die hier ausstellen möchten, oder Bürger, die kleine Parzellen selbst bepflanzen möchten...

Auf den Weg der Weiterentwicklung begab sich die Arbeit Remscheid bereits im Juni. Denn da waren ein Schulungsraum und Toilettenräume für Männer und Frauen schon hergerichtet, so dass als weiteres Jobcenter-Projekt die Eingliederung erwerbsfähiger Personen in den Arbeitsprozess über so genannte Arbeitsgelegenheiten (AGH), kurz Ein-Euro-Jobs, hinzukommen konnte. Sie betreffen Flüchtlinge. Sechs haben die (Garten-)Arbeit aufgenommen, neun Plätze sollen noch belegt werden. Verbunden ist diese Maßnahme mit Deutschunterricht. Um den wollen sie BAF und Diakonie kümmern, so dass für die Stadt auch hierbei keine Kosten anfallen. Für den 17. August hat sich Rainer Schmeltzer, Minister für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, angesagt, um das Projekt zur Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt in Augenschein zu nehmen.

Zu diesem Zeitpunkt ist die „Sommerschule für Flüchtlinge“ schon wieder Vergangenheit. Vom 11. bis 22. Juli soll sie stattfinden – zweigeteilt: Die jüngeren Jungen und Mädchen, die auch in den großen Ferien gerne weiter Deutschlernen möchten,  werden in der Grundschule am Stadtpark betreut werden, die jungen Erwachsenen (Schüler der Abendrealschule ab 18 Jahre) in der ehemaligen Stadtgärtnerei. Als zweiter Schulungsraum könne sich auch der nahe Seniorentreff eignen, meinte gestern Bezirksbürgermeister Mähler. Immerhin werden voraussichtlich 90 junge Flüchtlinge dieses Angebot annehmen. Das heißt für sie Deutschunterricht am Vormittag und Sport und Spiel am Nachmittag. Die Betreuer stellen BZI, Caritas, Diakonisches Werk,. Sportjugend, Jugendrat und Arbeit Remscheid. Und die Remscheider Rotarier spenden das Geld für Getränke, Obst etc. so dass auch in diesem Fall die finanzschwache Stadt gegenüber der Kommunalaufsicht in keine Erklärungsnöte gerät...

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