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Je mehr ehrenamtliche Fahrer, desto weniger Einsätze

Die Remscheider Tafel braucht dringend Spenden“, überschrieb der Waterbölles am 20. Juli eine die Pressemitteilung der „Remscheider Tafel für Bedürftige e.V.“. Seitdem sind auf dem Konto des Vereins bei der Stadtsparkasse Remscheid (IBAN: DE65 3405 0000 0000 0022 46) an Spenden zwar rund 17.000 Euro eingegangen. Doch dem stehen jährliche Personal- und Sachkosten von rund 120.000 Euro gegenüber. Und das bei einer ständig steigenden Zahl von „Kunden“, wie Vorsitzender Oliver Witte und Geschäftsführerin Sandra Kubiak gestern auf einer Pressekonferenz in der Geschäftsstelle im Flüchtlingsheim Wülfingstraße 1 in Lennep betonten. Witte arbeitet dort ehrenamtlich. Kubiak ist festangestellt, ebenso wie vier Fahrer, die morgens inzwischen 7.30 und 13 Uhr bei mehr als 50 Lebensmittelgeschäften unverkäufliche Lebensmittel einsammeln und in die acht Ausgabestellen im Stadtgebiet bringen.

Neben den 100 ehrenamtlichen Kräften, die die Waren dort verteilen, sind die Fahrer das Rückgrat der Tafel. Klappt die Anlieferung nicht, müssen die Bedürftigen ohne Lebensmittel nach Hause gehen. Oliver Witte: „Einen Fahrer, der blau macht, können wir uns nicht leisten!“ Deshalb schreckt er auch vor ehrenamtlichen Fahrern zurück. Weil die nach Erfahrungen anderer Tafeln weniger verlässlich sind. „Wir kommen ohne hauptamtliche Fahrer eigentlich nicht aus!“ – „Eigentlich“, weil der Verein sich die vier hauptamtlichen Fahrer eigentlich nicht mehr leisten kann. Das hat eine aktuelle betriebswirtschaftliche Analyse ergeben. Die war von der Verwaltungsspitze im Rathaus eingefordert werden. „Darüber wird es jetzt ein weiteres Gespräch mit Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz und Sozialdezernent Thomas Neubaus geben“, so Witte gestern. Aber auf eine Finanzspritze der finanzschwachen Stadt, die ihre freiwilligen Leistungen auf Betreiben der Kommunalaufsicht weitestgehend einstellen musste, wird der Vorsitzende der Remscheider Tafel trotz der gegenüber 2015 deutlich zurückgegangener Spendeneinnahmen wohl nicht hoffen dürfen. Deshalb hat der erweiterte Vorstand nach intensiver Beratung einen Maßnahmeplan beschlossen. Dem haftet allerdings das Attribut „Prinzip Hoffnung“ an. Mit anderen Worten: Wenn dieser Plan nicht zieht und sich künftig Ein- und Ausgaben nicht endlich wieder die Waage halten – am besten wäre ein kleiner Überschuss für Notfälle – dann sehe es für die Zukunft der Remscheider Tafel schlecht aus.

Fakten über die Remscheider Tafel

  • Hauptamtliche Mitarbeiter: 5
  • Ehrenamtliche Mitarbeiter in den Ausgabestellen: ca. 100
  • Ausgabestellen in ganz Remscheid: 8
  • Tafelkunden aktuell: ca. 2.300.

Deshalb appelliert der Verein erneut an Firmen, monatlich einen festen Betrag zu spenden. Die 60 Vereinsmitglieder wurden angeschrieben und gebeten, ihren Mindestbeitrag von 20 € nach Möglichkeit zu erhöhen. Und auch die Bedürftigen selbst werden zur Kasse gebeten. Ihr Eigenanteil in den Ausgabestellen wird pro Einkauf von zwei auf drei Euro erhöht. Bisher summierten sich die Eigenanteile im Jahre auf etwa 42.000 Euro. Künftig werden 21.000 Euro hinzukommen, macht dann 63.000 Euro.

Das deckt dann gerade mal die Hälfte des Jahresetats. Deshalb fürchten die vier festangestellten Fahrer inzwischen, ihre Arbeitsplätze zu verlieren und durch ehrenamtliche Fahrer ersetzt zu werden. Die Remscheider Tafel hat zwei Stellen für den Bundesfreiwilligendienst (Taschengeld statt Gehalt) zu besetzen. Auch diese jungen Männer könnten als Fahrer eingesetzt werden. Je größer der Fahrer-Pool, desto geringer die Einsatzzeit für den einzelnen Fahrer auf den beiden großen Kühlfahrzeuge und dem kleineren für den Transport der Lebensmittel. Sandra Kubiak: „Die Tafel sucht etwa 15 motivierte Fahrer, die bereit wären, ein paar Stunden am Tag die Lebensmittelmärkte anzufahren und die Ware entweder ins Lager an der Wülfingstraße zu bringen oder in den Ausgabestellen abzuliefern.“ Helfer, die die Remscheider Tafel bereits mit einem Ehrenamt unterstützen, sind hier in erster Linie angesprochen. Daneben hat sich der Verein auch an Firmen (Spediteure, Werkstätten, Fahrschulen, Stadtwerke) gewandt, um zu erfragen, ob ggf. Kontakt zu pensionierten Fahrern hergestellt werden kann. Doch das Echo war bislang gering.

Die heute noch festangestellten Fahrer waren vor Jahren als Langzeitarbeitslose zur Tafel gekommen, nachdem dort im Rahmen eines EU-Projektes Bürgerarbeitsplätze hatten eingerichtet werden können. Die wurden dann 2014 wieder abgeschafft und die Fahrer festangestellt, weil sich auf die Schnelle keine andere Lösung anbot. Sollte diesen vier Männern tatsächlich gekündigt werden müssen, bekämen sie wieder Arbeitslosengeld von der Bundesanstalt für Arbeit. Rein theoretisch könnten sie sich dann als ehrenamtliche Fahrer zur Verfügung stellen. Aber das möchte sich Oliver Witte erst gar nicht vorstellen...

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