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Sonderzuschuss für das Orchester fehlt beim Theater

Das städtische Haushaltjahr und das Spielzeit-Jahr des Teo Otto Theaters waren noch nie deckungsgleich. Während das Haushaltsjahr des städtischen Haushalts dem Kalenderjahr von Januar bis Dezember entspricht, umfasst die Spielzeit des Teo Otto Theaters den Zeitraum von September bis Anfang/Mitte Juli (vergleichbar mit dem Geschäftsjahr der Bergischen Symphoniker, das stets von September bis August dauert). Folglich betrifft die im Juli 2016 zu Ende gegangene Spielzeit 2015/16 des Teo Otto Theaters in ihrer gesamten künstlerischen und dispositorischen Planung sowohl das abgelaufene Haushaltsjahr 2015 als auch das aktuelle Haushaltsjahr 2016 der Stadt Remscheid.

Was eine Spielzeit gekostet hat, stellt sich oft erst viel später heraus. So erhöhten sich die Sachkosten des Theaters in der Spielzeit 2015/16 um 111.000 €. Dem standen Mehrerlöse im Kartenverkauf von 64.719,23 € gegenüber. Weil aber 21.593 € in Form des so genannten. Orchestersolis an die Bergische Symphoniker GmbH weitergereicht werden mussten, blieben davon für den Theateretat nur 43.125,58 € übrig. Was unterm Strich eine Deckungslücke von 67.874,42 € bedeutet, die durch eingesparte Kassenkreditzinsen geschlossen werden muss.

Bezogen auf das laufende Haushaltsjahr 2016 werden gegenüber der Haushaltseinplanung zusätzliche 78.000 € erforderlich. Dem stehen Einsparungen von 11.000 € bei den Personalkosten (Pfortendienst) gegenüber.  Für die restlichen Mehrausgaben ergibt sich eine Deckung ebenfalls durch eingesparte Kassenkreditzinsen. Im Pfortendienstes hatte im Rahmen der Altersfluktuation eine Stelle anderthalb Jahre früher eingespart werden können. Der Aufwand für das Ticketsystemschlägt im Haushaltsjahr 2016 mit 16.750 € zu Buche. schlägt. Für Vorstellungen der Spielzeit 2015/16 sind im Haushaltsjahr 2016 nicht eingeplante Zusatzaufwendungen für die Anmietung zusätzlicher im Theater nicht vorhandener Bühnentechnik (Scheinwerfer, Bühnenelemente, Mikrofonie) in Höhe von insgesamt 14.237 € entstanden. Die Verwaltung begründet das damit, dass die technischen Bühnenanweisungen in vielen Fällen zum Zeitpunkt der Buchung bzw. Vertragsunterzeichnung noch nicht vorliegen, sondern manchmal erst wenige Wochen vor der jeweiligen Vorstellung übersandt werden. Künftig sollen bei nicht hinreichender Begründung nicht rechtzeitig vorliegende Bühnenanweisungen grundsätzlich nicht mehr als Vertragsbestandteil anerkannt werden.

Ob auch im Haushaltsjahr 2016 die Deckung der überplanmäßig erforderlichen Mittel ganz oder zum Teil durch Mehrerlöse bei den Eintrittsentgelten kompensiert werden kann, wird die Verwaltung erst im Rahmen des Jahresabschlusses 2016 festgestellt werden können. Bemerkenswert sei allerdings, wie es in einer Mitteilungsvorlage zur heutigen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses heißt, „dass nach Abschluss der Spielzeit 2015/16 die bis dahin im Haushalt 2016 erzielten Erlöse mit insgesamt 261.332 € den Vorjahresstand (Stichtag jeweils 2. September) von 228.825 € um 14 Prozent übersteigen.“ Allerdings sei zunächst der Verlauf des gerade erst begonnenen Vorverkaufs für die neue Spielzeit 2016/17 abzuwarten. Deren Umfang sei mit insgesamt 73 Vorstellungen (exkl. der Veranstaltungen mit freiem Eintritt wie z.B. Nacht der Kultur, Festakt zum Tag der Deutschen Einheit, Stadtteilkonzerte) gegenüber der Spielzeit 2015/16 um 38 Prozent kleiner. „Bei dieser erheblich geringeren Zahl von Veranstaltungen ... ist eine negative Auswirkung auf die absolute Zuschauerzahl - und damit die Höhe der Eintrittsentgelte – nicht nur nicht auszuschließen, sondern zu erwarten.“

Die grundsätzlichen Ausführungen der Verwaltung zum Teo Otto Theater und zu den Bergischen Symphonikern, die die Vorlage enthält, sind schwergewichtig. Sie ließen sich so zusammenfassen: Während das Orchester mit wachsenden Zuschüssen am Leben erhalten wird, siecht das Theater dahin. Aber lesen Sie selbst:

„Die in den letzten vier Jahren recht exorbitanten Tarifsteigerungen für privat und staatlich Theaterschaffende und die Kostenentwicklungen für theatrale Tourneeproduktionen gehen auch am Theaterbetrieb nicht spurlos vorbei. Die Produktionskosten von Theaterproduktionen, die optimalerweise und auch aufgrund vielerlei Abstimmungsnotwendigkeiten mit den Bergischen Symphonikern und der Solinger Kulturverwaltung mit einem Vorlauf von zwei Jahren einzuplanen sind, sind in den letzten vier Jahren um 10 bis 20 Prozent gestiegen. Es wird immer schwieriger, mit einem schmalen Gastspiel-Etat von jetzt nur noch 330.000 Euro ein niveauvolles, ABO-füllendes Vollspartenprogramm mit Musiktheater, Tanz, Sprechtheater, Kinder- und Jugendtheater sowie mit anspruchsvollen Shows, Revuen, Lesungen und Weltmusik auf die Beine zu stellen. Die meisten Verträge mit Künstlern und Gastspielcompagnien sehen allgemein die meist erst spätere Rechnungstellung von GEMA-Gebühren,  Musikgebühr, prozentualer Tantieme und Übernahme von Unterkunfts- und Fahrtkosten, Abgaben zur Altersversorgungsabgabe pro Eintrittskarte und Abführungen an die Künstlersozialkasse vor, oft auch zuzüglich Mehrwertsteuer.  In Verträgen wird meist ein Honorarkostenrahmen für den Auftritt vereinbart, zu dem die später errechneten, weil oft erst relativ kurz vor dem Auftritt mit den Probenerfordernissen erkennbaren und konkret erst nach dem Auftritt (Zuschauerzahlen, technische Zusatzanforderungen, Erfordernis von Maskenbildnern, Umkleidehilfen, Friseuren, Kosmetikhilfen, Ladehilfen) quantifizierbaren Realkosten hinzu kommen. Es ist keine Seltenheit, dass beispielsweise Rechte-Abrechnungen sogar erst Jahre später eintreffen.

In der Planung zwei Jahre vor Beginn der Spielzeit 2014/15 im September 2012 sowie in der Planung zwei Jahre vor Beginn der Spielzeit 2015/16 im September 2013 war nicht absehbar und erkennbar, dass aus dem Gastspieletat seit 2015 pro Haushaltsjahr (=Kalenderjahr) mindestens  25.000 Euro als zusätzlicher Sonderzuschuss für die Liquidität der Bergischen Symphoniker GmbH ausgezahlt werden muss. Mit 345.000 Euro übersteigen für die jetzt beginnende Spielzeit die Honorar- und Nebenkostenforderungen der Bergischen Symphoniker (zusätzlich zu der jährlichen Grundfinanzierung des Orchesters mit 1,65 Millionen Euro für Remscheid) mittlerweile den übrigen Gastspieletat des Theaters von nur 330.000 Euro, mit dem das Vollspartenprogramm erzielt werden muss. Für jede Musiktheater- und Konzert-Aufführung im Theater, an der die Bergischen Symphoniker beteiligt ist, müssen 20 Prozent der Einnahmen direkt an die Orchester GmbH abgeführt werden. Darüber hinaus ist dem Theater auferlegt, mit seinem Programm mindestens 50.000 Euro jährlich an Mehreinnahmen zu erzielen. Diesel Ziel konnte durch eine zehnprozentige Preiserhöhung zu Beginn der Spielzeit 2014/15 bisher erreicht werden. Den mit einer solchen Preissteigerung im Regelfall einhergehenden Besucherrückgang gilt es jedoch zu vermeiden. Dies kann man allerdings nur erreichen mit einem qualitativ hochwertigen, vor allem aber vielfältigen Vollspartenprogramm, das auf alle Schichten und Generationen der Stadtbevölkerung und des Umlandes abzielt.

Mit dem jetzt aufgestellten, aus vorsichtigen Spargründen stark abgespeckten Programm für die Spielzeit 2016/17 wird sich dies aufgrund des um ein Drittel reduzierten Gastspielprogramms (rund 40 Vorstellungen weniger) absehbar nicht erzielen lassen – zumal mit dieser Finanzausstattung für die Spielzeit 2016/17 (Reduzierung gegenüber der Spielzeit 2015/16 um 35 Prozent) auf ein Programm zur Gewinnung der zukünftigen Besucher, nämlich der Kinder und Jugendlichen, ebenso verzichtet werden musste wie auf die musikalische, spiegelbildliche Abbildung der internationalen, kosmopolitischen Bevölkerung der Exportstadt Remscheid mit der Weltmusikreihe „Klangkosmos“. Zu erinnern ist daran, dass der Gastspieletat zum Erhalt der Bergischen Symphoniker bereits um einen Betrag von 50.000 Euro gekürzt wurde. Hinzu verfügte der Rat als weitere Einsparmaßnahme eine weitere Kürzung des Gastspieletats um 60.000 Euro. Es kristallisiert sich immer deutlicher heraus, dass diese zusammen genommen 110.000  € (plus die 25.000 € Spielzeit-Liquiditätsabgabe ans Orchester) als strukturelles Defizit dem Gastspieletat des Teo Otto Theaters zur Erstellung eines attraktiven Vollspartenprogramms fehlen und dies inhaltlich und qualitativ nicht kompensiert werden kann.“

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Kommentare

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Chronist am :

Die Verwaltungsvorlage steht am kommenden Dienstag auf der Tagesordnung des Kulturausschusses. Die Sitzung beginnt um 17 Uhr im Foyer des Theaters. Vorstellt werden soll bei der Gelegenheit auch die neue Bereichsleiterin für Fremdsprachen und Integrationskurse der Remscheider VHS, Alexandra Dominicus.

Lothar Kaiser am :

Zitat aus dem kommentierenden Bericht vom 15. September: "Während das Orchester mit wachsenden Zuschüssen am Leben erhalten wird, siecht das Theater dahin". Dazu passte jetzt ein Satz aus einem Kommentar von Axel Richter im RGA: "Das gesamtbergische Orchester ist längst überfällig." Das Bergische Sinfonieorchester (Solingen/Remscheid) und das Wuppertaler Sionfonieorchester hätten "zum Leben zu wenig und zum Sterben zuviel". Es mangele an einer "gesamtbergischen Perspektive". Stimmt, und das schon seit Jahren!

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