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Die weltweiten Verbindungen der evangelischen Kirche

 

Oberkirchenrätin Barbara Rudolph vom Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland in Düsseldorf war gestern die Rednerin auf dem traditionellen Jahresempfang des Evangelischen Kirchenkreises Lennep  im Vaßbendersaal am Markt. Ihr Thema: „Thema: Thema Weite wirkt! Unsere Kirche in weltweiten Verbindungen“.

Eingeleitet wurde der im Vergleich zu früheren nur spärlich besuchte Abend musikalisch von Bridgett Donkor, der Ehefrau von Charles Donkor, der im Kirchenkreis Lennep mit der Flüchtlings- und Asylarbeit betraut ist, sowie den drei Töchtern Charlene (21), Gillian (19) und Sharon (12). Vor allem das stimmliche Volumen von Charlene Donkor beeindruckte (Video folgt). Nachfolgend dokumentiert der Waterbölles den Vortrag von Barbara Rudolph:

„Ich bin unter Bananenstauden in der tropischen Nacht Tansanias, das offene Gebäude ist mangels Strom mit ein paar Petroleumlampen spärlich beleuchtet, viele Menschen haben einen halben Tag auf meine Ankunft gewartet. Endlich komme ich über holprige Straßen angerumpelt. Feierlich werde ich begrüßt. In der Begrüßungsrede der mir völlig fremden Menschen fällt sehr häufig das Wort „Läverkusen“. So wie es der Gastgeber ausspricht, klingt es fast wie das Paradies. Während ich nur das verstopfte Autobahnkreuz vor Augen habe, denken die Gastgeber an ihre deutschen Partner.

Am anderen Ort, am Rande der Kalahari-Wüste in Botswana, spricht ein Dekan über Simmern- Trarbach, in der Karpato-Ukraine hängt in einem Altenheim die Fahne einer rheinischen Gemeinde und in Marseille bedankt sich CIMADE, eine Flüchtlingsorganisation, bei der EKíR (mit der Betonung auf der zweiten Silbe) und meint damit die Evangelische Kirche im Rheinland. Ein unsichtbares Netzwerk von Partnerschaften überzieht den Globus. Oft bin ich selbst überrascht, welche Beziehungen und Kontakte es in der Kirche gibt, in der ich für die ökumenischen Beziehungen verantwortlich bin. Auch für den Kirchenkreis Lennep gilt das: Noch Anfang des Monats war ich in Kigeme, einem vergleichsweise armen Landstrich im aufstrebenden Ruanda und habe Grüße ausgerichtet aus dem Partnerkirchenkreis Lennep und von Superintendent Demski, und ein Leuchten war auf den Gesichtern von Pfarrerinnen und Pfarrern zu sehen, die ich zuvor gar nicht kannte. Fast jede – wenn nicht jede Kirchengemeinde – auf jeden Fall jeder Kirchenkreis der Evangelische Kirche im Rheinland hat direkte Partnerschaften mit Kirchen weltweit. Die weitest entfernte Partnerschaft, die zumindest ich kenne, ist in Westpapua, die nächste Partnerschaft hat eine Kirchengemeinde in Essen-Süd mit einer Kirchengemeinde im Essener Norden. Die Kirche ist ein Global Player der besonderen Art.

Weite wirkt. Das ist das Leitwort der Evangelischen Kirche im Rheinland in diesem Jahr. Ein Jahr vor dem großen Reformationsjubiläum 2017, wenn alle Welt nach Deutschland und Wittenberg schauen wird, wo die Reformation vor 500 Jahren begonnen hat, richtet die Evangelische Kirche ihren Blick in die weite Welt.

Lange bevor das Wort Globalisierung in unseren Wortschatz Einzug genommen hat, hat die Kirche schon global gedacht und gehandelt: „global denken – lokal handeln“ ist ein Motto, das seit ca. 40 Jahren viele Partnerschaften bestimmt. Längst bevor der Begriff Globalisierung in unseren Sprachgebrauch einzog, war ein anderer Begriff für die weltumspannenden Zusammenhänge schon lange bekannt: das aus dem Griechischen stammende Wort „Ökumene“. Während Globalisierung vor allem für die wirtschaftlichen, technischen und politischen Vernetzungen der modernen Welt steht, mitunter auch mit einer negativen Konnotation, heißt Ökumene, wörtlich „Oikoumene“, die „ganze bewohnte Erde“. Sie nimmt vor allem den Menschen in den Blick und stellt das Wohl der Menschen in den Mittelpunkt. In biblischer Sprache gesprochen geht es in der Ökumene um die Fülle des Lebens für alle. Und damit sind wir schon mitten drin in dem, was das Besondere an den kirchlichen Partnerschaften und Beziehungen ist: das menschliche Wohlergehen – das menschliche Wohlergehen – um Gottes Willen. Das ist in internationalen Beziehungen nicht selbstverständlich und ein nicht zu unterschätzender Faktor globaler Gestaltung.

Längst bevor eine konkrete Partnerschaft beginnt, ist ihre Sinnfälligkeit gegeben, und zwar in dem, was das Kerngeschäft der Kirchen ist: im Gebet und im Gottesdienst. Jeder Gottesdienst spiegelt die Verbundenheit mit der weltweiten Christenheit und der Ökumene wider: Das Fürbittengebet und die Kollekten nehmen sich der Not und der Anliegen der Menschen an, die nicht persönlich anwesend sind, und weisen weit über den Raum der Kirchen in die weite Welt. Glaubensbekenntnis und Vater Unser beginnen oft mit einer Einleitung: Wir sprechen gemeinsam mit Worten, die uns mit der ganzen Christenheit verbinden. Theologisch gesprochen ist die Kirche „der Leib Christi“, also ein zusammenhängendes Gewebe. Dazu stellt der Apostel Paulus fest: Wenn ein Glied leidet, so leiden alle, wenn ein Glied sich freut, freuen sich alle. Die Aufteilung in 1., 2. und 3. Welt, in Kontinente, Länder, Hautfarben, Kulturen oder Sprachen reicht nicht so tief wie die Verbundenheit durch den gemeinsamen Glauben.

Ich möchte es noch tiefer ausdrücken: Gott, den wir bekennen als den Vater aller Menschen und von dem wir sagen, dass er wie eine Mutter tröstet, besteht darauf: Alle Menschen sind seine Kinder. Manchmal sage ich das bei der Taufe eines kleinen Kindes: Du bekommst heute viele Geschwister. Denn in der Taufe wird Dir zugesagt: Du bist ein Kind Gottes. Das ist das Fundament der weltweiten Verbindungen unserer Kirche. Das ist der gemeinsame Standort, der auch bei Ortswechsel nicht verloren geht, im Gegenteil, erst gerade dann zum Tragen kommt. Sehr oft habe ich das erlebt, wie ich innerhalb von 24 Stunden vom Glas- und Chrom-glänzenden Düsseldorfer Flughafen auf dem fest gestampften Lehmboden eines Hauses irgendwo in der Welt stand, und wie eine Schwester behandelt wurde. Das ist nicht selbstverständlich. Es ist eine Kette des Standortwechsels, wie ich sie in den beiden Partnerschaften des Kirchenkreises Lennep erlebt habe:

In der Diözese Kigeme in Ruanda wurde ich begleitet von dem Leiter der Afrikaabteilung der Vereinten Evangelischen Mission. Er stellte mich dem Bischof vor. Der wieder begleitete mich zu einem Pfarrer in eine Landgemeinde. Dieser Pfarrer nahm mich mit zu einem Evangelisten in einer kleinen Ansiedlung, mit dem ich eine Familie besuchte, in deren Innenhof eines aus Holz und Lehm gebauten Gehöftes sich eine kleine Basisgemeinde traf. Die Hausbesitzerin, deren Sprache Kinyarwanda ich nicht spreche und die meine deutschen Worte nicht versteht: Selbstbewusst liest sie aus der Bibel vor, rechnet das Ergebnis der Initiative für Kleinkredite vor und berichtet von der Nachbarschaftshilfe der versammelten Familien. Ein Wunder in einem Land, in dem der Völkermord vor über 20 Jahren immer noch tief traumatisiert. Aber es ist nicht nur das Staunen über die Vertrautheit dieser einstmals verfeindeten Familien, es ist auch das Staunen über die Vertrautheit, mit der ich in ihre Lebensgeschichte hinein genommen werde.

Dasselbe in Indonesien: Nach einer ähnlichen Kette der Vermittlung bin ich in einem kleinen Haus in einem Bergdorf in Java angekommen, direkt neben einer Moschee. Diesmal begleitet mich die Pfarrerin einer kleinen christlichen Gemeinschaft, der GKJTU, die zweite Partnerschaft des Kirchenkreises Lennep. In diesem bevölkerungsreichsten islamischen Land der Welt, einstmals liberal und asiatisch offen – inzwischen breitet sich auch hier der Fundamentalismus aus. Jetzt aber sind wir Gast in einem muslimischen Haus, Zentrum einer Initiative für ein Dorfradio mit vier Programmen: Landwirtschaftliche Informationen, Frauenfunk, Jugendprogramm und religiöse Sendungen, christlich und muslimisch. Und stolz berichten die Versammelten, wie wichtig dieses Projekt für das friedliche Zusammenleben und die Gemeinschaft des Dorfes und der Region ist. Schnell wird deutlich, dass es nicht um exotische Begegnungen geht, sondern um Menschen, die unter sehr unterschiedlichen Bedingungen ihren christlichen Glauben leben und sich gegenseitig ermutigen, in der immer komplexeren Welt etwas sehr Einfaches zu tun: Gott und dem Menschen zu dienen, dass sie das „Leben in Fülle“ haben. Auch wenn die Orte, die Herausforderungen und Fragen in den Partnerschaften sehr unterschiedlich sind, ist das das gemeinsame Fundament, christlichen Glauben zu leben.

 Ich komme auf diese Gemeinsamkeit zurück, will aber zuvor mit dem zweiten Schritt „Standfest“ auf die Ungleichheit in den meisten unserer Partnerbeziehungen zu sprechen kommen. Mit Ausnahme der Beziehungen unserer Kirche zu einigen westeuropäischen Kirchen und der United Church of Christ in den USA sind die Partnerschaften durch asymmetrische Beziehungen geprägt. Viele Partnerschaften sind im globalen Süden, viele Länder, in denen Partnerkirchen sind, haben eine koloniale Vergangenheit und eine immer noch oder schon wieder schwierige Gegenwart. Deutschland zählt zu einem der reichsten Länder, es profitiert von den günstigen Rohstoffen und billigen Arbeitskräften in Ländern, in denen wir die Kirchen besuchen. Der Klimawandel trifft Menschen, die am wenigsten dazu beigetragen haben, und an der Verschlechterung der Lebensbedingungen unserer Gemeindeglieder in den Partenkirchen stellen wir fest, wie Wirtschaftsabkommen der EU auf Kosten anderer Länder gehen.

In Mittel- und Osteuropa begegnen wir kleinen Kirchen, die unter der jahrzehntelangen Unterdrückung des sozialistischen Systems gelitten haben. Politisch, wirtschaftlich und sozial sind sie in einer Aufholjagd, die Gesellschaften vor ungeheure Herausforderungen stellt und in fast unüberwindliche Spannungen bringt. Ich komme gerade aus Estland und Lettland, zwei vergleichsweise stabile Länder. Wer ahnt schon, dass in Estland, einem Land mit der Eurowährung, Pfarrer und Pfarrerinnen ein Durchschnittsgehalt von 633 Euro haben. In Lettland nochmals geringer, in der Ukraine sind wir dann bei 120 Euro angelangt. Die Finanzkrise 2008 hat viele dieser Länder zurückgeworfen.

Diese Weltsituation und Entwicklung bringen eine Ungleichzeitigkeit, Ungleichheit und Asymmetrie auch in die Beziehung der Kirchen, die es genau zu reflektieren gilt. Nicht immer sind die Zusammenhänge eindeutig, und doch lassen sie sich manchmal unmittelbar ableiten. Die Verarmung der Bauern in Kamerun und der Export von Hühnerfleisch aus der EU, die Zerstörung des Regenwaldes in Indonesien und der steigende Bedarf an Palmöl, die begehrten Rohstoffe, wie Coltan, im Ostkongo und der Bürgerkrieg in der Region. Reich und arm, weiß und schwarz, Norden und Süden sind Themen, die in den Partnerschaften große Bedeutung haben. Viele negative Aspekte der Globalisierung werden in den direkten Begegnungen sofort erkennbar. Probleme, wie der Klimawandel, der die Taifune über den Philippinen genauso wie die Dürre in Ostafrika beeinflusst, sind nicht einfach zu lösen. Auf den letzten Vollversammlungen der Vereinten Evangelischen Mission war „Armut“ das große Thema, und es ist offensichtlich, wie unterschiedlich die Delegierten betroffen sind. Das wahrzunehmen, ist für alle Seiten nicht einfach. „Standfest“ sein, heißt, diese Ungleichheit zunächst auszuhalten und nicht zu nivellieren. Und sich gemeinsam auf Projekte und Aktionen zu verständigen, die diese Ungleichheit überwinden. Schon längst sind Initiativen wie „Brot für die Welt“ oder die „Kindernothilfe“ nicht nur darauf ausgerichtet, Not zu lindern, sondern auch Bewusstsein zu schaffen, wie diese Not entsteht. „Armut“, hat Bischof Kameeta aus Namibia jetzt gesagt, „ist kein Schicksal, sondern ein Verbrechen.“ Das kann uns nicht unberührt lassen. Der Bischof geht streng mit seiner Regierung in Namibia ins Gericht, aber natürlich hat er auch im Blick, dass der Völkermord an den Herero zu Beginn des 20. Jahrhunderts und die Zeit der Apartheid eine Entwurzelung und Verelendung der Bevölkerung hervorgerufen haben, an denen wir Deutsche, und auch Kirchen in Deutschland, nicht unschuldig waren.

Evangelische Christinnen und Christen aus unserer Kirche haben einen Zugang zu diesen Fragen durch eine ganz alltäglich sonntägliche Übung: das gottesdienstliche Schuldbekenntnis. „Standfest“ sein bedeutet, zu dieser Schuld zu stehen. Nicht auszuweichen. In dem Versöhnungsprozess im südlichen Afrika war die Evangelische Kirche intensiv beteiligt, wie übrigens auch an den Versöhnungsprozessen mit den europäischen Nachbarländern und Israel nach dem 2. Weltkrieg und der Shoah. Aktion Sühnezeichen Friedensdienste steht beispielhaft für diese Arbeit. Die 1959 gegründete Organisation sendet bis heute junge Freiwillige in Länder, in denen während der nationalsozialistischen Zeit Unrecht geschehen ist.

„Standfest“ sein heißt darum auch, nachhaltig und ausdauernd zu sein. Versöhnungsprozesse genauso wie Partnerschaften und kirchliche Beziehungen brauchen einen langen Atem. Während in den Nachrichten eine Information von der nächsten verjagt wird, bleiben in den Partnerschaften Themen auf der Tagesordnung, die ansonsten aus dem Blick geraten sind. Gerade eben bereitet die evangelische Kirche mit den Kirchen Namibias den Kolonialkrieg und den Völkermord auf, nach über 100 Jahren gibt es immer noch offen Wunden. Standfestigkeit und langer Atem sind notwendig. Ich habe noch die Freude der Direktorin von Brot für die Welt in Erinnerung, als sie mir vor ein paar Jahren erzählte: Wir haben es geschafft! Wir haben es geschafft, dass nach einem jahrzehntelangen Rechtsstreit Klagen der polynesischen Inselbewohner vor einem französischen Gericht zugelassen werden, um gegen die Folgen der Atomversuche des französischen Militärs zu klagen. Wohl gemerkt, erst die Zulassung zur Klage, mehr noch nicht. „Alle anderen haben aufgegeben, am Ende war nur noch BfdW, die Anwaltskosten zahlten. Es hat sich gelohnt.“ Weite wirkt! „Standfest“ sein heißt schließlich auch daran festzuhalten, dass es Alternativen zur bestehenden Situation gibt. Der Präsident der CBCA, einer Kirche im Ost-Kongo, Kakule Molo, freute sich sehr daran, als er hörte, dass die Kirchen in Deutschland das TINA-Prinzip ablehnen. TINA ist eine Abkürzung und steht für: There is no Alternative. Da ist keine Alternative. Weder die wirtschaftliche noch die politische Ordnung ist fest geschrieben. In unseren Gemeinden gibt es „Eine-Welt-Läden“, die vor 40 Jahren klein und unbeholfen angefangen haben, inzwischen gibt es fair gehandelten Kaffee, Tee, aber auch Schokolade, Kleidung bis hin zu Teppichen und Grabsteinen. Die Beispiele aus den beiden Lenneper Partnerschaften zeigen, wie die Gemeinden vor Ort fest stehen zu der Perspektive einer Welt, in der es „Leben in Fülle“ gibt. Es gibt ein großes Netzwerk guter Beispiele, auf Englisch „Good Practice“ – Beispiele. Über den Negativ-Schlagzeilen vergessen wir mitunter dieses Netzwerk. Das lässt danach fragen, was „gut“ ist.

„Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gekonnt.“ Das gilt auch für Partnerschaften und internationale Beziehungen in unserer Kirche. Die oben genannten Unwuchten, gepaart mit kulturellen und Mentalitätsunterschieden können bestenfalls zu Missverständnissen führen, aber auch zu schweren Fehlentwicklungen. Umgekehrt können gute Projekte Angelpunkte für eine positive Erneuerung sein. Deshalb gibt es sowohl bei den evangelischen Hilfswerken wie auch bei den kirchlichen Partnerschaften Kriterien, die den Standard von ökumenischen Kontakten garantieren. Dieser Standard ist nicht zu unterschätzen und überhaupt nicht selbstverständlich. Das wird in den Diskussionen deutlich, die z.B. die Vereinte Evangelische Mission mit Gemeinden führt und mitunter auf heftigen Widerstand stößt. Die Grundlage der entwickelten Kriterien eines evangelischen Standards ist in den Partnerschaftsrichtlinien der Vereinten Evangelischen Mission beschrieben: „In einer zerrissenen Welt wollen die Mitglieder Glieder des einen Leibes Christi bleiben und darum

  • zu einer anbetenden, lernenden und dienenden Gemeinschaft zusammenwachsen,
  • Gaben, Einsichten und Verantwortung teilen,
  • alle Menschen zu Umkehr und neuem Leben rufen,

im Eintreten für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung das Reich Gottes bezeugen.” (VEM-Satzung, § 2).“ Ein erstes wichtiges Profil für einen hohen Standard der kirchlichen ökumenischen Partnerschaft ist die Internationalität. Die Vereinte Evangelische Mission z.B. hat vor 20 Jahren einen nach preußischem Recht gegründeten Verein in eine internationale Organisation überführt. Ich spare mir die negativen Beispiele, wie gut gemeinte Hilfe einseitig und gegen den Willen der Empfänger das Gegenteil erwirkt. Ein Beispiel aber doch: Jugendliche Freiwillige aus Moers und Madison haben in großem Eifer ein koptisches Kloster in Ober-Ägypten renoviert und frisch angestrichen. Kaum waren sie weg, wurde das Kloster erneut angestrichen. Nicht, weil die Arbeit schlecht war. Aber die Jugendlichen hatten als Farbe Grün gewählt, die Farbe des Islams, unmöglich für die kleine Mönchsgemeinschaft im muslimischen Umfeld. Deshalb ist eine der Grundvoraussetzungen einer gelungenen Partnerschaft die gemeinsame und gleichberechtigte Entscheidung für Besuche, Aktivitäten und Projekte, kurz: Gegenseitigkeit und Mitbestimmung. Wenn man einmal sieht, wie viele internationale Entscheidungen in Politik und Wirtschaft nicht in gleichberechtigter Weise getroffen werden, wird das Besondere dieses Standards kirchlicher Partnerschaften deutlich. Dazu gehört auch das gemeinsame Planen von Struktur, Ablauf, Zweck, Zielen und Umsetzung von Projekten. Je länger und nachhaltiger Partnerschaften sind, desto wichtiger sind klare Strukturen: Partnerschaftsausschüsse auf beiden Seiten, Partnerschaftsverträge mit Evaluierungs- und Revisionsmöglichkeit, transparente Mittelvergabe und entsprechende Abrechnungen.

Zunehmend gehören zum Standard die Frage der Beteiligung von Frauen und Männern, Ordinierten und Laien, von jungen Menschen, behinderten Gemeindegliedern, verschiedenen ethnischen Gruppen, also im weitesten Sinne die gesamte Fülle des menschlichen Lebens, wie es in dem Begriff „Inklusion“ zusammengefasst ist. Seit einigen Jahren liegt das Hauptaugenmerk der Zusammenarbeit in Projekten nicht auf der Hardware (wie Häusern). So hat die Vereinte Evangelische Mission nicht mehr den Bau von Kirchen gefördert (allerdings finanziert sie bei fertigen Kirchen das Dach). Im Zentrum steht die „Software“, vor allem die Bildung und das, was wir auf Englisch Empowerment nennen. Dazu gehören auch neue Formen der Zusammenarbeit, wie wir sie auch hier in Lennep antreffen. Hier gibt es ja eine Süd-Süd-Nord-Partnerschaft: Ruanda, Java und Deutschland. Diese trilateralen Begegnungen sprengen ganz viel von den Klischee-Bildungen und Ungleichheiten auf, die ich unter dem Punkt 2 angesprochen habe. In der Rheinischen Kirche haben wir in diesem Jahr mehrmals aus West- und Osteuropa, aus den USA, Afrika und Asien gemeinsame multilaterale Treffen veranstaltet: Zur Rolle der Laienprediger und Prädikanten, zum Thema Flucht und Migration, zum Thema Weite wirkt. Reformation. Aber auch zum Altern in unserer Gesellschaft, zum Umgang mit Behinderung und zur Begegnung mit dem Islam hat es solche Begegnungen gegeben. Dieser Austausch hat zu einem ausgesprochen intensiven Lernen auf allen Seiten geführt.

Es gibt Situationen, die man nicht vergisst: mein Geburtstagslied im Slum von Namibia, das Fürbittengebet für eine krebskranke Besucherin aus Deutschland in einer Dorfkirche auf Sumatra, die Kollekte von 30 Euro aus dem Kongo für Hochwasseropfer in Deutschland, die liebevolle Fürsorge für Zigeuner in Rumänien, die anpackende Hilfsbereitschaft der Italiener gegenüber Flüchtlingen, die Segnung unserer Kirchenleitung durch ökumenische Partner aus Namibia und Indonesien… All diese Situationen weiten das Herz und die Seele. Weite wirkt. Sie lässt uns ahnen: von der Größe Gottes und der Menschlichkeit der Welt. Davon brauchen wir mehr, als wir manchmal zugeben. Dazu brauchen wir Kirche, Stadt, Land und uns alle.“ 

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