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Floris M. Neusüss, der Lehrer der „lichtreichen Schatten"

Der Remscheider Künstler Klaus Küster und Floris M. Neusüss, von 1972 bis 2002 Professor für experimentelle Fotografie an der Kunsthochschule in Kassel, der am 3. März 80 Jahre alt wird, haben neben dem künstlerischen Interesse an Fotogrammen (der direkten Belichtung von lichtempfindlichen Materialien) noch etwas gemeinsam: sie sind gebürtige Lenneper.

Auf der Suche nach Fachliteratur über Fotogramme stieß Küster im Jahre 1970 auf den Namen von Floris M. Neusüss. Doch es dauerte bis 1991, bis sie sich kennenlernten. Anlass war die Brüsseler Ausstellung „Das Fotogramm in der Kunst der Gegenwart in Europa“, an der sich beide mit Arbeiten beteiligt hatten, ohne vorher von der Teilnahme des anderen gewusst zu haben. Seitdem haben die beiden Lenneper den Kontakt nicht mehr abreißen lassen.

von Klaus Küster

Floris M.Neusüss wird 80 Jahre alt. Am 3. März 1937 wurde er in Lennep geboren. Aus seiner Schulzeit gibt es aus dem Jahre 1953 eine von ihm – der damals noch Schüler am Lenneper Röntgen-Gymnasium war – aufgenommene Fotografie, welche ein hochformatiges schwarzes Rechteck zeigt, in dem wenige weiße Linien andeuten, dass es sich um eine Tür handelt, die einen Spalt breit geöffnet ist. Die Tür selbst ist ebenso wenig zu sehen, wie der Raum, in dem sie sich befindet. Nur das Licht, in diesem Falle ein intensives Gegenlicht, lässt uns den Schlüssel finden, den unsere Erfahrung und unsere Phantasie bereithält, um uns die Räumlichkeit der Dinge zu erschließen. Diese nur auf Lichtlinien reduzierte Aufnahme wirkt heute auf mich wie ein früher Auftakt zum großen Licht-Opus dieses Künstlers, der wie kein anderer die Kunstgeschichte der letzten Jahrzehnte als Lichtbildner, Forscher, Lehrer und Historiker der Fotogramm-Thematik bereichert hat. Noch als Schüler machte er 1954 in der Foto-Arbeitsgemeinschaft des Röntgen-Gymnasiums seine ersten Erfahrungen mit der Fertigung und Gestaltung von Fotogrammen. Noch bis zum 5. März ist im „ Zentrum für Kunst und Medientechnologie“ (ZKM) in Karlsruhe die Ausstellung „Floris Neusüss und Renate Heyne: Leibniz´Lager  Sammlunswelten i Fotogrammen“ zu sehen.

Klassische Fotogramme sind Bilder, die durch Belichtung ohne Fotoapparat in einer Dunkelkammer entstehen. Der Schatten eines kurzzeitig beleuchteten Objekts bleibt hierbei auf einem lichtempfindlichen Papier (fotografisches Material) nach dem Entwicklungs- und dem nachfolgenden Fixier-Bad als weiße Silhouette, ja als die Spur des Objekts in dunklem Umfeld erhalten. Zum Vergleich denke man z.B. an die helle Spur eines Kleidungsstückes im geröteten Hautumfeld nach einem Sonnenbrand. Die Fotogramm-Methode entstand am Anfang der Fotografie-Geschichte. William Fox Talbot praktizierte sie um 1834-1835 in seinen „photogenischen Zeichnungen“ indem er Pflanzenteile auf – zuvor in einer Silbernitrat-Lösung lichtempfindlich gemachte – Papiere legte und diese dann belichtete.

Interessierte Besucher der städtischen Galerie in der Scharffstraße nahmen 1998 die Gelegenheit wahr, einen umfangreichen Querschnitt aus dem Fotogramm-Schaffen von Floris M. Neusüss kennenzulernen. In der Graphothek der Remscheider Stadtbibliothek kann man immer noch Werke von Floris Neusüss gegen ein kleines Entgelt für drei Monate ausleihen.Neusüss begann sein Studium mit Wandmalerei bei Ernst Oberhoff an der Wuppertaler Werkkunstschule (einen Studiengang Fotografie gab es damals in Wuppertal noch nicht). Es folgten weitere Studien an der Bayrischen Staatslehranstalt für Fotografie bei Hanna Seewald in München und bei Heinz Hajek-Halke an der Hochschule der Künste in Berlin. Seine zwischen 1958 und 1960 in München entstandene früheste Werkgruppe ist noch weitgehend von der Kamera-Fotografie geprägt. Sie umfasst Belichtungsmontagen mit großer Kamera, Doppelbelichtungen auf Glas-Negativen, Landschaften und Portraits. Ab 1960 entstanden in München, Wien und Berlin seine ersten 2,60 m hohen, lebensgroßen Körperfotogramme. Sie beeindruckten L. Fritz Gruber so sehr, dass er diese Aufsehen erregenden Arbeiten 1963 auf der Kölner Photokinau präsentierte. Von 1972 bis 2002 war Neusüss Professor für experimentelle Fotografie an der Kunsthochschule in Kassel.

Arbeit von Floris M.Neusüss.In Kassel gründete er die Hochschulgalerie sowie die Sammlung und die Edition „Fotoforum Kassel“. 1984 wird sein Garten bei Gewitter zur „nächtlichen Dunkelkammer“. Seine ersten „Gewitterbilder“ entstehen nach dem Positionieren von Fotopapier auf und zwischen Pflanzen erst dann, wenn sie durch die Helligkeit des Gewitterblitzes belichtet werden (dann aber ab damit in die Dunkelkammer zur Entwicklung). Mehr und mehr verlagert Neusüss 1987 seine Fotogramm-Arbeit aus dem Studio an nächtliche Orte im Freien. In diesen „Nachtbildern“ ergänzen sich Natürliches und Künstliches zu einer kompositorisch spannenden Uneindeutigkeit. Wind, Wetter, Flora und Fauna werden auf dem dort ausgebreiteten Fotopapier zu Akteuren einer niemals zuvor gesehenen Wirklichkeit, für deren unmittelbare „Beseelung“ der Blitz zuständig ist. Das Katalogbuch Floris Neusüss, Nachtstücke Fotogramme 1957 bis 1997 herausgegeben von Klaus Honnef mit Texten von Peter Cardorf, Klaus Honnef, und Herbert Molderings (160 S.) erschien 1997 im Rheinland-Verlag GmbH Köln.

In den 1980er Jahren entstehen weitere Fotogramme von Pflanzen, Blüten und Früchten sowie zahlreiche Fotogramme anderer Objekte. Ab 1989 beginnt seine Arbeit an der besonders umfangreichen Werkgruppe der „ULO´s“ (Unidentifiable Lying Objects). Hierzu darf ich aus berufsethischen Gründen und weil auch Spass sein muss, höchstens andeuten, dass sie, die „ULO´s“ ein wenig mit Kellergeistern zu tun haben (die aufmerksamen Remscheider Ausstellungsbesucher haben sie 1998 gesehen) und ich deshalb den anderen empfehle, sich der folgenden Lektüre zu widmen: ULOs WUNDERBAR: (Hangout für Kunst und Philosophie) von Floris Neusüss und Peter Cardorf, (100 S.) erschienen im Parerga Verlag GmbH, Düsseldorf, 2000.

1990 erschien im Kölner DuMont Buchverlag von Floris M. Neusüss in Zusammenarbeit mit Renate Heyne das bedeutende Standardwerk „Das Fotogramm in der Kunst des 20. Jahrhunderts – Die andere Seite der Bilder – Fotografie ohne Kamera.“ (500 S.) Hier erfahren wir nicht nur mehr über die Geschichte des Fotogramms und über die o.g. Künstler und ihre Praxis, sondern auch, wie und in welchem Zusammenhang z.B. Pablo Picasso mit Fotogrammen arbeitete. Weitere 150 Künstler sind in dieser Publikation mit etwa 400 Arbeiten vertreten.

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