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Et woar doch bluos en bleng Kengkduope

von Alma Mühlhausen

Es hat wohl kaum ein Ereignis gegeben, das unsere Vorfahren größer und festlicher gefeiert haben als ihre Kindtaufen. Noch in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts (19.) war es vielfach Sitte, wenn die Kindtaufen in den Januar fielen, die Täuflinge unter der brennenden „Chresskruon" taufen zu lassen. Und zahlreich waren die Gäste, die zu dieser Feier geladen waren. In der alten Zeit galt Kindersegen noch als das höchste Familiengut, und immer, wenn in der Nachbarschaft „gett Klengs" angekommen war, freute man sich auf den bevorstehenden Kindtaufschmaus. Aber Klapperstörche haben ihre Eigenarten. Familien gab es, wo diese Langschnäbel jedes Jahr so ein quietschendes, zappeliges Etwas in die unförmigen Wiegen legten, wo-gegen andere Eheleute leer ausgingen.

So auch bei dem Stamms Pitter, der mit seinem Minchen ein nettes Schieferhäuschen bewohnte. Obwohl das Anwesen nahe am Teich lag, aus dem, wie die alte Bergsche den Kindern erzählte, die Klapperstörche die kleinen Schreihälse fischten, blieb Minchens Wiege leer und stand spinnwebüberzogen auf der „Uohlerbüen".

Eines Abends, als der Pitter mit seinem Minchen vor der Pfanne mit den gebratenen Kartoffeln saß, kam der Schustersch Welm, um, wie er sagte, „en betschen te nohbern". Im Laufe des Gesprächs meinte der Welm: „Wi'eten gett uoch, dat et Bergersch Kalingken op Küppelsti'en wier gett Klengs kri'egen  hätt? Dat es nu et säste. Die wahssen op wie die Orgelspiepen. Dat göt noch es en flotte Kengkduope, derr Albett löt sech nit lompen." „Wat du nit sehs", wunderte sich et Minchen. Der Pitter aber stocherte in seinen Bratkartoffeln herum und grollte: „Dr Eng krittse all, on dr Anger hat niks." In das verlegene Schweigen, das folgte, sagte der luppige Welm: „Pitter, wat nit es, kann noch weären", und blinzelte vielsagend zum Minchen herüber. Diese errötete bis unter die Haarsträhnen, die schon der Reif des nahen Altars versilberte. „Ne, Welm, dat es verüewer", wehrte der Pitter ab. „Ärwer, wat mech am mi'esten ärgert es dat: ech sinn op su völlen Kengkduopen gewesen, selver äwer kann ech geng fi'eren. Dobie göt et niks Gemütlecheres äs es Kengkduopen". „]o", nickte der Freund, „do hässe reit, Pitter, äwer wenn es geän en Kengkduope haulen woss, dann maak doch en bleng. De Chresskruon hässde uoch noch." „Du böss wall verröckt", rief et Minchen. „Ech sall mech wall utlachen loten?" Und schnell lief sie die Tür hinaus, die mit gewaltigem Krach zuflog.„Welm", sagte der Pitter, als seine Frau das Zimmer verlassen hatte, „die Kengkduope wüed gefi'ert, on ech kann dr versechern, do könnense sech all de Naas drahn riewen." „Ech hölp dr tereite", oersprach ihm dr Welm, als er sich nach einer Stunde uerabschiedete.

Die Räume des kleinen Hauses, die zwanzig Jahre nur Frieden gesehen hatten, wurden nun Zeugen täglichen Streites. Der Pitter wollte seine „Bleng Kengkduope", Minchen war strikte dagegen. Eine Woche dauerte bereits der Streit, als Minchen eines Nachmittags Besuch bekam. Beim Köppken Kaffee und frischen Burger Brezeln schüttete et Minchen der Freundin sein Herz aus. „Minchen", meinte diese nachdenklich, „du darfs die Saake nit op de Spetze dri'ewen. Böss vernönftig. Du mots dienern Pitter uoch es gett gönnen. Gett hant geng Kenger. Wie le'ite mach et do, dat en Mann . . . ne, ne, ech well niks geseit han." – "Jettchen, du trous doch mie-nem Mann niks Schleites tuo?" „Ne, Minchen. Äwer wenn en Mann gar gi'en Plesier hat, dann mach et le'ite, dat he op de schi'ef Bahn gerött."

Noch lange danach, als die Freundin gegangen war, sah man et Minchen grübelnd am Tisch sitzen. Ihr Pitter...? Konnte es sein, dass . . .? Und mit einem Male bohrte die Eifersucht in Minchens Brust. Da war auf Westhausen so eine „staatse Wettfrau", die — das fiel ihr jetzt ein — ihrem Pitter vor einiger Zeit so verliebte Augen gemacht hatte. Und musste er die letzte Zeit nicht häufig nach Westhausen . . .? „O Goddegott", durchfuhr es das arme Minchen, „bluoß dat nit".

Feierabends, als der Pitter, sein Pfeifchen schmauchend, auf der Ofenbank saß, sagte et Minchen mit seinem zärtlichsten Lächeln: „Pitter, ech han et mir angersch üewerleit met derr Kengkduope. Wenn du woss . . ." Weiter kam et Minchen nit, denn dr Pitter sprang auf und schloss ihm den Mund mit einem Kuss, der, wenn er auch nach Kautabak und „Piepensi'ewer" schmeckte, dem glücklichen Minchen doch honigsüß dünkte. Auch über die Art der Einladungen wurde man sich rasch einig. Minchen meinte, man wollte Verwandte und Bekannte mit der Begründung eines gemütlichen Beisammenseins zum Kaffeetrinken und Abendessen einladen. Erst auf der Feier sollte der Pitter dann das „met derr biengen Kengkduope" bekanntgeben. Und der Pitter fand es richtig so.

Nun setzte ein reges Treiben bei Stamms ein. Minchen scheuerte, buk, kochte und schmorte wie nie zuvor in den langen Jahren ihrer Ehe. Pitter aber hatte seine Heimlichkeiten. Schwerbepackt ging er mit dem Welm eines Abends, als Minchen abwesend war, nach Unterburg. Dort wurde das Gepäck abgeladen und sie traten, als alles geregelt war, hochbefriedigt den Heimweg an. Am Morgen des festlichen Sonntags sah der Pitter den Bäcker Schmitz auf das Haus zukommen. Schwergebückt ging der Mann unter seiner randvoll gefüllten Kiepe. Der Pitter, der den Bäcker vor dem Hause unbemerkt abfing, fragte verwundert, ob das alles ihm gehöre. Als Bäcker Schmitz dem Verdutzten erklärte, dass die Gebäcksachen alle aus den gebrachten Zutaten hergestellt wären, kratzte sich der Pitter den Kopf und brummte: „Dat han ech nit gewoßt, dat dat su voll gov". Doch da et Minchen gerade im Schafstall war, gelang es dem Pitter, das Gebäck heimlich auf der „Uohlerbüen" unter dem Bett zu oerstecken.

Nachmittags brach schier der Tisch, als die Gäste kamen. Minchen hatte sich, entgegen allen bösen Voraussagen, nicht lumpen lassen. Muzen, Rodongs, wsinenstuten, Schneelshüsker, Brezeln, Zwiebäcke, Feinbrot, Waffeln und Reisbrei standen um die Dröppelmina mit dem „guoden Dronk". Der Pitter, der unaufhörlich „turn Tuotasten" nötigte, dachte an seine zusätzlichen Plätze, Rosinenstuten, Rodongs und Butterkuchen unter dem Bett auf der „Uohlerbüen". Es wurde ihm schwül zumute, wenn er an seinen Bäckerladen dachte.

Als es auf den Abend zuging, nahm Minchen seinen Pitter beiseite und erklärte ihm, dass es nun an der Zeit wäre, die Gäste über den wahren Grund der Einladung aufzuklären. Und da fasste sich der Pitter ein Herz und beichtete seiner Frau die zusätzliche Versorgung unter dem Bett auf der „Büen". Et Minchen, das erst sprachlos war und dann aufbrausen wollte, besann sich noch rechtzeitig und verzieh dem Zerknirschten, zumal den ganzen Nachmittag nichts Auffälliges zwischen dem Pitter und der „Wettfrau" zu bemerken gewesen war. „Äwer", jammerte der Pitter, „wat maaken vier dann met demm Kröm all?" Doch auch hier wusste das kluge Minchen Rat. „Vier donnt ji'edem en Päckelschen met, wenn se hi'emgonnt, dann mi'enen se, dat heären vier extra gedonn". Und so geschah es dann auch. Doch vorher hatte der Pitter beim Abendessen noch den wahren Grund der Einladung bekanntgegeben, und alle hatten diese Tatsache mit einem schallenden Gelächter quittiert.

Als dann die Gäste, jeder mit einem Päckchen Backwaren beschenkt, nach Hause gingen, waren alle des Lobes voll über die reiche Bewirtung und den netten Abschluss der Feier im Kerzenschein der geschmückten „Chresskruon". Der Pitter aber schmunzelte und sagte zu seinem Minchen: „Han ech nit reit gehatt? Wenn et uoch bluos en bleng Kengkduope wor, se können sech all de Naas drahn riewen". (aus: „Der Heimat zur Ehre. Bergischen Anekdoten und Geschichten“, 1960, von  Alma Mühlhausen. Mit freundlicher Nachdruckgenehmigung der Erbin Erika Kleuser)

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