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Bemüht um "Arbeitsfreude und Sesshaftigkeit"

Wie viele im Bergischen Land hatten auch die Brüder Arnold und Reinhard (sen.) Mannesmann zunächst nur einen Handwerksbetrieb, in dem sie Feilen herstellten. Aber sie verkauften sie nicht wie die anderen an den Händler, sondern direkt an den Konsumenten und stempelten die Feilen mit ihrer Fabrikmarke, einer Windmühle. In den heimischen Betrieben ließen die Brüder die besten Stähle mehrere Male durchschmieden, ohne sie mit steirischem Schmiedeeisen zu vermischen. Sie nannten den Stahl „Acier, trois fois raffine", eine Benennung, die einen Kunden zu dem Ausspruch veranlasst haben soll: „Wenn der Stahl so raffiniert ist wie Sie, Herr Mannesmann, dann muss er gut sein."

1840 bauten die Brüder Arnold und Reinhard ein eigenes Stahlwerk für Tiegelstahl und hatten nun eine Feilenfabrik, die „alle Kategorien umfasste". Arnold unternahm Geschäftsreisen nach Belgien, das ein begehrtes Absatzgebiet war. Er führte bei seiner Kundschaft eine Gewichtsfeile ein, die in ihren Dimensionen verstärkt war und daher ein drei-bis viermaliges Aufhauen gestattete. Er reiste auch nach Spanien, das um 1850 industrielles Neuland war. Er hatte Empfehlungen an einen Prälaten in Madrid, und diese Bekanntschaft führte dazu, dass außer Feilen auch Heiligenbilder nach Spanien versandt wurden, die Arnold Mannesmann in Köln Pastellmalern in Auftrag gab. Reinhard brachte aus England einen Meister nach Bliedinghausen, mit dem die Brüder eine neue Gussmethode entwickelten. Er schrieb (am 4. Dez. 1851an seinen Schwager): „ ... ich war nämlich, was Euch noch nicht bekannt ist, in England, um die Ausstellung in Sheffield zu sehen. Diese Reise ist mir von besonderem Nutzen gewesen, weil ich mir die ganze Fabrik etc. genau ansehen konnte und namentlich in der Behandlung der Feilen manches gelernt habe. So z. B. machen wir seitdem sämtliche Feilen grade und haben das Härten genau nach englischer Methode eingerichtet, was sich vorzüglich bewährt. Wir können Euch mitteilen, dass wir in London eine Preismedaille auf unsere Feilen erhielten; die einzige, die von dem Zollverein auf Feilen verteilt wurde. Wie dabei die vielen anderen, die auch die Aus­stellung beschickt hatten, Gesichter schneiden, könnt Ihr Euch vorstellen."

Der von den Brüdern entwickelte Stahl wurde Diamantstahl genannt. Diese Feilen aus dem Diamantstahl fanden großen Absatz. Aus einem Schreiben des königlichen Landratsamtes geht hervor, dass den Fabrikanten A. und R. Mannesmann am 14. 12. 1860 die Erlaubnis erteilt wurde, einen Zementstahlofen aufzustellen. Zementstahl ist Stahl, dessen Oberfläche durch Aufkohlung gehärtet wird. Zu seiner Herstellung war damals eine große Kohlenmenge erforderlich, deren Abgase unbenutzt blieben.

Reinhard Mannesmann sen. war nicht, wie so oft geschrieben wird, der erste, der eine Dampfmaschine in Remscheid aufstellte, sondern er war der erste, der die neue Maschine rationell einzusetzen wusste, und der erste, der darüber nicht Konkurs machte. In einer Baubeschreibung zur Anlage von vier Dampfkesseln wird 1859 dieser Plan klargelegt: „Die Herren Gebrüder Mannesmann zu Bliedinghausen beabsichtigten, die abgehende Hitze ihrer Gussstahlöfen zur Dampfentwicklung zu benutzen, zu welchem Ende je vier der Schmelzöfen mit einem Dampfkessel versehen werden sollen, an welche die abgehenden heißen Gase ihre Hitze theilweise abgeben, ehe sie in den Schornstein gelangen. Die auf diese Weise entwickelten Wasserdämpfe sollen zum Betrieb mehrerer Dampfmaschinen benutzt werden, nämlich einer 15pferdigen Dampfmaschine zum Betriebe eines Auswerfhammers, einer 10pferdigen Dampfmaschine zum Betriebe eines Reckhammers, einer 12pferdigen Dampfmaschine zum Betriebe einer Schleiferei, der Gebläse- und Thonmühle, sowie einer 6pferdigen Dampfmaschine zum Betriebe der Pumpen. (...) Die Kessel sollen in dem bereits früher erbauten Gebäude zur Gussstahlfabrik errichtet werden, und zwar sollen die abgehenden heißen Gase der Gussstahlschmelzöfen zur Dampferzeugung benutzt werden.“ (...)

Als die Brüder Mannesmann in Remscheid eine Dampfmaschine aufstellten, erkannten sie, dass die Maschine zwar Arbeit schaffte, doch sie fürchteten, dass sie die Arbeiter entwurzeln und heimatlos machen könnte. Lange bevor in Deutschland der Kampf um die Sozialversicherung beendet war, leitete die Firma Mannesmann eine umfassende Sozialfürsorge ein: eine Fabrik-Krankenkasse und Sterbekasse wurde errichtet, — 1868 gründete Reinhard Mannesmann sen. die Remscheider Volksbank, die verdienten Meistern zinslose Darlehen gab, — eine firmeneigene Ziegelei lieferte Ziegel auch für den Bau von Arbeiterhäusern, Reinhard Mannesmann sen. öffnete einmal die Woche seinen Garten für jedermann und unterwies als leidenschaftlicher Obstzüchter seine Arbeiter in der Pflege der Bäume, um Arbeitsfreude und Sesshaftigkeit zu fördern. (aus dem Buch "Dokumente aus dem Leben der Erfinder" (Max und Reinhard Mannesmann), in dem der Bergische Geschichtsverein, Abt. Remscheid, angereichert durch zahlreiche Fotos, im Jahre 1964 ein Manuskript von Ruthilt Brandt-Mannesmann veröffentlichte, einer Tochter von Reinhard Mannesmann. Daraus zitiert der Waterbölles mit freundlicher Genehmigung des Geschichtsvereins.)

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