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August 2007: Der Waterbölles blättert zurück

Was hat dieser August mit dem vor zehn Jahren gemeinsam? Regen, Regen, Regen. Und Sturm. „Land unter im Freibad Eschbachtal“, hieß es am 6. August 2007 nachdem der Eschbach das Gelände unter Wasser gesetzt und die Freibadsaison 2007 jäh beendet hatte. Als das Hochwasser abgelaufen war, bot sich ein Bild der Zerstörung: Die Schwimmbecken - eine einzige braune Brühe voll Laub, Ästen und Unrat, auf dem Beckenboden Lehmbrocken. Auf den Kacheln rund um die Becken eine zentimeterdicke Schlammschicht, abgebrochene Äste, Steine und Lehm.

"Land Wasser" hieß es damals auch an anderer Stelle: Insgesamt wurden der Feuerwehr rund 280 Sturmschäden gemeldet. Im Einsatz waren 180 Männer der Freiwilligen Feuerwehr und 95 der Berufsfeuerwehr, ferner Mitarbeiter des Umweltamtes. Sie hatten zum Beispiel in der Werkshalle einer Firma im Morsbachtal alle Hände voll zu tun. „Durch die Halle schoss nur so das Wasser des Morsbachs“, berichtete Feuerwehrchef Guido Eul-Jordan. Das Problem: Das Wasser drohte in Härtebecken voller Öl (5.000 Liter) zu laufen. Größerer Schaden konnte durch Sandsäcke verhindert werden und durch die Alarmierung einer Spezialfirma, die in der Lage war, das übergespritzte Öl abzusaugen. Erheblichen Sachschaden verzeichnete vor zehn Jahren auch das „Rotationstheater“ in Lennep: Alle Kellerräume, also auch das Foyer, die Garderobe, Unterrichtsräume, standen binnen weniger Minuten 20 Zentimeter unter Wasser.

Nachts um 1 Uhr schlugen Flammen aus dem Dachstuhl bei der Firma Härtetechnik Steinbach & Co. im Morsbachtal. Der Einsatz der Feuerwehr während des Unwetters schien beendet, da ging es dort erst richtig los. Vermutlich, weil heiße Öldämpfe unter das Dach gestiegen und dort verpufft waren, hatte der Dachstuhl des alten Fabrikgebäudes Feuer gefangen. Die Feuerwehr konzentrierte sich darauf, das größere Fabrikgebäude rechts neben der Brandstelle vor den Flammen zu schützen. Von dem Fachwerkhausa blieben nur verkohle Balken übrig. Die Wuppertaler Firma gab den Standort auf. Jetzt ist dort eine Freifläche.

"Wenn es zu regnen beginnt, stehen mir die Haare zu Berge!", sagte drei Wochen später ein Anwohner des Morsbachstals auf einer Zusammenkunft im „Keglerzentrum“ in der Haddenbach, zu der die Stadt und der Wupperverband eingeladen hatten. Dort schilderten betroffene Unternehmer die nächtlichen Schreckensstunden des 6. August: Die Jahrhundert-Sintflut Baumstämme, Äste, Laub und Lehm aufgeschwemmt und alles mit sich fortgerissen. Binnen zwei Stunden sei der Morsbach um 1,40 Meter gestiegen. Und die Brückendurchlässe und Untertunnelungen, durch die der Bach normalerweise gemächlich plätschert? Viel zu klein für die Wassermassen! Als sich dann noch das mitgerissene Holz vor den Rechen verkeilte und das Wasser weiter aufstaute, war es um viele Firmen im Morsbachtal zwischen Haddenbach und Gerstau geschehen. In manchen Fabrikhallen stand das Wasser 60 Zentimeter hoch, zerstörte Material, Maschinen und Produkte. Die einen schätzen den Sachschaden auf 300.000 Euro, ein anderer gar auf 800.000 Euro.

Auf der Suche nach Sparmöglichkeiten für die Stadt ließen sich vor zehn Jahren die Wirtschaftsprüfer von Rödl & Partner viel eingefallen. Auch die Bergischen Symphoniker nahmen sie unter die Lupe – und kamen darauf, dass die Stadt Remscheid im Falle einer Auflösung des Orchesters 29 entsandte "Altmusiker" zurücknehmen müsste entsprechend der getroffenen Personalüberleitungsvereinbarung). Aber: Der damalige Gesellschaftsvertrag sah das Ausscheiden oder die Kündigung eines Gesellschafters gar nicht vor.

Am 6. August 2007 wurde auf dem Rathausplatz eine mobile Skate-Anlage in Betrieb genommen. Die Kinder- und Jugendförderung der Stadt Remscheid und der Träger „Arbeit Remscheid“ hatten das Angebot in Zusammenarbeit mit dem Sportamt organsiert. (Einen Hinweis darauf,. Warum das Angebot in späteren Jahren nicht wiederholt worden ist, habe ich leider nicht finden können)

Der Kreisverband DIE LINKE besteht inzwischen in Remscheid seit zehn Jahren. Gegründet wurde er am 2. August 2007 in der  Parteizentrale („Artur Becker Centrum“) an der Alexander Straße. Mit vielen roten Fähnchen auf den Tischen, roten Bannern an den Wänden und roten Luftballons unter der Decke, wie der Waterbölles einen Tag später berichtete. In einer Pressemitteilung des neuen Kreisverbandes hieß es tags darauf: "Die Zusammensetzung des Kreisvorstandes spiegelt ein Problem wieder, das in der nächsten Zeit bestimmt ganz oben auf der Agenda des Arbeitsplans stehen wird, nämlich die Mitgliederstruktur zu Gunsten der Frauen und der Jugend zu verändern. Durch Beschluss der Versammlung ist jedoch ein jederzeitiges Nachrücken von Frauen in den Vorstand ermöglicht worden."

Von einem "breiten Spektrum an Aufwertungsmaßnahmen" war vor zehn Jahren in einer Drucksache der Stadtverwaltung Remscheid zur Zukunft der vier Stadtteile Stachelhausen, Blumental, Honsberg und Kremenholl die Rede. Einen wichtigen Handlungsschwerpunkt sollte auch ein Freiraumkonzept bilden. Zitat: „Das Freiraumsystem der südlichen Remscheider Stadtteile weist heute hohe landschaftliche Qualitäten auf, die jedoch durch gravierende funktionale Mängel und grundsätzliche gestalterische Defizite eingeschränkt sind. Im Rahmen des Stadtumbaus besteht die Chance, diese Defizite mit vergleichsweise geringem Mitteleinsatz durch Veränderungen im Bestand zu beheben und eine nachhaltige Verbesserung der Freiraumversorgung der Bewohner zu erreichen. Ein breites Spektrum an Aufwertungsmaßnahmen in den die südlichen Stadtteile umschließenden Bachtälern und Waldflächen sowie die Ausbildung von grünen Trittsteinen und Achsen im dicht bebauten Stachelhausen flankieren die städtebaulichen Lösungen als eine unerlässliche Voraussetzung für eine dauerhafte Qualifizierung der Stadtteile als Wohnort und Lebensmittelpunkt.“ Mein Eindruck: Da gibt es auch heute noch viel zu tun...

Für Kontrollen im Wald fehlt der Behörde das Personal. Das erfuhr Anfang August 2007 Susanne Fiedler, Vorsitzende des städtischen Umweltausschusses, von Frank Stiller von der Unteren Landschaftsbehörde, nachdem sie den Punkt „Kontrollen in Landschafts- und Naturschutzgebieten“ auf die Tagesordnung gesetzt hatte. Die Behörde sei personell so knapp ausgestattet, dass gezielte Kontrollen nicht möglich seien, berichtete Stiller, verwies allerdings auf die täglich im Grünen anzutreffenden Revierförster und auf die acht ehrenamtlich tätigen Landschaftswächter. Zitat: „Die haben mit Pferde- und Hundebesitzern schon viele negative Erfahrungen gemacht!“

Als "Marke" anerkennen ließ sich vor zehn Jahren mit Hilfe des dem Remscheider Patentanwalts Rüdiger Priebisch die Remscheider Denkerschmette. Unter der Registernummer 30543895.6 wurde sie vom Deutschen Patent- und Markenamt als Wortmarke erkannt. Darüber erhielt Vorsitzender Reinhard Ulbrich  damals eine Urkunde.

Das erste RIC's SCHOOL DINNER im städtischen Jugend- und Internetcafè RIC am Markt bot am 13. August 2007 13 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 10 und 11 des Gertrud-Bäumer-Gymnasiums italienische Küche. An den insgesamt drei Kochnachmittagen mit Profi-Köchen sammelten die Jugendlichen Erfahrungen im Service (Eindecken, Dekorieren, Servieren) und präsentierten geladenen Gästen zum Abschluss ein stilvolles Drei-Gänge-Dinner. Veranstalter von “RIC´s School Dinner” war die städtische Kinder- und Jugendförderung in Kooperation mit dem Gesundheitsamt und der Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA). Das Ziel: Die Jungen und Mädchen sollten an eine gesunde Küche herangeführt und interkulturelle sensibilisiert (Herkunftsland des jeweiligen Kochs) werden.

Verwaltung will Schullandheim zum 1.1.2009 dicht machen“, hieß es im Waterbölles am 28. August 2007. Damit folgte die Stadtverwaltung damals einem Vorschlag von Stadtkämmerer Jürgen Müller, und einer Empfehlung der Wirtschaftsprüfer von Rödl & Partner. Die hatten bei Sach- und Personalkosten Einsparungsmöglichkeiten von ca. 120.000 € ausgemacht, gleichzeitig aber darauf hingewiesen, dass von den derzeit fünf Beschäftigten drei Mitarbeiter über sehr langfristige Verträge verfügen und nicht kündbar seien. Der Vorsitzende des Schullandheimvereins, Rektor a.D. Paul Lauer, widersprach: „Für die Schulen ist das Haus eine Bereicherung und wichtige Ergänzung der schulischen Arbeit. Seit 1983 zählte es knapp 60.000 Besucher.“ Vergeblich! Die Politik folgte der Empfehlung. Fünf langjährige Mitarbeiter des Schullandheims erhielten Abfindungen von insgesamt 136.000 Euro.

Im Betriebsausschuss der städtischen Alten- und Pflegeheime (APH) informierte Sozialdezernent Burkhard Mast-Weisz am 29. August über die ins Auge gefasste gemeinnützige GmbH mit der bergischen Diakonie Aprath (BDA). Man wolle mit Diakonie Aprath baldmöglichst zum Notar. Mit dem neuen Gesellschaftsvertrag, dem Personalgestellungsvertrag, einer Rahmenvereinbarung, dem Pachtvertrag Lennep sowie Verträgen zum Inventar beschäftigten sich die Ausschussmitglieder anschließend im nichtöffentlichen Teil. Die Kommunalaufsicht hatte die Vertragsentwürfe positiv beschieden.

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