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Streben nach Verständigung und Solidarität

Vor 70 Jahren - am 29. November 1947 - nahm die Generalversammlung der Vereinten Nationen den Plan an zur Beendigung der britischen Mandatsherrschaft in Palästina und zur Teilung des Gebietes in einen jüdischen und einen arabischen Staat. Ein Jahr später, mit Ende des britischen Völkerbundmandates am 14. Mai 1948, verkündete der Jüdische Nationalrat im Stadtmuseum von Tel Aviv die Gründung des unabhängigen Staates Israel. In der Unabhängigkeitserklärung wird das Existenzrecht Israels unter anderem mit der Shoa begründet, dem nationalsozialistischen Völkermord an den Juden Europas. „Deshalb steht Deutschland in einer besonderen Verantwortung für Israel“, heißt es in der Begründung des Antrages „Erinnerungskultur – Jüdisches Leben im Bergischen", der in der gestrigen Ratssitzung von den Fraktionen und Gruppen von CDU, SPD, Grünen, FDP, Linken und W.i.R. gestellt und einstimmig angenommen wurde. Zitat: „Die nationalsozialistische Gewaltherrschaft hat das seit Jahrhunderten bestehende jüdische Leben in Deutschland und Europa zu zerstören versucht, indem die jüdische Bevölkerung Europas Opfer eines historisch nicht vergleichbaren grausamen Genozids wurde. Auch das jüdische Leben in Remscheid wurde ausgelöscht, indem jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger diskriminiert, isoliert, enteignet, entwürdigt, verfolgt, verhaftet und getötet wurden.“

In dem  Antrag wird Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz gebeten, 2018 – wie bereits 2008 geschehen – gemeinsam mit Kirchen und Religionsgemeinschaften zu einer Gedenkveranstaltung aus Anlass des 80. Jahrestages der Reichspogromnacht einzuladen und dabei das Projekt der Mahn- und Gedenkstätte im sog. Pferdestall der ehem. Polizeikaserne Uhlandstraße einzubinden. Und er wird gebeten, 2018 eine Ausstellung im Foyer der Zentralbibliothek in Zusammenarbeit mit der Botschaft des Staates Israel in Deutschland vorzubereiten und durchzuführen. Auch möge die Stadt Remscheid den Jugendaustausch der Evangelischen Stadtkirchengemeinde organisatorisch und finanziell (1.000 Euro) unterstützen.  

Die Erinnerung an die Opfer der Shoa sei in Remscheid lebendig dank der vielen bürgerschaftlichen Initiativen, die sich seit den 1980er Jahren mit dem Schicksal der jüdischen Remscheiderinnen und Remscheider befasst haben. Die Stadt Remscheid strebe nach Verständigung und Solidarität zwischen dem Staat Israel und der Bundesrepublik Deutschland, heißt es in  der Antragsbegründung. Erinnert wird auch an Alt-Oberbürgermeister Willi Hartkopf:

Er widmete sich in seiner 21-jährigen Amtszeit mit großem Engagement der Begegnung und Versöhnung zwischen Israelis und Deutschen. Dazu gehörte auch der Aufbau von Beziehungen zu den die Shoa überlebenden Remscheiderinnen und Remscheidern in aller Welt mit ihrer Heimatstadt. Die Remscheider Autoren Jochen Bilstein und Frieder Backhaus haben mit ihrer Forschungsarbeit über das „Das Leben der Juden in Remscheid“ viele Opfer aus der Namenslosigkeit und dem Vergessen befreit. Die gleichnamige Ausstellung des Remscheider Stadtarchivs fand großen Zuspruch in der Bevölkerung und verdeutlichte, dass auch in Remscheid großes Unrecht geschah.

Unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeisterin Wilding, auf Initiative von Ilse Faeskorn und Frieder Backhaus und mit Untestützung der christlichen Gemeinden und der jüdischen Kultusgemeinde wurde 2005 die Aktion “Stolpersteine gegen das Vergessen” ins Leben gerufen. Im Zuge derer Umsetzung sind bisher mehr als 170 Stolpersteine für Opfer der NS-Diktatur im Rahmen des Kunstprojektes von Gunter Demnig gesetzt werden konnte. Zahlreiche Verlegungen von Stolpersteinen wurden von Überlebenden jüdischen Remscheiderinnen und Remscheiden begleitet, die häufig auch in Begleitung von Familienangehörigen nach Remscheid kamen, darunter Herr Sigmund Freund, Herrn Zwi Mandelbaum sel. A., Frau Ester Ron sel A. und Herrn Peter Ron.

Der Rat der Stadt Remscheid hat sich darüber hinaus dazu entschieden, ein zentrales Denkmal für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu errichten.

Bereits seit langem besteht ein reger Jugendaustausch zwischen Israel und Jugendaustausch, der von der Evangelischen Stadtkirchengemeinde unter Leitung von Frau Beate Morvai durchgeführt wird. Zu Ostern 2018 wird eine Gruppe von Remscheiderinnen und Remscheidern nach Israel reisen, bevor während der Sommerferien 2018 der Gegenbesuch von Jugendlichen aus der im Norden Israels gelegenen Gemeinde Mitzpe Hila in Remscheid eintreffen wird. Die Stadtverwaltung unterstützt diesem Jugendaustausch. Die israelische Jugendgruppe wird vom Oberbürgermeister offiziell empfangen und in Remscheid willkommen geheißen.

Das vielbeachtete Schulprojekt des Städt. Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums, den sog. Pferdestall der ehem. Polizeikaserne Uhlandstraße als historischen Ort zu einer Mahn- und Gedenkstätte umzugestalten, belegt eindrucksvoll eine lebendige Erinnerungskultur in unserer Stadt, die maßgeblich von den Schulen mitgetragen werden.

In diesen Tagen feiern wir den 15. Jahrestag der Vollendung des Baus einer neuen Bergischen Synagoge. Sie ist eine Landmarke für jüdisches Leben im Bergischen, das sich in einer lebhaften, aktiven und engagierten jüdischen Kultusgemeinde wiederspiegelt.

Auf die Initiative des Vorsitzenden der jüdischen Kultusgemeinde, Herrn Leonid Goldberg, haben sich die Oberbürgermeister der bergischen Großstädte der weltweiten Kampagne „Mayors United Against Anti-Semitism“ angeschlossen, um Antisemitismus öffentlich zu machen, ihm offensiv zu begegnen und lokal Maßnahmen dagegen zu ergreifen.“

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