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Freiwillige in der Freien Wohlfahrtspflege

Eine Möglichkeit, Jugendliche und junge Erwachsene in einem kurzen Zeitraum für ehrenamtliches Engagement zu sensibilisieren und zu schulen, liegt in dem Konzept des ServiceLearning. Solche u. a. durch das Programm „sozial genial“ unterstützten Angebote werden in Oberstufen und Berufskollegs im Optionalbereich verankert und ermöglichen die Umsetzung von selbst entwickelten Projekten der Schüler/innen, die durch geschulte Lehrkräfte angeleitet werden. Im Regelfall liegt die Laufzeit eines Projekts bei einem Schuljahr und durchläuft alle relevanten Phasen des Projektmanagements:

Ideenfindung, Konzeptentwicklung, Projektplanung, dessen Umsetzung und Evaluierung. Diese Projekte spiegeln die Interessen und Eigeninitiativen der Schüler/innen wider und können als Einstieg ins Ehrenamt dienen – sind gleichzeitig aber überschaubar und durch die schulische Struktur in einen festen Rahmen eingebunden und betreut.

Durch die (vorrübergehende) Aussetzung der Allgemeinen Wehrpflicht und die daraus folgende Abschaffung des Zivildienstes ist es besonders für junge Männer nicht mehr zwingend erforderlich, sich in einer wichtigen Phase des Erwachsenwerdens mit dem Thema bürgerschaftlichen Engagements auseinanderzusetzen. Daher fehlen auf der einen Seite verlässliche Freiwillige in allen Bereichen der Freien Wohlfahrtspflege, auf der anderen Seite fehlt den Jugendlichen aber auch eine Übergangsphase auf ihrem Weg von der Schule hin zu Ausbildung oder Studium. Die unmittelbare Erfahrung der sichtbaren Auswirkung des eigenen sozialen Handels stellt einen direkten Kontrast zum oft abstrakten Lernen im Schulalltag dar und dient damit der persönlichen Entwicklung des oder der Einzelnen.

Zudem wird das ehrenamtliche Engagement von offizieller Seite bestätigt und dient den Jugendlichen als zusätzliche Qualifikation im Bewerbungsverfahren für Ausbildungs- oder Hochschulplätze bzw. Stipendien. Für künftige Projekte in diesem Bereich könnten sich besonders „Patenschaften“ für gleichaltrige Neuzugewanderte, die Organisation eines interkulturellen Jugendfestes oder die Redaktion eines Stadt- und Freizeitführers für geflüchtete Jugendliche anbieten.

Die in solchen Projekten erworbenen sozialen und fachlichen Kompetenzen u. a. Kultursensibilität, Projektmanagement und Öffentlichkeitsarbeit dienen den Jugendlichen als wertvolle Ressourcen für ihr späteres Berufsleben und im Idealfall auch für ihr anhaltendes freiwilliges Engagement.

Nicht nur nach Ansicht des englischen Sozialtheoretiker Stuart Hall sind Menschen mit Migrationshintergrund, die zwischen den Kulturen aufgewachsen sind, d. h. früh und in einzigartiger Weise gelernt haben, verschiedene kulturelle Sprachen zu sprechen und mit verschiedenen Identitäten zu leben, in besonderem Maße dafür qualifiziert zwischen den Kulturen zu vermitteln und Brücken zu bauen. Ziel im Remscheider Freiwilligenmanagement sollte es also sein, gezielt mit Migrantenselbstorganisationen zusammenzuarbeiten und sie für ein kommunales Engagement zu gewinnen. Aktuell sind die in Remscheid ansässigen Migrantenvereine zwar in der Flüchtlingshilfe engagiert, allerdings begrenzen sich die Angebote z. T. auf bestimmte Personengruppen, und ein direkter Austausch mit städtischen Stellen findet fast nicht statt. So fehlen bislang z. B. Angaben zur Einhaltung von erarbeiteten Qualitätsgrundlagen: ein Nachweis oder die Absichtserklärung und das erweiterte polizeiliche Führungszeugnis von allen engagierten Ehrenamtlichen – vor allem jenen, mit direktem Umgang mit Minderjährigen – einzufordern.

Künftig wäre zu überlegen, ob für die Remscheider Migrantenselbstorganisationen zusätzlich zu allgemeinen Fort- und Weiterbildungsangeboten ein spezielles Modul zum Thema „Öffentlichkeitsarbeit“ angeboten werden könnte, da eine positive Medienberichterstattung über die ehrenamtlichen Tätigkeiten der Vereine das öffentliche Interesse an MSOs in Remscheid stärken könnte.

Ebenfalls sollte erwogen werden, auch in diesem Rahmen bessere Hilfestellungen für die Beantragung von Landes- und Bundesfördergelder (z. B. „Integration leben – bürgerschaftliches Engagement von Menschen mit Migrationshintergrund stärken“) bereitzustellen, um eine bessere Vernetzung und Ausbildung der ortsansässigen Vereine zu unterstützen.

(Seit der Ratssitzung vom 30. November 2017 ist das neue „Ehrenamtskonzept für die Flüchtlingsarbeit der Stadt Remscheid“ beschlossene Sache. Der Waterbölles veröffentlicht es in einzelnen Kapiteln. Teil 9)

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