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Internet-Medien mit merkwürdigem Kurs

Im normalen Tagesgeschäft scheint es manchmal so zu sein, als ob eine freie, unabhängige Presse in der Gesellschaft zunehmend weniger Befürworter fände. Als würden wir in Syrien, Nordkorea oder der Sowjetunion leben. Da war es nur gut und richtig, dass die Remscheider SPD zu ihrem heutigen Neujahrsempfang den WDR-Chefreporter Horst Kläuser in den „Neuen Lindenhof“ auf den Honsberg eingeladen hatte, um „die Bedeutung freier Medien für unsere Gesellschaft“ hervorzuheben. Und Kläuser tat dies in der ihm eigenen Eloquenz und Sachlichkeit. Und unterhaltend obendrein.

Horst Kläuser. „Glauben Sie nicht alles, was Sie im Internet lesen“, warnte Kläuser. „Da gibt es auch Medien, die einen  merkwürdigen Kurs fahren. Dort findet man dann Hunderte von Kommentaren voller Hass und Beleidigungen zu einem Rundfunk-Kommentar, da ist der noch gar nicht zu Ende gesprochen.“ Auch verwies er auf die vielen Verschwörungstheoretiker, die sich im Internet in den diversen sozialen Netzwerken tummeln. Als Beispiel nannte er die Kondensstreifen, die Flugzeuge bei bestimmten Wetterlagen am Himmel hinterlassen. „Tausende glauben, die seien vom CIA gemacht, um die Gehirne der Menschen durch gefährliche Strahlung zu vernebeln!“

Oder die gewaltbereiten „Reichsbürger“, für die Deutschland „eine GmbH von Gnaden der USA“ sei. „Auch Fake News werden im Internet durchaus professionell verbreitet. Das macht es den Konsumenten manchmal schwer, Seröses von Unseriösem zu unterscheiden“, so der Remscheider Journalist. Ohne die Presse und ihre wahrhaftige Information und die sachliche Darstellung der Zusammenhänge sei in der Gesellschaft keine Meinungsbildung möglich. Mit einem Vielklang von Informationen und Meinungen seien die derzeit rund 300 Tages-, 22 Wochen- und sechs Sonntagszeitungen in Deutschland zusammen mit den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten „der Kitt in unserer Gesellschaft“, etwa der zwischen den Parteien und den Wählern. Da müssten Journalisten dann gelegentlich auch mal „parteiisch sein im guten Sinne“, warnend den Finger heben gegenüber „fremdenfeindlichen Gröhlern wie in Dresden, die unsere Demokratie in Frage stellen“.

Zwar zog Horst Kläuser die kommerziellen Medien („Privatfunk“) nicht generell in Zweifel, fragte sich allerdings, ob die jemals in der Lage sein würden, den Informationsbedarf der Gesellschaft alleine zu decken. In diesem Zusammenhang nannte er den geräteunabhängigen Rundfunkbeitrag pro Wohnung – im Volksmund „Rundfunkgebühr“ – von 17,50 Euro im Monat eine „gute bürgerliche Investition“. Für den Preis von zwei bis drei Schachteln Zigaretten oder  zwei Kinokarten gebe es bei ARD, ZDF, ARTE, 3Sat und Phoenix 64 Hörfunk- und fünf Fernseh-Programme sowie weitere zehn regionale Fernsehprogramme. Gleichwohl ließ Horst Kläuser den Begriff der „4. Gewalt im Staat“ für Medien nicht gelten. Da halte er sich doch lieber an den Artikel 5 des Grundgesetzes zur Presse- und Meinungsfreiheit. Sein eindringlicher Appell: „Schätzen Sie die Arbeit der Journalisten und der Medien, die sich tagtäglich bemühen, Sie gut zu informieren. Ich kenne nach 40 Jahren als Journalist noch keinen einzigen Kollegen, der vorsätzlich die Unwahrheit verbreiten würde!“ Allerdings müsse man auch akzeptieren, dass gut recherchierte Information ihren Preis habe.

Unter den rund 170 Gästen des SPD-Neujahrsempfangs, die der SPD-Fraktionsvorsitzende Sven Wolf im „Neuen Lindenhof“ begrüßt hatte, waren viele, die im öffentlichen Leben das Stadt eine Rolle spielen – aus den Sozialverbänden, Sportvereinen, Schulen, Gewerkschaften, Kirchengemeinden und natürlich auch aus den Ratsfraktionen von CDU, FDP, Grünen, Linken, W.i.R. und SPD, darunter die frühere Oberbürgermeisterin Beate Wilding, Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz und Bürgermeister Otto Mähler. Stellvertretend für alle Ehrenamtler hieß Wolf namentlich Helma Ritscher (Deutsch-Indische Gesellschaft) und Brigitte Sommer (Blindenverein) willkommen. Eine Gedenkminute galt der vor wenigen Tagen plötzlich verstorbenen SPD-Kommunalpolitikerin Rita Jungesblut-Wagner. Sie habe in Remscheid über viele Jahre hinweg, so Wolf, insbesondere bei sozialen und bildungspolitischen Themen „unglaubliche Leidenschaft“ entwickelt.

Musikalisch umrahmte ein Kammermusikensemble der Bergischen Symphoniker den Empfang: Doris Lange-Haunhorst, Flöte; Martin Haunhorst, Violine; Carol Habich-Traut, Bratsche, und Christian Kircher, Cello.

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Kommentare

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Heinz Wäscher am :

Zur Verhinderung des Verbreitens von sog. „Fake-News” könnte es doch zweckdienlich sein, wenn längerfristig auf Landes- bzw. Bundesebene extra Ministerien etabliert werden, deren einzige Aufgabe es ist festzulegen, was „wahr” und was sog. „Fake-News” sind. Vor allem vor Wahlen würde das dem unschlüssigen Wähler ungemein dabei helfen, was er bzw. sie denken darf und über was er bzw. sie sich lieber nicht den Kopf zerbrechen sollte. Auch das Begehen von etwaigen „Gedankenverbrechen” durch Bürgerinnen und Bürger könnte so bereits im Vorfeld vermieden werden.

Lothar Kaiser am :

Sorry, Herr Wäscher, aber gemessen an den Aussagen des Kollegen Horst Kläuser halte ich Ihre Ironie für deplatziert.

Heinz Wäscher am :

Einer der großen Vorteil des Internetz besteht ja darin, dass es die relativ bequeme Möglichkeit gibt, sich dort die Sitzungen des Bundestages, des Bundesrates, der 16 Länderparlamente, der Bundespressekonferenz etc. bis hinunter zu den Ratssitzungen einzelner Kommunen wie z. B. Solingen oder Wuppertal (Remscheid ist diesbezüglich ja leider noch nicht soweit) zu einem nahezu beliebigen Zeitpunkt, den man selber bestimmen darf, anzusehen. Diese Möglichkeit hat es vor nicht allzu langer Zeit so noch nicht gegeben, und man war bei Zeitmangel stellenweise - wenn nicht sogar größtenteils - darauf angewiesen, den Verlautbarungen in Presse, Funk und Fernsehen vertrauen zu müssen während man heutzutage sämtliche für sich relevanten Tagesordnungspunkte noch einmal in aller Ruhe betrachten und auch hautnah miterleben kann, wie die „Stimmung” im Plenum vort Ort jeweils war und somit nicht mehr zwingend auf eine Berichterstattung durch Dritte diesbezüglich angewiesen ist. Und selbst das Herumstöbern in den Unterlagen einzelner kommunaler Rats- bzw. Ausschusssitzungen wäre ohne das Internetz nur schwierig möglich.

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