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Produktionsschule fürchtet Verlust von Landesmitteln

‚Catering und Eingemachtes‘ freut sich auf Kunden“, titelte der Waterbölles am 11. März 2017. An diesem Tag hatte die Sozialpädagogin Elke Kremer die Remscheider „Produktionsschule“, in der sie arbeitet, vorgestellt und versprochen „Wir lassen  nichts anbrennen“ (siehe Plakat). In der Produktionsschule „Catering und Eingemachtes“ der Arbeit Remscheid gGmbH, Freiheitstraße 181/ Am Bruch, wurden zum damaligen Zeitpunkt schon einen halben Jahr lang schulmüde und sogenannte „ausgeförderter“ Jugendliche durch die Produktion frisch zubereiteter Speisen an ein sinnstiftendes und praktisches Arbeiten herangeführt. Junge Menschen bis zu 25 Jahren, die im Übergang von der Schule in den Beruf Probleme hatten, sollen sich dort beruflich orientieren, handwerkliche Fertigkeiten erlernen, schulische Lücken schließen, richtiges Verhalten im Arbeitsleben üben und neue Motivation für Arbeit und Lernen bekommen. Kein leichtes Unterfangen, wie Ralf Barsties, der Leiter der Arbeit Remscheid GmbH, am Mittwoch im Jugendhilfeausschuss einräumte. Denn Arbeiten im Team erfordert von jedem Einzelnen auch Pünktlichkeit. Und da wird es denn schon als Erfolg gewertet, wenn jeder zweite Teilnehmer bis zum Schluss durchhält und anschließend eine Weiterbeschäftigung finden.

Getragen wird die Remscheider Produktionsschule von Arbeit Remscheid gGmbH mit finanzieller Unterstützung des Landes NRW, des Europäischen Sozialfonds und des Jobcenters Remscheid. Landesweit wurden die Produktionsschulen eingerichtet als ein niedrigschwelliges Angebot, das berufliche Qualifizierung mit praktischer, produktiver Arbeit verbindet – ein integraler Bestandteil des Übergangssystems Schule–Beruf und zugleich eine Alternative zur Ausbildungsvorbereitung an berufsbildenden Schulen.

Pro Teilnehmer und Monat zahlt das Land NRW seit Oktober 2016 der Remscheider Produktionsschule 600 Euro. Doch die schwarz-gelbe Landesregierung will sich aus der Förderung zurückziehen und hat sich stattdessen ein „Werkstattjahr“ einfallen lassen. Dessen Konzeption: Drei Tage Ausbildungswerkstatt unter Anleitung erfahrener Ausbilder und zwei Tage Unterricht mit curricular umgesetzten Qualifizierungsbausteinen in Ausbildungsvorbereitungsklassen der Berufskollegs, und das für die Dauer eines Jahres. Barsties ergänzend: „Zielgruppe sind Jugendliche bis 19 Jahre. Dadurch reduziert sich landesweit die Zahl der Plätze von 3.000 auf 1.500!“ Mit entsprechenden Einsparmöglichkeiten für das Land...

Für ein „Werkstattjahr“ sehe das hiesige Jobcenter in Remscheid keinen Bedarf, sagte im JHA Sozialdezernent Thomas Neuhaus, wohl aber für eine Fortdauer der Produktionsschule. Dafür plädierte auch Ralf Barsties. Doch ohne Landesmittel klafft in der Finanzierung der Schule ab September (bei elf Teilnehmern) eine monatliche Lücke von mehr als 6.600 Euro. Die zu schließen, werde schwerfallen; ein nahtloser Übergang sei nahezu ausgeschlossen. Denn wenn die Finanzierung tatsächlich gelinge, müsse das Jobcenter die neue Maßnahme erst einmal öffentlich n neu ausschreiben.

„Eine schlechte Nachricht für die Arbeit Remscheid“, empfanden das die Mitglieder des JHA, und Brigitte Neff-Wetzel (Linke) meinte, angesichts der bisherigen „Erfolgsgeschichte“ der Remscheider Produktionsschule müsse sich „die Verwaltung etwas einfallen lassen“. Aber was? Der JHA hofft, dass Neuhaus sich des Themas annehmen wird.

Ralf Barsties jedenfalls will so leicht nicht aufgeben. Zumal die Produktionsschule mit ihren Catering-Angeboten bei ihren Kunden gut ankomme. Und auch die Produktion von Kuchen und Eingemachtem für das Sozialkaufhaus am Markt floriere. Vor Beginn der Sitzung hatte Barsties auf den Tischen Postkarten verteilt („Catering und Eingemachtes“), die das unterstreichen sollten. Und die Telefonnummer von Produktionsschulkoch Jan de Buhr (RS 9514772) nebst E-Mail-Adresse (catering@arbeit-remscheid.de">catering@arbeit-remscheid.de), für den Fall, dass jemand eine größere Familienfeier plane...

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Sven Wolf (MdL, SPD) am :

Mit der Produktionsschule hat Remscheid einen guten Ansatz, auch diejenigen Jugendlichen, denen es wegen bisheriger Erfahrungen noch schwer fällt, selbstständig regelmäßig und verlässlich ein Ausbildungspensum zu schultern, auf dem Weg in die Arbeitswelt zu begleiten und zu betreuen. Ohne Not wird hier eine Förderung zurückgezogen, die wir dringend brauchen. Da wird an der falschen Stelle gespart. Das sehe ich genauso wie die Arbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege Remscheid. Es wird ein System im Übergang Schule-Beruf zerstört, das sich in der Praxis hervorragend bewährt hat. Gerade dieses Schritt-für-Schritt-Heranführen - unter realen Bedingungen und mit echten Aufträgen und Kunden - ist ein Plus der Produktionsschulen. Damit bekommen Jugendliche eine Chance, die wir sonst nicht erreicht hätten. In der Debatte im nordrhein-westfälischen Landtag zur Zukunft des Programms Produktionsschule.NRW hat sich die SPD-Landtagsfraktion eindeutig positioniert. Das von der Landesregierung geplante sogenannte „Werkstattjahr“ ist keine Alternative. Bisher konnten Jugendliche bis 25 Jahren unterstützt werden. Die Altersbegrenzung auf jetzt maximal 18-Jährige und die Nichtberücksichtigung des Jugendhilfeträgers grenzen beim "Werkstattjahr" mehr als 1.000 Jugendliche aus, für die bisher die Produktionsschule die letzte Chance auf den Weg in einer berufliche Ausbildung war. Für Remscheid heißt das auch: es kommt womöglich gar keine Klasse mehr zusammen, die groß genug wäre, und damit fällt die ganze Maßnahme. Bisher waren 2/3 der Teilnehmerinnen und Teilnehmer über 18. Es trifft hier Jugendliche, die in ihrem Leben schon viel Schlimmes erlebt haben und nun endlich - auch im Alter von über 19 Jahren - Fuß fassen müssen. Jetzt bleibt einmal wieder der schwarze Peter bei der Stadt hängen, die zusehen kann, wie sie die Finanzierungslücken schließt, die die Landesregierung aufreißt.

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