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Ins scheinbare Rundlingsdorf führten viele Wege

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Die schon im Mittelalter sehr günstige Verkehrslage Lenneps ist häufig und immer wieder beschrieben worden. Die Lage war geografisch so günstig, weil Lennep jeweils zwei Tagesreisen von Köln und Dortmund entfernt an der frühmittelalterlichen Fernhandelsstraße nach Magdeburg lag. Weiterhin gab es schon früh neben dieser Süd-Nord-Verbindung auch eine West-Ost-Verbindung über Altena bis Soest. Schon daran erkennt man, dass Lennep niemals ein so genannter Rundling war, auch wenn dies bis in die Gegenwart immer wieder leichtfertig  behauptet und abgeschrieben wird. In ein Rundlingsdorf  führt nämlich immer nur ein Weg hinein und derselbe auch wieder hinaus. Auch der in Lennep unvergessene Heimatforscher Egon Viebahn, den viele von uns auch über seine markanten Stadtführungen noch im Gedächtnis haben, widmete sich dem Thema Fernstraße, was u.a. in dem Band „Historische Schauplätze  in Wuppertal, Solingen und Remscheid (Born Verlag Wuppertal 1990, Hrsg. Klaus Goebel) seinen Niederschlag fand. Viebahn hob dabei vor allem den Aspekt des Zustands der damaligen Fernwege  hervor und nannte seinen Beitrag, den wir im Folgenden unverändert zitieren, „Durch Morast und Staub“:

„Am 10. November 1225 wurde der Reichsverweser des deutschen Kaisers, Erzbischof Engelbert von Berg, der auch die Grafschaft Berg regierte, in einem Hohlweg bei Gevelsberg ermordet. Es war ein persönlicher Racheakt seines Neffen Friedrich von Isenburg. Die Leiche wurde auf dem Weg nach Schloss Burg durch die Ortschaft Lennep über die heutige Schwelmer und Kölner Straße gebracht. Das klingt so. als ob der Stellvertreter des Staufenkaisers Friedrich II. im Dickicht naher westfälischer Wälder vom Wege abgekommen sei. Nein: Engelbert befand sich auf einer Hauptverkehrsader des alten Reiches, der Route von Lübeck zur damaligen Welthandelsstadt Brügge im heutigen Belgien.

Auch derart bedeutende Verbindungen waren damals unbefestigt, nicht anders als Feldwege es heute sind. Hangstrecken wurden zu Hohlwegen, weil Pferdehufe und Wagenräder die Erde lockerten und Niederschläge sie zu Tal spülten. Lennep war Rastpunkt an der Strecke von Köln nach Dortmund, wo die Straße auf den Hellweg traf. Die Ansiedlung wuchs zwischen 1230 und 1260 aus „Wilder Wurzel" durch Sammeln von Vorrechten zur Stadt, die schließlich gebündelt ein Stadtrecht darstellten.

Der Altstadtkern, ein Oval von etwa 375 mal 325 Metern, ist heute - auch ohne Stadtmauer – bestens auszumachen Wer vom Norden an den Rhein wollte, benutzte im Hoch- und Spätmittelalter weitgehend diesen Streckenverlauf. Das brachte Leben und Arbeit. Der Ortshandel florierte, solange Frieden herrschte. Oft marschierten Kriegsscharen durch den Morast oder den Staub der Heerstraße. Es ist denkbar, dass Karl der Große seine Franken im Jahre 775 über diese nächste Verbindungslinie von Köln zur Sigiburg (Hohensyburg bei Hagen) ziehen ließ, wo die heidnischen Sachsen eine heute noch in Resten vorhandene Befestigung besaßen. Karl nahm das Bollwerk.

Römermünzen aus der Zeit nach 353 grub man in Vogelsang bei Gevelsberg aus, unmittelbar an unserer Straße! Zogen Römer darüber? Es muss Spekulation bleiben. Belegt aber ist neben vielen anderen Ereignissen, dass im Jahre 1475 Osnabrücker Krieger die Straße benutzten, die zusammen mit anderen Einheiten des Reiches von Köln aus das belagerte Neuss befreien sollten. Noch 1735 wälzte sich eine Soldatenschar aus Lippe-Detmold über die damals immer noch nicht gepflasterte Strecke. Bis zur Reformation wallfahrten Pilger über die Straße. Sie wollten nach Santiago de Compostela in Spanien. In einem Pilgerwegeverzeichnis wird zwischen Köln und Dortmund nur Lennep angegeben. Der vom 14. Jahrhundert an benutzte Seeweg von Brügge um Dänemark zur Ostsee ließ den Verkehr auf dem Landweg nach und nach schwächer werden. Mit der Entdeckung Amerikas (1492) und dem Niedergang der Hanse im 16. Jahrhundert setzte sich dieser Trend fort. Um 1600 war die Straße nur noch eine unter vielen. Für Lennep besaß sie die Funktion eines Geburtshelfers, ohne sie hätte es keine „älteste und führnehmste bergische Hauptstadt Lennep“ gegeben, wie die Stadt in Urkunden des 17 und 18. Jahrhunderts genannt wird. "

Soweit der Beitrag von Egon Viebahn. Was er den Lennepern vor ca. dreißig Jahren populär in Erinnerung brachte, wurde vom Historiker Gerd Helbeck im Jahre 2011 in einem wissenschaftlichen Aufsatz ausführlich beleuchtet. In Heft 3 des 61. Jahrgangs der Zeitschrift Romerike Berge legte er „Neue Überlegungen zur Frühgeschichte der Stadt Lennep“ vor, wobei er sich -u.a.- mit dem Lenneper Stadtgrundriss, den historischen Problemen von Versorgung und Entsorgung und eben auch der Bedeutung des durch Lennep führenden Fernhandels- und PIlgerweges beschäftigt. Dort heißt es zu Beginn: „Wie alle mittelalterlichen Städte entstand Lennep inmitten einer agrarischen Umgebung als Ort des Handels und des Handwerks. Diese Städte benötigten in jedem Fall eine Straße als Ausgangspunkt ihrer Entstehung und Entwicklung. Für Lennep besteht kein Zweifel, dass dies nur die Straße von Köln nach Dortmund am Hellweg gewesen sein kann, die ein Stück der für den Fernhandel sehr bedeutsamen Verbindung zwischen Nordostdeutschland und der Rheinmetropole darstellte … Diese Fernhandelsstraße führte im Bereich Lennep vom Kölner Tor durch die Wetterauer und Berliner Straße und verließ die ummauerte Stadt durch das Schwelmer Tor“.

Schon seit geraumer Zeit betreibt der Verein „Lennep Offensiv“ in Lenneps Berliner Straße eine offizielle Stempelstelle für die Pilger des historischen Jakobswegs und knüpft damit an Lenneps mittelalterliche Tradition an. Genau hier an der gegenwärtigen Stempelstelle dürften wohl auch die frühen Pilger und Handelsleute vor vielen Jahrhunderten vorbei gekommen sein, denn der direkte Weg von der Kölner über die Schwelmer Straße entstand nach Gerd Helbeck ja als zweite Durchgangsstraße erst später bei der Stadterweiterung. Gleich neben dem heutigen Lennepladen musste man in früher Zeit einen der beiden Quellbäche der Lennepe überwinden. Sein Wasser floss im offenen Bett vom Gänsemarkt her in die nicht ohne Grund so genannte Bachgasse. Das wurde erst 1883 bei der Erneuerung der Kanalisation wieder bekannt, als man genau dort frühe Knüppeldämme ausgrub, über die schon unsere Ahnen und die Pilger trockenen Fußes des Weges ziehen konnten. (Wie sehr das Wasser Lenneps Stadtbild beeinflusste, kann man übrigens auch hier nachlesen:  https://www.lennep.eu/lenneps-unterwelt-baeche-teiche-und-kanaele/.)

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