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Adventlichter der KIndheit

von Alma Mühlhausen

Wie ein Wintermärchen war das Haus des Schuhmachers Halbach anzusehen, wenn es sich unter dem schneebedeckten Strohdach duckte. Die Hecken, die das kleine Vorgärtchen umschlossen, standen wie mit Zuckerguss bestreut, und den Ziersträuchern hatte der Schnee weiße Flockenschürzchen umgehängt. Besonders adventlich-schön war es abends, wenn der Schein der Petroleum­lampe durch das Oberlicht der zweiteiligen Haustür über den schmalen, mit Steinplatten belegten Weg bis an das hölzerne Gartentörchen fiel. Da früher die Winter im Bergischen schon zur Adventszeit schneereich und so kalt waren, dass man meinte, durch das Schellengeläut der Pferdeschlitten den Frost Wirren zu hören, war auch die Vorweihnachtsstimmung unserer Vor­jahren Diel herztiefer als heute. Obgleich die schöne Sitte mit den Advents-kränzen kaum bekannt war, trugen dennoch die Wohnstuben im Bergischen ihr adventliches Gepräge.

Schuhmacher Halbachs Frau, von allen, die sie kannten, .Rosettchen genannt, verstand es, ihre Stube besonders vorweihnachtlich zu schmücken. Auf dem mit Plüschfransen behängten Eckbrett, auf dem sonst die blitzblank ge­scheuerte Dröppelmina ihren Platz hatte, leuchtete ein mit Hülsen gefüllter Riesenkrug. Auf dem kleinen Tischchen aber standen in schlanken Porzellanvasen Papierrosen, die Rosettchen kunstgerecht mit einer Stricknadel gedreht hatte. Sogar um den schon etwas erblindeten ovalen Spiegel lief eine Tannengirlande.

Während der Schuhmacher eifrig bemüht war, die reparaturbedürftigen Schuhe der Ortsbewohner instand zu setzen und auch des Öfteren, besonders vor Weihnachten, Knopf-, Zug- und Kanonenstiefel (Kinderschuhe) nach Maß anfertigte, betreute Rosettchen zwei Milchschafe in dem kleinen Ställchen hinter dem Hause. Und den Schafen verdanke ich es auch, dass ich einen Blick in Tante Rosettchens adventlich geschmückte Stube werfen durfte, wenn ich mit einer Schulkameradin abends Milch holen ging.

Das Ehepaar Halbach, dessen einziges Kind mit elf Jahren gestorben war, liebte Kinder besonders. So hatte es sich der Schuhmacher zur Aufgabe gemacht, in jedem Jahre vor Weihnachten einem Jungen und einem Mädchen bedürftiger Eltern ein Paar Maßschuhe anzufertigen. Fragte man den biederen Schuhmacher, warum er das mache, so antwortete er: „Do gev ech mr selwer en Chreßkengken met."

Doch noch ein besonderes Geschenk hielt er für die Kinder des Viertels bereit. Sobald die beiden Mispelbäume am Wiesenrand abgeerntet waren, wurden die noch grauen Mispeln ins Stroh des Kellers gelegt. Dort blieben sie liegen, bis sie faul und essbar waren. Hinter der „Kellergli'epe" (Kellerluke mit Gitter, die im Winter mit einem mistgefüllten Sack abgedichtet wurde), links von der Haustür, mussten wir Mispeln und Bäumchesäpfel gut aufgehoben, zum Verschenken stets bereit. Wenn wir den Kinderfreund in der Adoents-zeit in seiner Werkstatt besuchten, dann hieß es wohl: Kenger, settent önk en betschen, ech gönn ongertöschen ewes en denn Keller." Mit erwartungsvollen Augen schauten wir dem Guten bei seiner Rückkehr entgegen, und unsere Blicke blieben an den prallgefüllten Rocktaschen hängen. Aber auch et Rosettchen hatte immer eine nette Überraschung für uns Kinder parat, wenn sie mit der Milchflasche von der hintersten „Deel" kam. Und da wir mussten, dass wir beim Milchholen nie unbeschenkt blieben, suchten beim Öffnen des Gartentores unsere Augen schon die Kellerluke, hinter der die köstlichen Früchte gelagert waren. (aus: „Der Heimat zur Ehre. Bergischen Anekdoten und Geschichten“, 1960, von Alma Mühlhausen. Mit freundlicher Nachdruckgenehmigung der Erbin Erika Kleuser)

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