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Die Eschbach-Elfen

von Alma Mühlhausen

Ein schöner Tag war vergangen. Die Sonne hatte ihr Leuchten vom wolkenlosen Himmel über die grünen Hänge der Wupperberge gestreut. Nun lag noch der Duft der Wiesenblumen über der schlaftrunkenen Landschaft, und der Wind trieb Wellen in das Blütenmeer der Margaretenwiese, die nahe der Burg der Grafen von Berg zur Höhe hinaufkletterte. Hinter den Kronen der alten Eichen stieg der runde Mond hervor. Er schaute auf die Stätte, an der sich in Vollmondnächten die Eschbachelfchen mit den Müngstener Zwergen ein Stelldichein gaben, um über das Wohl und Wehe der Bergischen Heimat zu beraten.

Heute war es ein besonderes Geschehen, das die Zwerge von Müngsten durch den unterirdischen Gang unterhalb der alten Grafenburg hierher geführt hatte. Aus dem Felsspalt schlüpften sie auf die Margaretenwiese und schwenkten ihre Silberbeilchen. Eine Weile schauten sie still dem Schleiertanz der Elfchen zu. Dann rief Zwergkönig Wupperich mit grollender Stimme: „Genug, ihr Elfchen.' Beendet euren Tanz! Ihr wißt, mas uns heute zusammenführt. Es gilt, das schändliche Treiben des liederlichen Müllers zu vereiteln, damit den braven Schmiedleuten Hammer und Heim erhalten bleibt." Schnell ließen die Elfchen ihre zarten Schleiergespinste sinken und umringten die Zwerge. Und nun begann ein eifriges Beratschlagen.

Während noch die Stimmen der kleinen Leute über die Wiese schwirrten, trat plötzlich eine lichte Gestalt aus dem Dunkel des Waldes. Es war die Waldraune, die Königin der bergischen Wälder. Ehrerbietig verneigten sich alle und ließen die Fee in ihre Mitte treten. Es war, als säusele der Wind in den Blättern des Bergwaldes, als die Waldraune sagte: „Ich weiß, was euch heute zusammenführt und bin gekommen, um euch zu sagen, dass ich den Schmiedsleuten helfen will. Den bösen Müller aber wird seine Strafe erreichen. Morgen, zur selbigen Stunde, findet euch wieder an dieser Stätte ein, dann werden Bärbel und Peter, die Hammerschmiedskinder, unter euch sein." Verwundert riefen die Elfchen: „Bärbel und Peter? Wie ist es möglich, dass Menschenkinder unser Märchenreich betreten können?" Die Waldraune lächelte: „Die Heimatliebe wird sie zu euch führen."

Bärbel und Peter saßen am Stamme der Buche und schauten ins Tal hinab, wo am Bache das Hammerwerk und das kleine Schieferhaus der Eltern standen. „O Bärbel", klagte Peter, „ist es denn wahr, müssen wir übermorgen unser Heim verlassen? Ich sterbe, wenn ich das Poch-Poch des Hammers nicht mehr hören kann. Wenn wir doch das Geld für den Müller hätten." „Ach, wenn es nur das wäre", rief Bärbel zornig, „dreimal so viel Geld will er wiederhaben, und das schon nach einem halben Jahre. Dabei sollte die Schuld erst nach einem Jahre zurückgegeben werden. Du weißt, dass das Abkommen mit dem bergischen Handschlag besiegelt wurde, der die Bedeutung eines Eides hat." „Glaube mir, Bärbel, diesen Frevel wird der Müller büßen müssen", erklärte Peter überzeugt. „Aber", fuhr er fort, „Vielleicht geschieht doch noch ein Wunder, und wir können unser Heim behalten."

Als Bärbel schwieg und verträumt in die Welt starrte, zupfte sie Peter am Arm: „Was hast du, Bärbel?" Versonnen schaute Bärbel ihr Brüderchen an: „Ich denke an die Quelle auf der Margaretenwiese, von der mir neulich die Kräuterlene erzählte." „Eine Quelle soll oben auf der Wiese sein?" lächelte Peter ungläubig. Bärbel nickte ernst. „Ja, Peter! Einmal im Jahr, wenn die Margareten blühen, soll in Vollmondnächten eine Quelle sprudeln. Wer sie findet, und sich mit ihrem Wasser die Augen wäscht, wird die Elfchen und Zwerge sehen, die gerne den Menschen behilflich sind, die unverschuldet in Not geraten sind und ihre Heimat über alles lieben."

„Das tun wir doch", ereiferte sich Peter, „aber die Kräuterlene . . ." „— weiß viel", unterbrach ihn Bärbel." Vor vielen hundert Jahren soll einmal ein Getreuer Graf Adolfs, der ihm eine Botschaft in die Burg tragen wollte, auf der Margaretenwiese von feindlichen Kriegsknechten überfallen und blutig geschlagen worden sein. Aber die Botschaft hat der treue Mann nicht preisgegeben. Als die Feinde sich entfernt hatten, erwachte er aus seiner Bewusstlosigkeit. Da hat er dann nach einem kühlen Trunk gelechzt. Und, denke dir, Peter, plötzlich hörte er neben sich eine Quelle plätschern. Nun konnte der Ärmste seinen Durst stillen und lebte noch so lange, bis ihn seine Landsleute fanden. Mit letzter Kraft hat ihnen der Sterbende noch die Botschaft für Graf Adolf anvertrauen können. Die Quelle aber versiegte sofort, als der Mann gestorben war."

„Das hat die Kräuterlene dir alles erzählt? O Bärbel, wollen wir in der kommenden Nacht nicht einmal versuchen, die Quelle zu finden?" rief Peter und sprang auf. Bärbel nickte. „Ja, aber niemand dürfen wir etwas verraten. Sonst wäre alles umsonst, sagt die Kräuterlene."

Schwül lag die Nacht über dem schlafenden Tal, als die Hammerschmiedskinder über den Steg des Baches gingen und die Höhe hinaufstiegen. Wie erregt klopften ihre Herzen, als sie am Saum der Margaretenwiese standen und angespannt lauschten, ob nicht ein leises Plätschern im Grase eine Quelle verriet. Plötzlich schrie Peter auf: „Da ist sie, Bärbel. Komm rasch, lass uns dorthin eilen." Zitternd folgte Bärbel ihrem Bruder, doch als sie vor der sprudelnden Quelle standen, wich alle Angst. „Schnell", flüsterte Bärbel, „nun wollen wir uns die Augen netzen, ehe sie wieder versiegt." Kaum aber war dieses geschehen, als ein lieblicher Gesang sie aufhorchen ließ. Sie gewahrten eine weißgekleidete Elfenschar, die ihre zarten Schleier im Reigen schwangen.

„Die Elfchen", jubelte Bärbel und gesellte sich zu ihnen. Scheu folgte Peter ihr nach. Und sieh, da kamen aus dem Felsspalt auch die Zwerge von Müngsten geschlüpft. Zwergkönig Wupperich strich seinen langen weißen Bart und begrüßte die Kinder in seiner knurrigen Art. Als aber Bärbel ihre Geschichte erzählen wollte, winkte die Elfenkönigin ab. Sanft strich sie Bärbel übers Haar. „Still, Bärbel, wir wissen Bescheid und werden euch helfen, dass ihr Hammer und Heim behalten dürft. Der Müller aber wird bestraft."

Am nächsten Tage saßen die Hammerschmiedsleute traurig beim Mittagessen, als nach schüchternem Klopfen ein alter Mann die Stube betrat und ein Päckchen auf den Tisch legte. Ehe der verwunderte Schmied eine Frage stellen konnte, war der Bote schon wieder hinausgegangen. Der Schmied öffnete das Päckchen und fuhr mit einem Schrei zurück. Blitzende Silbertaler bildeten den Inhalt. Es war genau die Summe, die der Schmied zur Begleichung seiner Schuld beim Müller brauchte. Während der Mann noch fassungslos auf das Geld starrte, griff Frau Gunda nach dem beiliegenden Zettel und las. „Von einem, der das Gute belohnt und das Böse bestraft."

„Wer mag der gutherzige Spender sein? Wenn wir ihm doch danken könnten", schluchzte die Frau. Der Schmied schüttelte den Kopf: „Das werden wir vielleicht nie erfahren. Unser Retter will unbekannt bleiben. Doch noch in dieser Stunde will ich mit Zeugen zum Müller gehen und ihm das Geld bringen. Und dieses Mal soll er es mir schwarz auf weiß bestätigen. Aber Glück wird ihm das Geld, das er durch Betrug und Frevel am heiligen bergischen Handschlag erhält, nicht bringen."

Ein schweres Gewitter tobte in der Nacht über dem Tale. Die Blitze zuckten, und heftige Donnerschläge ließen die Erde erbeben. Erschrocken sprangen die Hammerschmiedskinder aus den Betten und schauten durch das Kammerfenster in die taghell erleuchtete Nacht hinaus. „Die Mühle brennt", schrie Peter. „Wir müssen die Eltern wecken." Kurze Zeit später war die Schmiedsfamilie an der Brandstätte angelangt und half mit den Nachbarn die mit Löschwasser gefüllten Eimer vom Bach weiterreichen. In Feuerschein und Rauch stand der Schmied und seine Stimme übertönte das Knattern und Prasseln der Flammen. „Wo ist der Müller? Wir müssen ihn retten." Ein vielstimmiges Hohngelächter antwortete ihm: „Da kommt er angetorkelt." Der Anblick seines brennenden Anwesens ernüchterte den Betrunkenen im Nu. „Das Geld! Rettet das Geld", schrie er und schaute mit irren Augen im Kreise umher. „Dich aus dem brennenden Hause zu retten, hätten wir unser Leben aufs Spiel gesetzt, obwohl du es nicht verdient hast. Doch um dein Geld zu retten, bringen wir uns nicht in Gefahr", sagte der biedere Kottenbesitzer.

Alle Mühe, des Feuers Herr zu werden, war vergebens. Die Mühle, die der Müller von seinen Vätern ererbt hatte, brannte bis auf die Grundmauern nieder. Am andern Morgen verließ er als Bettler das Tal und ward nicht mehr gesehen. Bärbel und Peter aber hielten das Wissen um die geheimnisvolle Kraft der Märchenquelle ihr ganzes Leben hindurch tief in ihren Herzen verborgen. (aus: „Der Heimat zur Ehre. Bergischen Anekdoten und Geschichten“, 1960, von Alma Mühlhausen. Mit freundlicher Nachdruckgenehmigung der Erbin Erika Kleuser)

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