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Pfingsten zu Lennep in längst vergangenen Tagen

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Von alters her, wie man so sagt, ist es zu Pfingsten Sitte, ein Schützenfest und eine Pfingstkirmes zu veranstalten. So auch in Lennep, zu der Zeit, als Lennep bergisch-preußische Kreisstadt war, aber auch schon früher und dann später, in der Weimarer Zeit, in den 1930-er Jahren und bis heute. Natürlich wissen wir alle, ob katholisch oder evangelisch, dass das Pfingstfest und die damit zusammen hängenden Feierlichkeiten kirchlichen Ursprungs sind. Die frühere gesellschaftliche Bedeutung des Festes lässt sich noch an dem Ausspruch erkennen: „Dä hätt singen pingstbesten Antuch an“. Aber nicht nur für den Pfarrer machte man sich fein.

Der Name „Pfingsten§ leitet sich von dem griechischen Wort pentekoste, der Fünfzigste, ab. In seiner ursprünglichen Bedeutung verweist er auf den zeitlichen Abstand zu Ostern (50 Tage). Pfingsten folgt immer auch zehn Tage auf Christi Himmelfahrt, und mit Pfingsten endet insgesamt die österliche Zeit. Was an Pfingsten jedoch eigentlich gefeiert wird, weiß heutigen Umfragen zufolge nur noch eine kleine Minderheit der Deutschen. Im Neuen Testament wird in der Apostelgeschichte erzählt, dass der Heilige Geist auf die Apostel und Jünger herabkam, als sie zum jüdischen Fest Schawuot in Jerusalem versammelt waren. Dieses Ereignis wird in der christlichen Tradition auch als Gründung der Kirche verstanden.

Vor allem in ländlicheren Gegenden wurde Pfingsten in wesentlich größerem Umfang gefeiert als heute. Davon zeugen nicht nur die vielfältigen Bräuche, die heute z.T. verlorengegangen sind, sondern auch Jahrmarkts-Veranstaltungen mit Karussells, Buden und Ständen. Insbesondere im Rheinland und in Westfalen warten die Veranstaltungen immer wieder mit einer Fülle von Attraktionen auf. Im Rheinland veranstalten auch so genannte Pfingstreiter Aus- und Umritte sowie pittoreske Reiterspiele. Derartige Pfingstbräuche haben ihren Ursprung in früheren Heerschauen, die Volkskundlern zufolge sogar bis ins alte Rom zurückgehen. Mit dem Heiligen Geist haben sie weniger zu tun.

In meinem Lennep-Archiv stieß ich vor längerer Zeit auf ein paar Fotos aus der Zeit um 1927, die einen Schützenumzug am Kölner Tor vor dem damaligen Kaufhaus Karstadt zeigen. Ich selbst kann mich noch erinnern, dass meiner Familie in Lennep während der Kirmeszeit am Mollplatz das Trommler- und Pfeifer-Korps am sonntäglichen Morgen in aller Frühe den Schlaf raubte. Das Korps zog dann zunächst zum Ehrenmal auf der Knusthöhe, manchmal zogen wir Kinder auch mit durch die Stadt und sahen z.B. beim "König von Preußen" oder bei " Käse-Kuge" zu, wie sich die Musiker dort mit einem Klaren oder Bittern stärken ließen.

Das Marschieren auf den Straßen, die Ausmärsche der Vereine sind heute seltener als noch in der Nachkriegszeit und seltener vor allem als in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg. Wenn man bedenkt, was das "Kölner Tor" in Lennep allein in der Zeit der Weimarer Republik und der Hitlerzeit an Aufmärschen erlebt hat, so wird man dies vielleicht auch gut heißen. Gänzlich unpolitisch waren übrigens auch die Aufmärsche der Schützen und Turner nicht. Sie hatten in der Regel ebenfalls eine nationalpolitische Bedeutung, wenn auch versteckter als bei den Aufmärschen der Nationalsozialisten und Kommunisten, von denen es in Lennep in den 1920-er Jahren und bis 1933 bekannter Weise auch sehr viele gab. Damals gab es bei den Konfrontationen auch in Lennep Todesopfer.

Aber nicht alles war bei den Umzügen und Aufmärschen nur politisch. „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten...“, das gab es auch im Bergischen Land, und man verlor oft nicht nur seinen Jüngsten im Gewühl. Im Gegensatz zur geordneten Marschform zu Beginn der Festlichkeiten verhalfen die Produkte der Kornbrennerei Finger an der Kölner Straße oder der Beyenburger Schnapsbrennerei Braselmann nicht nur zur gehobenen Stimmung, und so manche "Alte" hat, wie im Berliner Volkslied, auf ihrem nächtlich heimkehrenden "Helden" ne volle halbe Stunde herum "poliert".

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