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Produktionsschule testete Stand auf dem Wochenmarkt

Frische Kuchen und Torten in historischem Ambiente“, titelte der Waterbölles am 9. April. Tags zuvor hatte im Deutschen Werkzeugmuseum erstmals das neue „Contor-Café“ eröffnet – mit leckeren Kuchen und Torten von der Produktionsschule „Catering und Eingemachtes“ der Arbeit Remscheid gGmbH. Die hatten Jan de Buhr und seine Mitarbeiter/innen in der der Lehrküche Freiheitstraße 181/ Am Bruch frisch gebacken. Und am Sonntag, 10. Juni,.  Geht es von 14 bis 17 Uhr in die zweite Runde. Eine Premiere ganz anderer Art hatte die Remscheider Produktionsschule gestern auf dem Wochenmarkt vor dem Rathaus. Dort wurden den Marktbesuchern Pulled-Pork-Burger, Smoothies, besondere Öle, Gewürzsalze, Marmeladen und Eingemachtes zum Kauf angeboten – all das, was es sonst nur (hin und wieder bzw. auf Bestellung) im Sozialkaufhaus am Markt gibt. „Ein erster Testlauf“, hieß es dazu gestern. Aber für den Fall, dass die Produktionsschule die finanzielle  „Durststrecke“ zwischen September 2018 und Januar 2020 übersteht, wäre „ein Dauerstand auf dem Remscheider Wochenmarkt eine bedenkenswerte Option“.

Das war vorsichtig ausgedrückt. Denn in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am vergangenen Mittwoch hatte Sozialdezernent Thomas Neuhaus berichtet, dass sich Arbeitsagentur und Jobcenter zwar auf eine Finanzierung der Produktionsschule ab 2020 verständigt hätten, doch für die Übergangszeit ab September 2018 sei die Finanzierung durch öffentliche Geldgeber noch unklar. Der Grund: Die schwarz-gelbe Landesregierung hat ihr Förderkonzept geändert.

Pro Teilnehmer und Monat zahlte das Land NRW seit Oktober 2016 der Remscheider Produktionsschule 600 Euro. Stattdessen hat sich die Landesregierung nun ein „Werkstattjahr“ einfallen lassen: Drei Tage Ausbildungswerkstatt und zwei Tage Unterricht in Ausbildungsvorbereitungsklassen der Berufskollegs, und das für die Dauer eines Jahres. Die neue Zielgruppe sind Jugendliche bis 19 Jahre. Dadurch fallen landesweit 1.500 Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahre aus der Förderung, die im Übergang von der Schule in den Beruf Probleme hatten. In der Remscheider Produktionsschule zum Beispiel sind es zehn junge Frauen und zwei junge Männer, die durch Erfolgserlebnisse bei der praktischen Catering-Arbeit ein besseres Selbstwertgefühl bekommen sollen.

Bei einem Besuch der Produktionsschule im Mai sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Sven Wolf: „Das neue Werkstattjahr ist kein Ersatz!“ Und Thomas Neuhaus forderte vorgestern im Haupt- und Finanzausschuss: „Es muss eine dauerhafte Finanzierung nach klaren Regeln geben!“ Zum Vorschlag von David Schichel (Grüne), die Stadt selbst solle als Geldgeber einsteigen, meinte Neuhaus, „der erste Gedanke ist nicht immer der zielführende“. Er unterstütze die Idee des CDU-Fraktionsvorsitzenden Jens Peter Nettekoven, das Land NRW zur finanziellen Beteiligung an der Übergangsphase zu bewegen. Der Landtagsabgeordnete hatte zuvor erklärt, in Düsseldorf entsprechende Gespräche zu führen. Zu den Aussichten eines Versuchs, die Finanzlücke durch Spenden (20.000 in 2018 und 80.000 Euro in 2019) zu kompensieren, äußerten sich die Ausschussmitglieder nicht. Sven Wolf (SPD): „Drücken wir die Daumen, dass eine Lösung gefunden wird. Denn für die Jugendlichen in der Produktionsschule ist diese die letzte Chance, um im Berufsleben Fuß zu fassen!“

„Meine dritte Chance“ war der passende Name des gestrigen bundesweite Aktionstages, den der Bundesverband Produktionsschulen e.V. organisiert hatte und an dem sich rund 80 der insgesmt mehr als 100 Produktionsschulen beteiligten, die hiesige mit dem „Testlauf“ auf dem Wochenmarkt. Die Schulen verstehen sich als alternatives Bildungsangebot für lernunwillige junge Leute („Null Bock“, aus welchem schulischen, sozialen oder familiären Grund auch immer), die auf den zwei klassischen Ausbildungswegen Schule/Studium und Duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule gescheitert sind. Ihnen geben die Produktionsschulen eine dritte Chance ins Erwerbsleben. Damit sind (waren?) sie seit 2007 eine wichtige dritte Stütze im deutschen Bildungssystem.

Die Remscheider Produktionsschule ist aber auch mit ihrem Catering-Angebot erfolgreich: Bisher wurden mehr als 70 Caterings verschiedener Größenordnungen ausgeliefert, wie Bereichsleiterin (U27) Annika Girbig berichtete. Und die Tendenz sei mit zwei bis drei Caterings pro Woche inzwischen steigend. Sogar Hochzeitsbüffets wurden bereits ausgeliefert. Die jungen Leute übernehmen ferner verschiedene interne Dienste wie z.B. Mittagstisch zubereiten, Zuarbeiten für das Bistro des Kaufhauses Remscheid und den Kiosk des Freizeitparks Kräwinklerbrücke. Auch werden Brotaufstriche, Chutneys und Aroma-Öle entwickelt und zubereitet (Anfragen unter Tell. RS 9514772). Insgesamt wurden bisher 30 Teilnehmende betreut. Ca. 37 Prozent wurden in Arbeit, eine Beschäftigung oder andere Maßnahme vermittelt.

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Fraktion der Linken am :

Im Nachgang zur Sitzung des Haupt- Finanz und Beteiligungsausschusses (HFB) vom 5. Juni erklärt Fritz Beinersdorf, Fraktionsvorsitzender DIE LINKE im Rat der Stadt Remscheid:„Zum wiederholten Male stand die Zukunft der Produktionsschule auf der Tagesordnung einer Sitzung des Ausschusses. Der Jugendhilfeausschuss hatte am 14. März einstimmig beschlossen, dass der HFB die Verwaltung bitten solle, einen Vorschlag zur Weiterführung der Produktionsschule in Remscheid zu erarbeiten und diesen Vorschlag dem HFB und dem Rat der Stadt vorzulegen. DIE LINKE stützte dieses Ansinnen durch einen Antrag gleichen Inhalts für die Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 2. Mai und des Rats am 3. Mai. In meiner Eigenschaft als Fraktionsvorsitzender habe ich in dieser Ratssitzung, als unser Antrag geschoben wurde, den Finanzierungsvorschlag unterbreitet, den Minderaufwand für den DOC-Koordinator (152.000 Euro) zur Deckung heran zu ziehen. Oberbürgermeister Mast- Weisz meinte, dieser Tipp sei der Verwaltung nicht eingefallen, er würde ihn mitnehmen. In der Beratung des HFB am 5. Juni gab der Beigeordnete Thomas Neuhaus einen Sachstandsbericht, dessen wesentlicher Inhalt darin bestand, dass man durch Einwerben von Sponsorengeldern den Weiterbestand der Produktionsschule sichern wolle. Ich habe nachgefragt, ob im Verwaltungsvorstand mein Tipp, den Weiterbestand der Produktionsschule aus den nicht verausgabte Mitteln für den DOC-Koordinator zu sichern, beraten worden sei. Beigeordneter Neuhaus teilte mit, dass die Verwaltung übereingekommen sei, dass die Stadt für die nicht mehr gewährte Landesförderung nicht einspringen und keine Finanzmittel aus dem Haushalt bereitstellen werde. Daraus ergeben sich einige Fragen: Warum werden immer wieder in Bund und Land Programme und Vorhaben für Kommunen beschlossen, deren langfristige Finanzierung nicht sichergestellt ist? (Auch durch Abgeordnete aus Remscheid). Warum nimmt unsere Gemeinde immer wieder Programme dieser Art an, wohl wissend, dass eine durchgängige Ausstattung mit den notwendigen Finanzmitteln nicht gewährleistet ist? Für mich ist es nicht nachvollziehbar, dass ein millionenschwerer Investor für ein zweifelhaftes Unterfangen wie dem sogenannten „DOC“ die Millionenbeträge nur so nachgeworfen werden, für den Erhalt einer sinnvollen Einrichtung wie die Produktionsschule aber kein Geld aus dem Haushalt bereitgestellt werden kann.“

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