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Kontrollbögen für das Wohl von Kindern und Jugendlichen

Im November vorigen Jahres wünschte sich die Remscheider SPD in einem Brief an OB Wilding eine „Remscheider Charta“ für den Kinderschutz, um das Problembewusstsein der Menschen in unserer Stadt zu schärfen und so die Situation für Kinder und Familien zu verbessern.  Und auch der 8. Remscheider Jugendhilfetag, den die Stadt Remscheid und die Arbeitsgemeinschaft „Hilfen zur Erziehung“ im Caritasverband Remscheid e.V. im gleichen Monat veranstalteten, richtet das Augenmerk auf die Familien, in denen Kinder womöglich gefährdet sind. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendhilfe beschäftigten sich an diesem Tag mit frühen Hilfen für Familien, mit „Frühwarnsystemen“, mit deren Hilfe riskante Entwicklungen von Kindern in ihren Familien bereits in der Entstehung erkannt werden sollen. Einer Arbeitsgruppe der Arbeitsgemeinschaft "Hilfen zur Erziehung" hat in der Zwischenzeit "Leitlinien zum Schutz des Kindeswohls" bei akuten Gefährdungssituationen erarbeitet. Sie sollen die die Grundlage für gesetzlich vorgeschriebene Vereinbarungen mit allen Trägern von Diensten und Einrichtungen bilden, die nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz Leistungen erbringen. Damit übernehmen alle Träger der Jugendhilfe in gleicher Weise den Schutzauftrag für das Kindeswohl und verpflichten sich, das Jugendamt zu informieren, wenn die Gefährdung des Kindeswohls mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln nicht abgewendet werden kann. Besondere Bedeutung kommt dabei den so genannten Kinderschutz-Bögen zu.

Die Ausgangslage: Das am 1. Oktober 2005 in Kraft getretene "Gesetzes zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe (KICK)" präzisiert die Normen zum Schutz bei Kindeswohlgefährdungen.  Im Zentrum steht dabei die Konkretisierung des Schutzauftrages für das Kindeswohl durch § 8a SGB VIII. Hierin wird sowohl der allgemeine staatliche Schutzauftrag als Aufgabe der Jugendämter präzise beschrieben, aber auch die Beteiligung der freien Träger an dieser Aufgabe verdeutlicht und Verantwortlichkeiten und Anforderungen an die beteiligten Fachkräfte der Jugendhilfe formuliert. Nicht zuletzt die traurigen Fälle von Jessica (Hamburg) und Kevin (Bremen) machen nach Angaben des Fachbereichs Jugend, Soziales und Wohnen - Abteilung Allgemeine Soziale Dienste, Integration und Wohnen – der Stadt Remscheid deutlich, dass die Umsetzung des öffentlichen Kinderschutzes rechtlich begleitet werden muss durch eindeutige und klare Formulierungen der Anforderungen für die Leistungsträger von Jugendhilfeleistungen und die Beschreibung von Verfahrensstandards.

In der konkreten Umsetzung dieses Schutzauftrages waren die Leistungsträger der Kinder- und Jugendhilfe in besonderer Weise gefordert, gemeinsame Standards zu vereinbaren und den Schutz des Kindeswohls zu gewährleisten. Die nunmehr vereinbarten Verfahrensabläufe und Instrumente (z.B. Kinderschutzbögen) dienen - neben einer Bewusstseinsschärfung - dem Ziel, allen professionell Tätigen in der Kinder- und Jugendhilfe größtmögliche Handlungssicherheit und Verfahrensklarheit bei der Einschätzung einer akuten Gefährdungslage für Kinder und Jugendliche in Remscheid zu bieten. Dazu gehört, dass die Mitglieder aller Arbeitsgemeinschaften des SGB VIII (Arbeitsgemeinschaft Kindertageseinrichtungen (AG Kita), Arbeitsgemeinschaft Offene Türen (AGOT), Arbeitsgemeinschaft Hilfen zur Erziehung (AG HzE) in Auftaktfortbildungen mit dem in Remscheid vereinbarten Verfahren zur Umsetzung des § 8a SGB VIII vertraut gemacht werden. (Am 11.und 12. September fand eine Fortbildung für die Kindertageseinrichtungen statt, am 26.September im Rahmen des 9. Jugendhilfetages eine Fortbildung für die Zielgruppe der AG HzE, und am 25.Oktober ist eine entsprechende Fortbildung für die AGOT vorgesehen.)

Sabine Poppe vom städtischen Fachbereich: „ Nachdem wir zunächst unseren gesetzlichen Auftrag mit den hier vorgestellten Maßnahmen weitestgehend "abgearbeitet" haben, wollen wir uns auch den "Schnittstellen" widmen und hier unsere Kooperation anbieten. Zu den Schnittstellen gehören neben den Schulen u.a. die schulischen Betreuungsmaßnahmen, die Gesundheitsdienste, Kliniken und Kinderärzte, die Beratungsstellen und Angebote rund um Schwangerschaft und Geburt, aber auch die Gerichte und die Polizei. Diese Institutionen haben jeweils ihren eigenen rechtlichen Rahmen und "Auftrag" zur Sicherung des Kindeswohls.“

Angefangen bei den Kindergärten. Und auch die Kinderärzte und –Psychologen sind gefordert. Alle Beteiligten arbeiten künftig mit den Kinderschutz-Bögen. Sie sind aufgeteilt in die Altersgruppen der bis zu 3-Jährigen, 3- bis 6-Jährigen, 6- bis 14-Jährigen und 14- bis 18-Jährigen und in allen vier Gruppen in die Kategorien „Akute Kindeswohlgefährdung“, „Risikofaktoren für eine mögliche Kindeswohlgefährdung“, „Ressourcen und Kooperationsbereitschaft der Sorgeberechtigten“ und „Gesamteinschätzung“. Die dem Alter entsprechenden Fragen nach körperlichem Erscheinen (z.B. Mehrfachverletzungen), psychischer Erscheinung (z.B. auffälliges sexualisiertes Verhalten) und psychologischer Situation (z.B. Suchterkrankung eines oder beider Elternteile) – die Beispiele beziehen sich auf akute Kindeswohlgefährdung bei 3- bis 6-Jährigen – können (in diesem Fall von den Erziehern) jeweils in einem roten, gelben oder weißen Feld angekreuzt werden. Rot signalisiert eine akute Gefährdung, Geld erfordert Nachkontrolle und Weiß steht für „kein Grund zur Besorgnis“.

Als Risikofaktoren für eine mögliche Gefährdung bei 14- bis 18-Jährigen nennt der Schutzbogen Traurigkeit/Zurückgezogenheit, auffällige Ruhe bzw. Teilnahmslosigkeit, depressives Verhalten, fehlende emotionale Schwingungsfähigkeit, aufmerksamkeits-/ beziehungssuchendes Verhalten, auffällig mangelnde Frustrationstoleranz, Selbstverletzungen, Antriebsarmut bzw. mangelndes Interesse an der Umwelt, anhaltende Schaukelbewegungen, unsicheres/wechselndes Nähe- und Distanzverhalten, auffälliges Kontaktverhalten gegenüber Gleichaltrigen, mangelndes Selbstwertgefühl, Hinweise auf Zugehörigkeit zu einer extremistischen Gruppierung, Missbrauch von Alkohol und Drogen, Straffälligkeit (Diebstahl, Drogen, Körperverletzung, Sexualstraftat), schwere psychische Störung und auffälligen Medienkonsum.

Die Kinderschutz-Bögen sind nicht für die Eltern bestimmt, wenngleich man sich manchmal wünschen würde, diese würden die Verhaltensweisen ihrer Kinder regelmäßig selbst einer kritischen Kontrolle unterziehen – und das nicht erst kurz vor deren Volljährigkeit.

Trackbacks

Waterbölles am : "Kinderschutz in Schulen" hat noch ein paar weiße Flecke

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„Kontrollbögen für das Wohl von Kindern und Jugendlichen“ kündigte er Waterbölles am 5. Oktober 2007 an. Sie basieren auf den "Leitlinien zum Schutz des Kindeswohls bei akuten Gefährdungssituationen“, die eine Arbeitsgruppe der Arbeitsgemeinschaft &q

Kommentare

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Chronist am :

Die Kontrollbögen machen Schulungen erforderlich. Am 25. Januar werden sich, wie Ralf Gassen („BDKJ Remscheid/Solingen“) heute im Jugendhilfeausschuss mitteilte, ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter von Jugendverbänden einweisen lassen. Das Seminar findet im "RICK" am Markt statt.

Fraktion der Grünen am :

Zur Sitzung des Ausschusses für Schule und Bildung am 22.1.08 und des Jugendhilfeausschusses am 24.01.08 hat die Fraktion der Grünen beantragt, die Verwaltung möge ein Handlungskonzept für Einbeziehung von Schulen bei Kindeswohlgefährdung vorlegen.Es soll zum Ziel haben, die Remscheider Schulen und die dort tätigen Träger der freien Jugendhilfe als Akteure in die Remscheider „Leitlinien zum Schutz des Kindeswohls“ einzubeziehen. Über das Konzept und die jeweiligen Schritte soll in den Ausschüssen berichtet werden. Begründung: Dem Schutz des Kindeswohls kommt besondere Bedeutung zu. Die erschütternden Berichte über misshandelte und verwahrloste Kinder machen das überdeutlich. Deshalb ist es besonders wichtig, dass alle Einrichtungen und Institutionen in Remscheid gemeinsam dazu betragen, Kinder in dieser Stadt nachhaltig vor Gefährdungen zu schützen. Um das zu gewährleisten, braucht es transparente Strukturen und eine dichte Vernetzung aller Beteiligten. Mitte des Jahres 2007 wurden die „Leitlinien zum Schutz des Kindeswohls“ im Jugendhilfeausschuss und in einer Fortbildung für Jugendhilfeträger vorgestellt. Es handelt dabei um die Umsetzung des §8a SGB VIII (Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung) in Remscheid. Ziel der Leitlinien ist es, mit Hilfe von Erhebungsbögen „gewichtige Anhaltspunkte altersgruppenspezifisch“ zu erkennen. Sowohl bei der Erarbeitung der Leitlinien, die im Grunde für alle Institutionen und Einrichtungen die Basis zur Abwehr von Kindeswohlgefährdungen bilden sollen, als auch bei den dazu gehörenden Fortbildungen blieben die Schulen und auch die Träger der Angebote zur Schulkinderbetreuung bislang weitgehend außen vor. Auch wenn sich beide Gruppen in entsprechenden externen Fortbildungen über die Implikationen des § 8a kundig gemacht haben, so dürfte Kenntnis der stadtintern erarbeiteten Leitlinien nur rudimentär vorhanden sein. Damit im Netzwerk zum Schutz des Kindeswohls nicht eine große Lücke klafft, bitten B90/DIE GRÜNEN darum, ein Handlungskonzept für das Jahr 2008 zu erarbeiten bzw. transparent zu machen, das Schule und die Träger der Schulkinderbetreuung als Akteure annimmt. Beatrice Schlieper, Fraktionssprecherin Jutta Velte, Bildungspolitische Sprecherin

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