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Handlungskonzepte für vier Stadtteile sollen folgen

Mehr über die Lebenschancen der Anwohner in den Stadtteilen Rosenhügel und Hasenberg wollten in den vergangenen 21 Monaten Wissenschaftler/innen der Technischen Universität Dortmund wissen. Genauer: Mehr über die Rolle und Bedeutung dieser „Quartiere“ für die Lebenschancen. Um die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf ähnlich strukturierte Stadtteile in anderen Städten zu gewährleisten, waren Rosenhügel und Hasenberg für dieses vom Forschungsinstitut für Gesellschaftliche Weiterentwicklung (FW´GEW) des Landes Nordrhein-Westfalen geförderte Projekt ausgesucht worden, da sie sich in vergleichbarer Form auch in anderen Städten finden lassen.

Anhand der Frage: „Ist das Quartier die Ursache für Benachteiligung, oder nur ein Ort, an dem Benachteiligung sichtbar wird?", analysierten die Wissenschaftler/innen, welche Möglichkeiten der Stadtteil seiner Bewohnerschaft bietet und welche nicht. Es ging darum zu klären, welche sozialen, materiellen und bildungsbezogenen Ressourcen die Anwohner brauchen, um ihre Lebenschancen zu realisieren, aber auch, inwiefern sie ihre Ressourcen im Stadtteil erweitern können. Je besser die Ressourcen, desto größer die Chancen in einem Quartier für eine sozialen Teilhabe, aber auch für ein selbstbestimmte Gestaltung des eigenen Lebens, d.h. sich die eigenen Bedürfnisse erfüllen und Zugang zu Gütern und Positionen  bekommen zu können.

Prof. Dr. Thorsten Wiechmann, von der Fakultät „Raumplanung“ der Technischen Universität Dortmund zur Quartiersforschung in Rosenhügel und Hasnberg.

„Wir haben Wert daraufgelegt, möglichst verschiedene Perspektiven von Menschen in ganz unter­schiedlichen Lebenssituationen einzubeziehen“, legten gestern im MOSAIK-Projektbüro Markt 13 Prof. Dr. Thorsten Wiechmann, von der Fakultät „Raumplanung“ der Technischen Universität Dortmund und seine Kolleginnen zum Abschluss der ersten Projektphase dar. „Wir haben daher mit älteren und jüngeren Menschen, Deutschen und Migranten, alteingesessenen und neuzugezogenen Stadtteilbewohner/nnen, gesunden und kranken Menschen, Frauen und Männern gesprochen. In beiden Stadtteilen haben wir insgesamt 40 ausführliche Interviews mit Bewohner/nnen zu ihrem Alltag in Stadtteil, Stadt und Region geführt, ergänzend viele Experteninterviews, an Veranstaltungen im Stadtteil teilgenommen, Statistiken ausgewertet und eine geodatenbasierte Onlineumfrage durchgeführt.“

Die Ergebnisse: Viele der Interviewpartner sind zufrieden mit den Möglichkeiten in ihrem Umfeld. Auf einige wirkt sich „ihr“ Stadtteil aber auch benachteiligend aus. Insbesondere für diejenigen, die wenig Geld zur Verfügung haben, über wenig Bildung verfügen oder die Sprache nicht ausreichend gut beherrschen, um sich ihre Lebenspläne zu erfüllen und im Leben weiter zu kommen. In diesen Fällen können die Stadtteile, je nach Lebensphase und sozialer Schicht, auch zu einer Benachteiligung beitragen. Prof. Wiechmann: „Zwar lassen sich strukturelle Probleme wie Armut oder Arbeitslosigkeit nicht auf Stadtteil- oder kommunaler Ebene lösen. Funktionierende Stadtteilzentren, eine gute ÖPNV-Anbindung der Stadtteile und bezahlbare Tickets sind aber sehr wirksam. Denn diese erlauben den Bewohner/nnen, ihre sozialen Netzwerke auszubauen, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern bzw. mobil zu sein.“ Gerade letzteres sei ein wichtiges Kriterium, um die eigenen Lebenspläne verwirklichen zu können. „Hier sollte die Politik ansetzen, wenn sie sozialer Benachteiligung auf Quartiersebene entgegenwirken will!“

An der TU Dortmund umfasst die Quartiersforschung in Remscheid neben dem Projekt „Lebenschancen im Quartier" auch das Projekt „Demografischer Wandel und Quartiersentwicklung - Modellhafte Strategien zur integrierten und kultursensiblen Bestandsentwicklung" (MOSAIK) Zusammen möchten beide Projekte Erkenntnisse zur Wirkung von Wohnquartieren auf die Lebensgestaltung der Bewohnerinnen und Bewohner sowie zum Zusammenleben in den Stadtteilen gewinnen und so einen Beitrag zu einer integrierenden, sozial gerechten Stadtentwicklung leisten. Die gewonnenen Erkenntnisse darüber, wie Quartiere „funktionieren“ und wie die Akteure vor Ort zusammenwirken, sollen im kommenden Jahr in Handlungskonzepte und Strategien für die sozial‐räumliche Integration in den Stadtteilen einfließen. Daran möchten die Wissenschaftler aus Dortmund Kommunalpolitiker, Mitarbeiter der Verwaltung, Wohnungsbaugesellschaften wie die GEWAG, Stadtwerke u. a. beteiligen (siehe Video-Interview mit Prof. Dr. Thorsten Wiechmann).

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Kommentare

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Gerd Rothbrust am :

Das im Juni 2017 mit hohen Erwartungen, mit hoher Politikerpräsens, mit gut gefülltem Saal, gestartete Projekt, endete gestern weit weniger furios. Das Foto zeigt, bis auf zwei abseits sitzende, alle Teilnehmer, also 21 Teilnehmer minus sieben Projektmitarbeiter. Ich hatte beim get-together ein längeres Gespräch mit Frau Prof. Dr. Susanne Frank (der zweiten gleichberechtigen Projektleiterin). Das zusammengefasste Fazit dieses anregenden Gespräches ist: Die bei der Startveranstaltung gemachte Aussage: Remscheid ist im Umgang mit Ausländern ein positives Beispiel, hat sich nicht bestätigt. Die 40 Umfragen sind nicht repräsentativ. Das zu erwartende Ergebnis: Die Quartiere beeinflussen den Werdegang des einzelnen Individuums zut ca. zehn Prozent, hat sich bestätigt. Es gilt die Volksweisheit: Jeder ist seines Glückes Schmied". Allerdings zeigte das Projekt wieder deutlich die Probleme bei fehlender Grundversorgung. Hier ist neben der Wiederherstellung der Grundversorgung auch die gesamtstädtische Mobilitätsstrategie gefordert – allerdings mit realistischen Ansätzen!

Susanne Frank am :

Lieber Herr Rothbrust, über das interessante Gespräch im Anschluss an die Ergebnispräsentation unseres Projekts „Lebenschancen im Quartier“ habe ich mich gefreut. In Ihrem Kommentar schreiben Sie mir nun allerdings Äußerungen namentlich zu, die ich so nie getan habe. Deshalb möchte ich gerne ein paar Dinge zurechtrücken. Besonders wichtig ist mir klarzustellen, dass der Satz „Die (…) Aussage: Remscheid ist im Umgang mit Ausländern ein positives Beispiel, hat sich nicht bestätigt“ weder zusammenfasst, was wir am Tisch diskutiert haben, noch den Stand der Projektarbeit wiedergibt. Zudem: Die Zahl „10 Prozent“ stammt nicht von uns. Einige mit statistischen Daten arbeitende Stadtforscher sehen den Einfluss des Wohnquartiers auf die soziale Lage bzw. die Lebenschancen seiner Bewohnerinnen und Bewohner in dieser Größenordnung. Wir selber quantifizieren nicht. Ein Grund dafür ist, dass wir in unserem Projekt gerade zeigen können, dass das Quartier – je nach Lebenssituation – für manche Menschen eine sehr große, für andere hingegen eine weniger große Rolle spielt. Zum Schluss noch eine Bemerkung zu Ihren ersten beiden Sätzen: Sie verwechseln hier zwei Forschungsprojekte mit unterschiedlichen Aufgaben und Zielen. (Zugegeben: Da es auch einige Gemeinsamkeiten zwischen beiden gibt, ist das Auseinanderhalten nicht ganz leicht.) Das im Juni 2017 gestartete Vorhaben ist das Projekt „Mosaik“, das wir in Kooperation mit der Stadt Remscheid durchführen. Am Dienstagabend haben wir aber die Ergebnisse eines anderen, nämlich des sehr viel kleineren Projekts „Lebenschancen im Quartier“ vorgestellt. Insofern beruht der Eindruck, den Sie gewonnen haben – es liest sich ein bisschen wie „Als Tiger gestartet, als Bettvorleger gelandet“ – auf einem Missverständnis.

Gerd Rothbrust am :

Liebe Frau Dr. Frank vielleicht sind meine Aussagen im angesprochen Kommentar nicht eindeutig. Leider unterlief mir in meinem Kommentar der Fehler, statt „… MEINEM zusammen gefassten Fazit…“, „…DAS zusammengefasste Fazit…“ zu schreiben. Deshalb diese Erklärung: Zuerst zu dem für Sie besonders wichtige Satz. Die von mir gemachte Aussage „…hat sich nicht bestätig.“ waren nicht Ihre Worte. Sie sagen auf meiner Frage nach „…dem guten Beispiel“: „…diese Aussage würde ich so nicht mehr machen…“. Die Zahl „eher 10 Prozent“ war Ihre korrigierende Aussage nach meiner Schätzung „…maximal 20%“. Meiner Aussage „Jeder ist seines Glückes Schmied“ haben sie nicht widersprochen. Unser angenehmes Gespräch hatte viele Themenblöcke und so habe ich in meinem Kommentar das, was ich aus dem Gesamten mitgenommen habe widergegeben. Die Annahme „Als Tiger gestartet, als Bettvorleger gelandet“ ist falsch – sorry wenn Sie diesen Eindruck hatten. Ich kenne die Bedeutung solcher Projekte: Sie dienen der Stellenfinanzierung der wissenschaftlichen Mitarbeiter, sie fließen in Dissertationen ein, sind die vorgeschriebenen Veröffentlichungen der Doktoranten, in ihnen entstehen Master- und Bachelorarbeiten und nicht zuletzt dienen sie der Reputation der Fachgebiete. Ich hoffe, meine zum Teil um Entschuldigung bittende Richtigstellung, ist in Ihrem Sinne.

Eija Tirkkonen am :

In den 70er Jahren hatte die Stadt den ankommenden Gastarbeiter ganz bestimmte Stadtteile zugewiesen, um die Stammbevölkerung von der neuen Ethnie zu trennen. Das Ziel war Unruhen zu vermeiden und galt damals als gelungener Umgang mit Ausländern. Trennung ging vor Integration. Die Folgen dieser Politik sehen wir immer noch stark in den betroffenen Stadtteilen. Hoher Migrantenanteil mit mangelhaften Deutschkenntnissen trifft im Quartier auf untere soziale Schicht, was zur Stigmatisierung der gesamten Stadtteilen samt ihren Kitas und Schulen führt. Wenn man wirklich den Grad der Benachteiligung messen will, sollte man die Qualität der Bildungseinrichtungen und der Schulabschlüsse der Kinder zwischen den Stadtteilen vergleichen. Die Benachteiligung in der Bildung befestigt erst nachhaltig die stagnierende Entwicklung in den „kultursensiblen“ Stadtteilen. Der Verlust von 15 Prozent der Arbeitsplätze durch die Digitalisierung und künstliche Intelligenz im unteren Lohnbereich in den nächsten zehn Jahren (McKinsey) trifft nochmals hart die eh schon benachteiligten Quartiere. Um die Lage zu entschärfen und zumindest annähernd gleiche Lebensbedingungen zu schaffen, erfordert es eine massive Investition in Schul- und Weiterbildung.

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