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Gräfin Irmgards Weihnachtswunder

von Alma Mühlhausen

Dort, wo der Eschbach seine Wasser wie silberne Rösslein der Wupper zuführt, und von der Höhe Schloss Burg als stolzes Wahrzeichen des Bergischen Landes grüßt, klebt am Bergabhang die Ruine eines Wohnhauses, während sich an das Ufer des Teiches, der Wolken und Sternen ein Spiegel ist, das zerbröckelte Mauerwerk einer Schmiede lehnt. Still und verlassen liegt die Stätte, und nur der Wald, der mit seinen Tannen, Eichen und Buchen die Höhe hinaufklettert, ist Freund und Nachbar des Fleckchens. Und doch hat hier einmal frohes, fleißiges Leben geschafft und gewirkt.

Dann ist alles anders gekommen. Der letzte Besitzer ist ein wüster, unguter Geselle gewesen, der mit den ehrlichen bergischen Menschen, die wohl eine rauhe Schale, aber ein Herz voll der schönsten Heimatlieder haben, nichts gemein hatte. Die brave Lene, die Frau des Hammerschmiedes, deren Ehe ein wahres Martyrium gewesen war, ruhte längst auf dem kleinen Friedhof, der sich an das graue Kirchlein schmiegte. Mit dem Schmied aber war es seitdem noch schlimmer geworden. Sein Lästern und Fluchen übertönte zuweilen das Pochen des Hammers. Wehe den Kindern, die das Blumenpflücken auf der nahen Bergwiese in die Nähe der Schmiede führte, mit dem drohenden Hammer jagte sie der Bösewicht fort.

Es war an einem Wintertag, kurz vor Weihnachten. Der Bergwald hatte zu Ehren des nahen Christfestes ein weißes Gewand angezogen, und die Zinnen der Grafenburg trugen Kapuzen aus weißem Flaum. Die Hammer- und Kottenteiche waren mit einer Eiskristalldecke geschmückt, und der nimmermüde Bach hatte silberne Uferränder.

Als der Abend seine Dämmerschatten ausgebreitet und der Mond seine Wache inmitten der goldenen Sterne bezogen hatte, legte der Schmied den Hammer beiseite und verließ die Schmiede. Kaum hatte er die Stube betreten, als es schüchtern an der Tür klopfte und zwei Kinder eintraten. „Was wollt ihr hier! Schert euch raus", schrie ihnen der Schmied entgegen. Während der Junge etwas trotzig die Lippen schürzte, sagte das Mädchen mit tränendunklen Augen: „Ach, bitte, kaufen Sie uns doch einen Reisigbesen ab, unser Vater ist krank, und wir haben nicht einmal Brot im Hause. Das werden für uns traurige Weihnachten geben." „Was schert mich die Faulheit eures Vaters und gar das vermaledeite Christfest. Schert euch raus", fuhr sie der Wüterich an und drang mit erhobenem Arm auf die Kinder ein, die erschrocken hinauseilten.

Draußen stolperte das Mädchen, und der Reisigbesen mitsamt dem Krippenbildchen, das ihm eine mitleidige Frau geschenkt hatte, fielen zu Boden. In seiner Angst vor dem bösen Schmied ließ das Kind die Sachen liegen und eilte mit seinem Brüderchen fort.

Eine Stunde vermochte vergangen sein, als es den Schmied nach draußen trieb. Im Mondlicht sah er auf den Stufen das Krippenbildchen liegen. Hohnlachend hob er es auf und schleuderte es mit einem lästerhaften Fluch gegen Gott in den Hammerteich. Doch da geschah etwas Furchtbares: Ein Blitz, dem ein heftiger Donnerschlag folgte, fuhr aus goldenem Sternenhimmel zur Erde nieder, und Schmiede und Haus versanken mit dem Gottlosen in der Tiefe.

Am nächsten Morgen standen die Menschen, von Entsetzen geschüttelt, an der Stelle, an der gestern noch das Haus und die Schmiede gestanden hatten. Wo war der Schmied? Niemand wusste es. Ein später Wanderer aber, der nachts die Stätte passierte, wollte aus dem Dunkel eine Stimme vuernommen haben, die „Weh, weh mir Armen" gerufen hätte.

Jahrhunderte vergingen, doch das Grauen um den Schmied lebte im Volke weiter. Mancher, den sein Weg zu später Stunde durch den Bergwald führte, wollte deutlich ein Wimmern „Weh, weh mir Armen", gehört haben, das von dem zur Ruhelosigkeit verdammten Schmied herrühre. Und doch sollte er Erlösung durch ein Wunder finden, das sich zur Weihnachtszeit an ihm vollzog.

Um die Mauern der Grafenburg raunte zur Vorweihnachtszeit noch ein anderes Märchen, das von einer Burgfrau zu erzählen wusste, die aus Dankbarkeit darüber, dass ihr Knäblein kurz vor dem Christfest von tödlicher Krankheit genesen war, allen Armen ihrer Grafschaft Wunder an Barmherzigkeit geschenkt hatte. Und im Efeu, der sich an dem stolzen Bergfried hochrankte, flüsterte der Wind, dass Gräfin Irmgard auch heute noch zur Vorweihnachts-zeit durch die Wälder der Heimat schreite, und wo sie armen, braven Menschen begegne, die ihrer Hilfe bedurften, ihnen ihr Weihnachtswunder schenke. So ist sie dann auch eines Nachts dem Schmied begegnet, als er wieder sein „Weh, weh mir Armen" durch den Bergwald schrie. Beim Anblick der gütigen Burgfrau ist der Ruhelose auf die Knie gesunken und hat um Erlösung und Vergebung gebeten.

„Steh auf, vor Gott nur soll man knien", sagte Gräfin Irmgard. „Weil du bereust, will ich dich erlösen." Und indem sie den Schmied aufstehen hieß, fuhr sie fort: „Noch einmal darfst du dein Haus und deine Schmiede sehen, bevor die Ruhe des Grabes deine unstete Jagd beendet."

Von schwerer Qual befreit, kehrte der Schmied an die Stätte seines einstigen Wirkens zurück. Und, o Wunder! Da stand sein Haus unversehrt, und aus der Schmiede drang der Schein des Herdfeuers. Da hat der Erlöste noch einmal das Eisen auf dem Amboss klingen lassen, dann ist er tot umgefallen. Am andern Morgen fanden den unbekannten Toten die Bewohner des Tals und haben ihm ein würdiges Begräbnis gegeben. Seitdem hat er Ruhe im Grabe gefunden.

Das Märchen vom Weihnachtswunder der Gräfin Irmgard aber raunt noch heute zur Weihnachtszeit um die Mauern der Grafenburg.

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