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Alte Schmiede hat endlich wieder eine sichere Zukunft

Die Wurzeln der Eisen- und Kleineisen-Verarbeitung in Remscheid reichen bis ins Mittelalter zurück. Gar so alt ist das anderthalbgeschossige Gebäude aus Fachwerk und Ziegeln nicht, mit dem sich diese Woche der Bauausschuss und die Bezirksvertretung (BV) Süd beschäftigten: Die Schmiede Baisiepen, in der Hofschaft Baisiepen unterhalb der Baisieper Straße gelegen. Sie spiegelt, wie es die Verwaltung in einer Vorlage für beide Gremien beschreibt, „in ihrem charakteristischen baulichen Ausdruck sowohl die funktionsorientierte Architektur des 19. Jahrhunderts, als auch die der frühen 1920er Jahre wider.

Wird derzeit restauriert: Die alte Schmiede Baisiepen. Foto (M) : Lothar Kaiser

Deshalb möchten die Denkmalschützer die Schmiede gerne erhalten wissen. Und nach Jahren des Verfalls steht nunmehr fest: Die Schmiede hat eine Zukunft – als Wohnhaus und Architektenbüro. Die Restaurierungsarbeiten haben bereits begonnen. Und die Politik tat in dieser Woche das Ihrige, um dem Projekt zum Erfolg zu verhelfen: Sie stimmte einer Absenkung der Fahrbahn im Bereich der Schmiede zu und dem Bau einer kleinen Trennmauer zwischen Straße und Grundstück. Auf diese Weise stehen künftig die Holzbalken frei, auf denen das Gebäude ruht. Andernfalls würden sie vermodern und müssten immer wieder kostspielig ausgewechselt werden. Die Verwaltungsvorlage beleuchtet einen wichtigen Teil der Remscheider Industriegeschichte:

„Der Schwerpunkt des Remscheider Eisengewerbes lag bei der Herstellung von Werkzeugmaschinen und manuell geführtem Werkzeug (u. a. Feilen, Sägen, Maschinenmesser, Hämmer und Zangen). 1922 wiesen die Remscheider Musterbücher über dreihundert verschiedene Artikel auf, die wiederum in zahlreichen Spezifikationen (alleine vierhundert verschiedene Bohrer!) hergestellt wurden. Zu dieser Zeit existierten neben den vier Großbetrieben Alexanderwerk", Bergische Stahlindustrie", Glockenstahlwerk Lindenberg" und Mannesmann" etwa 1.200 Mittel- und Kleinbetriebe. Beispielsweise wurden in einhundertfünfzig Betrieben Feilen hergestellt, an einhundertsechzig Standorten produzierte man Sägen und Maschinenmesser und in immerhin fünfundzwanzig Fabriken entstanden Schlittschuhe.

In zehn Walzwerken und fünfzig Hammerwerken wurde Stahl für die nachfolgende Fertigung bearbeitet. Ausgedehnte Fabrikareale blieben auf die wenigen Großbetriebe beschränkt. Insgesamt war das Stadt- und Ortsbild heterogen mit Gewerbe-, Geschäfts- und Wohngebäuden sowie Grün- und Freiflächen durchsetzt. Das Arbeiten und das Wohnen lagen nahe beieinander, wie das auf der gegenüberliegenden Straßenseite gelegene Wohnhaus mit weiteren Nutzbauten nachweist.

Bis in unsere Zeit ist von dieser charakteristisch - historischen, kleingewerblichen Prägung sehr viel verloren gegangen. Die Gründe sind vielschichtig und als Stichworte seien nur genannt Kriegszerstörungen, Strukturwandel, Wettbewerb, Kostendruck und Abriss. Auch die Remscheider Denkmalliste spiegelt diesen Umstand insofern wider, als im Bereich der Baudenkmäler nur etwa knapp drei Prozent unmittelbar den technikgeschichtlich-kleingewerblichen Bautypen zugeordnet werden können. Aus der Liste der Bodendenkmäler können immerhin etwa fünfundsiebzig Prozent zumindest den frühindustriellen Standorten zugewiesen werden, die häufig noch eine Nutzungskontinuität bis in das 20. Jahrhundert aufwiesen, bevor sie schließlich aufgelassen wurden.

Die Schmiede Baisiepen stellt vor dem geschilderten Hintergrund aus denkmalpflegerischer Sicht ein besonders gefährdetes Baudenkmal dar. Bereits von 1998 an bemühten sich der frühere Eigentümer, das Rheinische Amt für Denkmalpflege und die Untere Denkmalbehörde erfolglos um eine Erhaltungs- und Nutzungsperspektive der schon langjährig leer stehenden Anlage. Eine letzte Chance für den Erhalt zeichnet sich nun durch die Initiative der neuen Eigentümer ab.

Aufgrund der schlechten Bausubstanz ist eine besonders vorsichtige Restaurierung und Instandsetzung vonnöten, die eine sensible, versierte und qualitätsvolle Vorgehensweise erfordert. Erste Maßnahmen wurden bereits zur konstruktiven Sicherung des Dachstuhls ergriffen und der Feuchteeintrag in das Gebäude wurde reduziert. Schritt für Schritt folgen weitere Maßnahmen. Das Land Nordrhein-Westfalen hat, vertreten durch das Bauministerium, die Wertigkeit des Baudenkmals und seine notwendige Erhaltung erkannt und fördert die Instandsetzung mit finanziellen Mitteln.

 

Die Notwendigkeit für einen Eingriff in den Straßenraum der Straße Baisiepen im unmittelbaren Bereich der ehemaligen Schmiede ergibt sich aus folgenden Gründen:

  • Das Gebäude Baisiepen 10 grenzt unmittelbar an den Straßenraum. Es ist weder ein Gehweg noch ein sonstiger Schutzstreifen vorhanden.
  • Der Eingang zu dem Hauptgebäude ist zur Straße hin gelegen.
  • Historische Details wie z.B. nach außen aufschlagende Fenster und die nach außen aufzuschlagende Haustür vertragen sich nicht mit einem nach heutigen Gesichtspunkten gestalteten Straßenraum.
  • Eine verkehrliche Beruhigung im unmittelbaren Nahbereich beider Baudenkmäler, also des gesamten Gebäudeensembles, kann indirekt einen Beitrag zur baulichen Sicherung und Substanzerhaltung leisten, da der Eintrag von zerstörerisch wirkenden Vibrationen gemindert wird.
  • Die Straße Baisiepen ist in dem fraglichen Streckenabschnitt höher als das Hauptgebäude gelegen. Die vorhandene Haustür war daher bereits seit geraumer Zeit nicht mehr nutzbar, außerdem führte eindringendes Oberflächenwasser zu einer weiteren Schädigung der Haussubstanz.

Geplant ist, den Straßenraum unmittelbar vor dem Gebäude Baisiepen 10 auf einer Breite von max. 1,50 m um 40 cm tiefer zu legen. Die Abtrennung des dann gegenüber dem restlichen Straßenniveau um 40 cm tiefer liegenden Gehweges, der im Übrigen ohne Treppenstufen anzulegen ist, von dem befahrbaren Straßenraum erfolgt durch eine Mauer (L-Steine) mit aufgesetztem Geländer. Der restliche Straßenraum, begrenzt durch eine vor der Mauer und dem Hochbord aufzubringende Fahrbahnrandmarkierung, beträgt ca. 3,5 m. Die Kosten für diese beschriebenen Maßnahmen trägt der Investor.“

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Kommentare

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Christel Otto am :

Ich möchte den Vorschlag machen, die Baisieperstrasse zu einem verkehrsberuhigten Bereich zu machen. Die anliegenden Seitenstrasse sind es schon. Die Baisieperstrasse ist auch oberhalb der alten Schmiede viel zu schmal, um sie eine Strasse nennen zu können. Weswegen sie auch keinen Mittelstreifen hat. Die Richtgeschwindigkeit wird häufig ignoriert, und an der Schmiede wird schon "Anlauf" genommen, um den Berg hochzukommen. Es kommt auch immer wieder vor, dass Kleintransporter, manchmal auch Llw, diese "Abkürzung" nach Bergisch Born benutzen. Mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung und Poller wäre bestimmt der alten Schmiede und allen Anwohnern geholfen.

Chronist am :

Der Rheinische Preis für Denkmalpflege 2010 geht nach Remscheid. Den vom Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes NRW ausgelobten und mit 7.000 Euro dotierten Preis erhalten die Architekten Sophie und Christof Welke für die vorbildliche Sanierung der historischen Feilenschmiede Baisiepen. Minister Harry K. Voigtsberger wird den Preis am Sonntag, 21. November, um 10.30 Uhr in der Aula des Röntgen-Gymnasiums an Sophie und Christof Welke überreichen.

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