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Neuer Schilderbaum und für den OB ein Cowboyhut

Gestern wurde der Schilderbaum offiziell eingeweiht.

Wie weit es von Remscheid bis in die Partnerschaftsstädte und bis nach Schmalkalden ist (Luftlinie), lässt sich seit gestern auf dem Bahnhofsvorplatz an einem Schilderbaum ablesen. Er zeigt sogar die Himmelsrichtung an, Ashington und Newbiggin in England, Kırşehir in der Türkei), der polnische Landkreis Mragovo, Slowakei Prešov (Slowakei), Quimper (Frankreich) und Pirna (Sachsen) liegen. Mit einem Band und Scheren weihten Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz und die Gäste aus den Partnerschaften den neuen Schilderbaum gestern Nachmittag offiziell ein.

Beim Empfang der Gäste im Rathaus hatte der OB zuvor die Bedeutung von Partnerschaften über Grenzen hinweg betont: „Wir erleben derzeit leider immer häufiger, dass die großartige Idee eines gemeinsamen Europas in Frage gestellt wird. In allen Ländern - auch hier in Deutschland - werden die Chancen eines Kontinents ohne Grenzen, ein Kontinent der Freizügigkeit, als Problem gesehen. Die Diskussion um den Umgang mit den vielen Geflüchteten, die seit Jahren an Europas Grenzen stehen, hat diesen Prozess noch befeuert. Ich muss feststellen, dass Europa hier leider vollkommen versagt. Nicht über die Lösung von Fluchtursachen Krieg, Armut, Ausbeutung und Folgen des Klimawandels stehen im Mittelpunkt, sondern Abschottung und die Schaffung neuer Grenzen. Das Ziel eines geeinten Europas darf aber nicht in Frage gestellt werden. Das sind wir- insbesondere wir Deutschen - unserer Geschichte schuldig. Im vergangenen Jahrhundert sind zwei mörderische Kriege vom deutschen Boden ausgegangen“

Geschichte ohne Zukunft sei perspektivlos, Zukunft ohne Geschichte bodenlos, betonte der OB in seiner Rede im Großen Sitzungssaal des Rathauses. „Wir stehen in der Verantwortung, alles dafür zu tun, um Freiheit und Offenheit in die kommenden Generationen zu tragen. Wir brauchen keine neuen Konflikte und Handelskriege. Porzellan, das einmal zerbrochen wurde, lässt sich nur schwer wieder kitten. Unsere Städtepartnerschaften sind ein wertvolles Zeichen für die europäische Idee. Jede einzelne Partnerschaft hat ihre eigene Geschichte. Die Versöhnung nach dem 2. Weltkrieg war Triebfeder für die Partnerschaften mit Quimper und Ashington und Newbiggin, in Nachfolge für den ehemaligen Distrikt Wandsbek, Prešov steht für das Ende des kalten Krieges, Mragovo für die Herkunft vieler Älterer, deren Familien aus dem ehemaligen Sensburg stammen, Pirna für das Ende der deutsch-deutschen Teilung, Kırşehir für die vielen, die aus der Türkei zu uns gekommen sind und seit Jahrzehnten beide Städte als Heimat bezeichnen.“

Remscheid sei eine Stadt, in der Menschen aus über 120 Ländern ihre Heimat gefunden haben. Darauf sei er sehr stolz, fuhr Mast-Weisz fort. „Wir stehen hier vor Ort, alles dafür zu tun, dass dieses Miteinander auch künftig trägt. Wir müssen alles dafür tun, dass das schleichende Gift der Abschottung und Ausgrenzung in unserer Stadt, in allen Städten, nicht zur Wirkung kommt!“

Der Bürgermeister von Kırşehir, Yasar Bahceci, unterstrich die große Bedeutung von Partnerschaften über Grenzen hinweg ebenfalls. Daran sollten die Kommunen ungeachtet „höherer Politik“ festhalten. Den Remscheider Mitbürgerinnen und Mitbürgern mit türkischem Migrationshintergrund empfahl er, die deutsche Sprache zu erlernen, sich weiterzubilden und als Teil dieser Gesellschaft zu betrachten. Deutsche und Türken sollten sich besser kennenlernen. „Vorurteile oder Ausgrenzung helfen da nicht weiter!“ Phililppe Calvez aus Quimper sah das nicht anders: „Städtepartnerschaften wir unsere sind Ruhepole in instabilen Zeiten!“

Aus den Reihen der Gastgeschenke, die der OB beim Empfang im Rathaus entgegennahm, bevor er sich revanchierte und zudem dazu einlud, sich ins Goldene Buch der Stadt einzutragen, ragte ein Geschenk besonders heraus – es war ein Cowboyhut aus schwarzem Leder. Den hatte der polnische Landrat Polen Antoni Karas mitgebracht, weil demnächst in Mragovo („wo viele Cowboys leben“) ein großes Country-Festival anstehe, das man bereits seit 30 Jahren feiere.

Eckhard Lang, Bürgermeister von Pirna, berichtete, dass in Ostdeutschland „viele nach der Wiedervereinigung gegründeten deutsch-deutschen Städtepartnerschaften heute nicht mehr aktiv sind. Viele Partnerschaften ringen mit dem nahenden Generationenwechsel. Umso mehr wünsche ich mir, dass es uns gelingen wird, auch die jüngeren Generationen für unsere Partnerschaft zu begeistern, so dass sie noch lange fortbestehen kann und immer auch daran erinnern wird, dass wir einst mit unserer Freundschaft ein Zeichen für eine neue Zeit gesetzt haben.  Den Grundstein dazu können wir wiederum nur gemeinsam legen indem wir die anstehenden Herausforderungen im vertrauensvollen Umgang miteinander meistern!“

Majorie Chambers, Bürgermeisterin von Ashington, erinnerte am Mittag im Rathaus daran,  dass es sich bei der Beziehung zwischen Remscheid und Ashington um eine der ältesten und mittlerweile längsten formellen Städtepartnerschaften zwischen beiden Ländern handele, ursprünglich 1952 gegründet. „Nach einer unsicheren Zeit in Ashington mit der Abschaffung des ehemaligen Bezirksrats von Wansbeck im Jahr 2009 war ich erfreut und stolz, Teil der Ashington-Delegation zu sein, die im August 2015 Remscheid besuchte, um der neuen formellen Städtepartnerschaft zuzustimmen und sie zu unterzeichnen. Trotz der Bereitschaft des Vereinigten Königreichs, sich jetzt von der Europäischen Union zu distanzieren, seien Sie versichert, dass das Engagement und die Entschlossenheit von Ashington, unsere besondere Freundschaft beizubehalten, stark ist und so künftig auch wird.“ Die Bürgermeistern zeigte sich „zuversichtlich und sicher, dass es in vielen Bereichen in den kommenden Jahren einen Austausch zwischen unseren Kommunen geben wird“.

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