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Altbergische Blumenspiele

von Alma Mühlhausen

Orakelnd stand sie am Wiesenrand, und Blättlein um Blättlein rupfte die Hand. Dabei hat sie leise ihr Verslein gesagt, doch als sie das letzte Blatt hat gefragt, jauchzte sie laut in den Sommernwind: „Er liebt dich", sagte das Blumenkind.

Wie so manches Sinnig-Schöne, ist auch das Orakeln mit der Margaretenblume nahezu verweht. Unsere laute, nüchterne Zeit lehnt das Spiel mit dem Blütenkränzchen als altmodisch ab. Und doch war es immer so nett, wenn Kinder, die weißen Blättchen rupfend, am Wiesensaum standen und ihr Sprüchlein sagten. Im Bergischen lautete es allgemein so:

Edelmann — Bedelmann — Kuopmann — Paschtour — Dokter — Apethi'eker — Tambuor — Majuor. Fröhliches Kinderlachen flog allemal mit dem letzten Blättchen über die Flur, wenn sich die Kinderschar ihre Orakelergebnisse zurief. So vertrieben sich die Schulmädchen mit dem lieblichen Spiel in der sommerlichen Natur manche Stunde und freuten sich königlich dabei. Die erwachsenen Mädchen hingegen flüsterten ein anderes Orakelverschen, wenn sie das Strahlenkränzchen der Margaretenblume befragten: „Er liebt mich — von Herzen — ganz innig — mit Schmerzen — ein wenig — gar nicht". Da zuckte wohl manches junge Lippenpaar in verhaltenem Weh, wenn das Auge die letzten Blättchen überflog und die Antwort „Gar nicht" erfasste. Verriet das Blättchen aber „Er liebt mich", dann war der Jubel bei der Glücklichen gwiss, und übermütig flog das goldene Kelchlein auf die Erde, und der Sommerwind trug es mit dem Mädchenlachen weit hinaus.

Selten, sehr selten trifft man noch Kinder oder Erwachsene orakelnd mit einer Margaretenblume an. Was früher auf Spaziergängen ein oft geschautes und sich doch immer wieder als ein reizvolles Bild uns bot, ist heute verweht. Auch das Pusteblümchenspiel war reizend in seiner Art. Hier durften auch die Jungens mitsein. Die Bezeichnung „Pusteblümchen" war uns allerdings fremd. Da hieß der Löwenzahn im Bergischen „Kettenbluom", und wenn sich das Leuchtgold der Blüte in eine milchige, spinnwebfeine Kugel verwandelt hatte, nannten wir sie „Lampenbluom" oder auch wohl „Lampenputzer".

Das Spiel aber mit dieser Blume hieß „Lampeutblosen". Wer von den Mitspielern mit einer einzigen Puste die Lampe so restlos ausblasen konnte, dass nicht ein einziges Silberfädchen mehr zu sehen war, galt als der beste „Lampenutblöser". Ein weiteres abwechslungsreiches Freizeituergnügen lieferte uns die „Sumpf­dotterblume" (Botterbluom). Jedes Kind im Spielkreis musste eine Butterblume unters Kinn halten. Das Kind aber, das „dran" war, ging reihum und sah nach, wessen Blume den größten goldenen Fleck unters Kinn spiegelte. Wenn dies festgestellt war, rief der „Nohkieker": „Du haß am decksten de Botter geschmeert." Unter fröhlichem Lachen wurde dann mit Fingern auf die „Ertappte" gezeigt und die Worte im Chor wiederholt. So ging das Spiel mitunter stundenlang weiter, und der „Nohkieker" war jedesmal derjenige, der zu dick die Butter geschmiert hatte.

Heute sind diese reizvollen Blumenspiele verweht, und mit ihnen verwehte jahrhundertealtes bergisches Brauchtum. Schade drum!

(aus: „Der Heimat zur Ehre. Bergischen Anekdoten und Geschichten“, 1960, von Alma Mühlhausen. Mit freundlicher Nachdruckgenehmigung der Erbin Erika Kleuser)

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