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Lene und der „Schmettenknüesel"

von Alma Mühlhausen

Wer es noch nicht wusste, dem sagte es die Krügersche, wenn sie morgens die Brötchen im Hof austrug, „dat et Siepersch Lene en fasten Jongen ut Wermelskerken amgang har". Auch dass der Jung auf dem Kontor war „on sing Aulen en Staats i'egen Hus hären", erzählte et Krügersch Betta seinen Brötchenkunden, die dankbar diese Neuigkeit aufnahmen.

Franz Sieper, der im Hof einen „Schmeermenkel" besaß — Spezereiwarenhandlung nannte Lene den Laden, in dem die Hofbewohner ihre Einkäufe tätigten —, war anfangs mit der Wahl seiner Tochter nicht so recht einverstanden gewesen, da man ihm den jungen Mann als einen „Opschnieder" geschildert hatte, der allen Frauensleuten nachliefe. Gar manchen Auftritt hatte es schon gegeben, wenn sonntags das Flötsignal des Wermelskircheners „Blau blüht ein Blümelein" Lene nach draußen rief. Auch bei den Hofburschen war Lenes Auserwählter unangenehm aufgefallen. Das war, als er mit Lene das Turnfest besuchte und ihr verbot, mit den Remscheider „Dropschlegern" zu tanzen. Die jungen Leute, denen man diese Äußerungen hinterbracht hatte, fühlten sich in ihrer Berufsehre gekränkt und schworen Rache. Davon sollte auch Lene ihr Teil mitbekommen, da auch sie im Hof wegen ihrer Hoffart wenig beliebt war.Lene hatte es mit der Zeit fertiggebracht, den Widerstand ihres Vaters zu besiegen, indem sie ihm solange zusetzte, bis er es Adolf erlaubte, ins Haus zu kommen, da auch die Laube im Gattschen keine Sicherheit für ein ungestörtes Beisammensein mehr bot. Lene durchfuhr stets ein Schrecken, wenn sie an den Abend dachte, an dem man die Laube mit Schrottbomben belegt hatte. Der Siepers Franz aber schimpfte in allen Tonarten seiner bergischen Kraftausdrücke, als er anderntags die alten Pötte aus seinem gepflegten Gattschen schleppen musste. Und als eines Samstags Adolfs Freunde erschienen, um ihren Landsmann zu rächen, entbrannte eine regelrechte Spazierstockschlacht.

So standen die Dinge, als an einem Sonntag die Krügersche bei Siepers „hintenrum" erschien, um Brezeln und Zucker zu holen. Als die Kundin ihre Sachen bekommen hatte, sagte sie: „Lene, ech well dir es gett em Vertrouen sagen. Se hant dö Nowend vüer, dienen Jongen om Hi'emweg derart te verhauen, datte i'en vörr allemol et Kuomen vergett. Du wi'es nu Beschi'ed". Kaum hatte sich die Krügersche entfernt, weckte Lene ihre Eltern aus dem Ennonger und berichtete ihnen von dem geplanten Attentat. „O Goddegoddegott", rief Lenes Mutter, „vier weellen et dr Polleze'i sagen." „Wat?", schrie der alte Sieper, „ech sall mr öm dat doll Dier on sing Fre'iere'i de Konden verdriewen? Ne, ne, de Polleze'i bliet ut demm Spell." Als der Adolf davon erfuhr, meinte er wegwerfend: „Lassense nur kommen. Ich bin nicht bang vor denen." Doch die Blässe seines Gesichtes strafte seine Worte Lügen.

Vater Sieper, der eine Zeitlang nachdenklich in der Ecke des ledernen Kanapes gesessen hatte, sprang plötzlich auf und rief: „Ech han et! Passend es op" — Um die elfte Abendstunde trat aus der Sieperschen Haustür Franz Sieper mit einer Dame und ging eilig mit ihr wegabwärts. Am Ausgang des „Strötschens" verabschiedete er sich von der Dame und sagte leise: „Jetzt bössde wiet genog, Jong, nu sorg, datte hi'emkömms." Und der als Frau verkleidete Adolf schritt rasch dem Tale zu.

Der Maskierte hatte bereits unangefochten das „Stoller Look" hinter sich, als er an einer Wegbiegung im Gestrüpp sich der Frauenkleidung entledigte. Rasch waren der rüschenbesetzte Rock, die weiße Battistbluse und der federgeschmückte Hut zu einem Bündel zusammengerollt. Aufatmend wollte sich Adolf soeben entfernen, als ihn ein tolles Gelächter an der Stelle festhielt. Da kam es dem Überlisteten zum Bewusstsein, dass der Mond nicht der einzige Zuschauer gewesen war. Während einer der „Schmettenknüeseln" das Bündel an sich nahm, verdroschen die anderen den Geknickten regelrecht auf bergische Art.

Am nächsten Morgen bot sich den Nachbarn des Sieperschen Anwesens ein ergötzliches Bild: Im Geäst des Nussbaumes hingen, weit ausgebreitet, Lenes Kleidungsstücke, während an der Haustür ihr Federhut hing, darauf ein Zettel mit den Worten: „Blau blüht ein Blümelein". — Am Wochenende aber erzählte die Krügersche ihren Brötchenkunden, „dat et met demm Siepersch Lene on demm Kommis ut wöer". Um das Flötensignal „Blau blüht ein Blümelein" wurde es still, und et Lene hat sich später mit einem der „Schmettenknüeseln" getröstet. (aus: „Der Heimat zur Ehre. Bergischen Anekdoten und Geschichten“, 1960, von Alma Mühlhausen. Mit freundlicher Nachdruckgenehmigung der Erbin Erika Kleuser)

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