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Wenn die Scholle spricht

von Alma Mühlhausen

In Gedanken versunken stand Heinrich L. mit seinem Freund und Nachbarn vor seinen Bienenstöcken und ließ seinen Blick über den Garten schweifen. Das würde ein schönes Stück Arbeit kosten, hier Ordnung zu schaffen. Als hätte der Freund seine Gedanken erraten, sagte er: „Hendrech, wüed dir dat met dr Tied nit te völl, dat hie en Oenengk te haulen? Ding Frau kann dir doch bestemmt nit mihr hölpen." „Ming Frau? Ne, Otto, die kann koum ehr Husarbet noch donn. Ech mot es senn, wat ech met dr Tied maak." Eine Weile schmiegen die Männer, dann meinte der Freund, es sei doch eine Sünde und Schande, dass der Werner damals nach Amerika ging, da er doch das schöne elterliche Anwesen hier hatte. Traurig wäre das. „Aber", zitierte er den Sinnspruch, „des Menschen Wille ist sein Himmelreich". Heinrich nickte. ,,jo", sagte er, „van Kengk ahn heet he alt sonn doll Tuen em Koppe gehatt. Do kuon mr nix drahn maaken. Äwer, Otto, ech well dr es gett sagen: „I'eh dat ech alles verkuomen lot, verkuop ech denn ganzen Krempel hie. Et es jezz noch alles nett en Oenengk. Twei Stüevker haul ech förr mech on ming Frau."

Der Freund schüttelte den Kopf. „Hendrech", meinte er, „mr kann et nit begriepen. Heärsch du doch noch i'en Kengk dobie! Dann wöer alles angersch! Äwer schriewen motste demm Werner dat met demm Verkuopen. Äwer kott on böngeg märr."

Werner L., den das Fernweh in die Welt getrieben, hatte die Auffassung gehegt, dass er seine Kräfte nur draußen voll entfalten könnte, nicht in der Enge seines Elternhauses. Und so trat er eines Tages mit dem Wunsch vor die Eltern, man solle ihn nach Amerika fahren lassen. Dort, in der Neuen Welt, wolle er sich eine Existenz aufbauen. Die Tränen der Mutter und die Vorhaltungen des Vaters konnten Werners Vorhaben nicht vereiteln. Und so kam es, wie es kommen musste:

Das war vor zwanzig Jahren gewesen. Doch so leicht, wie Werner es sich vorgestellt hatte, ging es nicht. Schwer musste er anfangs kämpfen, und erst im Laufe der Jahre hatte sich der bergische Junge eine Existenz gebaut, die ihn und seine Familie sorgenfrei leben ließ. Doch Reichtümer konnte er nicht häufen. Auch zu einer Reise nach Deutschland mit Frau und drei Kindern hatte es bisher noch nicht gelangt. Werners Frau war eine geborene Deutsche und wünschte nichts sehnlicher, als ihr Vaterland einmal wiederzusehen. Das einzige, was das Ehepaar mit der Heimat verband, war der Briefwechsel mit den Eltern. So wurde die Reise von Jahr zu Jahr verschoben. Dann traf eines Tages ein Brief von Werners Vater ein, dessen Inhalt dem Sohne die Absicht des Vaters mitteilte, sein Anwesen wegen seines Alters und der Krankheit der Mutter zu verkaufen. Diese Nachricht erschütterte Werner sehr, und das all die Jahre zurückgedrängte Heimatgefühl erfüllte ihn nun mit aller Stärke. Tagelang ging Werner mit schweren Gedanken belastet einher. Er sah sein Elternhaus zwischen den grünen Hecken stehen. Sah sich als Kind durch den Baumhof tollen, und alte, vertraute Bilder und Klänge erwachten wieder zum Leben. Und die Gewissheit erfüllte sein Herz, dass es die Heimatscholle selbst war, die zu ihm sprach und ihren Sohn wieder nach Hause rief. Als der Frau das veränderte Wesen ihres Mannes auffiel und sie die Frage stellte nach der Ursache, gab ihr Werner des Vaters Brief zu lesen. Dann machte er sie mit dem Plan bekannt, hier alles zu verkaufen und nach Deutschland zurückzukehren, damit sein Elternhaus nicht in fremde Hände gerate. Fassungslos starrte die Frau ihren Mann an; „Nach Deutschland zurück? Ist das dein Ernst?" Werner nickte, und ein heller Schein flog über seine Züge, als er erwiderte: „Noch heute schreibe ich den Eltern, dass wir bald für immer kommen und ihnen drei Enkelkinder mitbringen, die sie nur von Bildern her kennen, und bis zu ihrem Eintreffen Platz in dem lieben alten Schieferhause machen sollten.

Eines Morgens trat Heinrich L. in die Stube seines Freundes und hielt ihm einen Brief entgegen. „Hie, lees es", bat er den Freund, „derr es vam Jongen ut Amerika." „Sühste, Hendrecfi, nu es he doch noch te Verstangk gekuomen", freute sich der Freund. „On sing Frau on dre'i Enkelkenger brängt he noch met", strahlte der glückliche Großvater. „En dre'i Monaten es he hie, do kann he noch die Meälen en dr Heegen flüeten hüeren, denn luohrden he emmer su geän. jo, Otto, dat gött Lernen ennet Hus. Doch nu mot ech gönn, do gött et noch allerhangk te donn, ming Frau es reng ut demm Hüsken." Und wie verjüngt schritt Heinrich beschwingt seinem Hause zu. (aus: „Der Heimat zur Ehre. Bergischen Anekdoten und Geschichten“, 1960, von Alma Mühlhausen. Mit freundlicher Nachdruckgenehmigung der Erbin Erika Kleuser)

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