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Zwei bergische Anekdoten

von Alma Mühlhausen

Schwarze Kohlen

Eines Morgens, als Arnold Mannesmann über den Fabrikhof ging, gewahrte er einen altern Arbeiter, der Kohlen schippte. Jovial, wie der Fabrikherr stets war, blieb er bei dem Mann stehen und fragte: „Schmetz, wie sind die Kohlen?" „Schwatt, Herr Mannesmann", erwiderte der luppige Schmitz, der schon an die dreißig Jahre bei der Firma war.

Arnold Mannesmann ging, über die Antwort empört, weiter. Doch nach einigen Schritten kehrte er um und sagte: „Schmetz, en vi'eti'ehn Daagen es ehr Tied öm."

„]o, Herr Mannesmann", nickte Schmitz und schippte weiter. Als der Fabrikherr nach einer halben Stunde zurückkam, blieb er wiederum vor dem Kohlenhaufen stehen und nach einer Weile des Nachdenkens, dieweil Schmitz ununterbrochen schippte, fragte Arnold Mannesmann: „Schmetz, können Sie mir nu sagen, wie die Kohlen sind?" „Noch emmer schwatt, Herr Mannesmann."

„Do soll doch en Donnerkiel drenschlonn. Können Sie mir gi'enen angern Beschi'ed gewen?"

„Ne, Herr Mannesmann, miehr wi'et ech nit. Äwer datse schwatt sind, dat kann ech senn."

„Wi'etense wat Sie sind? En opsässegen Keäl sindse. On en vi'eti'ehn Daagen es ehr Tied öm."

,,Jo", nickte der Schmitz wieder und schippte seelenruhig weiter.

Als die Fabrikflöte die Mittagspause ankündigte, legte Schmitz seine Schaufel hin und ging zum Mittagessen. Am Fabriktor stieß er auf seinen Arbeitgeber. „Schmetz", hielt ihn dieser zurück, „ech well Ihnen denn Appetit nit verderwen. Dat met derr Köndegongk nehm ech retuor."

„Och, Herr Mannesmann", lächelte der Luppekus, „an die Köndegongk han ech sowiesu nit geglaut. Mr kann doch nit dofür bestraft weären, dat mr de Wohrhet seht. Uder woeren die Kohlen ole'its nit schwatt?"

(aus: „Der Heimat zur Ehre. Bergischen Anekdoten und Geschichten“, 1960, von Alma Mühlhausen. Mit freundlicher Nachdruckgenehmigung der Erbin Erika Kleuser)

Kann ech denn Mannesmann es kallen?

An einem Montagmorgen, just zur Frühstüchszeit, klopfte es an die Kontortür der Firma A. Mannesmann. Auf das Herein des Prokuristen Funkenhaus schob sich Robert Vosswinkel, genannt die „Vusswenkels Naas" durch die Tür. „Kann ech denn Mannesmann es kallen?" fragte die Naas. „Dann gehen Sie nebenan ins Privatkontor, dort ist der Chef", beschied ihn Herr Funkenhaus.

Arnold Mannesmann war sehr erstaunt, seinen Feilenhauer zu solch ungewöhnlicher Zeit hier zu sehen und gab diesem Erstaunen auch Ausdruck. „Ach, Herr Mannesmann", begann die Naas zu jammern, „Sie kennen doch mienen Bruoder Kaal, derr en Düsseldorp bie denn Nünondressegern dennt?" Der Fabrikant nickte: er kannte ihn. „Demm hantse en Drillechsjacke affgestohlen. On wat dat bie Kammiß bedüdd, dat  wi'etense uoch, Herr Mannesmann." Herr Mannesmann musste auch dies. „Nu brängt mr derr Bri'efdreger dö Morgen en Bri'ef van mienem Bruoder. Ach, Herr Mannesmann, derr Jong wi'et nit ut noch en. Wenn he die fouf Mark förr en nöien Ahntog nit gescheckt kritt, gött et dre'i Daag .Streng'. O Goddegott, wat di'et mir den arm ]ong ledd." „Do sall ech Ihnen wahl die fouf Mark gewen mötten, Vosswenkel?"

„Nit gewen, Herr Mannesmann. Ne, ne, märr Vüerschuss mäut ech geän han. Dat Geild lot ech dann am Soderschdag wier en." Arnold Mannesmann, der viel, aber nicht alles von der Naas wusste, sann hin und her. Dann sagte er: „Ech gev Ihnen ti'ehn Mark, dann kann sech derr Jong förr dat üewrege Geild en Spass maaken. Die ti'ehn Mark könnense en twei Ki'ehren wier enloten. Sie welense doch nit gegewen han."

„Ne, Herr Mannesmann, dat es mr mienen Bruoder noch weät."

Hier muss gesagt werden, dass Karl Vosswinkel, genannt „dat Vussmenkels Ei" noch keine Freimarke, geschweige einen Pfennig Geld von seinem Bruder während seiner Dienstzeit erhalten hatte.

Arnold Mannesmann kramte im Pult, dann schob er der Naas eine Postanweisung hin und sagte: „Füllense die alt ut. Ech hol Ihnen entöschen et Geild" und ging anschließend in die Buchhaltung. Im Begriff, den Geldschrank auf­zuschließen, sah der Fabrikant mit einem Blick durchs Fenster an der Einigkeitstraße zwei ihm wohlbekannte Individuen stehen, die zum Kontor hinaufstarrten, als erwarteten sie jemanden. „Halt" durchfuhr es Arnold Mannesmann, „da stimmt etwas nicht". Und plötzlich fiel ihm ein, dass im nahen Pohlhausen Kirmes war und das traditionelle Kälberkegeln heute stattfand. „Nu wi'et ech Beschi'ed", brummte der Fabrikant in seinen Schnurrbart und ging dann zu der strahlenden Naas, die sich schon mit ihren Kumpanen in Pohlhausen sah und mit gierigen Augen das Hinzählen der Markstücke verfolgte. Doch als Arnold Mannesmann das zehnte Markstück aufs Pult gelegt hatte, und die Naas mit bebenden Händen nach dem Gelde greifen wollte, schob jener es mit der Hand wieder zusammen und steckte es in seine eigene Joppentasche.

Als die Naas den Arbeitgeber fassungslos anstarrte, erklärte Arnold Mannesmann, dass er sowieso zur Post müsse und das Geld mitnehmen wollte, da ihm die Adresse seines Bruders bekannt wuäre. (Auch das „Ei" war bei der gleichen Firma beschäftigt). Alle Einwendungen der Naas, dass man das doch nicht verlangen könnte, fanden kein Gehör.

„Gonntse eckersch röiheg, Vusswenkel. Ech maak dat schon en Oenengk. On gewense sech tereck ant Arbi'eden, ech han mr dat angersch üewerleit entöschen. Die ti'ehn Mark möttense bini'en am Soderschdag enloten. Dat es ewen nit angersch te maaken." Alle weiteren Einwendungen der Naas beendete der Fabrikant damit, dass er die Naas kurzerhand zur Tür hinausschob. Et Vusswenkels Ei aber wusste nicht wie ihm geschah, als ihm auf der Schreibstube ein Betrag von zehn Mark ausgehändigt wurde, deren Spender sein Bruder war.

(aus: „Der Heimat zur Ehre. Bergischen Anekdoten und Geschichten“, 1960, von Alma Mühlhausen. Mit freundlicher Nachdruckgenehmigung der Erbin Erika Kleuser)

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Frieder Kottsieper am :

Ich suche für eine Landarbeiter-Wohnung einen Namen oder eine Bezeichnung auf Patt. Wie hat man früher so eine Wohnung / so ein Zimmer in Plattdeutsch genannt.

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