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November 2008: Der Waterbölles blättert zurück

„Wenn das das Ergebnis von zwanzig, dreißig Jahren Integrationspolitik ist, dann haben wir was falsch gemacht“, stellte Dirk Faust, Chef der Remscheider ARGE, vor zehn Jahren vor Kommunalpolitikern zu den geringen Berufschancen von ungelernten Arbeitnehmern im Allgemeinen und solchen mit ausländischem Pass im Besonderen fest. Wenn überhaupt, seien solche Arbeitslose nur als Hilfsarbeiter zu vermitteln, fast schon „mit Rückkehrgarantie in die Arbeitslosigkeit in schwierigeren Zeiten“. Als Gründe für schlechte Schulzeugnisse (die auch für Deutsche gelten) nannte der Chef der Remscheider ARGE damals überforderte Eltern, zu wenig Lehrer, ein migrantenfeindliches Schulsystem, kaum eigenes Interesse an Integration (bei Deutschen und Ausländern / „Die kommen in ihren jeweiligen Communities klar“), keine Heimatgefühle, keine Identifikation mit Remscheid, kein „Deutscher Traum“, keine eigenen Bemühungen um einen sozialen Aufstieg.

Die endgültige Version. Foto: privatDas Graffiti an der Haddenbacher Straße, Ecke Dorfmühler Straße in der Ursprungsversion. Foto: Lothar KaiserAuf allgemeines Stirnrunzeln stieß im Oktober 2008 der junge Künstler, der vor zehn Jahren die Stützmauer Ecke Haddenbacher Straße/ Dorfmühler Straße mit einem kackfrechen Graffiti versah. In der kritischen Reaktion darauf erhielten die beiden  hockenden Frauenakte zunächst Bikinis, später dann, im  November, wurden sie vollständig übermalt und durch eine züchtig bekleidete  Frauenfigur mit Kamera ersetzt.

Ein kleiner Schock war es im November 2008 für Brigitte Neff-Wetzel, die damalige Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Remscheid-Süd, dass sie bei der Wahl der Kandidaten für die Kommunalwahl 2009 ohne Vorwarnung durchfiel. Von 29 Anwesenden hatten lediglich 13 für sie und 15 gegen sie gestimmt (bei einer Enthaltung). Zuvor hatte es keine einzige kritische Frage an sie gegeben. Am 17. November 2008 teilte Brigitte Neff-Wetzel mit, dass sie mit sofortiger Wirkung aus der SPD austrete, ferner auch ihre Familienmitglieder. Damit verlor die SPD damals auf einen Schlag vier Parteimitglieder. Ihr Ratsmandat nahm Brigitte Neff-Wetzel noch bis zum Ende der Ratsperiode war. Danach trat sie für die Linken an.

Ein heilloses Durcheinander, so der Eindruck vieler Außenstehender, schien im November 2008 innerhalb der Remscheider CDU zu herrschen. Zuerst vollzogen Manfred Schwick und Karl Heinz Humpert eine Art Rochade:  Schwick wurde wieder Fraktionsvorsitzender (war er schon einmal gewesen), Humpert (bisher Vorsitzender) sein Vize. Zehn Tage später, am 21. November, verkündete Schwick dann seinen Rücktritt vom Amt des CDU-Fraktionsvorsitzenden. Begründung: Er habe nicht erwartet, dass die Wahl zu  solch starken Protesten von Bürgern und aus der Partei (zuletzt am Dienstag bei der Mitgliederversammlung der Mittelstandsvereinigung der CDU) führen werde.

Leiter des städtischen Rechnungsprüfungsamtes wurde vor zehn Jahren Klaus-Peter Listner. Er war zuvor Stellvertreter von Karl Bernhard Wiedenhoff. Dieser war in der Ratssitzung am 27. Mai, in der der Beigeordnete Jürgen Müller sein Amt verlor, als RPA-Leiter abgewählt worden.

Der  Marketingrat Innenstadt beschloss im November 2008 die Vereinsgründung, um mehr Handlungsfreiheit, eigenständiges Auftreten und finanzielle Rückendeckung zu bekommen. Er folgte damit dem Marketingrat Lüttringhausen und dem Verein „Lennep offensiv“.  39 anwesenden Remscheider Geschäftsleute Von 39 anwesenden Remscheider Geschäftsleute 18 den Verein aus der Taufe, und weitere 15 traten als Fördermitglieder bei. Zum Vorsitzenden wurde Bernhard Grunau (Raumausstatter) gewählt. Er starb kurz vor seinem 80. Geburtstag im Februar vergangenen Jahres.

Das blaue Objekt im Museumspark des Deutschen Werkzeugmuseums. Foto: Lothar Kaiser        Ein strahlend blauer Koloss aus Schmalkalden war im November 2008 der Neuzugang im Park des Deutschen Werkzeugmuseums – eine zehn Tonnen schwere, 46 Jahre alte Maschine zum Schleifen von Werkzeugstählen. Der Remscheider Unternehmer Peter Recknagel, inzwischen der Vorsitzende des Fördervereins, hatte die ausgemusterte Maschine frisch anstreichen und nach Remscheid transportieren lassen. Von der frischen Farbe ist heute allerdings nichts mehr zu sehen.

Mit Rodungsarbeiten auf dem Gelände nördlich der Konzertmuschel bzw. westlich des Stauden- und Rosengartens begann vor zehn Jahren die Stadt Remscheid in Reaktion auf den verheerenden Orkan  Kyrill in der Nacht vom 17. auf den 18.1.2007. Das sei aus Sicherheitsgründen nicht mehr länger aufschiebbar. Begründung: „Für spielende Kinder stellen umgestürzte und auch abgebrochene Bäume und das z.T. ineinander verkeilte Bruchholz wie auch teilweise entwurzelte Bäume und angebrochenes Astwerk in den Baumkronen in vielen Bereichen deutlich erkennbare Gefahren dar.“ Aber: „Eine Neugestaltung der Fläche scheidet aus Kostengründen zurzeit aus. Wünschenswert wäre sicherlich eine gärtnerische Anlage in Anlehnung an den angrenzenden Stauden-/Rosengarten.“ Im November 2008 begann, ebenfalls eine Kyrill-Folge, eine Wiederaufforstung an der Neyetalsperre.

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