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Gedenken an die Reichspogromnacht vor 80 Jahren

In der neuen „Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall“ an der Uhlandstraße gedachten gestern Abend mehr als 150 Remscheider/innen der Nacht vom 9. auf den 10. November Oktober 1938. Diese „Reichspogromnacht sei nicht der Beginn der Verfolgung, Verschleppung und Ermordung – insbesondere der jüdischen Bevölkerung in Deutschland gewesen, sagte Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz in seiner Rede. Aber in jener Nacht habe sich die Fratze des Faschismus völlig unverhüllt gezeigt „Schon vorher wurden Juden, Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Homosexuelle verfolgt, gequält, verhaftet, ermordet. Die Reichspogromnacht war der Beginn eines Verbrechens an der Menschlichkeit, eines Verbrechens unermesslichen Ausmaßes. Ob des unsäglich Grausamen, was durch Menschenhand geschah, stehen wir bis in die Gegenwart sprach- und fassungslos an diesem Ort der Erinnerung und des Gedenkens.“

Doch es gelte, Sprach- und Fassungslosigkeit  zu überwinden, fuhr der OB fort. Denn: „In Stille zu verharren, wird unserer Verantwortung nicht gerecht. Die Zeit des Faschismus war nun wahrlich ‚kein Fliegenschiss‘. Solche Aussagen eines Mitglieds des deutschen Bundestages sind eine widerliche Verhöhnung der millionenfachen Opfer. Aus unserer Geschichte heraus ist uns eine große Verantwortung mitgegeben worden. Eine Verantwortung, die nicht endet, wenn die letzten Täter und die letzten Überlebenden verstorben sind. Diese Verantwortung endet nie!“

Und diese Verantwortung wahrzunehmen sei heute wichtiger denn je. Auch heute seien Menschen jüdischen Glaubens Opfer von Gewalt. Erst vor wenigen Tagen der schreckliche Überfall auf eine Synagoge in Pittsburgh, jeden Tag Übergriffe und Gewalt gegenüber Juden in Europa, und hier in Deutschland. Die Täter: Rechtsradikale, Gegner des Staates Israel, darunter auch extremistische Muslime, teilweise noch sehr junge Menschen.

Eingangs hatte der Oberbürgermeister u. a. als Schirmherrin des Projekts der „Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall“ die Landesministerin für Schule und Bildung, Yvonne Gebauer, und den Vorstandvorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal, Leonid Goldberg, begrüßte. Durch die Gedenkveranstaltung führten Tabea Imig und Francesco Lo Pinto (Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium). „Die Erinnerung bewahren", war ein Filmbeitrag des Gertrud-Bäumer- Gymnasiums (Hendrik Greinacher, Silas Brück) überschrieben. Worte des Gedenkens sprach ein Mitglied der jüdischen Familie Mandelbaum. Jochen Bilstein erinnerte an die Geschehnisse in Remscheid vor 80 Jahren, und Selin Dönmez (Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium, Klavier) gab dem Abend mit der Mondscheinsonate von Ludwig van Beethoven und der Nocturne Op.9 N.2 von Frederic Chopin eine zusätzliche würdige Note.

Auch er selbst nutze die sozialen Medien, fuhr Burkhard Mast-Weisz fort. Aber zunehmend grusele es ihn, was er dort lese: „Waren menschenverachtende Kommentare oder Fakenews vor einiger Zeit noch anonym, so werden sie heute unter kompletter Namensnennung veröffentlicht. Es gibt ein Klima in unserem Land, das diese Hetze, diese Menschenverachtung zulässt. Es gibt ein Klima in unserem Land, das Menschen ermutigt, laut zu rufen, die Bootsflüchtlinge im Mittelmeer mögen doch ertrinken. Es gibt ein Klima in unserem Land, das zulässt, dass Menschen jüdischen Glaubens sich hier nicht mehr sicher fühlen, dass unsere freiheitlich demokratische Grundordnung in Frage gestellt wird. Es gibt Parteien in unseren Räten und Parlamenten, die dieses Klima schüren und davon profitieren. Uns diesem Klima entgegenzustellen, das ist unsere Verantwortung. Unser Land braucht wieder ein Klima des Respektes, der Achtung, der Mitmenschlichkeit, das Klima eines klaren Nein zu jeder Form von Gewalt gegen Menschen anderen Glaubens, anderer Herkunft, anderer Lebensgestaltung!“

An dem gestrigen Gedenken an die Reichpogromnacht vor 80 Jahren nahm in der neuen Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall in Remscheid auch Yvonne Gebauer teil, die Ministerin für Schule und Bildung des Landes NRW. Den Schülerinnen und Schülern, die diese Einrichtung initiiert hatten, und dem Vorstand des neuen Trägervereins zollte sie in ihrer Rede Anerkennung. Die Rede war insgesamt bedenkenswert, weshalb sie der Waterbölles in einem YouTube-Video dokumentiert hat.

Der OB äußerte seine Gestern in der Gedenkstätte. Foto: Lothar KaiserDankbarkeit, dass Schülerinnen und Schüler mit Unterstützung ihrer Schule die Idee hatten, aus dem ehemaligen Pferdestall der Polizei, wo Menschen jüdischen Glaubens in der Zeit des Nationalsozialismus eingepfercht und gedemütigt und von dort in die Vernichtungslager verschleppt worden seien, einen Ort der Erinnerung, der Mahnung und der Verantwortung für die Zukunft entwickelt hätten. Diesen jungen Menschen gebühre „unser aller Dank. Der gleiche Dank gilt all denjenigen, die sie dabei unterstützt haben: Schule, Polizei, Innenminister Reul, Schulministerin Gebauer, Bergischer Geschichtsverein und vielen anderen!“

Der erste Artikel des Grundgesetzes fasse unsere Verantwortung in wenige aber nicht minder gewichtige Worte, betonte der OB abschließend: „‘Die Würde des Menschen ist unantastbar.‘ Diese Worte sind der moralische Kompass unseres täglichen Handelns. Daran kann es weder Abstriche noch Zweifel geben. Die Opfer der NS-Gewaltherrschaft mahnen uns zum Widerstand gegen alle Bestrebungen den Grundsatz der bedingungslosen Würde eines jeden Menschen zu relativieren oder gar abschaffen zu wollen!“

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Lothar Kaiser am :

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Chronist am :

„Polizeipräsident Markus Röhrl hat alle Polizistinnen und Polizisten aus Wuppertal, Remscheid und Solingen, die zum 1. September eingestellt wurden, gebeten, die Ausstellung zum Gedenken an die Novemberpogrome 1938 im ehemaligen Pferdestall der Polizeiinspektion Remscheid zu besuchen. Der erste Termin mit etwa 35 Polizeibeamten findet am 14.November um 14 Uhr statt. Die Geschichts-AG des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums (EMA) beschäftigt sich in ihrer Ausstellung mit der Verfolgung und Vernichtung der Remscheider Juden durch die Nationalsozialisten. Ein Schwerpunkt ist die sogenannte "Polenaktion". Inhaltlich geht es um die damals in Deutschland lebenden Juden mit polnischer Staatsangehörigkeit, die unter Beihilfe der Polizei in Remscheid nach Polen vertrieben wurden. Seit 2016 arbeiten wir eng mit der EMA, den Schülern und der Stadt Remscheid zusammen mit dem Ziel, eine zentrale Gedenk- und Bildungsstätte in Remscheid aufzubauen. Für dieses Projekt stellen wir unter anderem den ehemaligen Pferdestall der Polizeiliegenschaft zur Verfügung. Dieser Ort ist von besonderer Bedeutung: Der Gebäudekomplex am Quimperplatz (früher Polizeikaserne Uhlandstraße), 1928 erbaut und nahezu durchgängig Sitz der Polizei in Remscheid, war Schauplatz und Tatort für Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch NS-Funktionäre und Polizei in den Jahren 1933 bis 1945. Es waren Polizei- und Gestapobeamte, die systematisch ganze Bevölkerungsgruppen aus rassistischen Motiven erfassten, selektierten, internierten, folterten und anschließend in Konzentrations- oder Vernichtungslagern deportierten (siehe hierzu: Breidenbach, Armin: Gestapo-Terror in der Remscheider Polizeikaserne, Berlin 1994). Diesem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, sollen such unsere jungen Polizistinnen und Polizisten stellen. Der Schlüssel für ein besseres Verständnis unserer Rolle in der Gegenwart ist Information und Aufklärung (Pressemitteilung der Polizei)

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