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Absolut sehenswert: Isis, die Mumie im Röntgen-Museum

Rechts der bemalte Sargdeckel, links die Mumie mit Kopfbedeckung. Foto: Lothar Kaiser

Nun also ist sie im Röntgen-Museum in Remscheid-Lennep zu besichtigen: Die altägyptische Mumie, der die Wissenschaftler den Namen Isis gegeben haben, nachdem sich im Inschriftenteil des beschädigten Sarges der Name der verstorbenen Frau nicht hatte entziffern lassen. Nicht ohne Stolz präsentierten heute Prof. Dr. Ulrich Mödder, der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Deutschen Röntgenmuseums, der stellvertretende Museumsleiter Dr. Uwe Busch und Svenja Gülden vom Seminar für Ägyptologie der Universität Köln die Mumie in einer effektvoll eingerichteten „Grabkammer“ der Öffentlichkeit.

Effektvolle Präsentation. Foto (M): Lothar Kaiser

Modernste Röntgenuntersuchungen haben in den vergangenen Monaten Auskunft über das Schicksal von Isis, ihrem Leben und ihrer Einbalsamierung gegeben. Darüber berichtet die Ausarbeitung von Dr. Renate Germer vom Ägyptischen Institut der Universität Hamburg, die zur heutigen Pressekonferenz vorlag. Der Waterbölles dokumentiert sie nachfolgend:

„An der Dekoration des Sarges und der Mumienmaske mit Halskragen könne wir ablesen, dass Isis im 4. oder 3. Jahrhunderts v. Chr. gelebt hat. Dies war eine Zeit großer politischer Veränderungen in Ägypten, Alexander der Großes eroberte das Land und danach wurde es von einer aus Makedonien stammenden Herrscherfamilie der Ptolemäer regiert, die in ganz Ägypten große Tempelbauten errichteten. Der griechische Einfluss im Lande war zwar stark, doch auf die Bestattungsbräuche der einheimischen Bevölkerung wirkte er sich nicht aus.

Nach der Ausgestaltung und Dekoration des Sarges lag gleich die Vermutung nahe, dass dieser aus Achmim stammt, einer seit frühester Zeit bedeutenden Stadt in Mittelägypten, etwa 400 Kilometer südlich von Kairo. Dieser Fundort wird durch den Vermerk im Katalog des Suermondt-Ludwig-Museums Aachen von 1902 bestätigt, wo für Sarg und Mumie die Herkunft Panopolis angegeben ist, die griechische Bezeichnung des Ortes Achmim. Auch der Zeitpunkt des Ankaufs aus dem Handel 1893 spricht für Achmim, da dort 1884 große Gräberfelder entdeckt wurden, aus denen vor allem Särge der ptolemäischen bis römischen Zeit (332 v. Chr. - ca. 200 n. Chr.) zu Hunderten um 1890 in den Antikenhandel gelangten.

Achmim, altägyptisch Chenti-Menu = der Gott Min ist an der Spitze genannt - war bekannt für ihre Leinenwebereien, und sie war ein wichtiger Umschlagplatz der mit Karawanen vom Roten Meer herangebrachten Waren auf die Nilschiffe. Die Familie der Isis gehörte sicherlich zur mittleren sozialen Schicht der Stadt, denn nur sie konnte sich einen der nicht billigen, bunt bemalten Holzsärge für ihre Bestattung leisten. Mindestens ein Mitglied der Familie übte vermutlich ein Priesteramt im Tempel des Stadtgottes Min aus.

Auch wenn wir heute Isis mit ihren etwa 24 Lebensjahren als junge Frau bezeichnen, wurde sie in pharaonischer Zeit als reife Frau angesehen. Sicher war sie verheiratet und hatte schon mehrere Kinder geboren, die aber aufgrund der damaligen hohen Kindersterblichkeit nicht alle überlebten. Isis musste keine schweren körperlichen Arbeiten ausführen, dafür hatte sie eine zahlreiche Dienerschaft. Sie war die Herrin des Hauses, die den Haushalt leitete und überwachte. Einen Teil ihrer Zeit widmete sie der Körperpflege und Kosmetik. Zum Schutz der Haut gegen die Sonne rieb sie sich mit duftenden Salbölen ein und umrandete die Augen mit schwarzer und grüner Augenschminke. Auch Rouge für die Wangen gab es damals schon. Aufwendig war die Haarpflege, vor allem musste mit Kämmen der Läuseplage Einhalt geboten werden.

Als Isis schwer erkrankte, sei es nun aufgrund eines Mordanschlages oder einer natürlichen Krankheit, holte die Familie sicherlich einen Arzt, der mit Hilfe von Kräutertränken versuchte, die Frau zu heilen. Zusätzlich kam ein Priester ins Haus, der mit Gebeten die Götter um Hilfe anflehte und vielleicht stiftet die Familie sogar eine kleine Götterfigur dem lokalen Tempel, aber alles war vergeblich, Isis verstarb. Nun wurde alles getan, um sie für ihr Weiterleben in der jenseitigen Welt des Totengottes Osiris vorzubereiten. Dieses Werk übernahmen die Balsamierer, die außerhalb der Stadt am Nilufer ihrem Handwerk nachgingen.

Der Sarg ist aus zahlreichen kleineren Brettern zusammengesetzt. Die Sargtischler hatten aber ursprünglich alle Fugen sorgfältig mit einer Verputzmasse bedeckt und übermalt, so dass sie nicht sichtbar waren. Die Bemalung ist nur in oberen Bereich gut erhalten. Sie zeigt ein gelbgoldenes Gesicht, umrahmt von schwarzen Perückensträhnen. Querstriche am Hals sollen Halsketten darstellen. Die Brust bedeckt ein mehrreihiger Blütenhalskragen, in dem vor allem weiße Margariten, rote Mohnblütenblätter und Lotusblütenblätter zu erkennen sind. An den Schultern werden die Blüten-Reihen von einem Falkenkopf mit Sonnenscheibe auf dem Kopf auf rotem Untergrund zusammengehalten. Unter dem Blütenkragen ist die geflügelte Himmelgöttin Nut zu sehen, die mit ihren ausgebreiteten Flügelarmen die Verstorbene schützend umfängt. Der darunter liegende Bereich des Sarges ist mit Darstellungen und senkrecht verlaufenden hieroglyphischen Inschriften dekoriert. Zum üblichen Bildprogramm der Särge gehören vier Horussöhne, die Schutzgottheiten der Eingeweide und die zwei auf einem Pylon liegenden Schakale auf der Oberseite der Füße. An beiden Seiten des Sargdeckels ist eine Schlange dargestellt, ein weiteres Schutzsymbol. Auf der Mumie liegt eine Mumienmaske aus Leinenkartonage und ein jetzt restaurierte): Halskragen, auf den ebenfalls mehrere Reihen von Blütenketten aufgemalt sind.

Die Totenruhe hielt für Isis nicht auf ewig, nur etwas mehr als 2000 Jahre. Die Grabstätten des Friedhofes in Achmim wurden nach ihrer Entdeckung 1884 systematisch von der einheimischen Bevölkerung geplündert. Die Särge, in denen einst Familienmitglieder zusammen in einer Grabanlage ruhten, gaben sie weiter an Antiken-Großhändler, die diese sowohl an Museen als auch Privatpersonen in Europa und Amerika verkauften. Isis gelangte in das Suermondt-Ludwig-Museum Aachen, für 400 Mark 1893 vom Museumsverein erworben. Neugierige Hände rissen Leinenbinden von Ihrem Gesicht, um einmal in das Antlitz einer altägyptischen Mumie zu blicken, vielleicht meißelten sie auch ein Loch in den Schädel. Die Wicklung im Fußbereich wurde ebenfalls beschädigt. Isis „überlebte" den 2. Weltkrieg, trug aber Kriegsverletzungen durch Granatsplitter und Scherben zerbrochener Glasscheiben davon. Keiner konnte sich in dieser Zeit um ihr Wohlergehen kümmern, und so nistete sich sogar eine Mäusefamilie zwischen den Beinen der Mumie ein.

Nachdem nun die Mumie in die Obhut des Deutschen Röntgen-Museum übergeben wurde, erhielt sie eine aufwendige Restaurierung. Die Leinenwicklung ist jetzt wieder komplett, und Isis ruht in ihrem Sarg, beschützt durch die zwar etwas verblassten aber gereinigten und gefestigten magischen Darstellungen und Texte auf dem Sarg.

Durch die bei der Röntgenuntersuchung gewonnenen Einblicke in die Mumie lassen sich sowohl über die Person der Isis als auch die an ihr durchgeführte Balsamierung genauere Aussagen machen: Isis war eine Frau, die etwa im Alter von 22 - 24 Jahren verstorben ist. Erkennbar ist dieses Alter an den noch nicht vollständig verknöcherten Epiphysenfugen am Beckenkamm. Im Laufe ihres Lebens hatte sie schon mehrere Erkrankungen durchlitten, die sich an den Beinknochen in Form sogenannter Harrislinien manifestierten. Im Mundbereich der Mumie liegen schwere Defekte vor, im Oberkiefer fehlen Schneidezähne, der Unterkiefer ist gebrochen und aus dem Gelenk heraus gedrückt.

Diese Verletzungen beruhen vermutlich auf einem an der Mumie durchgeführten gewaltsamen Mundöffnungsritual. Ursprünglich wurde diese Zeremonie an der fertig gewickelten Mumie vor dem Grab mit einem Dechsel ähnlichen Instrument durchgeführt. Mit diesem Ritual sollte auf magischem Wege dem Verstorbenen für die jenseitige Welt die Möglichkeit Nahrung aufzunehmen und zu sprechen wiedergegeben werden. Neuere Untersuchungen an Mumien der ptolemäisch-römischen Zeit zeigen aber, dass man in dieser Epoche teilweise an dem bereits konservierten, aber noch nicht eingewickelten Körper eine gewaltsame Mundöffnung durchführte. Dabei wurden manchmal Schneidezähne herausgebrochen, die bei einigen Mumien noch im Mund liegen. Dieses gewaltsame Mundöffnungsritual muss auch an der Mumie der Isis vollzogen worden sein. Ansonsten sind ihre Zähne in einem guten Zustand. Die Balsamierung des Körpers geschah auf die damals übliche, recht grobe Weise. Den Hauptteil der Eingeweide hatte man durch einen linkseitigen Bauchschnitt aus dem Körper herausgenommen, einige Reste verblieben in der Brust- und Bauchhöhle.

Das Gehirn hatte man mit einem hakenförmigen Instrument durch die Nase aus dem Schädel entfernt, wobei Knochenschäden im Bereich der Siebbeinzellen und Nasennebenhöhlen entstanden. Geringfügige Reste des Hirnes liegen noch als Granulat im Bereich des Hinterkopfes.

Vermutlich auch im Zuge der Organentnahme entstanden die Brüche an den Beckenknochen, die auch an anderen Mumien der gleichen Zeit beobachtet wurden. Die eigentliche Konservierung des Körpers erfolgte durch eine Behandlung mit Natronsalz, das in den Körper eingefüllt und um ihn herum aufgeschichtet wurde. Nach etwa 40 Tagen hatte das Natron dem Köpergewebe alles Wasser entzogen und es vollständig ausgetrocknet. Nun rieben die Balsamierer den Leichnam mit duftenden, harzhaltigen Salbölen ein, stopften die leere Körperhöhle mit Leinen durch den Bauchschnitt hindurch wieder aus und wickelte die Mumie mit großen Mengen Leinen ein. Amulette legten sie nicht an den Körper der Isis, der magische Schutz der Verstorbenen war durch die Darstellungen und Inschriften auf dem Sarg gewährleistet. Nun konnte Isis in ihrem Sarg im Rahmen einer aufwendigen Bestattungszeremonie in dem Familiengrab beigesetzt werden.

Der Schädel der Isis weist im oberen Bereich des Hinterkopfes ein großes Loch auf, das durch mindestens zwei Schläge mit einem schmalen, scharfen Gegenstand wie z. B. einem Beil entstanden sein dürfte, wie man aus dem geraden Verlauf der sich unten überschneidenden Bruchränder . Die dabei herausgedrückten Knochenteile liegen jetzt an der tiefsten Stelle des Schädelinneren. Die beschädigte Schädelstelle ist noch von der ursprünglichen Leinenwicklung bedeckt. Zwei Erklärungstheorien für diesen Befund gibt es.

  1. Isis wurde mit einem beilartigen Instrument erschlagen. Es erfolgte die übliche Balsamierung mit Entfernungn des Gehirns durch die Nase. Da der Schädel danach hohl war, klappten die abgesplitterten Knochenfragmente in das Innere des Schädels. Danach wurde der Kopf mit Leinenbinden eingewickelt.
  2. Als die Mumie nach Europa kam, schnitten neugierige „Forscher" die Leinenbinden des Kopfes zum Teil ab, um das Gesicht der Mumie zu sehen. Doch dies reichte ihnen nicht, sie wollten auch in den Schädel hinein blicken und öffneten ihn am Hinterkopf mit einem meißelartigen Instrument. Danach bedeckten sie sehr geschickt das Loch mit einem Teil der alten Mumienwicklung. Sie müssen die Leinenbinden zusätzlich noch mit einer Substanz verklebt haben, denn heute ist die Leinenwicklung hart und fest über dem Loch, man müsste sie herausschneiden, um genauere Informationen zu erhalten. Doch auf diesen zerstörerischen Eingriff wurde jetzt verzichtet.

So müssen wir uns mit der Tatsache zufrieden geben, dass zurzeit keine Entscheidung zwischen diesen beiden Theorien möglich ist."

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