Skip to content

Anzeige

Bau-Innung Remscheid Innung für elektrotechnische Handwerke Remscheid Fachinnung für Metall- und Graviertechnik Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Remscheid
Dachdecker-Innung Remscheid Friseur-Innung Remscheid Maler- und Lackierer-Innung Remscheid Kraftfahrzeughandwerk Remscheid

Engagierte Katzenfreunde überzeugten den BUKO

So viele Besucherinnen und Besucher (allesamt Katzenfreunde) wie in der gestrigen Sitzung des Ausschusses für Bürger, Umwelt, Klimaschutz und Ordnung hatte ich bis dahin im kleinen Sitzungsaal des Rathaus in den vergangenen 13 Jahren noch nie erlebt. Es mussten sogar Lehnstühle aus dem Ratssaal herangeschleppt werden, damit alle Platz fanden. Zu einer Lehrstunde der Demokratie wurde die Sitzung aber erst durch den einstimmigen Beschluss des Ausschusses, die Verwaltung mit dem Entwurf einer Katzenschutzverordnung zu beauftragen, wie sie im Nordrhein -Westfalen erst in 38 Kommunen besteht, darunter im Oberbergischen Kreis. Die eindrucksvolle Schilderung des Elends ungezählter wilder oder verwilderter, unkastrierter Katzen in Remscheid durch die drei Sprecherinnen der Initiative „Straßenkatzen Remscheid“ (Dela Kirchner und  Susanne Henke sowie Tierheimleiterin Andrea Reitzig) hatte die Kommunalpolitiker davon überzeugt, dass hier dringender Handlungsbedarf bestehe. Die Bürgerinnen und Bürger bedankten sich für diese (von der SPD initiierte) Entscheidung mit Beifall.

Rückblende auf die wie üblich publikumsarme Sitzung des Ausschusses für Bürger, Umwelt, Klimaschutz und Ordnung (BUFO) am 13. Januar 2016. In deren Vorfeld hatte die CDU-Landtagsfraktion die „Verordnung zum Schutz freilebender Katzen in bestimmten Gebieten nach § 13b TierSchG“ von Landesumweltminister Johannes Remmel (Bündnis90/Die Grünen) als „schlechten Aprilscherz“ bezeichnet. Mit der Verordnung sollte „der unkontrolliert freie Auslauf fortpflanzungsfähiger Katzen in NRW beschränkt oder verboten werden“. Der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Remscheid war das eine eigene Anfrage für den BUFO wert gewesen. Ordnungsamtsleiter Jürgen Beckmann antwortete darauf in der Sitzung mündlich und in aller Kürze: Mit den Einzelheiten der Verordnung müsse sich die Remscheider Stadtverwaltung nicht befassen, weil es keinerlei Anzeichen gebe für eine Überpopulation freilaufender Katzen. Eine Bürgerin, die in einer Sitzungsunterbrechung zu Wort kam, war da zwar anderer Meinung („Ich kenne mehrere Leute, die wilde Katzen regelmäßig füttern!“). Der Ausschuss schloss sich jedoch der Meinung von Beckmann an und sah keinen Grund für den Rat der Stadt, eine eigene „Katzen-Verordnung“ zu erlassen. (Sigrun Reuter kommentierte das am 14. Januar 2016 im Waterbölles so: „Es gibt meines Wissens nach wesentlich mehr heimatlose Katzen und deren Nachwuchs als herrenlose Hunde.“

Der Satz hätte auch von Susanne Henke stammen können. Sie ist seit elf Jahren im Tierheim an der Schwelmer Straße ehrenamtlich aktiv und kümmert sich seit fünf Jahren speziell um verwilderte Katzen in den Stadtvierteln. 64 zählte sie allein auf dem Steinberg, aber auch der Honsberg beherberge eine „große Katzenkolonie“, berichtete sie gestern(das war 2018 auch der GEWAG aufgefallen).Verwilderte Katzen zwecks Kastration einzufangen, sei aber gar nicht so einfach. Zumal bei Protest von Anwohnern, die sie füttern und erklären: „Die gehören alle mir, und Fortpflanzung ist Natur!“

Natur??! Schon mit drei, vier Monaten wird eine junge Katze empfängnisbereit. Das bedeutet zwei bis drei Mal im einem Jahr die Geburt von vier bis sechs Jungtieren (Kitten), wie Andrea Reitzig erläuterte. Macht rein rechnerisch in sieben Jahren 370.000 Kitten, die eine einzige Katze in die Welt setzen kann. Wie gesagt: Statistik! Aber die 245 Fundkatzen, die 2017 und 2018 im Lenneper Tierheim abgegeben wurden, reichten, um die Einrichtung an ihre Kapazitätsgrenzen zu bringen. Sie alle tierärztlich zu versorgen, ist auch ein finanzielles Problem. 60 Jungkatzen seien in den vergangenen zwei Jahren im Tierheim trotz intensiver Pflege an Katzenschnupfen, -seuche oder -aids gestorben, so Susanne Henke. Viele Katzen seien schon krank, d.h. ohne gesundes Immunsystem in der „Natur“ geboren worden. Deshalb komme es darauf an, möglichst viele freilaufende Katzen zu kastrieren. Und, wie Wolfgang Rau (Linke) betonte, extensives Füttern im Freien zu verbieten.

Eine Katzenschutzverordnung könne allerdings wohl nur eine Appellfunktion übernehmen, gab Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke zu bedenken. Denn: „Kontrollen können unsere Behörden nicht leisten!“ Gleichwohl unterstützte sie die Anregung von Susanne Fliedner (Grüne), eventuell über das Bergische Veterinäramt auch den Nachbarstädten Solingen und Wuppertal eine Katzenschutzverordnung zu empfehlen. Dass das Veterinäramt 2016 keine Zahlen zu Katzenkolonien in Remscheid habe nennen können, ärgere ihn, bekannte Mathias Heidtmann (CDU). Dazu Reul-Nocke: „Woher hätte das Amt diese Zahlen haben können?! Es fährt ja niemand zur Katzenzählung raus!“

Deshalb wäre es gut, wenn die Remscheider Katzenfreunde  enngeren Kontakt zu Ordnungs- und Veterinäramt bekämen, meinte Susanne Henke. Und von Seiten der Verwaltung wiedersprach niemand. Und gestern Abend sah es so aus, als bekämen die Remscheider Katzenfreunde eines Tages mit der neuen Verordnung die rechtliche Handhabe, um in der „Natur“ eingefangene, fortpflanzungsfähige Katzen ohne Zuhause (ohne Chip im Katzenohr) zwecks Kastration zum Tierarzt bringen zu können.

Zum großen Wort der "Lehrstunde der Demokratie" (im kleinen Remscheid) bin ich noch eine Erklärung schuldig: Vergleichen Sie die beiden Ausschusssitzungen vom 13. Januar 2016 und von gestern miteinander, und Sie erkennen auf Anhieb, was eine rege Bürgerbeteiligung bewirken kann! Eine Beteiligung von Bürgern, die ihr Anliegen nachdrücklich und engagiert vortragen können. Das wünsche ich mir auch für andere Ausschüsse. 

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Lothar Kaiser am :

Der Rat der Stadt hat die Verwaltung gestern aufgefordert, die Ausgestaltung einer Katzenschutzverordnung für Remscheid zu entwerfen und dem Rat zur Beschlussfassung vorzulegen.

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!