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Remscheider AkzepTanztheater zeigte „Liebe Luise“

Trotz Kälte drängten sich gestern in der Gedenk- und Bildungsstätte „Pferdestall“ am Quimperplatz  rund 80 Zuschauer, um im Rahmen der Ausstellung ,,Deportiert in den Tod'' die Aufführung „Liebe Luise“ des Remscheider AkzepTanztheaters unter der Leitung von Irmela Boden mitzuerleben. Tänzerisch beklemmend emotional inszeniert wurden darin die Briefe des Remscheider Widerstandskämpfers Hugo Paul an seine Frau Luise.  Das siebenköpfige Ensemble (Irmela Boden, Barbara Saure, Bodo Rulf, Manuela Stehr-Richelshagen, Lotte Teuscher, Jutta Paul-Fey  und Sabrina Dickhage) verband dabei kongenial die räumlichen Gegebenheiten und die historische Relevanz des Pferdestalls der Polizeiwache Remscheid mit dem Originaltext und den Erinnerungen von Hugo und Luise Paul.

Der überzeugte Antifaschist Paul (geboren im Oktober 1905) war 1936 nach seiner Zuchthausstrafe in die sogenannte Schutzhaft ins Moorlager in Esterwegen gebracht worden und später dann ins Konzentrationslager Sachsenhausen. Mit wenigen erlaubten Briefen versucht er in dieser Zeit, den Kontakt zu Frau und Familie aufrecht zu erhalten. Das Ensemble verstand es, die Mechanismen des Ausgeliefertseins der Gefangenen im Konzentrationslager aufzuzeigen. Es verknüpfte sie mit den Anstrengungen des Gefangenen, das Grauen im Lager zu überleben: Nicht nur er wurde damals drangsaliert, sondern auch seine Familie daheim bekam den Terror des Systems zu spüren.

Als Bühne diente am Samstag ein Teil des Ausstellungsraums; das KZ wurde durch die Tür zum Nebenraum (mit der Ausstellung Deportiert in den Tod) angedeutet. Die Tafeln der Wanderausstellung „Schatten der Erinnerung“ an den Wänden des Pferdestalls machten das Ganze noch eindringlicher.

Zu einer Besonderheit wurde die rund einstündige Inszenierung aber auch dadurch, dass die Darsteller ständig in ihren Rollen zwischen Täter oder Opfer wechselten: So konnte der uns sympathische Widerständler auch den robusten SS-Mann geben; die oft verzweifelte Luise zeigte sich auch als brüllend kommandierende KZ-Wächterin: Das verbrecherische System vereinnahmte  –  wie im Prolog zitiert – alle oder schickte Abweichler in die Lager, wo der Tod allgegenwärtig wurde.

Es herrschte im Pferdestall absolute Stille, nach dem sich das Ensemble am Ende verbeugte, so „gefangen“ waren alle noch von der Aufführung. Als Rahmenprogramm der aktuellen Ausstellung „Deportiert in den Tod“ plant der Verein „Gedenk-und Bildungsstätte Pferdestall Remscheid e.V.“ in den nächsten Monaten weitere Veranstaltungen. Am kommenden Samstag kann die Ausstellung von 12 bis 15 Uhr besucht werden. (Klaus Blumberg und Francesco Lo Pinto)

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Kommentare

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Fritz Beinersdorf am :

Da wohl die wenigsten Mitbürgerinnen und Mitbürger wissen wer Hugo Paul war, hier die wichtigsten Informationen nach Wikipedia: Hugo Paul war von 1932 bis 1933 der jüngste Reichstagsabgeordnete der KPD. Im Juni 1934 wurde er verhaftet, im November vom Volksgerichtshof zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Strafverbüßung im Zuchthaus Lüttringhausen wurde er von 1936 bis April 1939 im KZ Sachsenhausen interniert. Im Januar 1943 wurde er erneut durch die Gestapo wegen Verdachts der Vorbereitung zum Hochverrat festgenommen, diesmal vom Volksgerichtshof zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Er war von August 1943 bis August 1944 im Gefängnis Wuppertal und von September 1944 bis April 1945 in der Strafanstalt Butzbach inhaftiert. Erst bei Kriegsende kam er frei. Paul war vom 29. August 1946 bis zum 5. April 1948 Wiederaufbauminister in NRW. Vom 2. Oktober 1946 bis zum 17. Juni 1950 war er nordrhein- westfälischer Landtagsabgeordneter und von Dezember 1946 bis April 1947 fungierte er dort als stellvertretender Vorsitzender der KPD-Fraktion. 1947 und 1948 war er zudem Mitglied des Zonenbeirates für die Britische Besatzungszone. Bis zum 6. Oktober 1948 war er Mitglied des Parlamentarischen Rats. Er war einer der „Väter“ des Grundgesetzes. Dem Deutschen Bundestag gehörte er in dessen erster Legislaturperiode (1949–1953) an. Auf dem Hasten ist eine Straße nach ihm benannt.

Gerd Rothbrust am :

Vielen Dank für diese Information, Herr Beinersdorf. Allerdings: Welchen „Mehrwert“ bringt uns diese Information?

Lothar Kaiser am :

Das mag jeder Leser / jede Leserin für sich alleine entscheiden.

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