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Grete und Fritz Wachhaus heirateten im Gefängnis

In der Zeit vom 12. bis 17.11.1934 fand vor dem II. Strafsenat des Oberlandesgerichts Hamm in Wuppertal der Prozess „Andreas Pflüger“ statt. Von den 62 Angeklagten waren zwölf Frauen. Die Gestapo hatte zunächst gegen 91 Angeklagte, darunter 22 Frauen, ermittelt.

Grete Wachhaus geb. Alders ist am 3.9.1910 in Remscheid geboren und wurde im Herbst 1933 zusammen mit ihrer Mutter Maria Alders und ihrem Bruder Otto Alders in sogenannte Schutzhaft genommen. Mutter und Tochter kamen in das KZ Brauweiler. In dem Prozess „Andreas Pflüger“ wurde sie am 17.11.1934 zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt, weil ihre Familie einem illegalen Funktionär der KPD Unterkunft gewährt hatte. Von den Misshandlungen bei den Vernehmungen der Gestapo hat sie bleibende gesundheitliche Schäden behalten.

Mit dieser Broschüre hat die Stadt Remscheid den vielen Remscheider Frauen, die wegen ihrer politischen Überzeugung, menschlichen Verantwortung oder aus ganz persönlichen Gründen während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und inhaftiert wurden, ein Denkmal gesetzt. Die teilweise umfangreich geschilderten Lebensschicksale waren ganz unterschiedlich und haben mich sehr berührt. Ich lernte die politisch engagierten Frauen als starke, selbständig denkende und handelnde Persönlichkeiten kennen, die teilweise ihre männlichen Partner an Aktivität und Kreativität übertrafen. Viele hatten auch vor der Nazizeit wichtige politische Funktionen bekleidet. Nur wenige Frauen standen im Schatten ihrer männlichen Partner oder sonstigen Familienangehörigen. Ihren Beitrag zur Menschlichkeit in einer unmenschlichen Welt ans Licht treten zu lassen und sie nicht zu vergessen, ist die Absicht dieser Broschüre.
Die 2. Auflage dieser Broschüre aus dem Jahr 2007 hält die Erinnerung wach an die vielen Frauen und Männer, die in der Zeit des Nationalsozialismus litten und ermordet wurden.

(Christel Steylaers, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte)

Sie heiratete während ihrer Haft Fritz Wachhaus, der nach ihrer Freilassung selbst für viele Jahre in Haft war. Er war in dem Prozess „Hans Salz“ am 19.11.1935 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Nach dieser Zeit wurde er aber nicht freigelassen, son­dern kam in sogenannte Schutzhaft in das KZ Sachsenhausen und von dort in das Strafbataillon „SS Dirlewanger“. Bei den Kämpfen im Osten geriet er schließlich in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst am 23.3.1946 entlassen wurde. Da er auch schon vor dem Prozess „Hans Salz“ inhaftiert war, betrugen Haft und Gefangenschaft 13 lange Jahre.

In einem verzweifelten Brief schrieb Grete Wachhaus geb. Alders an das Städtische Besatzungsamt Remscheid: „Hiermit teile ich Ihnen mit, dass mein Mann Fritz Wachhaus, geb. 16.2.1909 in Remscheid, wohnhaft: Remscheid, Stöckenbergstraße 12, von März 1933 bis April 1934 wegen Vorbereitung zum Hochverrat (antifaschistische Tätigkeit) mit Gefängnis bestraft worden ist. Danach, und zwar von Dezember 1934 bis Februar 1943, wurde er aufgrund eines Indizienbeweises mit Zuchthausstrafe belegt, angeblich wegen Vorbereitung zum Hochverrat, obwohl ihm auch während der Gerichtsverhandlung nichts irgendwie Strafbares nachgewiesen wurde. Nur aufgrund von Verdacht und weil er schon politisch vorbestraft war, verhängten die Nazirichter die unglaublich hohe Strafe. Nach Verbüßung dieser Strafe schaffte man ihn in das Konzentrationslager Oranienburg bei Berlin. Kurz vor Kriegsende presste man ihn gewaltsam in die Waffen-SS. Seit 12.12.44 ist mein Mann bei Cithau (Ungarn) als vermisst gemeldet, und ich habe bis heute keine Nachricht, ob er lebt oder in Gefangenschaft geraten ist.“

(Quellen: Liste der VVN Remscheid von Remscheider Inhaftierten in der Nazizeit; Armin Breidenbach: „Widerstand und Verfolgung in Remscheid 1933 - 1945“; „Remscheid in der Zeit des Nationalsozialismus“, Beitrag von Ilse Faeskorn über die Gruppe „Hans Salz“; Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, Gestapoakten 27168 und RW 58-29375; Wiedergutmachungsakten Stadtarchiv Remscheid)

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