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Unglaublich schwere Arbeit im KZ Lauffen

Christine Wink.Unter den 59 Angeklagten des nach Hans Salz genannten Prozesses, der vom 11. bis 19.11.1935 vor dem Sondergericht Hamm in Wuppertal stattfand, waren zehn Frauen. Da in diesem Prozess neue Gesetze der Nationalsozialisten angewandt wurden, war das Strafmaß bedeutend höher. Auch einige Frauen erhielten mehrjährige Zuchthausstrafen. Nachstehend einige Lebensberichte, Kurzbiographien oder Briefe dieser Frauen:

Christine Wink wurde am 5.2.1898 geboren. Sie kam aus dem Arbeitersport. In der Widerstandsgruppe „Hans Salz“ war sie Hauptkassiererin für Lennep. Ihre Wohnung diente als Anlaufstelle für illegale Flugblätter und Zeitungen. Für diese Tätigkeit erhielt sie in dem Prozess „Hans Salz“, der in der Zeit vom 11.-19. November 1935 stattfand, eine Strafe von vier Jahren Zuchthaus. Sie war inhaftiert in dem Gefängnis Wuppertal-Elberfeld sowie in den Zuchthäusern Ziegenhain bei Kassel, Aichach und Lauffen. Vier Jahre Zuchthaus ist eine lange Zeit. In diesen Jahren mussten ihr Mann und ihr Sohn alleine auskommen. Nachstehend zwei Briefe, die Christine Wink aus der Haft geschrieben hat sowie ihre Aussage über die harten Arbeiten im Zuchthaus Lauffen vor dem Wiedergutmachungsausschuss in Remscheid:

Wuppertal-E., den 14. Juni 1935
Meine Lieben Alle!
Muss Euch mitteilen, dass ich am Donnerstag, dem 13. Juni, nach Elberfeld überführt worden bin. Ich bin im Gefängnis Bendahl. Macht Euch keine Sorge, wenn ihr diese Nachricht erhaltet. Die Besuche finden hier alle 14 Tage donnerstags statt, und zwar vormittags von 10 bis 1 Uhr. Wo die Besuchsscheine ausgegeben werden, musst Du Dich mal erkundigen. Ich nehme an, das könnt Ihr in Lennep oder Remscheid erfahren. Wenn Du nach hier kommst, bringe mir bitte das Kleid mit, was Oma von Hedwig geholt hat. Meine Pantoffel lasse mir Peter oder Hans etwas kleben und halte sie vor­läufig zu Hause. Wäsche bringe mir mal keine mit. Ich bin vorläufig noch in Untersuchungshaft. Wenn eine Änderung eintritt, werde ich Mitteilung davon machen. Bringe mir auch etwas Handarbeit mit; denn ich nehme an, dass ich handarbeiten darf. Sage Rosa, sie solle mal wegen Baumwolle sehen, aber dünne, ich will mir einen Pullover häkeln.

Dann musst Du mal im Küchenschrank nachsehen. In einer Schublade liegen zwei große Stricknadeln. Bestimmt weiß ich es nicht. Sonst kaufe mir ein paar neue Nr. 3 und bringe mir dieselben mit. Lieber Hans, sieh doch mal nach meinem Mantel. Der Pelz muss eingemottet werden. Am besten sage ich Dir das, wenn Du nach hier kommst. Dann bringe mir eine Zahnbürste mit und Zahnpaste. Lieber Hans, bringe Kurt nicht mit, wenn Du kommst. Es hat keinen Zweck, dass wir ihm das Herz schwer machen. Wie hat ihm der (Harz) Schwarzwaldausflug gefallen? Hoffentlich recht gut. Was macht Oma und Opa und alle anderen? Sind sie noch alle gesund? Von mir kann ich dasselbe berichten. Ich will nun schlie­ßen; denn wir wollen jetzt unsere Zelle sauber machen.
Es grüßt und küsst Euch vielmals Eure Mutter. Auf Wiedersehen.“

Mit dieser Broschüre hat die Stadt Remscheid den vielen Remscheider Frauen, die wegen ihrer politischen Überzeugung, menschlichen Verantwortung oder aus ganz persönlichen Gründen während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und inhaftiert wurden, ein Denkmal gesetzt. Die teilweise umfangreich geschilderten Lebensschicksale waren ganz unterschiedlich und haben mich sehr berührt. Ich lernte die politisch engagierten Frauen als starke, selbständig denkende und handelnde Persönlichkeiten kennen, die teilweise ihre männlichen Partner an Aktivität und Kreativität übertrafen. Viele hatten auch vor der Nazizeit wichtige politische Funktionen bekleidet. Nur wenige Frauen standen im Schatten ihrer männlichen Partner oder sonstigen Familienangehörigen. Ihren Beitrag zur Menschlichkeit in einer unmenschlichen Welt ans Licht treten zu lassen und sie nicht zu vergessen, ist die Absicht dieser Broschüre.
Die 2. Auflage dieser Broschüre aus dem Jahr 2007 hält die Erinnerung wach an die vielen Frauen und Männer, die in der Zeit des Nationalsozialismus litten und ermordet wurden.

(Christel Steylaers, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte)

Strafanstalt Ziegenhain (Bezirk Kassel), den 8.12.1935
Meine beiden Lieben!
Heute ist Sonntag und ich freue mich, Euch meine Lieben endlich schreiben zu können. Ihr werdet denken, endlich ist nicht immer. Von Euch habe ich bis heute noch kein Schreiben erhalten, hoffentlich seid Ihr noch alle gesund und munter. Der Brief, worin ich Euch mein Urteil mitteilte, wird Euch sicher erschreckt haben, auf sowas Furchtbares wart Ihr sicher nicht gefasst; aber nichtsdestoweniger immer Kopf hoch und nicht zu schwarz in die Zukunft gesehen, kommt Zeit kommt Rat, Ihr kennt mich ja. Ich habe so vieles mitmachen müssen und werde auch dieses mitmachen, verwöhnt bin ich ja nicht, und ich habe den festen Willen, Euch meine Lieben gesund wie­derzusehen. Auch von Euch verlange ich, dass Ihr alles tut, um Euch gesund zu erhalten. Wir sind mit 8 Frauen am 25. November von Elberfeld abgefahren und waren abends um 8 1⁄2 Uhr in Kassel, unser Wunsch, einmal in Deine Heimat zu fahren, habe ich jetzt auf Staatskosten machen können. Sonst fehlten uns ja die Mittel dazu. Die Fahrt an sich war sehr schön. In Hagen hatten wir 1 1⁄2 Stunden Aufenthalt und haben im Polizeigefängnis zu Mittag gegessen. Das Essen war reichlich und gut, man fühlte sich so richtig zu Hause, es gab Sauerkraut, Bratensoße, Kartoffeln und ein schönes Stück Speck, mein Lieblingsgericht. Dann fuhren wir weiter und waren abends in Kassel. Hier sind wir geblieben bis Samstag, dem 30. November, dann gings weiter über Treysa, hier mussten wir umsteigen und die nächste Station war Ziegenhain. Vielleicht wissen Oma und Opa hier Bescheid. Auf dem Wege ins Zuchthaus begegneten uns Schwälmerinnen und Schwälmer (Der Schwälmer Grund = Region in Hessen) in ihren Trachten. Das Zuchthaus hier war früher ein Kloster. Überhaupt die Gegend hier ist sehr schön und gesund.

Arbeit habe ich bis heute noch keine. Ich bin mit zwei Frauen aus Remscheid zusammen. Das Essen hier ist besser wie in Elberfeld, vor allem sauber und auch genügend. Also nochmals um mich macht Euch keine Sorgen. Nun zu Euch, was macht mein guter Junge, ist er auch tüchtig in seinem Fach? Er wird sicher viel an mich denken. Er hat eine Mutter und gewissermaßen auch keine. Ja, da wird nicht nachgefragt. Es ist gut, dass er so verständig ist und Du mein lieber Mann, verstehst, ihm alles zu ersetzen. Machst Du noch immer Notstandsarbeiten oder sind dieselben fertig? Ich bin in Sorgen um meinen Haushalt. Wie gedenkst Du denselben einzurichten? Wie wäre es, wenn Du die Wäsche ausgäbst? Schreibe mir doch bitte nach Erhalt dieses Briefes sofort wieder, damit ich wenigstens weiß, woran ich bin. Karten dürft Ihr mir nicht schreiben. Mit dem Besuchen ist schon so eine Sache, das werdet Ihr ja nicht können. Ich muss nun schließen und verbleibe mit vielen Grüßen und Küssen Eure Euch liebende Mutter.“ (Quelle: Original aus dem Stadtarchiv Remscheid)

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