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Früher Nein zu Fahrrädern, jetzt freie Fahrt für Pkw?

Postkarte der Alleestra0e aus 1970.Parkplätze vor der Ladentüre lassen die Kassen klingeln“, titelte der Waterbölles am 18. Mai 2011. An diesem Tag hatten Oberbürgermeisterin Beate Wilding, Stadtplaner Hans Gerd Sonnenschein und Prof. Dr. Dirk Temme („Schumpeter School of Business and Economics“ der Universität Wuppertal) das „Gutachten zur Auswirkung der probeweisen Öffnung der unteren  Alleestraße (Fußgängerzone) in Remscheid für den motorisierten Individualverkehr“ präsentiert, das die Stadt Remscheid bei ihm in Auftrag gegeben hatte. Kein Grund, darüber heute noch Lobgesänge anzustimmen (siehe Kasten). Aber Politiker können ja so vergesslich sein, wenn es ihnen in den Kram passt. Und so verfasste die CDU-Fraktion fünfeinhalb Jahre später, im Dezember 2016, den Antrag an die Bezirksvertretung Alt-Remscheid, die Verwaltung möge ein (Parkraum-)Konzept erstellen für künftigen motorisierten Individualverkehr auf der unteren Alleestraße vom Markt bis zur Scharffstraße sowie ein zweites für Wohnbebauung in diesem Bereich der Alleestraße.

Kein Grund für Lobgesänge

Für alle, die in „geschichtlicher Verklärung“ heute das „Gutachten zur Auswirkung der probeweisen Öffnung der unteren  Alleestraße (Fußgängerzone) in Remscheid für den motorisierten Individualverkehr“ von Prof. Dr. Dirk Temme ( Universität Wuppertal) vom Mai 2011 hochloben, hier ein Zitat: „Eine Auswertung der Informationen über die Kassenvorgänge (Anm.: der Einzelhändler) war ...aufgrund fehlender Daten sowie der Unterschiedlichkeit der Art der Angaben nicht möglich. Die subjektiven Einschätzungen der zwölf Einzelhändler, die die Fragebögen ausgefüllt zurückgeschickt haben (Anm.: von insgesamt 20 angeschriebenen), ergeben lediglich eine Stimmungslage, die nicht repräsentativ ist!“

An einer schriftlichen Kurzbefragung der Universität nach Ende der damaligen Testphase beteiligten sich von 34  angeschriebenen Einzelhändlern nur noch neun; lediglich sieben Fragebögen konnten ausgewertet werden. Auf die Frage, ob die untere Alleestraße nach Abschluss der Probephase wieder für den privaten Fahrzeugverkehr geöffnet werden sollte oder nicht, antworteten vier Geschäfte mit Zustimmung, während drei Geschäfte eine solche Öffnung ablehnten. Kein Grund für Lobgesänge also!

Damals zeichneten sich bereits Pläne für eine Revitalisierung der gesamten Innenstadt ab. Deshalb warnte damals Bezirksbürgermeister Otto Mähler zu Recht: „Wir stehen kurz vor Beginn eines Prozesses, der für die gesamte Innenstadt gilt, Millionen kosten wird und hoffentlich bis zum Jahr 2020 abgeschlossen ist. Da nutzt es nicht, das Pferd von hinten aufzäumen mit irgendwelchen Vorschlägen, die womöglich die Vorschläge der Planer konterkarieren würden.“ Und der Waterbölles kommentierte „Was soll es zum jetzigen Zeitpunkt bringen, gebetsmühlenartig mehr Autos auf der unteren Alleestraße zu fordern? (...) Es würde sogar Sinn haben, das Thema ruhen zu lassen, bis die geforderten neuen Wohnungen  bezugsfertig sind. Vielleicht interessieren sich dafür ja insbesondere ältere Mitbürger ohne eigenes Auto, die ihren Lebensabend gerne stadtnah verbringen möchten – aber ohne viele Autos  anderer vor ihrer Haustür!“

Nun also ein neuer Antrag zum alten Thema, wieder von der CDU und wieder in der Bezirksvertretung Alt-Remscheid (BV). In der Sitzung am Dienstag wurde er diskutiert und schließlich mit neun Stimmen (von SPD, WiR und Pro Deutschland) gegen sieben Stimmen von SPD, Grünen und FDP bei Enthaltung von Ilsedore Uibel (SPD) angenommen. Bezirksbürgermeister Otto Mähler hatte zuvor vergeblich empfohlen, erst die vom Oberbürgermeister für die nächste Sitzung angekündigte „ausführliche Vorlage zum Thema“ abzuwarten, während Alexander Ernst (WiR) darauf verwies, dass „Fachleute schon seit Jahren für Autoverkehr plädieren“. (Die Abstimmung in der BV lässt eine weitere „muntere“ Debatte erwarten bei der endgültigen Abstimmung in der nächsten Ratssitzung.)

Der neue Antrag der CDU, über den der Waterbölles schon am 4. Februar berichtete, ist eigentlich der alte: „Die untere Alleestraße wird im Bereich vom Markt bis zur Höhe der Scharffstraße probeweise für einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren für den motorisierten Individualverkehr geöffnet. (...) Für diesen Bereich wird ein Parkraumkonzept erarbeitet.“

Als erste Kritikerin der CDU meldete sich Beatrice Schlieper von den Grünen zu Wort. Sie erinnerte an den Antrag ihrer Partei von September 2014, in der Fußgängerzone der Alleestraße Fahrräder zuzulassen. Den zogen die Grünen allerdings einen Monat später wieder zurück, nachdem die Polizei, wie es damals hieß, Sicherheitsbedenken geäußert hatte. Vehement hatte sich zuvor auch die Vorsitzende der Senioren-Union Remscheid, Elke Rühl (CDU),  im Seniorenbeirat gegen den Fahrradverkehr auf der Allee ausgesprochen:  „Wir glauben nicht, dass eine solche Öffnung maßgeblich zur Belebung der Allee in der Innenstadt beitragen würde. Vor allem aber haben wir Sorge um die Sicherheit der älteren Menschen, Behinderten und Kinder, die über die Alleestraße gehen.“ – „Damals gegen Fahrräder, heute für Pkw, das ist nicht zu verstehen“, sagte Schlieper am Dienstag. Widerspruch von der CDU. Alexa Bell: „Wir glauben an die untere Alleestraße“; Bernd Quinting: „Die Leute, die dann im Straßencafé sitzen, die wollen was sehen!“. Latte Macchiato im Auspuffdunst?

Autoverkehr und Außengastronomie auf der Alleestraße, das sei ein Widersprich in sich, meinte Fritz Beinersdorf von den Linken. Da seien ihm Spielgeräte und ein Sandkasten für Kinder schon lieber. „Außengastronomie? Welche? Straßencafés brauchen Aufenthaltsqualität“, meinte Schlieper. „Bei Autos auf der Mitte der Straße wäre für Tische und Stühle kaum noch Platz!“ Ihr Fazit: „Für alle Konzepte, die wir uns für die untere Alleestraße noch einfallen lassen könnten, wären Autos nur störend. Erst recht bei neuen Wohnungen rechts und links. Da müsse schließlich auch an „Aufenthaltsqualität“ gedacht werden.

Rosemarie Stippekohl (CDU) ging darauf nicht ein, wohl aber auf den Radfahrverkehr. Der werde sich bei Autoverkehr auf der Alleestraße nicht verhindern lassen. Das stehe schließlich so in der Straßenverkehrsordnung.

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Kommentare

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Michael Dickel am :

Sie glauben gar nicht, wie enttäuscht ich von der Entscheidung der BV Innenstadt bin. Dieses Thema berührt mich als jemand, der Zeit seines Lebens diesen Bereich täglich „erlebt“, wahrscheinlich mehr als andere. Der Niedergang der Alleestraße war durch den Bau des Allee-Centers besiegelt. Alle, die das damals voraus gesagt haben, hätten Recht. Und trotzdem war die Entscheidung für das Center richtig. Nichts ist für die Ewigkeit. Jahrzehnte sind mittlerweile vergangen, mehrere Umbauten, tatsächlich wurde die Allee auch ihrem Namen gerecht und es wurden Bäume gepflanzt. Seit jeher gibt es schon Anlieferverkehr auf der Alleestraße - schon das manchmal störend, aber nicht zu vermeiden. Das Wandern von angemieteten Geschäften die Alleestraße rauf Richtung Alleecenter hat dazu geführt, dass dort unten kein Händler mehr hin will - wenn er wegen Eigentum nicht muss. Und was setzt die Stadt dagegen? Autoverkehr. Ich habe bisher kein schlüssiges Argument dafür gehört. Nicht ein konkreter Hinweis, was die Befahrbarkeit an dem trostlosen Zustand ändern soll - alles nur vage Zukunftsprognosen (oder soll ich schreiben, Prinzip Hoffnung?). Dieser Umbau wird wieder Geld kosten und wie immer bei städtischen Bauvorhaben unvorstellbar viel. Nutzen, wie gesagt, erst mal nur Wunschdenken. Nun könnte man ja auf die Idee kommen - ach strafen wir die Partei doch einfach bei der nächsten Wahl ab. Aber was ändert das? Nichts. Das Geld wird ausgegeben sein, der Zustand an den Häusern wird sich nicht verändern. Ja, man kann dann den Döner für 1.50 € wahrscheinlich falsch parkend mit dem Auto holen. Und die 1 Euro Artikel gleich vor Ort in den Kofferraum werfen. Diese Vorstellung macht mich einfach nur noch wütend. Die Car-Poser wird es freuen. Ihre Klappenauspuffanlagen werden in dem Schlauch Alleestraße noch besser zur Geltung kommen, und man kann dann so schön immer im Kreis fahren. Also, Wohnqualität erreicht man damit nicht. Nur meckern ist nicht so mein Ding. Man muss natürlich auch eigene Ideen präsentieren, um nicht als Stänkerer aufzufallen. Ich plädiere für folgende Überlegungen, für deren Umsetzung die Politik sich einsetzen sollte. Einrichtung einer 24 Stunden Polizeiwache im unteren Bereich der Allee - nicht hinter Mauern oder zugeklebten Schaufenstern, sondern offen zur Strasse und beiderseits gut einsehbar. Zweitens. Ankauf des Sinn-Gebäudes durch einen Zusammenschluss mehrerer Einzellhändler oder die es werden wollen und Errichtung eines großen Fachmarkts verschiedener Richtungen in dem Gebäude - Bürgschaft durch die Stadt, Finanzierung durch die Stadtsparkasse in Verbindung mit der KFW. (Quasi - tausendfach, alles unter einem Dach) Keine Ketten, nur lokale Anbieter. Am Markt wirklich einen Markt. Eine große geschlossene Markthalle (Vorbilder gibt es genug) mit festen Verkaufsständen von Frischwaren. Gerne kann die jetzige überbaut werden und im Mittelpunkt der neuen Halle Gastronomie bleiben. Mehr innovative Spielflächen im unteren Bereich der Alleestr., mehr Ruhebereich, Schachbrett, Boule-Flächen, kleine Amphitheater für Strassenkünstler, ein Fassadenprogramm, aufgelegt wiederum durch Remscheider Banken und abgesichert durch städtische Bürgschaft, falls es einer der Beteiligten mal nicht schafft. Wohlgemerkt, die Stadt kann das nicht machen - es müssen die Eigentümer sein. Aber die Stadt kann helfen - wenn sie es denn will. Meine Liste von Ideen ist erweiterbar - z. B, habe ich vor bald 20 Jahren Herrn Kennepohl mal ein Beispiel für eine aufklappbare Überdachung gezeigt, die man Stück für Stück umsetzen könnte. Wahrscheinlich wird es aber wieder so kommen, das wir das Geld lieber für den Umbau zur Straße ausgeben wollen. Mit blutet das Herz.

Michael Dickel am :

Nachtrag: Und ja, natürlich muss die Allee für Fahrräder geöffnet werden mit Ladestationen für die E-Bikes - aber bitte mit einer richtigen Fahrbahn für beide Richtungen, die auch genutzt werden muss.

Michael Dickel am :

Noch ein Nachtrag: Und wenn dann Menschen da sind, kommen auch Geschäfte, Cafés und auch Wohnen wird interessant.

Bettina Stamm am :

Die Mitteilungsvorlage 15/486 ist noch kein Jahr alt, da wurde seitens der Verwaltung auf Anfrage mitgeteilt: „Die Öffnung der Alleestraße für den Pkw-Verkehr ist derzeit nicht im Katalog der Maßnahmen des beschlossenen Konzeptes zu Revitalisierung der Innenstadt enthalten. Auf dieser Grundlage fanden seit der Konzeptaufstellung keine Gespräche zur Projektrealisierung statt.“ D.h. es gibt kein Konzept die diese Entscheidung begründen könnte, und bestehende Planungen die in Abhängigkeit mit der Öffnung der Alleestraße für PKWs stehen, müssen neu abgestimmt werden. Mehr Straßen bedeutet mehr Verkehr. Ob dies einer gewünschten Revitalisierung und Förderung des Stadtlebens dient, ist fraglich. Während anderswo Stadtplaner ausgezeichnet werden, weil sie Innenstädte autofrei, fahrrad- und fußgängerfreundlich gestalten, fließt in Remscheid viel Geld in den Ausbau von Straßen und Lärmschutz, statt in den ÖPNV oder nicht motorisierten Verkehr. Damit steht diese Entwicklung im Widerspruch zu den städtischen Klimaprojekten und den jüngsten Empfehlungen des Bundesumweltamtes zur Förderung des Fußverkehrs. Nicht nachvollziehbar ist auch, dass der Alleestraße aufgrund ihrer Länge von 700 Meter ein Standortnachteil bescheinigt wird, während man beim DOC davon überzeugt ist, dass trotz einer Distanz von min. 900 Meter Fußweg vom Parkhaus in die Altstadt, Hunderte von Besucher in die Altstadt strömen werden. Und hier wird wie bei vielen anderen städtischen Projekten auch, die Diskrepanz zwischen Reden, Entscheiden und Handeln deutlich. Mittlerweile kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass primär vor allem danach gestrebt wird im öffentlichen Diskurs mit „Schnellschuss-Entscheidungen“ Lösungskompetenz zu beweisen, anstatt bestmögliche Lösungen für unbestrittene Probleme auf sachrationaler Ebene zu finden.

Ralf Wieber am :

Für alle, die in „geschichtlicher Verklärung“ Nachhilfe suchen und wahrscheinlich auch brauchen, hier Ausschnitte aus dem „Gutachten zur Auswirkung der probeweisen Öffnung der unteren Alleestraße" (Fußgängerzone) in Remscheid für den motorisierten Individualverkehr als Fazit. Auftraggeber: Stadt Remscheid, vertreten durch die Oberbürgermeisterin, Zentraldienst Stadtentwicklung und Wirtschaft, Ludwigstr. 14, 42853 Remscheid Auftragnehmer: Bergische Universität Wuppertal, Schumpeter School of Business and Economics, Lehrstuhl für empirische Wirtschafts- und Sozialforschung, Univ.-Prof. Dr. Dirk Temme, Gaußstr. 20, 42119 Wuppertal Wuppertal, im Mai 2011 Hier die Zusammenfassung und Beurteilung! Die sechsmonatige Öffnung der unteren Alleestraße für den motorisierten Individualverkehr hat auf Basis der „Vorher-Nachher“-Messungen im September 2010 bzw. März 2011 zu folgenden zentralen Ergebnissen geführt: 1. Die Passantenfrequenz hat (unter Berücksichtigung der zusätzlichen PKW-Insassen) insgesamt mit einer Erhöhung um 14 % deutlich zugenommen. Dabei scheint sich die Belebung durch den PKW-Verkehr nicht negativ auf die Attraktivität der unteren Alleestraße für Fußgänger ausgewirkt zu haben, wie der Anstieg der Fußgängerzahlen von 7 % verdeutlicht. Für die einzelnen Zähltage (Mittwoch, Freitag und Samstag) und Tagesabschnitte (11-13 Uhr/16-18 Uhr) sind aber sowohl Zuwächse (bis zu53 %), als auch leichte Rückgänge (bis zu 3 %) in der Passantenfrequenz (inkl. PKWInsassen) zu verzeichnen. 2. Die Geschäftsfrequenz hat mit einer Steigerung um 22 % insgesamt noch deutlicher zugenommen als die Passantenfrequenz. Mit einer Ausnahme (später Freitagnachmittag) hat sich dabei die Geschäftsfrequenz an allen Zähltagen für beide Tagesabschnitte erhöht. 3. Eine besonders starke Zunahme der Geschäftsfrequenz (bei gleichzeitigem Rückgang der Passantenzahl) ist mit 81 % für den späten Samstagnachmittag zu verzeichnen. Gleichzeitig ist hier auch die Anzahl von Insassen pro PKW (2,2 Personen) mit deutlichem Abstand am höchsten. 4. Mit Ausnahme des Bereichs am Metropol-Kino sowie am Beginn der unteren Alleestraße (vom Marktplatz aus gesehen) haben alle Abschnitte der unteren Alleestraße von der erhöhten Geschäftsfrequenz profitiert. Lässt man die aus statistischer Sicht bestehende Gefahr außer Acht, dass die ermittelten Differenzen zum Teil auf Unfallsschwankungen zurückzuführen sind (eine Abschätzung des Zufallsfehlers ist auf Basis des vorliegenden Untersuchungsdesigns nicht möglich), so hat sich die Öffnung für den PKW-Verkehr spürbar positiv auf die Passanten- und insbesondere die Geschäftsfrequenz in der unteren Alleestraße ausgewirkt und zu einer Belebung dieser Einkaufszone beigetragen. Diese Einschätzung deckt sich auch mit der positiven Beurteilung dieser Maßnahme durch die Mehrheit der bei Befragungen antwortenden Kaufleute, die sich auf die gesamte Testphase und nicht nur auf wenige ausgewählte (Zähl-)Tage bezieht. Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass eine dauerhafte Öffnung für den PKW-Verkehr auch zu langfristigen Verbesserungen der Situation in der unteren Alleestraße führt (z. B.V Verringerung der Leerstände, attraktiverer Geschäftsmix), scheint damit erfüllt zu sein. Nichts Anderes als diese Aussage und Empfehlung von Fachleuten im lezten Abschnitt sollte das Tun und unser Handeln leiten.

Michael Dickel am :

Lieber Herr Wieber, den einleitenden Begriff „geschichtliche Verklärung“ hätten Sie sich sparen können. Zum Gutachten: Sie haben sicher nur das Fazit zitiert. Daher habe ich und hätte auch damals wichtige Nachfragen zu stellen. Wie waren zum Zeitpunkt der Zählungen (vorher-nachher) die klimatischen Bedingungen? Sind die berücksichtigt worden? Bedeutet eine Zunahme von 14% auch Zunahme der Umsätze der Händler von 14% und auch hier die Nachfrage, ob dies nicht im Wesentlichen von der Witterung abhängt. Dann die unglaubliche Zunahme an einem Samstag. Was war da? Auto Show? Oder sind die alle gekommen um den vorbei fahrenden Verkehr zu sehen? Das sind Punkte, die mir aus dem Fazit nicht ersichtlich sind - und keine Sorge - Gutachten habe ich in meinen fünf Jahren Kommunalpolitik genug gelesen. Der Ersteller richtet sich nach der Ausgangsfrage. Hätte man die anders formuliert, wäre das Ergebnis ein Anderes gewesen. Wetten dass? Schön wäre es, wenn man Gutachter haftbar machen könnte, wenn durch ihre empfohlenen Maßnahmen nicht der gewünschte Effekt erzielt würde. Fragen Sie mal bei unserer Verteidigungsministerin nach. Mit den Ausgaben für Gutachten aus ihrem Haus hätte man den Belag der Alleestrasse vergolden lassen können.

Gerd Rothbrust am :

Eine Ergänzung zum Kommentar von Herrn Wieber: Das Alleecenter ist so erfolgreich, weil es gute und billige Parkmöglichkeiten vorhält. Anzunehmen, dass jemand mit dem Fahrrad zum Bummeln oder zum Einkaufen in die Stadt fährt, ist abenteuerlich! Der Umstieg auf das Fahrrad ist nur durch massiven Zwang realistisch, weil Radfahren (besonders in Remscheid) ein riesiger Rückschritt ist! Das bedeutet für die untere Alleestraße: Es muss zusätzlich Parkraum geschaffen werden!

Michael Dickel am :

So Herr Wieber, hab das Gutachten jetzt gelesen. Danke, dass es auf der Internetseite der W.i.R. zu finden ist. Witterung ist aufgeführt - eine Einflussnahme wurde jedoch grundsätzlich nicht ausgeschlossen. Aber was mir sofort aufgefallen ist. Die erste Zählung würde am 15/17 und 18. Sept. 2010 durchgeführt. Die zweite Zählung am 23/25 und 26.03.2011. Nun, was fällt Ihnen auf? Richtig - es wurden nicht die gleichen Monatstage gewählt. Und da kann ich Ihnen aus Erfahrung sagen, dass dies sehr wohl auf das Verhalten von Menschen einen Einfluss hat. Ihr aufgeführtes Gutachten hatte schon damals viele Zweifel hervor gerufen - ich kann es jetzt verstehen. Mehr war wahrscheinlich auch aus finanziellen Gründen nicht möglich. Aber wenn das Ihre Grundlage ist, auf der Sie eine weiterreichende Entscheidung stellen, dann wundert mich überhaupt nichts mehr. Nachtrag: Nach Beendigung der Testphase wurde eine Kurzbefragung durchgeführt.…

Ralf Wieber am :

Sehr geehrter Herr Dickel, durch Wiederholung werden die Argumente auch nicht besser. Jedoch hier noch einmal trotzdem zum Kern des " Gutachtens". Zitat: "Die Öffnung für den PKW-Verkehr hat sich spürbar positiv auf die Passanten- und insbesondere die Geschäftsfrequenz in der unteren Alleestraße ausgewirkt und zu einer Belebung dieser Einkaufszone beigetragen. Diese Einschätzung deckt sich auch mit der positiven Beurteilung dieser Maßnahme durch die Mehrheit der bei Befragungen antwortenden Kaufleute, die sich auf die gesamte Testphase und nicht nur auf wenige ausgewählte (Zähl-)Tage bezieht.Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass eine dauerhafte Öffnung für den PKW-Verkehr auch zu langfristigen Verbesserungen der Situation in der unteren Alleestraße führt (z. B.V Verringerung der Leerstände, attraktiverer Geschäftsmix), scheint damit erfüllt zu sein." Und noch eins auf diesem Wege:"Was den Menschen bewegt, sind nicht die Dinge selbst, sondern die Ansichten, die er davon hat." Mit freundlichen Grüßen Ralf Wieber

Michael Dickel am :

Sie zitieren richtig Herr Wieber. Das habe ich auch gelesen und hat mich noch mehr geärgert, dass da nicht massiv Unmut geäußert wurde. Lesen Sie noch mal ganz langsam... „scheint damit ...“. Viel Spaß beim Verlassen auf den Schein. Mir ist es mittlerweile egal - ich habe jegliche Hoffnung bei solchen Entscheidern verloren. Ich wohne da nicht, bin also nicht vom Verkehr betroffen. Ich habe auch keine kleinen Kinder mehr, daher ist mir auch das Schnuppe. Ich werde auch nicht mit dem Auto dahin wollen. Schon als Ratsmitglied habe ich auf die Parkkarte (als Einziger zu der Zeit) verzichtet, weil ich den Weg auch zu Fuß gehen kann. Da ich auch das nicht mehr muss - macht Ihr ruhig weiter und fühlt euch gut und sicher dabei.

Michael Heimlich am :

Also ich habe mich hier noch nicht wiederholt, aber mir erschließt sich auch nicht, wie eine "Fußgänger"zone, die nun teilweise mit Autos befahren werden darf, attraktiver für die Kundschaft werden soll? Zumal die Allee Str. an drei verschiedenen Stellen sehr gut mit dem Bus zu erreichen ist (Allee Center, Fr. Ebert Platz u. von unten über den Markt) und darüber hinaus über ein Parkhaus im Allee Center recht gute Parkalternativen anbietet. Die Attraktion einer Einkaufszone hängt in erster Linie von attraktiven Geschäften ab und nicht von durchfahrenden Autos. Vor vielen Jahren noch , als es z. B. noch zahlreiche Schuhgeschäfte, Bekleidungshäuser, wie Vogel, Sinn Leffers, Wehmeyer und sogar ein Warenkaufhaus auf der Allee Str gab, war es für mich sogar attraktiv den Weg von meinem damaligen Wohnort Wuppertal - Cronenberg nach Remscheid zurück zu legen und damals war die Allee Straße fußläufig schon genau so "steil" wie heute. Aber eine befahrbare untere Allee Str als Attraktion für mehr Kunden ??? Schlichtweg für mich ein Störfaktor beim Bummeln an den Geschäften vorbei, wenn es denn etwas zu Bummeln gäbe! Freuen wird es wahrscheinlich die Post-Kunden, die mal eben schnell ein Paket abgeben oder bei der Postbank Geld ziehen möchten und dann die wenigen zusätzlich geschaffenen Parkplätze blockieren und wieder davon "rauschen" werden. Wahrscheinlich einer der nächsten Unfall-Quellen bedingt durch ganz eilige Verkehrsteilnehmer... Und..., wann wird "man" sich eigentlich in Remscheid, und auch im dort ansässigen Handel eingestehen, dass durch die Planung eines DOC in Lennep quasi ein zweites Einkaufszentrum in Remscheid geschaffen werden soll, welches der Attraktivität der Alleestr. zusätzlich Schaden wird. Ach ja, und wie war das noch mit Remscheid als Fahrrad-Stadt? Wahrscheinlich dann auch zu gefährlich auf der Alleestr... für die Fußgänger dann aber auch!

Lothar Kaiser am :

Zweifel an der Sinnhaftigkeit von Autoverkehr als Kundenbringer auf der unteren Alleestraße klingt heute im RGA bei Axel Richter an: „Und dann? Dürfte sich doch nur wenig ändern. Das zeigten schon die Ergebnisse eines ersten Versuchs vor zehn Jahren: Die Kunden konnten nun zwar bis vor die Ladentür fahren, taten das aber weit seltener als erhofft. In den Geschäften klingelte die Kasse deshalb nicht häufiger als zuvor.“ Dennoch hält der Kommentator die Rückkehr der Autos für konsequent. Denn die Alleestraße solle ja künftig „weniger Einkaufsmeile und mehr Wohnstraße sein. Wer aber wohnt, der will auch wegfahren können und sein Auto in der Nähe wissen.“ Ob dies das richtige Konzept für die Alleestraße werde aber erst die Zukunft zeigen. Parkplätze für Anwohner in der Fußgängerzone, lieber Herr Wieber? Klingt nicht nach mehr Attraktivität, oder?

Eija Tirkkonen am :

In den oberen Etagen sind doch jetzt schon Wohnungen, ohne dass nur ein Parkplatz auf der Alleestraße zu finden ist. Warum sollten einzelne zusätzliche Wohnungen im Erdgeschoss ein Parkplatzproblem hervorrufen? Eine Fußgängerzone ist ausschließlich mit Einzelhandel verbunden. Gibt man Einzelhandel mehrheitlich auf, gibt es keinen Grund mehr für die Fußläufigkeit.

Ursula Wilms am :

Acht Jahre, das ist verdammt lange her, um daraus Schlüsse auf die heutige Zeit abzuleiten. Und nun wieder ein Kreisen um denselben Berg? Wir müssen einfach zur Kenntnis nehmen, dass die Innenstadt nicht mehr nur hauptsächlich Shopping-Meile ist im Zeitalter der Interneteinkäufe, und dahin kann sie auch mit oder ohne motorisierten Individualverkehr nicht gebracht werden. Daher muss die Innenstadt zunächst neu gedacht werden als Kommunikationszentrum mit Cafés, Bibliothek, sozialen Projekten, Museum etc., der Smart City gehört die Zukunft, dem MIV ganz sicher nicht. Remscheid könnte sich hier einmal ganz nach vorne denken, anstatt wieder um denselben Berg zu kreisen.

Michael Dickel am :

Hierzu eine sehr interessante Studie mit Beispielen: http://tinyurl.com/y4cvh7ga. Zitat: "Seit vielen Jahren lässt sich beobachten, wie sich der kleine, eigentümergeführte Einzelhandel aus den weniger begünstigten Lagen unserer Städte zurückzieht. (...) 1965 gab es in Deutschland noch über 150.000 kleine Lebensmittelgeschäfte mit einer Verkaufsfläche von unter 400 Quadratmetern. Heute liegt die Zahl dieser Geschäfte bei nur noch rund 8.000. Die anderen Lebensmittelgeschäfte wurden durch Supermärkte und Discounter verdrängt. (...) Ist es erst einmal so weit gekommen, dass ein Standort dauerhafte Leerstände in seinen Ladenlokalen zu beklagen hat, herrscht meistens Ratlosigkeit. Der Einzelhandel selbst kann das Problem nicht mehr lösen. Aber wer dann? Hier sind andere Konzepte gefragt und andere Akteure, die sich für die Belebung ihres Standortes engagieren. (...) Leere Ladenlokale können aber auch eine Chance sein und Raum für alternative und innovative Nutzungen bieten. Und die sind dringend erforderlich, wenn der klassische Einzelhandel nicht mehr überlebensfähig ist.“

Eija Tirkkonen am :

Alle neuen Konzepte müssen von der wirtschaftlichen Seite her nach ihrer Realisierbarkeit geprüft werden. Die Immobilen müssen eine verwaltungstechnische Nutzungsänderung durchlaufen, die unweigerlich mit Umbaukosten einhergehen. Das heißt, dass man eine Investition in unbekannter Höhe hat, weil der Brandschutz nicht immer ohne Überraschungen hergestellt werden kann, jedoch mit einer sehr ungewissen Ausgangslage für Reinvest. Die Umbaukosten werden ebenso zum Hemmschuh für Nutzungsänderungen während der Testphase von zwei Jahren. Wenn die Testphase den Weg für neue Nutzungen ebnen soll, was machen die Nutzer nach zwei Jahren? Schon die Mietverträge haben meistens eine Laufzeit von fünf Jahren. Es wäre sinnvoller, sich für ein Ziel zu entscheiden, damit die neue Nutzung das bestmögliche Umfeld erhält. Man kann sich beides als gelungene Lösung vorstellen: Wohnen im Erdgeschoss mit schönen kleinen Vorgärten nach englischer Art, begrenzte Wohnstraße, die sich durch mobile Stadtmöbel am Wochende in ein grünes Wohnzimmer der Stadt verwandelt. Oder eine kühle urbane Geschäftsstraße mit vertikalen begrünten Stadträumen in den neuen „Hochhäusern“. Die Hochhäuser verdichten die Kaufkraft und ändern die sozioökonomische Struktur der Alleestraße. Eins aber gilt für beide Konzepte: Ein Stadtleben ist ein Mix von Kultur und Kommerz. Die Bibliothek mitten drin signalisiert den Bürgern, dass etwas eigens für sie geschaffen wurde.

SPD-Unterbezirk Remscheid am :

Der aktuelle Stand Revitalisierung der Innenstadt ist Thema des Stammtisches der SPD-Senioren am Montag, 25.FRebruar, um 19 Uhr in der Gaststätte „Brauerhaus“ Markt 3. Referent ist Bezirksbürgermeister Otto Mähler, Vorsitzender Ausschuss für Bauen, Gebäudemanagement, Liegenschaften und Denkmalpflege.

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