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Gertrud Tillmanns musste fünf Jahre ins Zuchthaus

Mit dieser Broschüre hat die Stadt Remscheid den vielen Remscheider Frauen, die wegen ihrer politischen Überzeugung, menschlichen Verantwortung oder aus ganz persönlichen Gründen während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und inhaftiert wurden, ein Denkmal gesetzt. Die teilweise umfangreich geschilderten Lebensschicksale waren ganz unterschiedlich und haben mich sehr berührt. Ich lernte die politisch engagierten Frauen als starke, selbständig denkende und handelnde Persönlichkeiten kennen, die teilweise ihre männlichen Partner an Aktivität und Kreativität übertrafen. Viele hatten auch vor der Nazizeit wichtige politische Funktionen bekleidet. Nur wenige Frauen standen im Schatten ihrer männlichen Partner oder sonstigen Familienangehörigen. Ihren Beitrag zur Menschlichkeit in einer unmenschlichen Welt ans Licht treten zu lassen und sie nicht zu vergessen, ist die Absicht dieser Broschüre.
Die 2. Auflage dieser Broschüre aus dem Jahr 2007 hält die Erinnerung wach an die vielen Frauen und Männer, die in der Zeit des Nationalsozialismus litten und ermordet wurden.

(Christel Steylaers, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte)

Unter den 59 Angeklagten des nach Hans Salz genannten Prozesses, der vom 11. bis 19.11.1935 vor dem Sondergericht Hamm in Wuppertal stattfand, waren zehn Frauen. Da in diesem Prozess neue Gesetze der Nationalsozialisten angewandt wurden, war das Strafmaß bedeutend höher. Auch einige Frauen erhielten mehrjährige Zuchthausstrafen. Nachstehend einige Lebensberichte, Kurzbiographien oder Briefe dieser Frauen:

Gertrud Tillmanns geb. Hennes wurde am 14.3.1889 in Köln geboren. Sie war Mitglied des Arbeiter-Samariterbundes und seit 1925 der KPD. Gertrud Tillmanns wurde am 17.11.1929 in den Rat der Stadt gewählt. Auch bei der Kommunalwahl vom 12.3.1933 war sie erneut gewählt worden, konnte aber das Mandat wegen des KPD-Verbots nicht ausüben.

In der Nazizeit beteiligte sich Gertrud Tillmanns gleich am Widerstand. Im Stadtteil Rosenhügel wurde sie Hauptkassiererin der illegalen KPD, und ihre Wohnung war Anlaufstelle für illegale Flugschriften. 1934 hat sie versucht, auf dem Anger eine Widerstandsgruppe zu bilden und bat zu diesem Zweck W. Hegemann, den sie vom Arbeiter-Samariterbund kannte, seine Wohnung für illegale Zusammenkünfte zur Verfügung zu stellen. W. Hegemann sagte zu. Es war vereinbart worden, dass alle Teilnehmer der Versammlung sich durch die Losung auswiesen: „Zeigen Sie mir mal den Radioapparat!“ Diese Abmachung ist auch eingehalten worden, und es haben drei Besprechungen stattgefunden. Dann aber hat ein Spitzel die Zusammenkünfte verraten und alle Teilnehmer wurden verhaftet und später wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verurteilt.

Gertrud Tillmanns wurde in dem Prozess „Hans Salz“ zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Sie war in jener Zeit in den Zuchthäusern Ziegenhain, Aichach und Lauffen. Ihr Mann Hermann Tillmanns war im Prozess „Hans Salz“ freigesprochen worden. Doch er wurde auf Veranlassung der Gestapo nach dem Prozess in das Moorlager Esterwegen verschleppt und anschließend in das KZ Sachsenhausen. Diese „Schutzhaft“ dauerte drei Jahre.

Anfang der vierziger Jahre beteiligten sich Gertrud und Hermann Tillmanns an der Widerstandstätigkeit in der Gruppe um Hugo Paul. Im Zusammenhang mit den Ereignissen am 20. Juli 1944 wurde Gertrud Tillmanns 1944 erneut vorübergehend in Haft genommen. 1945 beteiligten sich Gertrud und Hermann Tillmanns am Wiederaufbau des zerstörten Landes und waren wieder Mitglied der KPD. (Quellen: Liste der VVN Remscheid über Inhaftierte in der Nazizeit; Armin Breidenbach: „Widerstand und Verfolgung in Remscheid 1933 - 1945“; Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, Gestapoakte RW 58-29375; Ilse Faeskorn: „Es ging um Kopf und Kragen - Leben und Widerstand von Hugo und Luise Paul“; „Remscheid in der Zeit des Nationalsozialismus“, darin Beitrag „Es erblüht eine weiße Rose...“)

 

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