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Die Opfer der Knöchelorganisation

Willi Seng.Mit Beginn des 2. Weltkrieges 1939, insbesondere aber nach dem vertragsbrüchigen Überfall der Hitler-Armeen auf die Sowjetunion verstärkten sich die antifaschistischen Aktivitäten in Deutschland. So wurde versucht, von Amsterdam aus Kontakt zu den Widerstandsgruppen im Rheinruhrgebiet herzustellen. Diese Bemühungen fügten sich in den Plan des Zentralkomitees der KPD in Moskau, regionale illegale Leitungen und eine operative Leitung der KPD für ganz Deutschland zu schaffen. Als ersten Instrukteur ließ die Abschnittleitung West in Amsterdam Willi Seng im August 1940 ins Rhein-Ruhr-Gebiet reisen. Er kam aus Berlin und war von Beruf Schneider.

Willi Seng verfügte über große Erfahrungen in der illegalen Arbeit und umfangreiche Verbindungen im Bergischen Land, am Niederrhein und im Ruhrgebiet. Im Juli 1941 kam Alfons Kaps aus Wuppertal als Instrukteur ins Rheinland. Die­ser verfügte über Verbindungen insbesondere in Wuppertal und Düsseldorf. Im Herbst 1941 reiste Alfred Kowalke über das Venloer Flugfeld zunächst nach Köln. Da Köln schon stark bombardiert war und er keine Verbindung zur Parteiorganisation fand, reiste er nach Berlin weiter. Hier bekam er über den Arbeitersportler Werner Seelenbinder Kontakt zur Bezirksleitung der KPD und nahm ab November 1941 an der Arbeit der operativen Leitung der KPD für Deutschland teil.

Im Laufe des Jahres 1942 fuhren noch die Instrukteure Lissi Rieke, Wilhelm Beuttel und Jakob Welter von Amsterdam nach Deutschland. Am 8.1.1942 verließ das Mitglied des ZK der KPD Wilhelm Knöchel Amsterdam, nach­dem ihm der Mitropakellner Traugott Lazina eine „Stelle“ als Silberputzer in seinem Speisewagen besorgt hatte. Im Laufe des Jahres 1942 teilten die Instrukteure Knöchel und Kowalke der Leitung der KPD in Moskau mit, dass sie Verbindungen nach Berlin, Düsseldorf, ins Ruhrgebiet, ins Bergi­sche Land und andere Gebiete hätten. Illegale, im Ausland und im Inland gedruckte Schriften wurden verteilt, Berichte aus dem Inland über Ams­terdam nach Moskau gegeben. Diese rege Tätigkeit entsprach zwar nicht dem Umfang der Widerstandstätigkeit zu Beginn des Faschismus, doch er war schon beachtlich, wenn man bedenkt, unter welchen Bedingungen die Illegalen leben mussten. Viele waren schon seit 1933 illegal, immer verfolgt und in wechselnden Quartieren, ohne Lebensmittelkarten. (Sehr tragisch war das Schicksal von Wilhelm Knöchel, der an Tuberkulose erkrankte und dringend gute Nahrung und eine ruhige Wohnung brauchte. So haben seine Genossen hochwertige Nahrungsmittel für ihn besorgt, wie Fleisch, Zitronen, Milch und Butter).

In Wuppertal wurde die Widerstandsgruppe von Walter Böhne geleitet. Im Raum Solingen - Remscheid sammelte sich um Hugo Paul eine Gruppe von Kommunisten, die mit gemeinsamen ausgedehnten Wanderungen einen intensiven persönlichen Kontakt pflegten, der es ihnen erlaubte, relativ un­verdächtig politische Informationen auszutauschen.

Mit dieser Broschüre hat die Stadt Remscheid den vielen Remscheider Frauen, die wegen ihrer politischen Überzeugung, menschlichen Verantwortung oder aus ganz persönlichen Gründen während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und inhaftiert wurden, ein Denkmal gesetzt. Die teilweise umfangreich geschilderten Lebensschicksale waren ganz unterschiedlich und haben mich sehr berührt. Ich lernte die politisch engagierten Frauen als starke, selbständig denkende und handelnde Persönlichkeiten kennen, die teilweise ihre männlichen Partner an Aktivität und Kreativität übertrafen. Viele hatten auch vor der Nazizeit wichtige politische Funktionen bekleidet. Nur wenige Frauen standen im Schatten ihrer männlichen Partner oder sonstigen Familienangehörigen. Ihren Beitrag zur Menschlichkeit in einer unmenschlichen Welt ans Licht treten zu lassen und sie nicht zu vergessen, ist die Absicht dieser Broschüre.
Die 2. Auflage dieser Broschüre aus dem Jahr 2007 hält die Erinnerung wach an die vielen Frauen und Männer, die in der Zeit des Nationalsozialismus litten und ermordet wurden.

(Christel Steylaers, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte)

Zu Beginn des Jahres 1943 begann eine große Verhaftungswelle in Berlin, Düsseldorf, dem Ruhrgebiet und dem Bergischen Land, um die Knöchel-organisation zu zerschlagen. Mehr als 200 Frauen und Männer wurden verhaftet, davon ca. 40 aus dem Bergischen Land. Ganze Familien wur­den geholt. Fast die Hälfte der Verhafteten waren Frauen. 52 Männer und Frauen fanden den Tod, davon wurden 23 hingerichtet, unter ihnen Wilhelm Knöchel und Willi Seng, 9 wurden in der Untersuchungshaft ermordet oder haben sich selbst das Leben genommen, einer nahm sich bei der Verhaf­tung das Leben, 11 starben im Zuchthaus oder KZ, vier wurden im April 1945 in der Wenzelnbergschlucht umgebracht, vier sind an den Folgen der Haft 1945/46 gestorben.

Unter den 51 Todesopfern waren fünf Frauen:

  • Charlotte Garske, Berlin, Quartierswirtin von Wilhelm Knöchel wurde in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
  • Anna Forterie, eine Holländerin, setzte im Zuchthaus Celle selbst ihrem Leben ein Ende.
  • Elisabeth Kaps aus Wuppertal starb 53-jährig kurz nach der Einlieferung in das KZ Ravensbrück.
  • Luise Rieke aus Duisburg, illegale Instrukteurin der KPD, wurde am 5.1.1945 in Dortmund, dreißigjährig, hingerichtet.
  • Hildegard Ebbinghaus aus Wuppertal-Ronsdorf starb 54-jährig an den Folgen der Haft kurz nach dem Krieg zu Hause.

Die Familie Kaps aus Wuppertal traf die Nazi-Barbarei besonders hart: Drei Brüder Kaps, alle um die Jahrhundertwende geboren, verloren ihr Leben: Paul Kaps wurde hingerichtet, Alois und Alfons Kaps starben durch Mord oder Selbstmord in der Untersuchungshaft. Alle drei Lebensgefährtinnen bzw. Ehefrauen wurden in Haft genommen, ebenso Schwiegersohn und Tochter von Alois Kaps sowie ein Schwager.

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