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Wider das Vergessen – Gedenken an Ilse Faeskorn

Ilse Faeskorn.von Christel Herrmann

„Wider das Vergessen“ – dies ist das Leitmotiv der vorliegenden Broschüre (Anm.: letzte Auflage aus dem Jahr 2007). Sie ist gewidmet den Remscheider Widerstandskämpferinnen, die mutig und unbeirrt dem Terror und der Willkür des Nationalsozialismus entgegen getreten sind. Sie zu würdigen und sie vor dem Vergessen zu bewahren - das war Herzenswunsch von Ilse Faeskorn. Hierfür recherchierte sie unentwegt, führte unzählige Gespräche, suchte, fand und motivierte Gleichgesinnte. Ohne sie hätte es diese Broschüre nicht gegeben. Das Erscheinen der 2. Auflage dieser Broschüre erlebte sie nicht mehr. Ilse Faeskorn verstarb ganz unerwartet im Juli 2006.

Hartnäckigkeit – dieses Wort tauchte immer wieder in den Gesprächen über Ilse nach ihrem Tod auf. Ja, sie war hartnäckig. Wenn die Umstände ungünstig waren, legte sie Ideen zur Seite, aber bei den ersten guten Gelegenheiten präsentierte Ilse ihre Ursprungsideen erneut, viele Male habe ich das erlebt. Hartnäckig erforschte sie das Schicksal derjenigen, die in Remscheid während des Nationalsozialismus widerstanden hatten. Die den Mut besaßen, Nein zu sagen, und dabei ihr Leben und ihre Freiheit riskierten. Ihr Beispiel sollte vor allem die Nachgeborenen stärken, Unrecht und Will­kür, Diskriminierung und Hass nicht hinzunehmen.

Für dieses Ziel setzte Ilse die ihr eigene Beharrlichkeit immer wieder fruchtbar ein. Im Rahmen ihrer Arbeit in der VVN/Bund der Antifaschisten organisierte sie Vorträge von Verfolgten des Naziregimes in Schulen. Sie inszenierte Alternative Stadtrundfahrten zu den Orten des Widerstands, sie veröffent­lichte weitere Schriften, mit anderen initiierte sie die Aktion „Stolpersteine“ in Remscheid sowie die Ausstellung „Juden in Remscheid“. Sie sorgte für eine Gedenkplakette am Polizeigebäude in Remscheid zum Gedenken an die dort von den Faschisten gefolterten und erniedrigten Men­schen sowie für die Hugo-Paul-Straße, die bisher einzige Straße, die nach einem Remscheider Widerstandskämpfer benannt wurde.

Wider das Vergessen - dieses Ziel prägte ihre Arbeit. Viele Menschen hat sie mit ihren Aktionen sensibilisiert und aufgeklärt. Aber nicht wenigen war ihr forschendes und aufklärendes Arbeiten unliebsam. Sie wollten die dunk­le Vergangenheit nicht aufgehellt sehen und behinderten Ilses Arbeit eher als sie zu befördern. Zu einer öffentlichen Würdigung ihres Wirkens ist es deshalb nie gekommen. Die Bürgermedaille wurde ihr mit Hinweis auf ihre kommunistische Vergangenheit verweigert.

Ilse war ein durch und durch politischer Mensch. Der forschende Blick auf die Vergangenheit hatte für sie auch immer Bedeutung beim Blick auf aktuelle politische Entwicklungen. Sie war in einem sozialistischen Elternhaus groß geworden, hatte als junges Mädchen den Krieg erlebt; am Tag der Befreiung vom Faschismus war sie 16 Jahre. All das hatte sie geprägt, aber auch stark gemacht. Stark besonders gegenüber den Folgen des kalten Krieges ab 1949, die sie als Kommunistin zu spüren bekam. Ihre Arbeit als Angestellte beim DGB wurde sie los, weil sie sich weigerte, sich von einer Verlautbarung der KPD gegen die Adenauer-Regierung zu distanzieren. Als Kommunistin fand sie danach keine Arbeit mehr außerhalb kommunistischer Institutionen. Von 1951 bis 1954 ging sie nach Leipzig, absolvierte dort ein Journalistik-Studium und arbeitete nach ihrer Rückkehr bei verschiedenen kommunistischen Zeitschriften. 1954 lernte sie ihren Werner kennen, einen Mann, der ihre Weltanschauung und ihr Ziel, eine menschlichere Gesellschaft zu schaffen, teilte. Werner war zu dieser Zeit Funktionär der seit 1951 in Westdeutschland verbotenen FDJ, er stand deshalb auf einer Fahndungsliste der Polizei. Geheiratet wurde in Ostberlin, damit Werner nicht im Standesamt verhaftet wurde. Werner ging illegal über die Grenze der BRD/DDR, Ilse fuhr zur Eheschließung mit der Eisenbahn nach Berlin. 1955 wurde ihre Tochter Heide in Remscheid geboren. Es war eine schwierige, aber auch glückliche Zeit für die junge Familie.

1956 wurde in der BRD die KPD verboten, nach dem Verbot setzten beide jedoch ihre politische Arbeit - geleitet vom sozialistischen Ideal - fort und waren in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens in Remscheid tätig. Den ersten Impuls für ihre spätere historische Arbeit erhielt Ilse durch die Kenntnis des Schicksals ihres Schwiegervaters, Fritz Faeskorn, der elf Jahre und acht Monate in Nazi-Gefängnissen und Konzentrationslagern inhaftiert war. Seine Geschichte verarbeitete sie in einem Film über das Leben von Fritz Faeskorn.

Mit dieser Broschüre hat die Stadt Remscheid den vielen Remscheider Frauen, die wegen ihrer politischen Überzeugung, menschlichen Verantwortung oder aus ganz persönlichen Gründen während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und inhaftiert wurden, ein Denkmal gesetzt. (...) Viele hatten auch vor der Nazizeit wichtige politische Funktionen bekleidet. Nur wenige Frauen standen im Schatten ihrer männlichen Partner oder sonstigen Familienangehörigen. Ihren Beitrag zur Menschlichkeit in einer unmenschlichen Welt ans Licht treten zu lassen und sie nicht zu vergessen, ist die Absicht dieser Broschüre.
Die 2. Auflage dieser Broschüre aus dem Jahr 2007 hält die Erinnerung wach an die vielen Frauen und Männer, die in der Zeit des Nationalsozialismus litten und ermordet wurden.

(Christel Steylaers, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte)

Ihr jahrzehntelanges politisches Engagement spiegelt die Geschichte der Bundesrepublik: Mit der Ostermarschbewegung (Beginn 1960) demonstriert sie gegen Krieg und Atomrüstung; sie kämpft gegen die Berufsverbote (1972), die über Mitglieder in sogenannten extremistischen Organisationen (darunter auch die 1968 wieder zugelassene DKP) verhängt wurden; sie schließt sich der Frauen- und Friedensbewegung an. Hierbei lernte ich Ilse kennen, später arbeiteten wir gemeinsam an verschiedenen Projekten. Sie klärt auf und nimmt öffentlich Stellung zu Alt- und Neonazis, die sich in unterschiedlichen Organisationen auch in Remscheid tarnen. Zu Beginn der 80er Jahre übernimmt sie den Vorsitz der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN/Bund der Antifaschisten) in Remscheid.

1989 – die Wiedervereinigung Deutschlands und das so genannte Ende des Sozialismus. Für Ilse eine Zäsur, die sie dennoch nicht an ihrer Grundüberzeugung zweifeln lässt, dass eine bessere, eine menschlichere Gesellschaft möglich ist. Für dieses Ziel lebt und arbeitet sie weiter. Sie schließt sich der PDS an und kandidiert im Jahr 2000 für den Landtag.

Ilse Faeskorn hat in unserer Stadt Zeichen gesetzt wider das Vergessen. Bei den Menschen, die sie kannten und mit ihr zusammen gearbeitet haben, hat sie tiefe Spuren hinterlassen, die alle auf das Ziel verweisen, für das Ilse gearbeitet hat: sich für eine menschlichere Gesellschaft einzusetzen. Und dass diese ihren Ausgang nimmt im respektvollen Umgang miteinander, davon war Ilse überzeugt und danach hat sie auch im Alltag gelebt.

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