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Gründer schrieben 'Todesanzeige' auf hohem Ross

Aus der Facebook-Seite der Remscheider Gründerschmiede.Der Verein Gründerschmiede e.V. hat am Samstag auf seiner Facebook-Seite die nebenstehende „Todesanzeige“ veröffentlicht, die er per E-Mail aus dem Kreis der kreativen Gründerinnen und Gründer erhalten haben will. Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz hat die Anzeige auf der SPD-Vollversammlung postwendend und völlig zu Recht als geschmacklos bezeichnet. Sie zeigt, auf welch hohem Ross sich der Verein fühlt in völliger Verkennung (oder Ignorierung) der Sachlage.

Das begann bereits am Freitagabend mit dem folgenden Facebook-Post von Christoph Imber, dem Betreiber der „ErlebBar“ an der Hindenburgstraße: „Am gestrigen Abend hat sich eine Mehrheit der Remscheider Lokalpolitik mit den Stimmen der SPD, Grünen, FDP und W.I.R. gegen unser Konzept für ein Gründerzentrum in der Böker-Villa entschieden. Wir wünschen den Küpper Bros. viel Erfolg bei der Umsetzung ihres eingereichten Konzeptes. Trotz grundsätzlicher Offenheit haben gemeinsame Gespräche unter Teilnahme der Stadt Remscheid gezeigt, dass die gegenseitigen Vorstellungen nur mit deutlichen Abstrichen in Einklang zu bringen wären. Da ein Mietverhältnis bei den Küpper Bros. schwer zu realisieren ist, interpretieren wir die Ratsentscheidung als eine Entscheidung gegen unser Konzept eines Gründerzentrums im Herzen Remscheids. Wir glauben weiter an die Idee eines Gründerzentrums und werden auf eigene Initiative daran arbeiten, Remscheid interessanter zu machen.“

Beschlossen hatte der Rat der Stadt am Donnerstag, die denkmalgeschützte Böker-Villa, die seit Oktober 2017 ungenutzt ist (Auszug der Musik- und Kunstschule), an die Wuppertaler Firmengruppe (Thilo und Boris) Küpper zu verkaufen. Allerdings soll(te) in dem Vertrag zwischen Stadt und Küpper auch ein Mietvertrag mit dem Gründerschmiede e.V. verankert werden. Für den Fall, dass dieser nicht zustande käme (etwa wegen der strittigen Höhe des Mietpreises?), soll(te) die Stadt der Gründerschmiede bei der Suche nach einer alternativen Immobilie oder Grundstücksfläche behilflich sein. Der SPD-Fraktionsvorsitzender Sven Wolf bestätigte das am Freitag in einem Waterbölles-Kommentar: „Nun liegt es an den Gesprächen zwischen dem Interessenten und der Gründerschmiede. Wir als SPD wollen weiterhin: die Böker-Villa muss ein Schmuckstück in der Innenstadt werden, und wir wollen ein Gründerzentrum mit der Gründerschmiede.“

Daraus ergab sich dann der folgende Dialog:

Christoph Imber, Freitag, 29. März,, 21:27 Uhr: „Lieber Sven Wolf, zur Klärung der Frage, ob die Gründerschmiede Mieter im eingereichten Konzept der Küpper Bros. sein könnte, gab es am 21. sowie 23. Januar 2019 zwei Sondierungsgespräche. Die Ergebnisse dieser Gespräche wurden von der Stadt Remscheid protokolliert, und wir haben diese im Nachgang zudem persönlich besprochen. Die Tatsache, dass dies keine gangbare Variante ist, war somit fester Bestandteil der politischen Entscheidung gegen unser und für das Konzept des Mitbewerbers.“

Lothar Kaiser, Freitag, 29. März, 21:23 Uhr: „Hallo Herr Imber, nachdem das Verfahren für die Gründerschmiede beendet erscheint, könnten Sie das Konzept der Öffentlichkeit doch einmal ausführlich vorstellen.“

Christoph Imber, Freitag, 29. März, 21:43 Uhr: „Hallo Herr Kaiser, unser Konzept für ein Gründerzentrum im Herzen Remscheids ist in Zusammenarbeit mit zahlreichen Remscheider Gründerinnen und Gründern sowie unseren wichtigsten Netzwerkpartnern entstanden und weder geheim noch für gescheitert erklärt. Ich lade Sie und Jeden, der an der Gründerkultur in unserer Stadt interessiert ist, herzlich zu einer unserer Veranstaltungen ein. Nirgends lässt sich besser zeigen, wofür wir uns einsetzen. Nächste Chance ist übrigens unser Gründerevent am 9. April um 18 Uhr im neuen Cinestar Remscheid!“

Lothar Kaiser, Freitag, 29. März, 23:49 Uhr: „Hallo, Herr Imber, im Waterbölles wartet eine durchaus interessierte Öffentlichkeit darauf, mehr über Ihr Konzept für die Böker-Villa zu erfahren. Das möchten Sie aber offenbar nicht und laden mich stattdessen zu einem „Gründerevent“ für den 9. April ins Cinestar Remscheid ein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Veranstaltung der Präsentation des Konzeptes gilt. Immerhin ist dieses ja, wie Sie selbst geschrieben haben, ‚in Zusammenarbeit mit zahlreichen Remscheider Gründerinnen und Gründern sowie unseren wichtigsten Netzwerkpartnern entstanden‘. Diejenigen, die Sie am 9. April erwarten, kennen das Konzept also schon. Warum also sollten Sie an diesem Abend dem Kreis der Gründer/innen Bekanntes erneut vortragen? Ich halte also mein Angebot aufrecht. Vor allem würde mich interessieren, ob im Konzept der Gründerschmiede eine ähnliche hohe siebenstellige Investitionssumme zur Herrichtung der Böker-Villa enthalten ist wie in dem der Investoren Küpper, und, wenn ja, wer dem jungen Gründerschmiede e.V. diese Finanzspritze angeboten hat.“

Christoph Imber, Samstag, 30. März, 8:31 Uhr: „Ihren Wunsch nach einem schriftlichen Konzept kann ich nachvollziehen, der erste Schritt um die Gründerkultur und unsere Ziele zu verstehen ist aber das persönliche Kennenlernen eben dieser. Wer sind diese Gründerinnen und Gründer, über die alle sprechen? Welche Bedarfe haben sie? Wie sieht für sie ein Arbeitstag aus? Und welchen Wert stellen für sie Netzwerk und Beratung dar? Insofern: ein Besuch lohnt sich!“

So spannend der Arbeitstag eines Gründers / einer Gründerin auch sein mag. Mich interessierte als Journalist in diesem Fall einzig und allein das Konzept, das am Donnerstag in der nichtöffentlichen Ratssitzung Gero Hübenthal (Wirtschaftsjunioren) der Politik erläutert hatte. Warten also bis zum Gründerevent am 9. April? Um mehr zu erfahren? Ich habe mich lieber gleich an die Arbeit gemacht. Und bin schneller fündig geworden als erwartet. Bitte lesen Sie:
 

„Die gebotenen Kaufpreise unterscheiden sich erheblich“, teilte die Stadtverwaltung am 14. Februar der Bezirksregierung Düsseldorf mit, nachdem das Remscheider Investorenkonsortium Hübenthal/Bühner/Sill ein Gebot über 40.000 € abgegeben hatte und die Investorengruppe Küppers Bros. GmbH & Co.KG aus Wuppertal eines 280.000 €. Ursprünglich hatten die Remscheider (Gero Hübenthal ist gleichzeitig Vorstandsmitglied der Gründerschmiede) 350.000 € geboten, dieses Angebot aber wegen Sanierungsauflagen (Beseitigung PCB-haltiger Lacke, Dachsanierung, Einbau eines zweiten Rettungsweges und eines Behindertenaufzuges) auf 40.000 € gesenkt.

Das Nutzungskonzept des Remscheider Trios, in Kooperation mit der Remscheider Gründerschmiede e.V. entwickelt, sieht in den oberen Räumen der Villa Coworking Spaces und Besprechungsräumen vor sowie im Keller eine Werkstatt. Die Räume im Erdgeschoss soll(ten) an Christoph Imber, bis September 2018 Vorstandsmitglied der Gründerschmiede, für gastronomische Zwecke vermietet werden („ErlebBar“2 ?). Erwerber der Villa würde eine noch zu gründende Immobiliengesellschaft (GbR Remscheider Gründervilla Immobiliengesellschaft), teilte die Verwaltung den Kommunalpolitikern in nichtöffentlicher Sitzung mit. Und weiter heißt es zu den beiden Investorenangeboten in der Vorlage: „Die grundsätzliche zukünftige Nutzung als Büroflächen, z.B. als Open-Space-Office, ist ... vergleichbar. Ein Unterschied liegt darin, dass im  beabsichtigten Gründerzentrum (Hübenthal) das komplette Erdgeschoss an einen Gastronomiebetrieb vermietet werden soll.“ In der Tat sieht auch das Konzept der Investorengruppe Küpper für das Objekt in einer multifunktionalen Bürostruktur Coworking Spaces sowie eine gastronomische Nutzung, allerdings in kleinerem Maßstab. Eine Vermietung an die Gründerschmiede sei vorstellbar und gewünscht.

Dies stellte die Stadt Remscheid der Bezirksregierung am 14. Februar schriftlich dar und bat „vor dem Hintergrund äußerster Sorgfaltspflicht um kommunalaufsichtliche Positionierung“, ob ein Verkaufsbeschluss an das Investorenkonsortium Hübenthal/Bühner/Sill oder Dritte auf der Basis von 40.000 €  bzw. weniger als 280.000 € im Kontext des § 90 Abs. 3 GO zulässig wäre. Dieser Paragraf sagt, dass eine Kommune Vermögensgegenstände in der Regel nur zu ihrem vollen Wert veräußern darf. Zitat: „Ausnahmen sind im besonderen öffentlichen Interesse zulässig. Dies gilt insbesondere für Veräußerungen zur Förderung von sozialen Einrichtungen, des sozialen Wohnungsbaus, des Denkmalschutzes und der Bildung privaten Eigentums unter sozialen Gesichtspunkten.“ Merke: Das Lokal im Erdgeschoss würde von Christoph Imber gewinnorientiert betrieben werden.

Wie die Verwaltung am Donnerstag nichtöffentlich berichtete, beantwortete die Bezirksregierung die Anfrage am 7. März mit einem dreiseitigen Brief. Zitat daraus: „Sollte die Werthaltigkeit der Angebote einschließlich der baren Kaufpreise sich nach objektiver, gleicher Bewertung deutlich unterscheiden, wäre die Annahme des weniger werthaltigen Angebots unter Beachtung der Vorschrift aus § 90 GO NRW nicht zu rechtfertigen.“ Darüber hinaus wäre nach Ansicht der Bezirksregierung bei der Entscheidung zu beachten, dass mit den Bewerbern des höher werthaltigen Angebots bereits ein vorvertragliches Vertrauensverhältnis entstanden ist. Mit der Ablehnung des Beschlusses würde dieses Vertrauen in die Verlässlichkeit der Stadt Remscheid bei der Vermarktung von Immobilien gegebenenfalls nachhaltig geschädigt.

Sein Kaufangebot für die Villa und das Grundstück soll Gero Hübenthal am Donnerstag von 40.000 Auto auf 220.000 Euro erhöht haben, erfuhr der Waterbölles heute. Der Aufschlag um 180.000 Euro scheint sich aber lediglich aus einer Addition nach dem Prinzip „Hoffnung“ zu ergeben: Aus erhofften Spendengeldern plus zu beantragenden öffentlichen Fördermittel plus Zuschüssen noch zu gewinnender Sponsoren. Somit wären beide Angebote nicht miteinander vergleichbar. Es ist also nachvollziehbar, dass der Zuschlag dem Meistbietenden, der Fa. Küpper, galt. Zumal die Firma den Investiionsbedarf mit 1,8 Millionen Europ beziffert haben soll, wie verlautete

Aufg die Unvergleichbarkeit der Angebote weist die Stadt in ihrer nichtöffentlichen Vorlage hin. Ergänzend heißt es: „Im Rahmen der persönlich geführten Gespräche hat die Verwaltung den Eindruck gewonnen, dass die Küpper Bros. GmbH die Herausforderung der Nachnutzung der Böker-Villa, hier vor allem die denkmalgerechte notwendige Instandsetzung der Gebäudehülle, aufgrund der nachgewiesenen Erfahrungen im Kerngeschäft der Immobilienentwicklung umsetzungsorientierter angeht.“

In seinem Verkaufsbeschluss zeigte der Rat der Stadt der Gründerschmiede den Weg auf, mit frischer Kreativität die Modalitäten des angebotenen Mietvertrages zu verhandeln. Doch stattdessen zog sich der Verein einen Tag nach der Ratsentscheidung aus dem Projekt zurück. Beleidigt?!

Erinnern Sie sich: Mit so genannten Übungsfirmen verhalf die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) in den 1990er Jahren vielen arbeitslosen Kaufleuten zu weiterer Berufserfahrung. 1991 gab es in ganz Deutschland 880 Übungsfirmen. Die führten untereinander Geschäfte auf dem Papier. Das blieb auch bei Fehlentscheidungen unschädlich. Der Verkauf der Böker-Villa ist damit nicht vergleichbar. Der spielt sich im wahren Leben ab!

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Kommentare

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Martin Gerhardts am :

Verständlich geschrieben. Danke dafür. Der Rat hat gar keine andere Wahl, wenn er im Sinne aller entscheidet. Alles andere hätte sicher ein Geschmäckle. Die Reaktion der Gründerschmiede ist unsachlich. Wenn Entscheidungen im Sinne aller fallen, muss man damit leben können, auch wenn es gegen einen selbst geht. (Eintrag aus Facebook)

Katharina Keil am :

Ich bedanke mich als Ratsmitglied für die sachliche Aufarbeitung des Ratsbeschlusses. Es bleibt auch weiterhin zu betonen, dass der Rat der Stadt Remscheid nicht über sein eigenes Vermögen, sondern treuhänderisch über das Vermögen der Stadt Remscheid zu entscheiden hat. Dieser Artikel zeigt einmal mehr, dass es nach Abgabe der Angebote keine wirkliche Wahl für die Ratsmitglieder gab. Die Ratsmitglieder haben sich nicht gegen das Konzept des Vereins Gründerschmiede entschieden, sondern gegen das Angebot dessen Investors.

Chronist am :

Ihr Raumkonzept hat die Investorengruppe um Gero Hübenthal unter dem Briefkopf der Gründerschmiede wie folgt beschrieben: 2.2.1 Erdgeschoss: Das Erdgeschoss mit dem historischen Eingangsbereich der Böker-Villa soll zum zentralen Ort und Treffpunkt im Gründerzentrum werden. Mit einer Art (Hotel-)Rezeption für das Gründerzentrum entsteht eine Willkommensatmosphäre, Remscheider werden bei der Erkundung der vielfältigen Angebote des Objekts „an die Hand genommen". Auf dieser Etage ist zudem die Gastronomie mit Fokus auf regionale und innovative Produkte verortet, die Raum für Geschäftstermine aber auch offen als Treffpunkt für jedermann dient. Zudem können hier Veranstaltungen stattfinden, für die eine Bühne („Speakers Corner") installiert wird. 2.2.2 Erstes Obergeschoss: In der ersten Etage entstehen nach unserer Vorstellung flexible Konferenz- und Besprechungsräume, die neben Gründerinnen auch etablierte Unternehmen nutzen können, um die Start-Up-Atmosphäre des Hauses aufzusaugen und auf ihre Projekte zu übertragen. Im Idealfall können die Räumlichkeiten Besprechungsräume für 10 / 25 / 45 Plätze bieten. Alle Räume werden vollausgestattet mit WLAN, Beamer, Leinwand, Ton und Whiteboard. Mit digitalen Gebäudelösungen können Gäste direkt per Tablet oder Smartphone die Angebote der hausintemen Gastronomie nutzen. 2,2.3 Zweites Obergeschoss: Im Dachgeschoss finden mit dem ersten „Coworking Space" in der Remscheider Innenstadt Arbeitsplätze der Zukunft ein Zuhause. Neben flexiblen Arbeitsplätzen (Tisch, Stuhl, abschließbarer Schrank, Drucker, WLAN, Whiteboard) besteht auch die Möglichkeit, abgeschlossene Büroräume anzumieten. Neben Gründerinnen ist dies insbesondere für Kooperationspartner wie die IHK / StarterCenter NRW aber auch die FGW, das BZI und weitere Institutionen ein spannendes Angebot um am Erfolg des Gründerzentrums zu partizipieren. (...) 2.2.4 Kellergeschoss: Der Keller der Böker-Villa wird der Kreativbereich des Hauses, der Gründerinnen zum „Tüfteln" anregt. Hier können Prototypen (Holz, 3D Druck) angefertigt werden und Werkstatt - Workshops stattfinden. Zudem soll in einer „Keller-Bar" ein Ort für Feiern entstehen. 2.2.5 Außenbereich: Aus dem Erdgeschoss können Gäste direkt hinaus in den Außenbereich gelangen und mitten in der Innenstadt die Natur genießen. Hierzu wird es neben einer überdachten Terrasse / Biergarten auch eine Bühne geben, auf der vom morgendlichen Sportprogramm bis hin zu Musik- und Kulturveranstaltungen ein Raum für Freizeit und Entspannung geschaffen wird. Durch die Aufwertung des Bökersparks entstehen zudem neue Aufenthaltsplätze (Teich, Sitzmöglichkeiten, kleine Auditorien, Outdoor-Konferenz-/Besprechungstische) die so in Remscheid noch nicht existieren.

Horst Klaeuser am :

Es ist wie so oft: in der Begründung der eigenen Haltung lässt man das weg, was vielleicht nicht gar so attraktiv auf Außenstehende wirken könnte. Ich selbst bedauere, dass die Böker-Villa für einen vergleichsweise kleinen Preis nach Wuppertal verkauft werden soll. Es hätte hier m.E. durchaus die Chance bestanden, ein Gründerzentrum einzurichten. In diesem Zusammenhang gilt meine Kritik sowohl der IHK als vor allem den Remscheider Unternehmen, die gemeinsam, vielleicht in einer Stiftung oder einer Genossenschaft und durchaus in ureigenem Interesse ein solches hätten finanzieren können. Die Investitionssumme wäre vermutlich darstellbar gewesen. Dass hier nun etwas Kommerzielles mit ungewissem Erfolg entstehen soll/kann, ist keineswegs sicher. Wir werden sehen. Hingegen setzt sich sich die Gründerschmiede mit ihrem Verhalten auch in ein zumindest unnötig trübes Licht. Die mehr als geschmacklose, noch dazu anonym veröffentlichte "Todesanzeige" ist deplatziert und entlarvt ein fragwürdiges Verständnis politischer und gesellschaftlicher Abläufe. Ob sie sich damit als seriöser Gesprächspartner empfiehlt, sei dahingestellt. Noch weniger transparent erscheint mir die Tatsache, dass das Erdgeschoss weitgehend n der Gastronomie, angemietet durch den Initiator, vorbehalten sein soll. Habe ich nicht immer nur von Gründerschmiede incl. Gastronomie gelesen und nicht von einer Verquickung der Interessen Gastwirt / Gründerschmiede? Ich halte das für nicht für besonders aufrichtig und hilfreich, weil offensichtlich private und geschäftliche Interessen vermengt werden. Letztlich das Spiel mit dem Kaufpreis. Man muss weder Architekt noch Bauunternehmer sein, um schon von außen erkennen zu können, dass in der Böker-Villa erhebliche, um nicht zu sagen kaum zu rechtfertigender Renovierungsbedarf besteht. Eine beinahe unseriös wirkende "Preisjonglage" von 350.000 auf 40.000, dann wieder auf 220.000 € festigt nicht gerade meinen Glauben in ernsthafte, kaufmännisch solide Überlegungen. Ja, Remscheid braucht eine Gründerschmiede, einen Inkubator für Startups. Ob das gleich an so prominenter Stelle mit dem vorher kaum zu schätzenden, möglicherweise prohibitiven Renovierungsbedarf plus Gastronomie sein muss, bleibt aus meiner Sicht unbeantwortet.

Gerd Rothbrust am :

Vielen Dank für Ihren erklärenden Kommentar, Herr Klaeuser. Als einfach strukturierter Zeitgenosse habe ich mich beim Lesen des Raumkonzeptes (beschrieben vom Chronisten, s.o.) und den Internetauftritten der Gründerschmiede gefragt: Womit verdient die Gründerschmiede Geld? Die Erklärung fand ich in Ihrem Kommentar: Die „…IHK als vor allem den Remscheider Unternehmen, die gemeinsam, vielleicht in einer Stiftung oder einer Genossenschaft und durchaus in ureigenem Interesse ein solches hätten finanzieren können.“ DAS hört sich eher nach „schenken“ statt nach „verdienen“ an?

Christian Günther am :

In meinen Augen hat der Vereinsvorstand des Vereins Gründerschmiede mit seinem Umgang mit dem Ratsentschluss dem gesamten Verein und damit der Gründerszene von Remscheid einen Bärendienst erwiesen. Die agierenden Vertreter des Vereins wurden nun auch öffentlich als unseriös entlarvt und treffend als schlechte Verlierer dargestellt. Herr Hübenthal trat als Vereinsvorstand auf, obwohl er eine private Investorengruppe vertrat. Gegen sein zu geringes privates Angebot hat sich der Rat entschieden, nicht gegen den Verein Gründerschmiede. Denn der hat nie etwas geboten. Stattdessen veröffentlicht der Verein eine unverschämte Todesanzeige. Zwar honoriere ich die bisherige Arbeit des Vereins, inklusive des benannten Vorstandsmitglieds, da vielen Gründerinnen und Gründern in Remscheid auf die Füße geholfen wurde. Doch die Reaktion auf einen berechtigten und begründeten Ratsbeschluss hinterlässt verbrannte Erde. Denn einerseits widerspricht der Wortlaut dem bisherigen Vereinsziel, ein gründerfreundliches Klima zu schaffen. Anderseits war die Todesanzeige für diejenigen, die sich wirklich ehrenamtlich in der Stadt engagieren, ein Schlag ins Gesicht.

Lothar Kaiser am :

Hallo Sven, Sie haben dem Waterbölles heute einen Kommentar zum Verkauf der Böker-Villa zukommen lassen. Der beginnt mit dem Satz, Sie wunderten sich in dieser Stadt über so manches. Ich auch. Dazu gehört, dass mir Kommentare für den Waterbölles anonym zugeschickt werden. Das mag ja in Facebook üblich sein, im Waterbölles ist es das nicht. Da wird Zivilcourage erwartet. Und da ist die Namensnennung noch das Mindeste. Ihren Kommentar habe ich deshalb gelöscht.

Lothar Kaiser am :

„Unsere Wirtschaft ... ist für die Zukunft darauf angewiesen, dass die Gründerschmiede ... in der Stadtmitte als Kooperationspartner zur Verfügung steht“, zitierte die Bergische Morgenpost am Freitag den CDU-Fraktionsvorsitzenden Jens Peter Nettekoven. Und heute erinnert RGA-Redakteur Axel Richter an seine Frage vom November vergangenen Jahres: „Wie wäre es, die Unternehmer täten sich zusammen und legten einen Fonds auf?“ Gäbe es den inzwischen, hätte der Gründerschmiede e.V. sicherlich selbst ein Angebot für die Gründerschiede abgegeben. Hat er aber nicht. Die Annahme liegt nahe, dass es um die Finanzen des Vereins weiterhin schlecht bestellt ist. Beide Kaufinteressenten machten im Bieterverfahren der Gründerschmiede das Angebot, nach dem Kauf als Mieter in die Böker-Villa einziehen zu können. Zu welchem Mietpreis, ist noc h unklar. Und über den Mietpreis für die Flächen im Erdgeschoss, wo das Konzept der Bietergemeinschaft um Gero Hübenthal Gastronomie vorsieht, ist in der Öffentlichkeit bislang auch noch nichts bekannt geworden. Welchen Mietpreis könnte Gastwirt und Wirtschaftsjunior Christoph Imber („Erlebbar“) denn bezahlen?

Eija Tirkkonen am :

Ohne Wahlmöglichkeit soll die Entscheidung gegen die Gründerschmiede gefallen sein. Nur der Kaufpreis war maßgebend und dadurch die Chancen der Gründerschmiede gleich Null. Die Argumentation würde einleuchten, wenn nicht an anderer Stelle mit ganz anderem Maßstab gemessen wird. Bei städtischen Maßnahmen wie das marode Haus Cleff, Rathausanbau oder die Straßenbaumaßnahme Ebertplatz, die irreführend mit der Etikette städtebauliches Leuchtturmprojekt versehen wurde, fragt niemand nach der Sinnhaftigkeit der entstehenden Kosten. Auf der anderen Seite lässt die Stadt die Alleestraße in Endlosschleife von Gutachten dahinsiechen. Und jetzt die Gründerschmiede. Hinter der Entscheidung gegen die Gründerschmiede steckt natürlich der Unwille im gesellschaftlichen Bereich zu investieren, wo man mehrheitlich nicht die eigene Wählerschaft vermutet. In den Beiträgen zum "...auf hohem Ross" steckt der Wille zur Ausgrenzung. Ich kenne keine Stadt, in der die Gründerszene nicht von der Stadt tatkräftig unterstützt wird. Hier werden doch die neuen Arbeitsplätze geschaffen, wenn die alten durch Digitalisierung verloren gehen. In Remscheid kein Thema. Solches Schielen an Wirklichkeit vorbei kommt zu Stande, wenn das städtische Handeln ausschließlich der reinen Arithmetik der eigenen Wählerschichten folgt.

Michael Dickel am :

Liebe Eija Tirkkonen - nur allzu gerne würde ich Ihnen Recht geben. Aber der Vergleich hinkt. Würde die Stadt eins von den aufgezählten Objekten verkaufen, würden die gleichen Maßstäbe gelten. Ob diese Ausgaben sinnvoll, gut angelegt und unvermeidbar sind, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Christoph Humpert am :

Ich frage mich, weshalb die Gründerschmiede auf die klassische Finanzierung durch die Investorengruppe gesetzt und nicht ein Crowdfunding-Modell versucht hat. Christoph Imber ist ein großartiger Netzwerker. Ich denke, da wären einige Personen zustande gekommen, die Kapital zur Verfügung gestellt hätten, wenn es anders angeleiert worden wäre. Dies hätte auch den Druck auf den Rat erhöht. Es bleibt mir ein Rätsel. Unabhändig von der Entscheidung muss klar sein: Remscheid braucht schnell ein zeitgemäßes Gründerzentrum! Mir ist klar, dass die Gründerschmiede in die Innenstadt will und dieses Haus am Ebert-Platz perfekt war, um ein solches Konzept umzusetzen (bitter). Eine Alternative wäre jedoch, sich an eines der starken Remscheider Industriebetriebe anzuhängen. Vaillant steckt vermutlich massiv in der digitalen Transformation und ist möglicherweise bereit, den Gründern Arbeitsflächen unentgeltlich zur Verfügung zu stellen.

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